12.04.10 | 13:33 | Kino | Kommentare 0 Kommentare

Couch ohne Casting

Im Guardian hat am Wochenende das feministische Enfant terrible Germaine Greer über einen Sommer mit Fellini geschrieben – unter besonderer Berücksichtigung der Affäre, die sie damals mit ihm hatte, dass sie ihn traf, weil er sie besetzen wollte, ist Nebensache. Das ist vielleicht mehr Information über Fellini, als man unbedingt haben möchte, aber sie muss das schon am Rande erwähnen, um über ihn schreiben zu können – die Story mit der Fledermaus funktioniert sonst nicht. Das schönste an Greers Geschichte aber ist die Episode zum Schluss – Fellini erklärt Greer, dass er im Studio vor den Toren Roms, der Cinecittà, Maisfelder nachbauen lässt, weil im Kino ein nachgebautes Maisfeld eben natürlicher aussieht als ein natürliches Maisfeld, und – weil in der Cinecittà so viele Leute arbeiten, die brauchen was zu tun. War 1975 wahrscheinlich ein ganz logischer Satz. Da hat die Cinecittà funktioniert wie das alte Studiosystem in Hollywood – eine Heerschaar von Arbeitern stand bereit, jeden Traum in aller Opulenz zu bebildern. Die Filme, die dabei herauskamen, waren grandios, es ergab gesellschaftspolitisch durchaus einen Sinn, und die Studiobesitzer des Golden Age waren ausgesprochen reich. Aber halt nicht annähernd so reich wie die Studiobesitzer von heute.

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