Oberammergau (2): Hängeprobe
Morgen gehen also, wie bereits kundgetan, die Proben zu den Oberammergauer Passionsspielen 2010 los. Zur ersten großen Leseprobe mit Regisseur Christian Stückl erscheinen: die 21 Hauptdarsteller, dazu die 21 Zweitbesetzungen (Hauptrollen wie Jesus, Maria, Kaiphas oder Pontius Pilatus sind doppelt besetzt) plus 120 Nebendarsteller. Alles gebürtige Oberammergauer – das ist ehernes Gesetz!
Die erste “Hängeprobe” war aber schon und soll von einem kulturellen Blog wie diesem nicht vernachlässigt werden. Frederik Mayet, gemeinsam mit Andreas Richter der neue Jesus (und auch schon entsprechend langhaarig), wurde bereits genagelt und gut aufgestellt:

Herr Mayet, wie hängt es sich denn so am Kreuz? – “Am schlimmsten ist dieses Ausgestelltsein. Wenn du halbnackt dort oben hängst, ahnst du, was für eine fürchterliche und entwürdigende Todesart das ist.” – Keine Schmerzen? – “Na ja, es waren nur fünf Minuten. Trotzdem total anstrengend. Man spürt es in den Armen und Schultern. In der fertigen Inszenierung muss ich 20 Minuten da oben hängen!” – Wie hält man sich da eigentlich? – “Man ist gesichert durch einen Bergsteigergurt unterm Lendenschurz. Unter den Füßen hat man so kleine Plättchen, und die Handgelenke stecken in Halterungen aus halb gebogenen Nägeln.” – Iiiieeeh, weicht einem da nicht das Blut aus den Armen? – “Jesus-Erfahrene raten, man soll die Finger leicht bewegen, dann ist es besser.”
Na, das wird noch ein ziemlicher Kreuzweg werden bis zur Premiere am 15. Mai. Frederik Mayet, hauptberuflich Pressesprecher des Münchner Volkstheaters, wird bis dahin 30 Jahre alt sein und damit das Todesalter von Jesus um drei Jahre unterschreiten. Bei der letzten Passion im Jahr 2000 war er auch schon dabei: Als Jesu Lieblingsjünger Johannes sah er das Kreuz damals allerdings nur von unten.
Herr Mayet, wie wird man eigentlich Jesus? – “Man muss Christian Stückl beim Casting vorsprechen, weiß dabei aber nicht, um welche Rolle es geht. Wenn Christian entschieden hat, muss der Gemeinderat die Besetzung erst noch beschließen.” – Gratulation zur Hauptrolle! Wie war Ihre erste Reaktion? – “Am Anfang dachte ich nur: Oh Gott!”


















