19.01.10 | 14:51 | Geht gar nicht | Kino | Kommentare 5 Kommentare

Mann trägt wieder Bart

Glückwunsch übrigens noch an Christoph Waltz! Dass der österreichische Schauspieler für seine SS-Rolle in Quentin Tarantinos “Inglourious Basterds” einen Golden Globe als bester Nebendarsteller bekam, ist natürlich eine feine Sache. Er hat sich bei der Preisverleihung ja auch gefreut wie ein Schneekönig und seine Dankesworte in bestem Englisch platziert. Aber – hilfe! – wie sah er denn dabei aus?! Woher plötzlich dieses Stoppelkinn?

Foto: afp

Waltz bei den Golden Globe Awards Foto: afp

Okay, es kann zwar sein, dass dieses Gesichtsgestrüpp keiner Geschmacksverirrung, sondern Waltz´ nächster Rolle geschuldet ist: In David Cronenbergs Verfilmung von Christopher Hamptons Theaterstück “The Talking Cure” wird er als Sigmund Freud vor der Kamera stehen. Aber grundsätzlich ist Waltz´ Kinnbehaarung ja wohl der augenfälligste Beweis dafür, dass sich der Schauspieler bereits bestens in Hollywood akklimatisiert hat. Das Role Model, dem er ganz offensichtlich nacheifert, ist kein Geringerer als George “Stachelbart” Clooney:

Clooney bei den Golden Globe Awards   Foto: AP

Clooney bei den Golden Globe Awards Foto: AP

Ohnehin war es die Siegernacht der graumelierten Stoppelträger. Auch Jeff Bridges, ausgezeichnet als bester männlicher Bartträger Hauptdarsteller für seine Rolle in “Crazy Heart”, konnte mit einem stattlichen – im Vergleich mit den anderen ziemlich stylishen – Exemplar aufwarten:

Jeff Bridges bei den Golden Globe Awards  Foto: AP

Jeff Bridges bei den Golden Globe Awards Foto: afp

All diese Barttrachten sind natürlich nur ein Gestoppel gegen den nachgerade göttlichen Rauschebart von Preisträger Michael Haneke (“Das weiße Band”), auch er ein Ösi wie Waltz – inzwischen fast schon mit der Anmutung eines alpenländischen Öhis:

Michael Haneke bei den Golden Globe Awards  Foto: afp

Michael Haneke bei den Golden Globe Awards Foto: afp

Und in Deutschland? Da versucht Harald Schmidt ja schon seit längerem, den Trend durchzusetzen. Bislang, gottlob, ohne größeren Erfolg. Woran´s wohl liegen mag?

Auch Harald Schmidt progagiert das Stoppelkinn.   Foto: ddp

Auch Harald Schmidt progagiert das Stoppelkinn. Foto: ddp

Ausgerecht Harald Schmidt war es, der 2005 in seiner “Focus”-Kolumne mit der Forderung “Bart ab!” gegen den damaligen Superstar der SPD Matthias Platzeck zu Felde zog: “Das mehrfach melierte Kurzgestrüpp in der unteren Gesichtshälfte von Matthias Platzeck geht gar nicht!”, schrieb Schmidt und schlug vor, Steinbrück solle da mal “mit dem Rasenmäher drübergehen”.

Schmidt weiter, in aller satirischen Glätte: “Wer Deutschland in die Zukunft führen will, sollte optisch unterscheidbar sein von einem Lyriker aus dem Kosovo, den die politischen Verhältnisse zum Gewerkschaftsidol gemacht haben. Ist wichtig, ehrlich, in unserer Mediengesellschaft.” Ja ja … aber was kümmert einen Spaßbartisanen schon seine Rasur von gestern.

5 Kommentare »

  1. Bei mir sprießt’s auch gerade, I’m sorry. Ich will das einfach mal sehen, hab’ noch nie einen gehabt. Der Bartträger-Trend ist allerdings voll an mir vorübergegangen. Meine Motivation ist eher so küchenpsychologisch “sich neu definieren wollen”, und da fällt einem dann nix besseres ein als eine neue Visage. Oberflächlich. Ob das bei den Promi-Bartträgern auch mitspielt? Frauen lassen sich in Ermangelung von Gesichtsbehaarung dann eben operieren…

    Comment by Fritz Feger — Januar 20, 2010 @ 10:39 am

  2. Sehr interessant, dieses männerküchenpsychologische Bekenntnis. Männer sollen ja mit Bart sympathischer, gebildeter und attraktiver wirken – verkündet zumindest das (in diesen Dingen sicherlich nicht neutrale) Fachblatt “Men´s Health”. Ich persönlich hab ja immer gedacht, Männer wollen mit ihrer Gesichtsbehaarung die meist unausweichliche Glatzenbildung kompensieren. Wenn Frauen sich “neu definieren wollen”, was einigermaßen häufig vorkommt, gehen sie übrigens erst mal zum Friseur und anschließend in einen Schuhladen.

    Comment by Christine Dössel — Januar 21, 2010 @ 12:15 am

  3. Mannomannn….

    Immer wieder versuche ich das alternde Kindergesicht mit 3-16-Tagebart abzutarnen – aber der bilateral-sexapeale “Erfolg” steht dabei im krassen Widerspruch zum widerlichen Juckreiz, die Rasur gleicht dann einer Katharsis.
    Was da (s.o.) zu sehen ist, grenzt an Selbstverstümmelung im facialen Vorgarten.

    Comment by Tobias Albrecht — Januar 22, 2010 @ 11:31 pm

  4. Yep. Widerlicher Juckreiz. Milchgesichtskaschierung. Versuch, sympathischer, gebildeter und attraktiver zu wirken. Nein, das stimmt nicht. Nicht erst mal sympathisch gefunden zu werden gehört nicht zu meinen zahlreichen Problemen. Gebildeter aussehen, da wäre eine Brille vor dem Bart dran. Attraktiver… tja, da hätte mir für den Bart (außer Martin, der ollen Bühnentranse, aber das ist was anderes) mal jemand ein Kompliment machen müssen.

    Mein Sohn hat eben zu mir gesagt, wenn ich das nicht abschnitte, dürfe ich ihn nie wieder in den Arm nehmen. Das reicht dann wohl… Morgen wird das Mähwerk angeworfen.

    Comment by Fritz Feger — Januar 26, 2010 @ 10:22 pm

  5. Hier noch eine weitere These: es ist weder Eitelkeit noch ein Trendverhalten, das den Mann dazu bringt, Bart zu tragen, sondern die blanke Faulheit der allmorgendlichen Rasur!

    Comment by C. Osenberg — Februar 2, 2010 @ 1:18 pm

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