27.04.13 | 11:45 | 1 Kommentar

Die glücklichen Post-Neunziger

China hinkt dem Westen nicht hinterher, sondern orientiert sich an Stars, Filmen und Moden aus Asien. Ein Gespräch mit dem Jugendkulturforscher Kevin Lee über Rebellion und Generationen

(Interview: Andrian Kreye) Kevin Lee wurde in Kanada geboren. Nach einem Studium in Arts & Media Management an der York University in Toronto, übersiedelte er 2009 nach China. Seit 2010 leitet er in Peking die Firma Youthology, die im Auftrag von Firmen chinesische Jugendkulturen erforscht. Youthology arbeitet dabei mit akademisch ausgebildeten Soziologen, Ethnologen und Anthropologen. Als Business-Anthropologie gibt es diese Form der Marktforschung schon seit den Achtzigerjahren, um herauszufinden, was Kunden mit den Produkten tun, wenn sie sie erst einmal gekauft haben. Die Forscher von Youthology verbringen bei ihrer Arbeit viel Zeit mit ihren Studienobjekten, leben oft mit ihnen, protokollieren unzählige Details. Dabei erarbeiten sie Erkenntnisse über die Rituale, Hierarchien und Strukturen ganzer Bevölkerungsgruppen. Business-Anthropologie ist derzeit so erfolgreich wie umstritten. Nach Meinung der Akademiker verletzt sie die ethischen Leitlinien der Forschung. Die Wirtschaft sieht darin die perfekte Methode, um ihre Kunden als Menschen kennenzulernen.

Seit wann gibt es in China eine Jugendkultur?

Kevin Lee: Es gab schon länger Gegenkulturen - die Kunstbewegung von 1985, die Studentenbewegung von 1989. Aber das waren gesellschaftliche Nischen, keine Jugendkulturen im klassischen Sinne.

Wie muss man sich die vorstellen?

Kulturen, in denen sich junge Leute Fragen nach ihrer eigenen Identität stellen können. Im Westen gehen die meisten in ihren frühen Teenagerjahren durch so eine Selbstfindungsphase. Aber dort gibt es auch den Platz dafür.

In der Gesellschaft?

Nein, ich meine ganz buchstäblich den Platz - Kinder können auf der Straße spielen, es gibt Blocks, Clubs, Orte, wo sie herumhängen können. Aber auch alles andere, was eine Jugendkultur ausmacht, gab es in China lange nicht: kulturelle und kommerzielle Angebote, Meinungs- und Bewegungsfreiheit. Das kam alles erst mit der Politik der offenen Tür, nach 1985. Richtige Jugendkultur gibt es in China erst seit den späten Neunzigerjahren, wir reden also von gerade mal zwei Generationen.

Im Westen waren die Leitmotive der Jugendkultur Identität und Rebellion. Welche sind es in China?

Rebellion spielt keine Rolle. Man versucht natürlich immer, die Entwicklungen in China mit der Geschichte der westlichen Länder zu vergleichen. Wir werden immer wieder gefragt, ob in China jetzt eine ähnliche Aufbruchstimmung herrscht wie im Amerika der Fünfzigerjahre. Für westliche Firmen wäre das natürlich einfach; wenn China nur ein paar Jahrzehnte hinterher wäre, könnte man alles das noch einmal machen, was im Westen damals Erfolg hatte. Aber so funktioniert das nicht. China durchläuft zwar eine ähnliche Wachstumsphase, aber der Kontext ist einzigartig. Auf der einen Seite viel globaler, auf der anderen Seite aber auch regional viel komplexer als in Amerika und Europa damals.

Wie steht es denn mit dem Generationenkonflikt?

Auch den findet man in China kaum. Es gibt keine vorangegangenen Generationen, gegen die die Jugend rebellieren könnte. Die älteren Generationen stammen aus schwierigen Zeiten. Die waren vor allem damit beschäftigt zu überleben und konnten ihren Kindern nur wenig an Erfahrungen mitgeben, mit denen sie heute etwas anfangen könnten. In der chinesischen Jugendkultur geht es viel mehr ums Ausprobieren. Und da wiederum geht es vor allem um Identität.

Ist das nicht auch eine Form der Rebellion in einem Land, in dem der Staat über Jahrzehnte eine kollektive Identität verordnet hat?

Aber diese Zwangsidentitäten haben schon lange keine Gültigkeit mehr. Das war spätestens 1989 vorbei. In der chinesischen Jugendkultur spielen individuelle Identitäten eine viel größere Rolle, und die wiederum setzen sich aus vielen Facetten zusammen. Die Generationenfrage spielt dabei eher eine nostalgische Rolle, nicht so sehr als Motor eines Konflikts.

