Frühling, ja du bist´s

Foto: ddp
Jetzt aber!!! Der Frühling hat nicht nur kalendarisch begonnen, sondern tatsächlich Einzug gehalten, was zuletzt ja kaum mehr zu erwarten war. Hier nun also, wie versprochen, mein Lieblings-Frühlingsgedicht, das eigentlich ein Frühling-geht-in-den-Sommer-geht-in-den-Herbst-Gedicht ist, weshalb es auch “Jahreszeiten” heißt (wobei es den Winter schlichtweg unterschlägt). Es ist von Karl Krolow. Ich liebe es schon seit langem und kann es auswendig — finde ja, dass jeder ein paar Gedichte auswendig können sollte …
Jahreszeiten
Jeder Frühling beginnt mit Übertreibungen.
Wie atemlos dieses Rascheln. Ein Farbstift
wird unruhig, und ein Staatsstreich kommt
aus der Luft, die Marseillaise
der Vögel – ein unwiderstehlicher Text.
Über Nacht kennt ihn jeder. Früher seufzte man,
man hatte mehr Zeit.
Heute ist alles rasch und endgültig grün.
Danach das ruhige Rauschen:
Der Sommer.
Vorbei die vertauschte Prinzessin / der bittere Faulbaum.
Das alles wurde bedichtet. Doch
nun schützt sich ein jeder, so gut er kann,
vor dem Durst.
Und der Traklsche Herbst
/ fängt an.
Karl Krolow
4 Kommentare »
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Das ist wirklich toll!
Ich werde gleich beginnen, auswendig zu lernen… Welche Gedichte können Sie denn noch aus dem Kopf?
Comment by Magnolie — März 24, 2010 @ 12:55 pm
Schönes Gedicht! Aber lass´uns noch etwas länger im Frühling verweilen… Auftrieb verspüren, neu zum Leben erwachen und wieder Kraft tanken, nach diesem langen langen Winter!
Comment by Steffi — März 29, 2010 @ 11:16 pm
Ja, liebes Schwesterherz, das wollen wir tun … (auch wenn mein Theaterkalender schon wieder bis zum Sommer voller Termine ist). Let´s spring into springtime!
Comment by Christine Dössel — März 31, 2010 @ 4:27 pm
Liebe Magnolie,
freut mich, dass Ihnen das Gedicht gefällt. Ist ja auch toll, wie das schon losgeht … Was ich sonst noch auswendig kann: “Reisen” von Gottfried Benn, “Sachliche Romanze” von Erich Kästner, “Heraklit” von Miriam Frances, “Der Kuss” von Wolfgang Borchert … und noch erin paar andere, bei denen ich aber immer ins Stocken komme (wie z.B. “dunkles zu sagen” von Bachmann, ein sehr sehr schönes Gedicht). Ich liebe auch die Lyrik von Brecht – und von Rilke natürlich.
Comment by Christine Dössel — April 4, 2010 @ 10:47 pm