28.12.09 | 12:17 | Fernsehkultur | Musikalitäten | Nicht verpassen | Kommentare 10 Kommentare

Die schönste Oper aller Zeiten

Persönliche Bestenlisten anzulegen, macht Spaß und durchaus auch Sinn, wie wir nicht erst seit Nick Hornbys Roman “High Fidelity” wissen. Egal, ob man seine „Top Five in Brüche gegangener Beziehungen“ festlegt, wie Hornbys Romanheld Rob Gordon, oder sich in leidenschaftlicher Selbstbefragung zu zehn Lieblingfilmen oder Lebensbüchern durchringt – es verlangt Entscheidungsfreude und Bekennertum, man muss Prioritäten setzen, und das schafft Ordnung im Herzen und im Hirn. Es kann natürlich auch in einen ultimativen Chartshow-Wahnsinn ausarten (“Die erfolgreichsten Cover-Songs/ Rock Classics/ Casting-Stars/ Grand-Prix-Songs/ Après-Ski-Hits/ Rock-Pop-Christmas-Songs etc. … aller Zeiten”), wie ihn etwa RTL seit Jahren in endlosschleifender Fortsetzungsbeliebigkeit betreibt.

Jetzt hat auch das Kulturfernsehen das Prinzip Hitparade entdeckt. Nachdem bereits ARTE 2008 den größten Dramatiker aller Zeiten wählen ließ (die Wahl fiel selbstverständlich auf Mister Shakespeare), zeigt 3sat im Verbund mit dem ZDFtheaterkanal “Die schönsten Opern aller Zeiten” – mit dem Ziel, die allerschönste zu küren. Es sei, so loben sich die Sender, “ein Schwerpunkt zum Thema Opern, wie es ihn in dieser Dichte und Qualität im Fernsehen noch nie gegeben hat”.

Zehn Opern, die in einer Vorauswahl per Zuschauerabstimmung ermittelt wurden, stehen zur Auswahl, als da wären:

Die zehn Werke werden zur Zeit auf 3sat, dem ZDFtheaterkanal und auf dem Kabelmusiksender Classica in verschiedenen Inszenierungen ausgestrahlt, davor gibt es jeweils eine Dokumentation zur Einführung in die entsprechende Oper. Bildungsfernsehen par excellence.

Wagners “Lohengrin” in der Inszenierung von Richard Jones an der Bayerischen Staatsoper machte am Samstag den Anfang, gefolgt von der Strauss-Oper “Der Rosenkavalier” am gestrigen Sonntag. Heute geht es weiter mit Beethovens “Fidelio” in einer Inszenierung von Pierluigi Pier’Alli (Valencia 2006). Musikalische Leitung: Zubin Mehta. Mit Peter Seiffert, Waltraud Meier, Matti Salminen. Erstausstrahlung auf 3sat um 20.15 Uhr.  Die Einführung beginnt um 19.20 Uhr.

Hier noch ein schneller Programmüberblick über die nächsten Operntermine auf 3sat:

Di, 29. 12.: Puccini “Tosca”

Mi, 30.12.: Verdi “Aida”

Fr, 01.01.: Mozart “Don Giovanni” (es handelt sich um Martin Kusejs Inszenierung bei den Salzburger Festspielen 2006, mit Thomas Hampson und Christine Schäfer)

Sa, 02.01.: Puccini “La Bohème” (Robert Dornhelms empfehlenswerte Opernverfilmung mit Anna Netrebko und Rolando Villazón, hab ich neulich erst im TV gesehen)

So, 03.01.: Mozart “Die Zauberflöte”

Mo, 04.01.: Bizet “Carmen”

Di, 05.01.: Verdi “La Traviata” (Willy Deckers gerühmte Inszenierung für die Salzburger Festspiele 2005 – mit dem Operntraumpaar Netrebko und Villazón)

Die “schönste Oper aller Zeiten” wird in einer großen Finalshow am Samstag, den 9. Januar um 20.15 Uhr live in 3sat
ermittelt (Wiederholung am 10. Januar, 19.40 Uhr im ZDFtheaterkanal).  Abstimmen können Sie hier, wenn Sie auf das rote “Voting”-Fenster klicken.

Fragt sich nur, wie das Kritierium “schön” zu handhaben ist. Was macht eine Oper zur “schönsten”? Wenn sie, wie bei Mozart, viele Noten und einen märchenhaften Zauber oder wenn sie, wie bei Verdi, ein trauriges Frauenschicksal zum Thema (und am besten noch die Netrebko in der weiblichen Hauptrolle) hat? Zählen die Tränen, die man dabei unterdrückt oder die Arien zum Mitsummen? Ich will damit sagen: “Schön” ist als Wettbewerbs-Kriterium natürlich ein Quatsch, wir sind hier schließlich nicht bei einer Miss-Wahl. Es kann bei diesem Opern-Ranking allenfalls um Beliebtheit gehen.

Daher mein Tipp: Mozarts “Zauberflöte” wird das Rennen machen – vor Verdis “La Traviata”. Gemäß der Statistik des Deutschen Bühnenvereins war “Die Zauberflöte” im vergangenen Jahrzehnt die meistgespielte Oper in Deutschland und auch weltweit steht sie ganz oben auf der Beliebtheitsskala.