Wie manifestiert sich das?

Vor ungefähr vier, fünf Jahren gab es plötzlich die erste Retrowelle. Mit einem Mal war alles aus den Achtzigerjahren wieder in Mode - Turnschuhe, Schuluniformen, Zeichentrickfiguren, sogar japanische Comicfiguren und Produkte aus dem Westen. Das hatte damit zu tun, dass wir in der chinesischen Jugendkultur von zwei Generationen sprechen. Von den Post-Achtzigern und von den Post-Neunzigern, die eben jeweils in den Achtziger- oder Neunzigerjahren geboren wurden. Das waren die ersten Generationen, die mit der Freiheit aufgewachsen sind, sich zu fragen, wer sie eigentlich sind. Und die sich damit vom Kontext der Vergangenheit lösen konnten. Die Post-Achtziger fanden dann in dieser Retrowelle die Grundlagen ihrer Identität wieder.

Und die Post-Neunziger?

Die haben ihre eigene Retrowelle. Das Interessante ist aber, dass sie sich weniger über die Artefakte einer Generationen-Identität definieren als über regionale Artefakte.

Was heißt das konkret?

Sie definieren sich als Peking-Post-Neunziger, Shanghai-Post-Neunziger oder Xi"an-Post-Neunziger. Und sie beziehen sich dabei auf irgendwelche Getränke oder Spiele, die man früher eben nur in diesen Städten oder Gegenden fand. Da entwickelt sich gerade ein Hyperregionalismus, der sehr viel Spaß macht, weil er unzählige neue Zentren eigenständiger Subkulturen schafft.

Warum haben Sie Ihr Büro in Peking aufgeschlagen und nicht in Shanghai?

Shanghais Jugendkultur ist eher eine Konsumkultur, sehr pragmatisch, sie orientiert sich eher nach Westen. Wie eigentlich die ganze Stadt. Peking ist anders. Viel innovativer. In Peking gibt es die meisten Universitäten, die meisten Technologiefirmen, die Silicon Valleys von China. Aber eben auch die wichtigsten Kulturinstitute. Fast alle Schriftsteller, Künstler und Musiker gehen nach Peking. Die Kultur ist eher eine Bohème-Kultur. Deswegen entwickelt sich dort mehr.

Welche Rolle spielen in China internationale Kultur und Produkte?

Die gab es in China ja schon seit den Achtzigerjahren. Aber gerade für die jüngere Generation spielen die amerikanischen und westlichen Einflüsse eigentlich keine große Rolle. Amerikanische Produkte haben zum Beispiel kein besonders hohes Prestige. Oder nehmen Sie einen Star wie Lady Gaga. Die ist durchaus eine Sensation, wird von vielen geliebt. Aber niemand wäre gern wie Lady Gaga, niemand sieht sie als Idol. Das ist alles viel zu fremd. Da gibt es nichts, was sich auf den eigenen Kontext bezieht. Deswegen kommen die Einflüsse aus dem Ausland eher aus asiatischen Kulturen - aus Japan, Korea, Taiwan, Vietnam.

Wie sieht es denn mit amerikanischen Filmen und Fernsehserien aus, die ja weltweit großen Einfluss haben?

Auch da haben Filme und Serien aus anderen asiatischen Ländern einen größeren Einfluss. Die amerikanischen Geschichten sind ja meist recht einfach - es gibt einen Helden, einen Feind und zum Schluss gewinnt der Held. Das ist im Vergleich zu asiatischen Erzählformen viel zu simpel. Chinesische Jugendliche mögen es ein bisschen komplizierter, Erzählstränge, die sich miteinander verweben, die auf Gemeinschaften und Netzwerken aufgebaut sind. So wie die Geschichten in den Filmen von Ang Lee. Oder eben in Filmen, die in China, Vietnam oder Taiwan produziert wurden.

Hat das etwas mit chinesischen Erzähltraditionen zu tun?

Im akademischen Sinn bestimmt. Aber es beginnt schon mit der Sprache und damit, wie ihr Hirn Dinge verarbeitet. Das ist fest in der asiatischen Kultur verankert. Wir denken in mehreren kontextuellen Ebenen. Deswegen muss ein Drama auch komplex aufgebaut sein.

Welche Medien spielen denn die größte Rolle für die Jugend?

Ursprünglich war es Musik, doch das hat sich eher in Richtung Sport entwickelt. Digitale Medien spielen eine enorme Rolle. Und die Kombination aus beidem: Die Jugendlichen gehen snow- oder skateboarden, feiern danach und tauschen dann Videos aus. Es gibt außerdem eine große Do-it-yourself-Mode. Aber man kann das nicht verallgemeinern. Das ist von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich. China ist so fragmentiert, und die regionalen Unterschiede sind so stark, dass diese Nuancen eine große Rolle spielen.

