Drei Schwestern suchen einen Regisseur

Sunnyi Melles, Hildegard Schmahl, Angela Winkler
Sunnyi Melles, Hildegard Schmahl, Angela Winkler: drei großartige, immerschöne, sehr besondere Schauspielerinnen, die man schon deshalb nie so vergnüglich Seit an Seit sieht, weil sie sich selber so selten sehen. Sie haben noch nie miteinander in einem Stück gespielt, schätzen sich aber sehr und würden, wie sie sagen, ja schon gerne mal … Auf diesem Foto empfehlen sie sich als Tschechows “Drei Schwestern”. Was für eine Besetzung! Wer von den dreien nun Mascha, Olga und Irina ist, müsste noch ausgehandelt werden. Ein Regisseur wird sich ja wohl finden lassen.
Entstanden ist das Bild am Freitag, 23. Oktober, im Gartensaal des Münchner Prinzregententheaters am Ende der Gala “10 Jahre Suchers Leidenschaften”. Bei Bernd Suchers Literatur-Programm standen – oder besser gesagt: saßen – die drei Schauspiel-Diven als Vorleserinnen zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. Mehr dazu in meinem nächsten Blog-Eintrag.
Hier muss es unbedingt noch um das Schuhwerk von Sunnyi Melles gehen. Die edlen schwarzen High Heels, die sie zum kleinen Schwarzen trug, tauschte die verheiratete Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein am Ende der Party gegen Gummistiefel in schreiendem Rosa aus. Mit ihrer Geisha-Applikation und dem Aufdruck “Kiss Death” sahen sie aus wie von einem Manga-Zeichner entworfen. Ganz falsch: Es sind Rain Boots von Ed Hardy. Frau Melles ist so begeistert davon, dass sie die Stiefel nicht nur ihren Kindern kauft, sondern auch selber trägt. Sehr schrill. Angela Winkler war derart fasziniert, dass sie vor ihrer Kollegin buchstäblich in die Knie ging, um Material und Aufdruck näher zu inspizieren.

Sunnyis Stiefel / Fotos: cd
Wo man die drei Schauspielkünstlerinnen sonst sieht:
Sunnyi Melles gehört noch immer zum Ensemble von Dieter Dorn (früher Kammerspiele, seit 2000 Bayerisches Staatsschauspiel München) und glänzt im Residenztheater in Yasmina Rezas Erfolgsstück “Der Gott des Gemetzels”. Am Wiener Burgtheater spielt sie bei Matthias Hartmann in Thomas Bernhards “Immanuel Kant”. Im Kino ist sie derzeit in dem Film “Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen” zu sehen (Regie: Margarethe von Trotta), als Mutter von Hannah Herzsprung.
Hildegard Schmahl ist die Grande Dame im Ensemble der Münchner Kammerspiele. Sie spielt dort zum Beispiel einen wunderbaren Prospero in Shakespeares “Der Sturm” (Regie: Stefan Pucher), und man sollte sie unbedingt in Elfriede Jelineks “Rechnitz (Der Würgeengel)” sehen.
Angela Winkler, die unvergessene Rollen im Theater des jüngst verstorbenen Peter Zadek hatte, spielt an verschiedenen Bühnen. Am Berliner Ensemble ist sie zum Beispiel die Jenny in der “Dreigroschenoper” von Robert Wilson und singt sehr schön den “Salomon”-Song. An der Berliner Schaubühne spielt sie in der Regie von Thomas Ostermeier die Ella in Ibsens wieder hochaktuellem Bankiersdrama “John Gabriel Borkman” (mit Sepp Bierbichler). Sie wirkte auch in Christoph Schlingensiefs “Kirche der Angst” mit. Volker Schlöndorff, mit dem sie in den siebziger Jahren “Die verlorene Ehre der Katharina Blum” und “Die Blechtrommel” drehte, war in diesem Jahr auch im Theater ihr Regisseur: in Leo Tolstois “Und ein Licht scheint in der Finsternis”.
1 Kommentar »
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Wunderbarer Artikel!
Die Pink-Stiefel-Passage ist zum Schreien komisch.
Mein Favorit ist jedoch ganz klar die neon-pinke Lacktasche von Frau Melles. GANZ groß.
Comment by Jani Neumann — Februar 14, 2010 @ 12:00 pm