16.02.10 | 16:35 | Festivals | Kino | Kommentare 0 Kommentare

Berlinale (2): Das Kino lebt

Das Kino, wird gern behauptet, sei eine tote Kunst – einmal auf Film gebannt, verändert sich nichts mehr. Das stimmt nicht, man sieht Dinge mit immer neuen Augen. Zu meinen persönlichen Lieblingsterminen auf der diesjährigen Berlinale gehörte die Aufführung von “Mary Reilly” von Stephen Frears in der Retrospektive Play it again, in der Filme aus sechzig Jahren Berlinale laufen, ausgewählt vom Filmhistoriker David Thomson. Dass er sich auf “Mary Reilly” kapriziert hat, konnte nicht einmal Stephen Frears verstehen. Eine “Mary Reilly”-Szene, die mir beim Wiedersehen besonders gut gefallen hat: wie Mary Dr. Jekyll erzählt, wie ihr Vater ihr die Narben beigebracht hat, und Jekyll wissen will, warum sie ihren Vater nicht hasst. Das hat einem Kollegen, der “Mary”, wie so viele, in schlechter Erinnerung hat, schon als Erzählung gefallen. Es war damals einfach so: Vor 14 Jahren galt Julia Roberts als hübsche, schlechte Schauspielerin, und keiner hat verstanden, was Stephen Frears eingefallen ist, sie in so einer Rolle zu besetzen und dann auch noch ungeschminkt zu filmen – von heute aus betrachtet, muss man sagen: wie weise. Und die vorsichtigen Special Effects sind – hey, wir haben inzwischen alles Mögliche gesehen, von “Herr der Ringe” bis “Transformers!” – ungemein … diskret.

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