Online reanimiert
Ist einem das Kino in den Achtzigern mit der Filmzeitschrift Premiere ans Herz gewachsen, dann betrauert man ihr Verschwinden – ist schon einige Jahre her – immer noch. In Deutschland läuft die Auseinandersetzung mit dem Kino traditionsgemäß anders. Ein Filmmagazin, das die Filmindustrie als Industrie erkennt und trotzdem dem Autorenfilm huldigt, eines, das witzig ist und sinnlich und trotzdem nicht blöd, das sich ohne Bedauern darüber im Klaren ist, dass die Zuschauer Brad Pitt lieben, aber nicht notwendigerweise für seine Schauspielkunst, eines, das irgendwie elegant einen Balanceakt hinbekommt zwischen klug und glamourös – das hat es hier nie gegeben. Premiere war so, mit wunderbaren Essays und Reportagen (Peter Biskind, der Autor von Easy Riders, Raging Bulls gehörte zu den Stammautoren) – seufz. Der Versuch, online weiterzumachen, scheiterte. Und dann gab es da noch – Movieline. War nicht ganz so grandios wie die Premiere, aber ziemlich witzig und manchmal ein bisschen bösartig. Wurde aufgekauft, in ein Klatschmagazin umgemodelt und dann in diesem Jahr eingestellt. Aber hier gibt es jetzt auch einen hoffnungsvollen Versuch, im Netz an alte Zeiten anzuknüpfen. Die Überschrift “He Killed Da Rabbit” über der Meldung, dass Steven Spielberg sein Remake vom Jimmy-Stewart-Hasenfilm “Harvey” gekippt hat, klingt doch zumindest vielversprechend.
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