28.10.09 | 11:39 | Kino | Kommentare 0 Kommentare

Kleiner Ketzer

http://www.guardian.co.uk/world/2009/oct/26/paul-haggis-scientology-prop-8

Paul Haggis bricht mit Scientololgy… aber irgendwie hat  er eine sehr eigenwillige Logik. Es stört Paul Haggis zwar die Verleugnung der disconnection policy, nicht aber ihre Existenz. Vielleicht nagelt er sich ja demnächst ein paar Thesen an die Tür und pflanzt ein Apfelbäumchen.

28.10.09 | 00:32 | Premierenallerlei | Theater | Kommentare 1 Kommentar

Premierenfeier auf dem Männerklo

Premierenfeier auf der Herrentoilette

Premierenfeier auf der Herrentoilette

Hier verpisst man sich zum Tanzen aufs Klo: Die Berliner Schaubühne hat ihre Premierenfeiern in die Herrentoilette im Untergeschoss verlegt. Getanzt wird auf Kacheln zwischen Waschbecken und Pissoirs. Keine Sorge: Da fließt kein Urin, sondern allenfalls Alkohol.

Der Schauspieler Lars Eidinger war im Frühjahr der erste, der als DJ spaßeshalber hierher auswich. Inzwischen hat die Schaubühnen-Leitung die Vorzüge der neuen Partyzone erkannt: Zwar ist das Herren-WC nun wahrlich kein stilles Örtchen mehr, dafür kann man sich oben, im Schaubühnen-Café, besser unterhalten. “Da verstand man doch oft sein eigenes Wort nicht mehr”, sagt Alt-Direktor Jürgen Schitthelm, den die laute Musik im Café sowieso immer nervte. Und die Beschwerden der Anwohner wegen Lärmbelästigung, die sei man mit der Klo-Lösung auch los.

Der Lokus als neue Location

Der Lokus als neue Location

Partyfeiern auf dem Abort ist natürlich Geschmackssache, und nicht jedem muss sich auf dem Lokus gleich der genius loci erschließen. Die Frage ist: Wo verrichten jetzt die Herren ihre Geschäfte? Letzte Rettung finden sie wahrscheinlich mal wieder nur bei den Damen.

27.10.09 | 18:15 | Festivals | Kommentare 1 Kommentar

Runterstylen

Tilda Swintons Füße, auf der Viennale

Tilda Swintons Füße, auf der Viennale Foto: Viennale

Die meisten Schauspieler, egal ob männlich oder weiblich, sehen in natura – naja, wie formuliert man` s jetzt höflich: ernüchternd normal aus. Zu den wenigen Gegenbeispielen gehört Tilda Swinton, die sich für ihre Filme sozusagen herunterstylen lässt, und zwar immer wieder – nicht einmal eben kurz für einen Film wie  Nicole Kidman, deren Virginia-Woolf- Kunstnase viel zu kurz zu sehen war, um das zarte Alltagsnäschen zu überschatten. 
Tilda Swinton gleicht die Kinocourage  im richtigen Leben, so scheint es, durch offensives Styling wieder aus – beim Filmfestival in Wien kam beispielsweis oben abgebildetes Schuhwerk zum Einsatz.  Ein eindrucksvolles Paar. Sehen nicht bequem aus, haben aber einen Design-Preis verdient.  Aber ich musste trotzdem an den Fotografen denken, der einmal ziemlich genervt zu mir sagte, das Eigenartigste an Frauen sei, dass sie auch dann noch wie besessen an ihrer Frisur herumnesteln, wenn sie gerade anlässlich ihres frischgewonnenen Literaturpreises fotografiert werden.
 
25.10.09 | 17:48 | Glückwunsch! | Kollegialitäten | Literatur | Kommentare 1 Kommentar

10 Jahre Suchers Leidenschaften

Sucher ist der mit der roten Hose

Sucher ist der mit der roten Hose

Früher war er selber Kritiker und als solcher mein Theaterchef bei der “Süddeutschen Zeitung”: C. Bernd Sucher, lange Jahre Redakteur im Feuilleton der SZ, inzwischen desertiert und als Vortragskünstler auf die andere Seite gewechselt: von der fünften Reihe Parkett auf die Bühne. “Ich bin angekommen”, kommentiert er den Übersprung. Mit seiner Reihe “Suchers Leidenschaften” zieht er seit zehn Jahren durch die Lande, tritt an Theatern in München, Hamburg, Wien und Weimar auf und vermarktet das Ganze in Form von Büchern und CDs.

Wer Sucher kennt, weiß: Dieser Mann hat viele Leidenschaften. Frankreich zum Beispiel, kulinarische Abende mit illustren Gästen oder schrille Sakkos von Comme des Garçons. Nicht zu vergessen seine Vorliebe für rote Hosen und schmutzige Witze. Bei “Suchers Leidenschaften” spielt das zwar auch mit rein, aber vornehmlich geht es um Literatur. Das Konzept ist so einfach wie effektiv: Sucher hält einen Vortrag über einen Dichter/eine Dichterin seiner Wahl – er tut das nicht literaturwissenschaftlich-professoral, sondern sehr unterhaltsam und leidenschaftlich-subjektiv. Dazu sitzen Schauspieler auf der Bühne – und zwar nicht die schlechtesten - und lesen an den entsprechenden Stellen sozusagen die O-Töne ein: Zitate aus Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Stücken. Wobei Suchers Hauptleidenschaft immer den Liebes- und Bettgeschichten und damit auch, wie er das nennt, den “Ferkeleien” gilt.

