
Gestern Vernissage der Neo-Rauch-Ausstellung “Begleiter” in der Münchner Pinakothek der Moderne. Ein wahnsinniger Ansturm! Da haben sich bestimmt mehr als 2000 Menschen in den Räumen gedrängelt. Und immer wieder entfuhr ihnen vor den monumentalen Bildern des Leipziger Großkünstlers ein befriedigtes, beeindrucktes, abnickendes, den Künstler Neo Rauch wie auch den Kunstkenner in sich selbst bestätigendes “Ah ja!”.

Neo Rauch mit seiner Frau Rosa Loy bei der Eröffnung der Ausstellung (Foto: Alessandra Schellnegger / SZ Lokales - Alle anderen Fotos sind von mir)


“Begleiter” ist eine Werkschau zum 50. Geburtstag von Neo Rauch – eine Doppel-Retrospektive, verteilt auf zwei Ausstellungsorte: Leipzig und München. 120 Bilder sind zu sehen, 60 je hier und dort. Mehr dazu hier.
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Die Ausstellungseröffnung im Leipziger Museum der bildenden Künste war bereits am Sonntag. 1500 Gäste müssen es auch dort gewesen sein, und danach wurde gefeiert in Rauchs Atelier.
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Neo Rauch, Superstar der Leipziger Schule, ist ein Darling der internationalen Kunstszene und wird im Ausland – vor allem in Amerika – hoch gehandelt. Für seine Werke zahlen Kunstliebhaber Höchstpreise. Wie zu hören war, sind vulkanaschenwolkenbedingt etliche Sammler, die zur Ausstellungseröffnung anreisen wollten, auf der Strecke geblieben. Fiel in dem Massenandrang aber nicht weiter auf. Und es waren wahrlich noch genügend Cracks und Koryphäen da, die diese Vernissage zu einem Groß-Event machten.


Jeder Raum ist mit einem Schlagwort versehen: “Halt”, “Das Blaue”, “Das Unreine”, entnommen jeweils einem der darin ausgestellten Rauch-Gemälde.
Die Bilder selbst sind so rätselhaft wie gigantisch – und sie zogen mich trotz ihrer doch etwas postsozialistischen Anmutung und ihrer seltsamen surrealen Konkretion viel stärker in ihren Bann, als ich das vorab vermutet hatte.

"Das Blaue" (2006) - Ausschnitt
Das Erstaunliche an diesen Bildern ist – und das erschließt sich einem erst so richtig, wenn man vor ihnen steht: Sie sind Theater! Sie stellen tatsächlich Bühnen dar, auf denen (über)lebensgroße Figuren auftreten und hochdramatische Szenen stattfinden. Das ist alles sehr plastisch und drastisch und alptraumhaft … man steht davor und versucht diese Bilder als Geschichten zu lesen, als Dramen.

"Nexus", mein Lieblingsbild in der Ausstellung. Großes Theater!
Nach der offiziellen Ausstellungseröffnung in der Pinakothek der Moderne gab es gegenüber, in der Halle der Alten Pinakothek, noch einen Empfang im kleinen, ausgewählten Kreis (mit Sammlern, Sponsoren, Galeristen, Museumsdirektoren). Ich gehöre zwar nicht zur Kunstszene, wurde aber freundlicherweise von Gerd Harry Lybke von der Galerie Eigen+Art (Leipzig / Berlin) eingeladen, das ist Neo Rauchs Galerist und einer seiner Entdecker. Ich habe den sehr lustigen, geschäftigen und überaus kommunikativen Lybke, den alle Welt “Judy” nennt, vor kurzem nach einer Theaterpremiere in Hannover kennen gelernt, im dortigen Kunstverein. Es war an diesem Abend eine Ausstellung des Künstlers David Schnell eröffnet worden, und danach gab es im Kunstverein noch eine Party, bei der David Schnell selber Platten auflegte.