Welche Rolle haben Familientraditionen in der chinesischen Jugendkultur?

Da gibt es eine interessante Spannung, die gerade in der Underground-Musik, in Gedichten und Romanen verarbeitet wird. Prinzipiell wollen junge Leute ihre Eltern durchaus respektieren. Sie wollen, dass ihre Eltern stolz auf sie sind. Allerdings sind ihre Eltern noch in ganz anderen Wertesystemen verwurzelt. Und gerade da unterscheiden sich die Post-Achtziger stark von den Post-Neunzigern.

Welchen Unterschied gibt es da?

Die Eltern der Post-Achtziger kamen aus viel härteren Verhältnissen. Als die chinesische Wirtschaft Fahrt aufnahm, also in den frühen Neunzigerjahren, waren sie meist schon in ihren Dreißigern oder Vierzigern, für viele war es da schon zu spät, noch richtig Karriere zu machen. Für sie waren die Jobs bei der Regierung immer noch der wichtigste Weg zum Erfolg. Deswegen waren ihnen gute Noten so wichtig, ein guter akademischer Abschluss, vielleicht sogar ein Job im Ausland, oder eben in der Regierung.

Die Post-Neunziger-Eltern sind finanziell meist besser abgesichert. Viele sind Unternehmer und schätzen das Wertesystem der Marktwirtschaft. Deswegen haben sie ihre Kinder oft viel freier erzogen, gaben ihnen mehr Raum, weil der Karrieredruck nicht mehr so groß war, und vor allem, weil die staatlichen Unternehmen und Institutionen für die berufliche Laufbahn nicht mehr so wichtig waren. Sie hatten ja auch die Mittel, um ihre Kinder zu unterstützen.

Gibt es da nicht einen Unterschied zwischen der Jugend auf dem Land, in den Provinzen und in den Städten?

Einen massiven Unterschied sogar. Wenn ich von Jugendkultur spreche, dann rede ich in erster Linie von der Großstadtjugend, die in den so genannten erstrangigen Städten aufgewachsen sind. Sobald sie in die zweit-und drittrangigen Städte gehen, ist alles ganz anders. Und mit zweit- und drittrangig meine ich immer noch Städte, die um ein Vielfaches größer sind als jede Stadt in Europa. Das sind vollkommen andere Welten. Die haben ihre eigenen Subkulturen.

Was sind das für Subkulturen?

Das Interessante in den zweitrangigen Städten und in der Provinz ist, dass wir es da nun schon mit der zweiten Generation von Kindern zu tun haben, deren Eltern ihre Heimat verlassen mussten, um Arbeit zu finden. Die haben ihre Eltern nur einmal im Jahr gesehen. Und diese Kinder fragen sich nun, ob es das alles wert ist. Will ich meine Kinder verlassen, die dann bei den Großeltern aufwachsen, nur um mehr Geld zu verdienen? Vor allem, nachdem das nicht mehr unbedingt der Fall ist, weil die Lebenshaltungskosten in den Städten viel schneller angestiegen sind als die Löhne dort. Deswegen gehen auch viele junge Leute, die vielleicht schon in die großen Städte gezogen sind, wieder zurück in die Provinz. Die entwickelt sich deswegen gerade auch sehr rasch, weil diese umgekehrte Wanderung viele gut ausgebildete junge Leute zurückbringt. So wird das Leben dort bequemer, es gibt mehr Arbeitsmöglichkeiten.

Und welche Subkulturen entwickeln sich da?

Da entwickeln sich eigene Dialekte, eine eigene Musik und Verhaltensmuster. Die Musik klingt ganz furchtbar, die ist wirklich schlecht. Aber die Provinzjugend steht da drauf. Das sind Sounds und Geschichten, die sie mag und versteht, nicht zuletzt, weil sich die Kultur in den erstrangigen Städten so schnell entwickelt hat, dass sie mit der Realität der Provinzjugend nichts mehr zu tun hat. Viele Dinge, über die sich die kreative Klasse in den Städten Gedanken macht, haben in der Provinz überhaupt keine Bedeutung.

Mit was beschäftigt sich denn die Großstadtkultur?

Im Moment ist die Verwischung der Geschlechtergrenzen sehr interessant. Das sieht man inzwischen sogar in den Talentshows im Fernsehen. Vor vier, fünf Jahren hat mal ein Tomboy-Mädchen gewonnen, das war noch richtig kontrovers. Inzwischen gibt es unzählige Boybands, die sehr feminin sind. Es gibt da auch eine ganze Subkultur von älteren Frauen, die auf feminine Knaben stehen. Die Schauspielerin Fan Bingbing, die ein Superstar ist, zieht sich dagegen oft sehr männlich an.

