10 Jahre Suchers Leidenschaften

Sucher ist der mit der roten Hose
Früher war er selber Kritiker und als solcher mein Theaterchef bei der “Süddeutschen Zeitung”: C. Bernd Sucher, lange Jahre Redakteur im Feuilleton der SZ, inzwischen desertiert und als Vortragskünstler auf die andere Seite gewechselt: von der fünften Reihe Parkett auf die Bühne. “Ich bin angekommen”, kommentiert er den Übersprung. Mit seiner Reihe “Suchers Leidenschaften” zieht er seit zehn Jahren durch die Lande, tritt an Theatern in München, Hamburg, Wien und Weimar auf und vermarktet das Ganze in Form von Büchern und CDs.
Wer Sucher kennt, weiß: Dieser Mann hat viele Leidenschaften. Frankreich zum Beispiel, kulinarische Abende mit illustren Gästen oder schrille Sakkos von Comme des Garçons. Nicht zu vergessen seine Vorliebe für rote Hosen und schmutzige Witze. Bei “Suchers Leidenschaften” spielt das zwar auch mit rein, aber vornehmlich geht es um Literatur. Das Konzept ist so einfach wie effektiv: Sucher hält einen Vortrag über einen Dichter/eine Dichterin seiner Wahl – er tut das nicht literaturwissenschaftlich-professoral, sondern sehr unterhaltsam und leidenschaftlich-subjektiv. Dazu sitzen Schauspieler auf der Bühne – und zwar nicht die schlechtesten - und lesen an den entsprechenden Stellen sozusagen die O-Töne ein: Zitate aus Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Stücken. Wobei Suchers Hauptleidenschaft immer den Liebes- und Bettgeschichten und damit auch, wie er das nennt, den “Ferkeleien” gilt.
Bei der Gala “10 Jahre Suchers Leidenschaften” im Münchner Prinzregententheater ging es um das (Liebes-)Werk so unterschiedlich enthemmter Literaten wie Thomas Mann, Gertrude Stein, Franz Kafka, Oscar Wilde oder Simone de Beauvoir – eine Reader´s Digest-Version vergangener Leidenschaften. Zwischendurch gab es Szenen aus Bernsteins “West Side Story”, aufgeführt von Musical-Studenten der Bayerischen Theaterakademie. Bisschen lang. Aber sehr nett. Als Lese-Assistenten an Bistrotischchen fungierte eine ganze Riege namhafter Schauspielkünstler: Hildegard Schmahl von den Münchner Kammerspielen, Sunnyi Melles, Stefan Hunstein und Thomas Loibl vom Bayerischen Staatsschauspiel, Elisabeth Augustin und Markus Meyer vom Burgtheater Wien – und nicht zuletzt Angela Winkler und Otto Sander, die aus Berlin angereist kamen. Früher, sagte Sander hinterher auf der Raucherterrasse, habe der Sucher ihn ja oft verrissen – aber was verzeihe man nicht alles aus Leidenschaft für die Sache (seine Sache war es an diesem Abend, Textbeispiele von Arthur Miller zu lesen, was er einigermaßen fahrig tat).
Und weil es nun mal Bernd Suchers Lieblingslied aus der “West Side Story” ist, gibt´s hier zum Grande Finale den Song “Tonight”:
http://www.youtube.com/watch?v=jfxGoq8MkYA
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Ich habe die Sendung im Bayer. Fernsehen über Hermann Hesse (im Schlachthof) verfolgt. Ich bin selbst Rezitatorin und kann mich nur wundern, dass ein solcher Beitrag im Fernsehen – allerdings zu später Stunde – gesendet wird.
Wenn diese Veranstaltung unter “Suchers Leidenschaften” läuft, frage ich mich, wie der Moderator dermaßen langweilig auftreten kann. Seine beiden einzigen Gesten waren: Die Beine mal zu verschränken und die Blätter des Manuskripts zurechtzurücken. Seine Ausstrahlung war hölzern, statisch und zuweilen maniriert. Auch seine beiden Rezitatoren – Frau Gropper und vor allem (leider auch) Rolf Boysen – hatten Null-Ausstrahlung. Wie kann ein so guter und bekannter Schauspieler so emotionslos vortragen, noch dazu mit einer beinahe abweisenden Körperhaltung: die Hände unter’m Tisch auf die Oberschenkel gestützt. Das ist einfach ignorant,
finde ich.
Der Inhalt des Vortrages wäre zwar informativ gewesen, allerdings gab es offensichtlich auch vom Publikum keinerlei feedback. So wurde die Sendung dem Werk Hermann Hesses nicht im geringsten gerecht.
Schade!
Helga Greier
Comment by Helga Greier — April 19, 2011 @ 8:20 am