Neo Rauch (Mitte) beim Empfang in der Alten Pinakothek
Meine Fotos sind leider unscharf (und ich wollte auch nicht so viel herumknipsen), aber ich kann bezeugen: Neo Rauch sah ziemlich gut aus, auffallend rank und schlank, offenes weißes Hemd, dunkle Jeans, edles blaues Sakko (mit weißem Einstecktuch) und als Schuhwerk: exzentrische, silberglänzende, sehr spitze Schlangenlederstiefel. Die 50 sieht man diesem Mann nicht an. Jemand vermutete an diesem Abend sogar, Rauch habe “vielleicht was machen lassen” – oder warum sonst wirke sein Gesicht so “maskenhaft”? Stimmt schon, ein wenig masken- bzw. statuenhaft wirkt Neo Rauchs Gesicht tatsächlich, zumindest im Profil. Als sei er eine Figur aus seinen Bildern. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass er so tiefernst wirkt (und das wahrscheinlich auch ist). Ich habe ihn jedenfalls überhaupt nie lachen sehen.

Genau! So stelle ich mir Vernissagen vor! Hübsche Frauen, die auch was auf dem Kasten haben. In diesem Fall (von links): Corinna Wolfin (PR Galerie Eigen + Art), Sarah Melischko (PR Pinakothek der Moderne), Claudia Schwind (Prestel Verlag)

Ich weiß nicht mehr, wen ich da alles fotografiert habe, aber die charmante Brünette in der Mitte ist Maria Koehn, die den Katalog zur Ausstellung gemacht hat!

Der lustige Gerd Harry Lybke, genannt "Judy", Entdecker von Neo Rauch und mit seiner Galerie Eigen + Art einer der erfolgreichsten Galeristen Deutschlands

Der neue "Rolling Stone", ab Donnerstag am Kiosk, das Titelbild hat Neo Rauch gestaltet, und es gibt im Heft auch ein Interview mit ihm.

Neo Rauch, ins Gespräch vertieft mit einer Galeristin

Kunstkritikerin Eva Karcher mit dem Kurator Ulf Küster von der Fondation Beyeler

Der Künstler verabschiedet sich von einem amerikanischen Sammlerpaar, das es trotz Vulkanaschenwolke nach München geschafft hat.

Neo Rauch mit der Kunstkritikerin und SZ-Mitarbeiterin Eva Karcher. Sorry, da posiert der Künstler auf meine Bitte hin extra für ein Foto - und ich krieg´s nicht besser hin ... Mein Metier ist aber auch eher das Wort, möchte ich hier mal zur Entschuldigung sagen (komme mir mit der Kamera ohnehin immer ein wenig wie eine Paparazza vor ...).

Bernhart Schwenk von der Pinakothek der Moderne. Er ist der Kurator der Münchner Neo-Rauch-Ausstellung.

Und hier sehen wir Bernhart Schwenk, den Kurator der Ausstellung, noch einmal - mit einer Dame, deren Namen ich leider nicht erfragt habe. Sie soll, wie ich später hörte, Belgierin und auf allen wichtigen Vernissagen zugegen sein. Ich habe sie natürlich wegen ihres tollen exzentrischen Halsschmuckes fotografiert - der ist von dem belgischen Modedesigner Dries Van Noten.

Ich habe mich an diesem Tisch festgequatscht, daher: schon wieder Eva Karcher, diesmal mit Harald Spengler, den sie mir als einen der wichtigsten Sammler Münchens vorgestellt hat. Seiner Visitenkarte ist nicht zu entnehmen, was er sonst so macht. Er kommt aus Oberfranken wie ich (er: aus Erlangen), daher haben wir nur über Fränkisches geredet ...

Zum Abschied noch mal ein Foto mit dem "Eigen + Art"-Galeristen Gerd Harry Lybke (Mitte). Vor dem Sammler Ramon Luis Lugo aus Puerto Rico (dem Herrn im Rollstuhl mit dem Silberknauf-Stock) ist er buchstäblich in die Knie gegangen.