Hat das auch eskapistische Elemente?

Die stärkste Form des Eskapismus in China ist immer noch, ins Ausland zu gehen. Das ist nicht nur die grassierende Kapitalflucht. Das ist auch ein großer Braindrain der kreativen Klasse. Bleibt nur zu hoffen, dass sich China so schnell entwickelt, dass wir diese kreative Klasse halten können. Erst in den letzten 18 Monaten gibt es eine Rückkehrbewegung aus dem Ausland. Viele sind sehr jung emigriert und sehen jetzt wegen der Wirtschaftskrise im Westen in China mehr Möglichkeiten. Das wiederum ist ein ganz neuer kultureller Einfluss, weil diese Auslands-Chinesen ganz andere Werte und kulturelle Gewohnheiten nach China bringen. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.

Foto: Wang Zhao/AFP

08.03.13 | 19:32 | 1 Kommentar

Hinter der Jetsons-Grenze



Einmal im Jahr treffen sich bei der Ted Conference in Kalifornien die vier Institutionen, die unsere Zukunft und unsere Werte prägen: Silicon Valley, Hollywood, die Naturwissenschaften und die Investorenzunft. Die Aussicht ist dort meistens – rosig

(Von Andrian Kreye - Videos sind von Ted Talks bei der Ted Conference 2013) Die Zukunft sieht manchmal sehr albern aus. Als Google-Gründer Sergey Brin im kalifornischen Long Beach die Bühne der Ted Conference betritt, hat er ein klobiges Brillengestell auf der Nase, bei dem die Gläser fehlen. Stattdessen hängt ein winziger Monitor über dem rechten Auge. Google Glass heißt das Gerät und sieht aus, als hätten Ingenieure versucht, Olivia Newton-Johns Aerobic-Stirnbänder für die retrofuturistische Welt der „Jetsons“ zu optimieren.

Bald schon kann man mit diesem Gerät die eigene Sicht auf die Welt via Nasenkamera nahtlos in die sozialen Netzwerke übertragen, gleichzeitig im Internet surfen und kommunizieren. Und das alles nur mit Blicken und Worten. Da geht es natürlich nicht nur um Technik. Es ist der ultimative Angriff auf den Apple-Konzern. Der hat mit seinen Geräten gleich zwei Mal nicht nur das Konsumverhalten, sondern auch die Gestik der computerisierten Weltbevölkerung grundlegend verändert. Erst mit dem Schritt vom Tippen zum Schieben, dann zum Wischen. Brin zieht ein Smartphone aus der Tasche und erklärt, es gäbe ja wohl nichts entwürdigenderes, als auf die eigene Hand zu starren. Googles Kampfansage: Schluss mit den Gesten. Mensch und Maschine werden eins.

Der Veranstaltungstitel „Technology, Entertainment and Design Conference“ führt zunehmend in die Irre. Ted ist kein interdisziplinäres Branchentreffen. Seit einigen Jahren ist Ted eine globale Medienmarke. Kern sind die Kurzvorträge während der Ideenfestivals, die nach den Konferenzen als Videos ins Netz gestellt werden und schon mehr als eine Milliarde Mal angesehen wurden. Das schaffte das „Gangnam Style“-Video zwar in ein paar Wochen, aber bei Ted werden anspruchsvolle, oft wissenschaftliche Themen verhandelt.

Bei der alljährlichen kalifornischen Ausgabe, dem Epizentrum von Ted, handelt es sich inzwischen um ein Gipfeltreffen, bei dem Silicon Valley, Hollywood, die Naturwissenschaften und die Investorenzunft den Stand der Dinge und der Zukunft prüfen. Der technisch-wissenschaftliche Status Quo dient dabei nur als Grundlage. Seit dem späten 20. Jahrhundert prägen genau diese vier Institutionen immer deutlicher die Werte und das Bild der Welt, auch wenn man diese Rolle immer noch lieber der Politik, der Philosophie und dem Glauben zuschreiben mag. Deswegen stellen sich dort auch Fragen, die viel größer sind, als die, wie wir in Zukunft unsere Elektrogeräte bedienen.

Zweifler haben es hier nicht leicht. Hin und wieder lässt Ted-Chef Chris Anderson zwei gegensätzliche Meinungen gegeneinander antreten. Gleich zu Beginn erklärt zum Beispiel der Ökonom Robert J. Gordon von der Northwestern University, dass das Wachstumsmodell der Wirtschaftswissenschaften nach 800 Jahren nun am Ende sei.

