Cannes (1): Schöner Foltern
Ken Loach, der in Cannes schon einmal eine Goldene Palme gewonnen hat, ist mit seinem Film “Route Irish” in den Wettbewerb des diesjährigen Filmfestivals nachgerückt – gerade noch rechtzeitig fertig geworden, allerdings dann doch so spät, dass er in keinem Programmheft auftauchte. Es geht um einen britischen Söldner, der im Irak für einen Sicherheitsdienst gearbeitet hat und aufklären will, wie sein alter Freund, den er auch zu diesem Job überredet hat, dort umgekommen ist. Dabei bedient er sich dessen, was er gelernt hat – wenn einer nicht von allein sagt, was er weiß, muss man halt mit Gewalt nachhelfen. Ken Loach ist ein aufrechter Mann, und mal abgesehen davon, dass er dann im Film schon klarstellt, dass man mit Folter zwar Informationen bekommt, aber nicht notwendigerweise die richtigen, hatte er offensichtlich wenig Freude daran, eine solche Szene zu drehen. Waterboarding bei Loach sieht so aus: Der Gefangene bekommt einen Waschlappen übers Gesicht, und dann gießt man eine Tasse Wasser drüber.
Sowas gibt´s nur im Kino – der Gefangene, selbst Ex-Soldat und ein Riesenpaket von etwa zwei Metern Höhe und zwei Metern Breite, gibt schon nach der ersten Tasse auf und packt aus.
Nun ist es ja ganz rührend, wenn ein Filmemacher Berührungsängste mit Folterszenen hat, aber …
Nach der Vorführung, im Kino nebenan, kurz vor dem nächsten Wettbewerbsfilm, unterhielten sich zwei amerikanische Kollegen. Dieses Waterboarding, sagte der eine, ist doch wohl aber wirklich nicht so schlimm, sagte der eine. Der andere hatte immerhin Zweifel und sagte: Ich glaube, so wird das in Wirklichkeit auch nicht gemacht.
Fazit: Wenn man keine Folterszenen drehen möchte – dann sollte man es auch nicht tun.
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