10 Kommentare »

  1. Ich habe den “Wettstreit” als Opern-
    liebhaber mit großem Interesse ver-
    folgt und mein Schlussvotum schon ab-
    gegeben.
    Schade nur, dass die Tonqualität auf
    3sat hinter der des zdf-Theaterkanals
    zurücksteht (kein Stero, kein Dolby)

    Freundliche Grüße
    Wolfram Ander

    Comment by Wolfram Ander — Dezember 30, 2009 @ 5:45 pm

  2. Und? Wie lautet denn Ihr Votum, wenn ich neugierigerweise fragen darf?

    Comment by Christine Dössel — Dezember 30, 2009 @ 11:17 pm

  3. Ein grossartiges Projekt. Danke an die zuständigen Redakteure von ZDF und Teaterkanal.Opernfreunde können nicht genug davon bekommen und geniessen jede Inszenierung dieses breiten Spektrums.

    Comment by Constanze Völz — Januar 2, 2010 @ 9:43 am

  4. Ein ziemlich kleines Zeitfenster, in dem die zur Wahl stehenden Opern entstanden sind… nichts vor Mozart und nur eine (und die nur so eben) mit weniger als 100 Jahren auf dem Buckel. Das Genre scheint ja ausgeforscht zu sein.

    Habe eben von Nick Hornby “How to Be Good” durch, und “High Fidelity” ist in der Pipeline.

    Schönes neues Jahr! Viele Grüße von: Fritz

    Comment by Fritz Feger — Januar 2, 2010 @ 9:58 pm

  5. Die schönste Oper aller Zeiten ist Mascagnis Parisina. Das iat aber rein objektiv.

    Comment by stefan böck — Januar 3, 2010 @ 6:08 pm

  6. Willkommene, begrüßenswerte Abwechslung zum sonstigen Festtagsprogramm. Weiter so!
    Zubin Mehta nannte in der heutigen
    Doumentation Figaro, Fidelio und Carmen.
    Da die Inszenierungen sehr unterschiedlich vom Alter her sind und damit auch die Tonqualität ist die Frage schwierig, wer ist die schönste! Ein Lohengrin life mit
    Jonas Kaufmann, schlägt natürlich locker eine Ewing als Carmen in einer uralt Inszenierung mit mäßiger Tonqualität.
    Bei der Sendereihe bin ich bei
    La Bohème.

    Comment by Heinz Lehner — Januar 4, 2010 @ 10:24 pm

  7. Da ich heute mal wieder in “Pretty Woman” reingeschaut habe: Es ist ja letzlich der Opernbesuch, der die Prostituierte als kunstempfängliche, damit kultivierte und nicht zuletzt der Bürgerlichkeit fähige Frau ausweist. Richard Gere führt Julia Roberts in die Oper – es handelt sich selbstverständlich um “La Traviata” – und beobachtet ihre Reaktionen, nicht ohne vorher gesagt zu haben: “Leute die zum ersten Mal in der Oper sind, reagieren oft sehr überraschend. Entweder mögen sie die Oper, oder sie hassen sie. Wenn sie die Oper lieben, dann ist es für immer. Die anderen – tun mir leid. Denn die Musik wird nie ein Teil ihrer Sinne werden.” Und wie reagiert Vivian alias Julia Roberts? Natürlich hingebungsvoll, angerührt, mit von Tränen glänzenden Augen. Bingo! Ich nenne das den Operntest (analog zu Charles Laughtons “Monokeltest” in Billy Wilders “Zeugin der Anklage”). Diese Art der kulturellen Initiation wird erst am Ende der Szene komisch gebrochen. Auf die Frage einer alten Dame, wie ihr die Oper gefallen habe, antwortet Julia Roberts: “Einfach toll! Ich hab mir fast in die Hose gepinkelt.” Voilà!

    Comment by Christine Dössel — Januar 4, 2010 @ 10:59 pm

  8. Vielen Dank für diesen Ohrenschmaus in der dunkelsten Zeit des Jahres! Eine Oper als “schönste” zu küren, halte ich allerdings für sehr problematisch, da Inszenierungen von altmodisch und steif bis topaktuell einfach nicht vergleichbar sind. Und so herabwürdigende Ausrutscher wie Monostratos als Menschenaffen und die lächerliche “Feuereinweihung” in der Zauberflöte machen für mich den Zuschlag für diese schöne Mozart-Oper unmöglich! Obwohl ich die Inszenierung und die Sänger im “Rosenkavalier” wundervoll fand und Jonas Kaufmann als “Lohengrin” einzigartig, wird meine Wahl doch auf “La Traviata” fallen, denn in einem modernen Bühnenbild Anna Netrebko und Rolando Villazon sängerisch und schauspielerisch gemeinsam zu erleben, ist ein absolutes Highlight und verleiht der Oper neue Dimensionen!

    Comment by C. Alber-Klein — Januar 7, 2010 @ 11:28 pm

  9. mein Favorit: FIDELIO

    als Dresdnerin bin ich vom Freiheitsgedanken beseelt. und da die Freiheit nicht von allein kommt, muß der Mensch etwas dafür tun. ich selbst bin auch eine kämpferische Natur, kann also Leonore gut verstehen.

    Comment by Koci Gerda — Januar 9, 2010 @ 9:06 pm

  10. Also meine (schönsten?) beliebtesten Opern “La Wally” und “Loreley” von Alfredo Catalani waren leider nicht bei der Auswahl!
    Mich würde mal interessieren, wer da überhaupt gewählt hat und wie die Altersverteilung ausschlaggebend war.
    Dann erklärt sich vielleicht das Ergebnis.

    Comment by David Frey — Januar 26, 2010 @ 2:18 am

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