Das Wachstum sei ein phänomenaler Motor der Zivilisation gewesen, sagt er. Bis in die Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts hätten die Generationen den Lebensstandard ihrer Eltern jeweils verdoppeln können. Nun seien die Wachstumskurven rückläufig. Seit den Fünfzigern habe sich das Wachstum verlangsamt, vor sechs Jahren habe die Schrumpfung begonnen. Arbeitslosigkeit, Bildungskrise, Schuldenlasten und zunehmende Ungleichheit seien die vordergründigsten Ursachen.
Aber auch die Fortschritte des digitalen Zeitalters nähmen sich im Vergleich mit den Errungenschaften der industriellen Revolution geradezu lächerlich aus. Alleine die Elektrizität habe neben der enormen Produktivitätssteigerung auch die vertikale Stadt, die Besiedelung unwirtlicher Klimazonen und die Befreiung der Frau möglich gemacht. Der Verbrennungsmotor sei die Grundlage unseres Wohlstands, die Überproduktion von Nahrungsmitteln. Alleine in den USA habe man im 19. Jahrhundert noch ein Viertel allen bebaubaren Landes für Pferdefutter gebraucht. Solche Zivilisationssprünge hätten die digitalen und biologischen Technologien noch nicht geschafft.

Als Gegenspieler tritt der Direktor des Centers for Digital Business am MIT, Erik Brynjolfsson, an. Eigentlich kann er nicht überzeugen. Die Wachstumsfaktoren, die er ins Feld führt, sind die Gratisprodukte der Wissensgesellschaft wie Wikipedia, Twitter und Google, die Leistungen der künstlichen Intelligenz in Kombination mit dem Teamgeist der „crowd“, die enorme Geschwindigkeit, mit der sich digitale Technologien entwickeln. Gordon wendet ein, dass nichts davon direkten Einfluss auf den Lebensstandard der Weltbevölkerung habe. Das leuchtet ein. Doch das Publikum bleibt mit Applaus auf Brynjolfssons Seite.

Die Zweifel am technischen Fortschritt werden allerdings auch in den inneren Zirkeln von Wissenschaft und Technik immer deutlicher. In seiner Winterausgabe zeigte die MIT Technology Review ein Porträt von Buzz Aldrin auf dem Titel, dem zweiten Mann auf dem Mond, darunter die Zeile: „Ihr habt mir Kolonien auf dem Mars versprochen, stattdessen habe ich Facebook gekriegt“. Nimmt man „The Jetons“ als Messlatte, die ab 1962 als Bilderbuchfamilie im Science-Fiction-Idyll mit Haushaltsroboter und fliegenden Untertassen auf Sendung gingen, ist die Technologie wirklich noch nicht sehr weit. Ideen wie Google Glass hatten die Autoren von Groschenromanen und TV-Serien schon vor Jahrzehnten. Als der MIT-Professor Rodney Brooks seinen neuesten Industrie-Roboter Baxter vorführt, einen klobigen Blech-Golem von zwei Metern Höhe, der in der Fertigung eingesetzt werden soll, amüsiert sich die Komikerin Julia Sweeney: „Sieh da, ein Roboter, der Sachen hochheben kann!“ Und doch scheint die Wissenschaft gerade an mehreren Fronten die Jetsons-Grenze zu erreichen.

Stewart Brand zum Beispiel. Brand ist so etwas wie Hochadel im Silicon Valley. Als Schlüsselfigur der kalifornischen Hippiebewegung definierte er 1968 die politisch und ökologisch bewusste Zukunft des Konsums mit seinem „Whole Earth Catalog“. In den letzten Jahren verwirrte der studierte Ökologe seine Anhänger jedoch mit leidenschaftlichen Plädoyers für Atomkraft als Mittel gegen die Erderwärmung. An diesem Nachmittag aber stellt er ein Projekt vor, das er mit befreundeten Gen- und Biotechnikern betreibt: das „de-extinction project“. Mit Hilfe der Gentechnologie wollen Wissenschaftler ausgestorbene Arten nicht nur wieder ins Leben, sondern auch in die freie Wildbahn zurückholen.
Das Projekt ist längst keine Theorie mehr. In den USA wird die im späten 19. Jahrhundert von Vogeljägern ausgerottete Wandertaube rekonstruiert. In Spanien wurde der ausgestorbene Pyrenäensteinbock erfolgreich geklont. In Holland soll der Auerochse wieder auferstehen.

Noch verblüffender ist der Vortrag von Mary Lou Jepsen, die die Entwicklung von Bildschirmtechnologien bei Google leitet. Ziel ihrer Arbeit sei es derzeit, die Sprache als Mittler zwischen Gedanken und digitalen Medien zu überspringen. Moderne Hirnscan-Technologie mache es möglich. So habe man Testpersonen Bilderfolgen gezeigt und sie später wieder daran denken lassen. Neue Scanner zapfen diese Hirnströme an und übersetzen sie wieder in Bilder.

