19.02.10 | 14:14 | Kulinarik | Musikalitäten | Publikationen | Kommentare 0 Kommentare

Das neue “Max Joseph”: Pfui Teufel!

Huuuh …. sieht es heutzutage so aus, das Böse? Ja, an der Bayerischen Staatsoper schon …

Maxjoseph

… zumindest auf und in der neuen Ausgabe des hauseigenen Magazins “Max Joseph”, benannt nach dem Ort des Geschehens (die Staatsopern-Adresse lautet: Max-Joseph-Platz 2). Erinnert irgendwie an Heath Ledger, dieses Doppelheft-Monster – und es verbergen sich ja auch zwei richtige Joker dahinter: der ungarische Komponist und Dirigent Peter Eötvös (links) und der Münchner Dichter Albert Ostermaier. Am kommenden Montag, 22. Februar, feiert im Münchner Nationaltheater ihre Oper “Die Tragödie des Teufels” Uraufführung. Darin betritt der Teufel des 21. Jahrhunderts die Bühne, und man darf gespannt sein, welcher Gestalt er sein wird.

Albert Ostermaier ließ sich für sein Libretto von Imre Madáchs “Die Tragödie des Menschen” inspirieren, das ist so etwas wie der ungarische “Faust”. Peter Eötvös, der den Text vertont hat, zählt als Komponist und Dirigent zu den wichtigsten Musikern unserer Zeit.  Seine Bühnenwerke wie “Drei Schwestern”, “Angels in America” und jüngst “Love and other demons” werden weltweit erfolgreich aufgeführt. Den Ruhm merkt man diesem bescheiden auftretenden, freundlich zurückhaltenden Mann gar nicht an. Alle, die ihn kennen, loben ihn als einen unglaublich sympathischen, charmanten, kenntnisreichen und rhetorisch gewandten Künstler, der tatsächlich über Musik reden, Musik erklären, musikalische Vorgänge verständlich machen könne. Und den man, wie ein Kritikerkollege sagte, als Mensch einfach “liebhaben” müsse.

Ich habe bei der Präsentation des neuen Opernhefts leider nicht mit ihm gesprochen, sondern nur oben stehendes Foto gemacht, das jetzt mal aufgedeckt werden muss:

Eötvös-Ostermaier

Das neue “Max Joseph” – es ist die dritte Ausgabe unter der Chefredaktion der stilsicheren Anne Urbauer (vormals “Liebling”) – hat den Teufel gleich zum Titelhelden gemacht. Es sind satanische Hefte, “Pfui Teufel!” steht darauf – ironischer Kommentar zu den Geschmackssachen im Inneren. Etwa zu der Fotostrecke von Philipp Lachenmann, die in hochästhetischen Aufnahmen edel-, nein: ekel-kulinarische Schweinereien wie Kutteln, Kalbsfuß oder Lammhirn zeigt. Der Kinokritiker Georg Seeßlen schreibt über die Faszination des Satans im Film, und zehn Münchner sagen, wen oder was sie zum Teufel wünschen (zum Beispiel DJ Hell: “Vielfliegerei!” Oder Chris Dercon vom Haus der Kunst: “Flashmobs und Leute, die sich bei Massenveranstaltungen entmündigen lassen”). Und der Teufelsdichter Albert Ostermaier führt in dem Heft erstmals selber ein Interview: mit dem Torhelden Oliver Kahn, dem Ostermaier als Torwart der Autoren-Nationalmannschaft immer schon nachgeeifert hat. Sie sprechen über die Oper, über den Transfermarkt, über Helden und Dämonen. Und Andreas Mühe, Sohn des verstorbenen Schauspielers Ulrich Mühe, hat – wie ein heimlicher Beobachter aus dem Wald heraus – ein sehr schönes Foto von den beiden in dunklen Outdoor-Jacken am Ufer eines Kanals gemacht (neben einem Schild: “Vorsicht Lebensgefahr!”).

"Max Joseph"-Chefredakteurin Anne Urbauer

"Max Joseph"-Chefredakteurin Anne Urbauer

Es ist jedenfalls – wieder – ein sehr schönes Heft geworden, hochwertig in der Aufmachung, toller Look, stringentes Konzept, interessante Autoren (so schreibt zum Beispiel der Kulturwissenschaftler Robert Pfaller über “Das Gute am Schlechten”: Alles, was uns Freude mache und amüsiere, entstehe durch die feierliche Umwandlung von etwas Verwerflichem zu etwas Genüsslichem).

Vorgestellt wurde das Magazin gestern bei einem “Presse-Cocktail” im Münchner Hotel Louis, diesem wunderbaren neuen Stadthotel der Wirte Kull & Weinzierl mit Blick auf den Viktualienmarkt. Das dazugehörige japanische Restaurant Emiko (hervorragende Küche in drei Kategorien: japanische Haute Cuisine, Sushi/ Sashimi, Steaks) lieferte die Häppchen bei dem Empfang. Was soll ich sagen … köstlich!

Ja, ja, die Oper hat sich da nicht lumpen lassen. Und es gab auch schon eine Kostprobe aus der “Tragödie des Teufels”: Georg Nigl, Darsteller des Luzifers, sang “Luzifers Lied”. Darin heißt es:

“Ich habe einen Schnupfen/ Ich hab mich an der Welt erkältet / und ich träume mir die Welt in Kälte …”

"Ich habe einen Schnupfen": Georg Nigl singt im Hotel Louis schon mal "Luzifers Lied"

"Ich habe einen Schnupfen": Georg Nigl singt im Hotel Louis schon mal "Luzifers Lied"

Opernintendant Klaus Bachler (früher Direktor des Wiener Burgtheaters) scheint sehr stolz zu sein auf seine Teufelsoper und betonte, wie selten solche Uraufführungen – wirklich große Auftragswerke für neue Opern – im Bereich Musiktheater sind.

Opernintendant Klaus Bachler (links) mit Chris Dercon, der das Münchner Haus der Kunst leitet

Opernintendant Klaus Bachler (links) mit Chris Dercon, der das Münchner Haus der Kunst leitet

Die Spannung ist jedenfalls groß. Aber man weiß ja: Der Teufel steckt im Detail … und das sehen wir dann am Montag.

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