Kabarettreif: Hoferichter-Preis für Unterstöger und Pelzig
Preisverleihungen, das weiß jeder, können ganz schön öde sein. Wenn der Preis aber an einen Kabarettisten wie Erwin Pelzig geht und dazu auch noch an einen humoristischen Sprachlaboranten wie meinen verehrten SZ-Kollegen Hermann Unterstöger und beide diesen Preis aus den Händen des Münchner Oberkabarettisten Oberbürgermeisters Christian Ude entgegennehmen, welcher als Redekünstler wiederum abgelöst wird von dem ebenso stil- wie ironiesicheren Allerweltsbetrachter und Meisterkolumnenschreiber Axel Hacke – dann, liebe Leser, können Sie Gift darauf nehmen, dass es eine wunderbar charmante, geistreiche und hochkomische Angelegenheit ist! Soll heißen: Die gestrige Verleihung des Ernst-Hoferichter-Preises im Münchner Literaturhaus war absolut kabarettreif.
Der Münchner Ernst-Hoferichter-Preis wird seit 1975 jährlich an Autoren verliehen, die in ihrer Arbeit “Originalität mit Weltoffenheit und Humor” verbinden – insofern gehen die Preisträger Frank-Markus Barwasser (alias Erwin Pelzig) und Hermann Unterstöger (gewürdigt als “Meister der kleinen Form”) auf alle Fälle in Ordnung, auch wenn sie nicht unbedingt als Jungspunde mit diesem “Förderpreis” geehrt wurden. Unterstöger ist fast 67, Barwasser wird in diesem Jahr 50. Ude in seiner seitenhieb- und stichfesten Rede: “Der Hoferichter-Preis ist meistens nicht der erste Preis, den einer bekommt, aber oft der letzte.”

Der Münchner OB Christian Ude mit den Preisträgern Frank-Markus Barwasser (alias Erwin Pelzig) und Hermann Unterstöger. Foto: Stephan Rumpf
Während der Unterfranke Frank-Markus Barwasser mit seinen kabarettistischen Soloprogrammen, seiner TV-Show “Pelzig unterhält sich” und dem Film “Vorne ist verdammt weit weg” einem breiten Publikum bekannt ist – zumindest unter dem Namen seiner fränkischen Kunstfigur Erwin Pelzig -, tritt SZ-Redakteur Hermann Unterstöger kaum je öffentlich und als “Streiflicht”-Autor nicht einmal namentlich in Erscheinung. Was ganz gut zu seinem bescheidenen Naturell passt, welches Laudator Axel Hacke – dereinst Unterstögers Kollege bei der “Süddeutschen” und selber Träger des Ernst-Hoferichter-Preises – in anschaulichen Szenen höchst amüsant zu beschreiben wusste.
Etwa, als er darlegte, wie sich SZ-Redakteure an manchen ereignislosen Tagen verlegen und ratlos unter ihren Zeitungen wegducken und wichtigste Termine vorschützen, wenn es bei der Morgenkonferenz darum geht, das “Streiflicht” zu vergeben. Und wie sich dann, in der größten Not, leise der Hermann meldet, mit langsam sich rötenden Wangen: “Es gäbe da vielleicht ein Thema, ein wirkliches Thema ist es nicht, eigentlich nur ein Achtelthema, aber man könnte zur Not . . .” So ist der Sprachfiesler Unterstöger in seinen 25 Jahren bei der SZ nicht nur zum Altmeister, sondern auch zum Fackelträger und Retter des “Streiflichts” geworden. Und man muss froh sein, dass er nicht dem Rat seines Lehrers gefolgt ist, der ihm einst anempfahl: “Mensch, Unterstöger, werd´ Friseur, da kannst du auch Kopfarbeit leisten!”

Laudator Axel Hacke, selber ein Meister der kleinen Form. Foto: Stephan Rumpf
Unterstöger indes hat seinen Rückzug ins heimatliche Altötting schon eingefädelt und das Preisgeld dem Fliesenleger versprochen, der ihm das Bad verlegt. Im Ruhestand, so verriet er in seiner streiflichtwürdigen Dankesrede, werde er sich dann einem dreibändigen Langzeitstudienprojekt widmen. Titel: “Wenn Altötting das Herz Bayerns ist, was ist dann München?” Im Dunstkreis der berühmten Kapelle an seinem Alterswohnsitz wird Unterstöger dann vielleicht auch jene göttliche Gnade erfahren, die ihm ein frommes Altöttinger Großmütterchen einst absprach, als sie ihn fragte: “San Sie immer noch bei dem Kommunistenblattl?” (gemeint war die SZ), und als Unterstöger diese seine Tätigkeit nicht leugnete, richtete die Alte den Finger gen Himmel mit den Worten: “Jeder muss sich amol verantworten – dort drobn!” So viel zum (niederbayerischen) Background des stets so ab- und tiefgründig ausgeschrittenen Spannungsfeldes “Gott und die Welt” in Unterstögers Texten.
Die Laudatio auf den Preisträger Pelzig hielt die Kritikerin Beate Kayser, die ehemalige Feuilletonchefin der Münchner “tz”. Von Pelzigs Spießeroutfit mit Cordhut und Herrenhandtasche auf Barwassers “blitzschnelles Switching” kommend, porträtierte sie den fränkischen Kabarettisten als gespaltene Künstlerpersönlichkeit von hohem Unterhaltungs-, Erkenntnis- und Überraschungswert: Er stelle seinen Gästen jene Fragen, “die der Zuschauer sich selbst zu stellen nie getraut hätte”, und er kitzle Seiten heraus, “die keiner vermutet hätte” – aber, so Frau Kayser: “nie mit diesen Bratwurstthemen”.

Pelzig erregt sich. Foto: Rumpf
Der solcherart Gelobte zeigte zum Dank den Wolf im Schaf-Pelzig, indem er sich immer mehr in Rage redete, bis er von den Themen Preisgeld, München und Gerechtigkeit auf verarmte Milliardäre, die fehlende Protestkultur in Deutschland und auf Westerwelles FDP kam: Er wolle ja nicht sagen, dass die FDP käuflich sei, “aber man kann sie mieten”. Pelzig ist dagegen unbezahlbar.
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