Jepsen zeigt Vorlage und Hirnscan. Der Scan besteht vor allem aus Farben und Pixeln. Und doch erkennt man schon ansatzweise die Umrisse und Flächen der Vorlage. Janet Baker, die in Cambridge Pionierarbeit für Spracherkennung geleistet hat, bestätigt später, das sei ein ganz neuer technologischer Schritt. Die Technologien, mit denen Ingenieure auf anderen Ted-Konferenzen verblüfften, weil man mit Hirnströmen Computerprogramme steuern kann, die gäbe es seit 40 Jahren. Aber was Jepsen da vorgeführt habe, sei radikal neu, selbst wenn das (visuelle) Signal-Rausch-Verhältnis noch bei über 90 Prozent liege.

Wer entscheidet dann, welche ausgestorbenen Arten wieder zum Leben erweckt werden? Wer verhindert, dass solche Hirnscanmethoden zur Überwachung eingesetzt werden? Wer wird genialische Köpfe wie den 17-jährigen Taylor Wilson im Zaum halten, der am selben Nachmittag erzählt, wie er in der Garage seiner Eltern mit 14 einen Fusions-Reaktor konstruierte, und der nun mit Kernspaltung experimentiert?
Im Silicon Valley, an den technischen Universitäten und in Hollywood stellen sich solche Fragen selten. Prinzipiell herrscht hier ein Geist, dass es selbstverständlich ist, nur das Beste für die Menschheit zu wollen. Das wurzelt in der Haltung des philanthropischen Auftrages, der ein unumstößlicher Teil der amerikanischen Identität ist. Man wolle die Fehler der Menschheit wieder gut machen, sagt denn auch Stewart Brand auf die Frage, was denn die Motivation sei, ausgestorbene Arten wieder zurückzubringen.

Der Glaube an das Gute im Menschen und der Wille, etwas dafür zu tun, ist verstärkt zum Leitmotiv der Ted Conference geworden, seit der britische Verleger Chris Anderson die Non-Profit-Organisation im Jahr 2001 gekauft hat. Anderson ist der Sohn eines Augenarztes, der in Indien, Pakistan und Afghanistan gearbeitet hat. Das prägte. Das Missionarische vieler Ted Talks geht einigen auch schon auf die Nerven. Wären die guten Taten nicht so wirksam.

Auftritt Bono. Der weiß um den Widerwillen gegen seine Person und gegen die allzu gut gemeinten Ted Talks. „Das hier ist doch das ideale Forum für meinen Messias-Komplex“, witzelt er gleich zu Beginn und macht sich später noch einige Male über sein Rockstar-Gehabe lustig. Aber dann kommen die Fakten. Mit seiner Wohltätigkeitsorganisation One hat er mitgeholfen eine magische Zahl zu halbieren – extreme Armut, unter die alle Menschen fallen, die von weniger als 1,25 Dollar am Tag leben müssen, habe sich von 1990 bis heute von 43 auf 21 Prozent der Weltbevölkerung halbiert. Das Ziel sei: null Prozent bis 2028. Das sei realistisch. Und natürlich nicht das Ende der Armut. Aber auch die harten Zahlen wie Kindersterblichkeit und Hungertote reduzierten sich dabei.

Als Ben Affleck zwei Tage später frisch von seinen Oscar-Feiern mit Musikern des Kinshasa-Symphonieorchesters auftritt, um Werbung für seine Arbeit im Ostkongo zu machen, scheint sich schon eine neue Konkurrenz der Giganten anzubahnen. Denn auch das gehört zum Geiste Kaliforniens: Der Weg zu den „last frontiers“, den letzten Grenzen der Menschheit, ist auch immer ein Wettlauf.

26.09.12 | 20:44 | 2 Kommentare

Vom Leben unter Drohnen







Wenn Kriegsmaschinen autonom handeln, brauchen sie einen eigenen Moralkodex - die 'Roboethics'

(Von Andrian Kreye) Der Traum vom sauberen, gerechten Krieg sieht so aus: Ein Kampfroboter spürt zu Lande, Wasser oder aus der Luft den mörderischen Akteur einer Terrororganisation oder einer feindlichen Truppe auf, identifiziert ihn und tötet ihn mit einem gezielten Schuss. Mögliche Kollateralschäden - äußerst gering. Risiko für die eigene Truppe - null. Programmiert man den Kampfroboter zusätzlich mit dem Regelwerk der Genfer Konventionen, hat man den bestmöglichen Soldaten gefunden. Der macht keine Fehler, kennt keine Angst, keine Erschöpfung und vor allem keine Emotionen. Diese Kämpfer sind natürlich längst im Einsatz - amerikanische Drohnen vom Typ Predator (Raubtier) und Reaper (Sensenmann), die über Jemen und dem Irak, über Somalia, Libyen, Afghanistan und vor allem Pakistan eingesetzt werden. Geht es nach dem Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus, verfügt auch die Bundeswehr bald über solche bewaffneten Flugkörper.

