27.11.09 | 18:02 | Dies & das | Kommentare 0 Kommentare

Oberammergau (1): Jesus in Amerika

Da sage noch einer, die Amerikaner hätten von Tuten und Blasen keine Ahnung! Als Jesus und Maria Magdalena neulich in Los Angeles ankamen, sagte der Zollbeamte mit Blick auf ihren Pass: “Oh, you are from Oberammergau where the passion play is from!” Sapperlot.

Ja, doch: Die Oberammergauer Passionsspiele sind weltbekannt, vor allem in Amerika. Bei der letzten Vorstellungsserie des alle zehn Jahre stattfindenden Laientheaters im Jahr 2000 kam mehr als die Hälfte der 500 000 Besucher aus englischsprachigen Ländern: aus Großbritannien, Südafrika – und eben aus den USA.  Für die kommenden Passionsspiele im Mai 2010 lief der Vorverkauf allerdings etwas schleppend (die Weltwirtschaftskrise!), weshalb sich Jesus und Maria Magdalena – als da wären: Frederik Mayet und Eva-Maria Reiser – Ende Oktober auf Promotiontour nach Kalifornien begaben. In drei Tagen gaben sie sieben bis acht Interviews, danach noch mal drei in Toronto, wo sie sogar der Chefkritiker des “Toronto Star” zum Gespräch bat – das ist immerhin die SZ von Kanada.

Gleich nach ihrer Ankunft in L.A. waren sie Gast in der TV-Show “First to know” des weltweit größten religiösen Fernsehsenders Trinity Broadcast Network (TBN). Moderator Paul Crouch jun. befragte die beiden bayerischen Laienspieler eine halbe Stunde lang zu Glaubensdingen und zur Tradition und Geschichte der Passionsspiele. “Nicht die leichteste Übung”, sagt Jesus-Darsteller Mayet, “solche Fragen sind ja nicht mal im Deutschen leicht zu beantworten.”

Oberammergau-Talk in der US-Show "First to know" auf TBN: Jesus (Frederick Mayet, in der Mitte) und Maria Magdalena (Eva-Maria Reiser) stehen Moderator Paul Crouch in L.A. Rede und Antwort.

Oberammergau-Talk in der US-Show "First to know" auf TBN: Jesus (Frederik Mayet, in der Mitte) und Maria Magdalena (Eva-Maria Reiser) stehen Moderator Paul Crouch in L.A. Rede und Antwort.

Die Oberammergauer Passionsspiele werden seit 1634 alle zehn Jahre aufgeführt (es gab nur wenige zeitbedingte Unterbrechungen). Das religiöse Laientheater geht auf ein Gelübde im Jahr 1633 zurück: Damals wütete die Pest in dem oberbayerischen Ort am Fuß des Kofels, und die Bewohner gelobten hoch und heilig, das Leiden und Sterben Christi aufzuführen, falls die verheerende Seuche endlich vorübergehe. Bis heute halten sich die Oberammergauer an den Schwur – und fast der ganze Ort macht mit. Man kann die Mitspieler schon jetzt an ihren langen Haaren und Bärten erkennen, an welche sie bis zur Passion im nächsten Jahr keinen Friseur ranlassen.

Und woher kommt nun eigentlich dieses amerikanische Interesse an Oberammergau? Der neue Jesus Frederik Mayet weiß bescheid, er ist schließlich nicht nur der Pressesprecher des Münchner Volkstheaters, sondern auch der Sprecher der Passionsspiele 2010. Er erzählt, dass Thomas Cook, seines Zeichens der Erfinder des Massentourismus, schon 1880 in Oberammergau weilte und dann für die Passionsspiele 1890 viele Königshäuser eingeladen hat. Im Jahr 1900 sind dann die Oberammergauer Laienspieler selber aktiv geworden und mit dem Schiff nach Amerika gereist: um dort ihr Theaterspiel und die berühmten Holzschnitzereien des Ortes vorzustellen. Es war dies die erste Oberammergauer US-Promo-Tour. Sehr innovativ für die damalige Zeit. Und mit einschlagendem Erfolg: Amerikanische Persönlichkeiten wie Henry Ford oder Präsident Eisenhower waren in Oberammergau zu Gast – und machten die Passion in den USA entsprechend bekannt.

Morgen, am Samstag, gehen sie los, die Proben für die 41. Passionsspiele, das professionellste Laientheater der Welt. Regie führt, schon zum dritten Mal, Christian Stückl, der Intendant des Münchner Volkstheaters. Dieses Blog bleibt dran!

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URL

Hinterlasse einen Kommentar