Bei der Gala “10 Jahre Suchers Leidenschaften” im Münchner Prinzregententheater ging es um das (Liebes-)Werk so unterschiedlich enthemmter Literaten wie Thomas Mann, Gertrude Stein, Franz Kafka, Oscar Wilde oder Simone de Beauvoir – eine Reader´s Digest-Version vergangener Leidenschaften. Zwischendurch gab es Szenen aus Bernsteins “West Side Story”, aufgeführt von Musical-Studenten der Bayerischen Theaterakademie. Bisschen lang. Aber sehr nett. Als Lese-Assistenten an Bistrotischchen fungierte eine ganze Riege namhafter Schauspielkünstler:  Hildegard Schmahl von den Münchner Kammerspielen, Sunnyi Melles, Stefan Hunstein und Thomas Loibl vom Bayerischen Staatsschauspiel, Elisabeth Augustin und Markus Meyer vom Burgtheater Wien – und nicht zuletzt Angela Winkler und Otto Sander, die aus Berlin angereist kamen. Früher, sagte Sander hinterher auf der Raucherterrasse, habe der Sucher ihn ja oft verrissen – aber was verzeihe man nicht alles aus Leidenschaft für die Sache (seine Sache war es an diesem Abend,  Textbeispiele von Arthur Miller zu lesen, was er einigermaßen fahrig tat).

Und weil es nun mal Bernd Suchers Lieblingslied aus der “West Side Story” ist, gibt´s hier zum Grande Finale den Song “Tonight”:

http://www.youtube.com/watch?v=jfxGoq8MkYA


24.10.09 | 16:34 | Premierenallerlei | Theater | Kommentare 1 Kommentar

Drei Schwestern suchen einen Regisseur

 

Sunnyi Melles, Hildegard Schmahl, Angela Winkler

Sunnyi Melles, Hildegard Schmahl, Angela Winkler

Sunnyi Melles, Hildegard Schmahl, Angela Winkler: drei großartige, immerschöne, sehr besondere Schauspielerinnen, die man schon deshalb nie so vergnüglich Seit an Seit sieht, weil sie sich selber so selten sehen. Sie haben noch nie miteinander in einem Stück gespielt, schätzen sich aber sehr und würden, wie sie sagen, ja schon gerne mal … Auf diesem Foto empfehlen sie sich als Tschechows “Drei Schwestern”. Was für eine Besetzung! Wer von den dreien nun Mascha, Olga und Irina ist, müsste noch ausgehandelt werden. Ein Regisseur wird sich ja wohl finden lassen.

Entstanden ist das Bild am Freitag, 23. Oktober, im Gartensaal des Münchner Prinzregententheaters am Ende der Gala “10 Jahre Suchers Leidenschaften”. Bei Bernd Suchers Literatur-Programm standen – oder besser gesagt: saßen – die drei Schauspiel-Diven als Vorleserinnen zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. Mehr dazu in meinem nächsten Blog-Eintrag.

Hier muss es unbedingt noch um das Schuhwerk von Sunnyi Melles gehen. Die edlen schwarzen High Heels, die sie zum kleinen Schwarzen trug, tauschte die verheiratete Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein am Ende der Party gegen Gummistiefel in schreiendem Rosa aus. Mit ihrer Geisha-Applikation und dem Aufdruck “Kiss Death” sahen sie aus wie von einem Manga-Zeichner entworfen. Ganz falsch: Es sind Rain Boots von Ed Hardy. Frau Melles ist so begeistert davon, dass sie die Stiefel nicht nur ihren Kindern kauft, sondern auch selber trägt. Sehr schrill. Angela Winkler war derart fasziniert, dass sie vor ihrer Kollegin buchstäblich in die Knie ging, um Material und Aufdruck näher zu inspizieren.

 

Sunnyis Stiefel /       Fotos: cd

Sunnyis Stiefel / Fotos: cd

 

Wo man die drei Schauspielkünstlerinnen sonst sieht:

Sunnyi Melles gehört noch immer zum Ensemble von Dieter Dorn (früher Kammerspiele, seit 2000 Bayerisches Staatsschauspiel München) und glänzt im Residenztheater in Yasmina Rezas Erfolgsstück “Der Gott des Gemetzels”. Am Wiener Burgtheater spielt sie bei Matthias Hartmann in Thomas Bernhards “Immanuel Kant”. Im Kino ist sie derzeit in dem Film “Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen” zu sehen (Regie: Margarethe von Trotta), als Mutter von Hannah Herzsprung.

Hildegard Schmahl ist die Grande Dame im Ensemble der Münchner Kammerspiele. Sie spielt dort zum Beispiel einen wunderbaren Prospero in Shakespeares “Der Sturm” (Regie: Stefan Pucher), und man sollte sie unbedingt in Elfriede Jelineks “Rechnitz (Der Würgeengel)” sehen.

Angela Winkler, die unvergessene Rollen im Theater des jüngst verstorbenen Peter Zadek hatte, spielt an verschiedenen Bühnen. Am Berliner Ensemble ist sie zum Beispiel die Jenny in der “Dreigroschenoper” von Robert Wilson und singt sehr schön den “Salomon”-Song. An der Berliner Schaubühne spielt sie in der Regie von Thomas Ostermeier die Ella in Ibsens wieder hochaktuellem Bankiersdrama “John Gabriel Borkman” (mit Sepp Bierbichler). Sie wirkte auch in Christoph Schlingensiefs “Kirche der Angst” mit. Volker Schlöndorff, mit dem sie in den siebziger Jahren “Die verlorene Ehre der Katharina Blum” und “Die Blechtrommel” drehte, war in diesem Jahr auch im Theater ihr Regisseur: in Leo Tolstois “Und ein Licht scheint in der Finsternis”.