Eine Studie, die am vergangenen Dienstag gemeinsam von der Stanford und der New York University veröffentlicht wurde, will nun das Idealbild vom chirurgisch präzisen Drohnenkrieg zerschlagen. Für die Arbeit mit dem Titel 'Living under drones' (Unter Drohnen leben, im Netz abrufbar unter der Webadresse http://livingunderdrones.org) sprachen die Rechtswissenschaftler Sarah Knuckey und James Cavallero in Pakistan mit Bewohnern der Haupteinsatzgebiete der Drohnen in den Stammesgebieten von Wasiristan, mit Augenzeugen der Angriffe und mit Angehörigen von Einsatzopfern.

In ihrem ausführlichen Bericht erzählen sie von zahllosen Angriffen auf Zivilisten, vor allem von einer 'Wolke der Angst', die über den Stammesgebieten laste. Rund um die Uhr wären die Drohnen im Tiefflug unterwegs, meist nur für Aufklärungsmissionen, doch niemand wisse, wann und wo die omnipräsent surrenden Flugkörper ihre Zielvorrichtung gen Boden senken und eine ihrer Hellfire-Raketen abschießen.

3300 Tote gab es seit 2004 vermutlich, die meisten Zivilisten, davon 176 Kinder. Vor allem aber würden die Drohnen nach dem 'Double tap'-Strategie vorgehen, also auf ein schon getroffenes Ziel einen zweiten Angriff fliegen, um Nothelfer abzuschrecken. Das aber ist eine Taktik des Terrors. Kein Ort sei in Wasiristan verschont geblieben. Die 800000 Bewohner der Region seien nachhaltig traumatisiert. Viele trauten sich nicht mehr aus dem Haus, schickten ihre Kinder nicht mehr in die Schule, nähmen nicht mehr am Leben teil.

Die Studie greift nun mit der gesamten Wucht der Kriegswirklichkeit in eine obskure Ethik-Debatte ein, die in den vergangenen Jahren vor allem von akademische Zirkeln an technischen Universitäten und in den Forschungsinstituten der amerikanischen Streitkräfte und Geheimdienste geführt wurde. Einer der Grundlagentexte zum Thema erschien 2009 bei einem Fachverlag für naturwissenschaftliche Nachschlagewerke unter dem Titel 'Governing Lethal Behaviour in Autonomous Robots'. Verfasser war der Robotikforscher Ronald C. Arkin von der Technischen Universität in Georgia. Der suchte in diesem Buch nach Antworten auf die Fragen, welche die jüngsten Generationen von Robotern aufwerfen, die nicht mehr ferngesteuert agieren, wie die Drohnen, sondern mithilfe von Sensoren und Algorithmen ihre Mission quasi eigenständig ausführen.

Solche Roboter, so Arkin, könnten gerade im Kampfeinsatz dem Menschen überlegen sein, weil sie streng nach den vorgegebenen Regeln handeln. Sein Schlüsselerlebnis hatte der Forscher 2005, als er während eines Forschungsprojekts für das Militär das Video der Bordkamera eines Kampfhubschraubers ansah. Da nahm der Schütze über einer Landstraße im Irak drei feindliche Kämpfer ins Fadenkreuz. Zwei starben bei der ersten Salve. Der Dritte schleppte sich verletzt in die Deckung eines Lastwagens. Der Schütze zögerte kurz, doch der Kommandant befahl ihm, auf den Verwundeten zu feuern. Der Vorfall war ein klarer Verstoß gegen das Kriegsrecht, welche das Töten eines Kampfunfähigen verbietet. Nur ein Roboter wird in so einem Fall korrekt handeln, so Arkin. Deswegen hat er nun Algorithmen erstellt, die Kampfroboter nach einem ethischen Regelwerk programmieren.

Arkin ist nicht der Einzige, der sich mit dem neuen Feld der 'Roboethics' beschäftigt. Der Philosoph Patrick Lin hielt vor einer Entwicklungsabteilung der CIA einen viel beachteten Vortrag, in dem er vor den vielen ethischen und rechtlichen Überraschungen warnte, die in den 'Roboethics' auftauchen würden. Der Robotikforscher Gianmarco Veruggio prägte den Begriff für ein Symposium, das 2004 in San Remo stattfand. Dabei stellte sich heraus, dass die laufenden und künftigen technischen Entwicklungen die ethische Bewertung von Robotern gar nicht so einfach machen.

Sind Roboter nur Maschinen, unterliegen sie der klassischen Ethik, da sie nur Werkzeuge sind. Verlängern und verbessern sie das Wirken von Menschen jedoch, bekommen sie eine ethische Dimension, da reicht das traditionelle Regelwerk schon nicht mehr aus. Sind sie jedoch moralische Agenten, wozu sie nicht unbedingt einen freien Willen brauchen, müssen neue Parameter für ihr Handeln gefunden werden. Noch in der Zukunft liegt dagegen die Annahme, Roboter seien eine neue Spezies. Da kommt die Idee von der 'Singularity' ins Spiel, einer Art technologischem Erweckungsmoment, wenn Maschinen so weit entwickelt sind, dass sie eine eigene Intelligenz, und bald auch eine eigene Moral und Ethik entwickeln. Die, so glauben viele Anhänger dieser Idee, seien den Menschen wahrscheinlich überlegen.

Da ist man dann schnell bei den Robotergesetzen des Science-Fiction-Schriftstellers Isaac Asimov. Der hatte 1942 in seiner Kurzgeschichte 'Runaround' drei 'Grundregeln des Roboterdienstes' aufgestellt: Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen - es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Der Kern, der in diesen Robotergesetzen steckt, ist aber weniger Science-Fiction als die Sehnsucht nach einem Urzustand der ethischen Unschuld, den der Philosoph Jean-Jacques Rousseau Mitte des 18. Jahrhunderts mit dem Idealbild vom edlen Wilden beschwor. Wenn wir als Menschen neue mechanische Wesen schaffen, warum nicht von den eigenen Fehlern lernen?

Nun sind Kampfroboter, wie sie sich Ronald Arkin vorstellt, schon einmal ein fauler Kompromiss, weil sie nur den Angreifer vor Verletzung schützen. Nach momentanem Stand der Technik gilt überhaupt nur das zweite Robotergesetz - Maschinen und Computer tun ausschließlich das, was ihnen ein Mensch befielt. Noch lernen sie nicht von sich selbst, sondern nur von den Arbeitsabläufen, die ihnen befohlen wurden. Überhaupt stellt sich die Frage - kann es einen Moment der Singularity überhaupt geben? Werden die viel beschworenen Algorithmen nicht genau da an ihre Grenzen stoßen, wo das menschliche Gehirn den freien Willen, das eigenständige Denken und das Gefühl entwickelt hat?

Die Roboterethik wird so schnell keine Antworten finden. Dafür entwickelt sich die Technologie zu schnell. Die Studie über die Einsätze in Pakistan will auch gar nicht so grundsätzlich argumentieren, sondern vor allem die amerikanische Öffentlichkeit aufrütteln. Und doch stellt sie eines schon klar - im Krieg bleibt Ethik reine Theorie.





Mehr Material unter http://livingunderdrones.org/

26.09.12 | 08:39 | 0 Kommentare

TED Talk der Woche: Clay Shirky – How the Internet will (one day) transform government

21.09.12 | 19:00 | 1 Kommentar

Moral bindet und blendet

Im amerikanischen Wahlkampf geht es wieder einmal um moralische Überlegenheit. Doch wer hat die eigentlich?  Und warum wählen Menschen überhaupt Parteien, deren Programme ihren Interessen eigentlich widersprechen? Ein Interview mit dem Sozialpsychologen an der NYU Jonathan Haidt, der in seinem Buch "The Righeous Mind" die Spaltung von Gesellschaften untersucht.

(Von Andrian Kreye)
Als Europäer wundert man sich , warum so viele Menschen mit bescheidenem Einkommen eine Partei wählen, deren Kandidat Mitt Romneyfür sie offensichtlich nichts Gutes will, während Obama doch einiges für sie getan hat. Warum wählen Menschen gegen ihre eigenen Interessen?

Jonathan Haidt: Die Frage geht davon aus, dass eine Wahlentscheidung aufgrund einer rationalen Berechnung der eigenen Interessen gefällt wird. Als Moralpsychologe sehe ich das anders – Politik ist dem Glauben sehr viel ähnlicher als dem Shopping. In der Soziologie des 20. Jahrhunderts gab es zwar die Idee vom Homo oeconomicus, der ganz rational das beste Ergebnis für sich errechnet.

Ratio spielt in der Politik keine Rolle?

Wir haben das lange untersucht. Ich habe versucht, ein einfaches Bild zu finden, und bin auf den Elefanten und seinen Reiter gekommen. Unser Bewusstsein ist der Reiter, alles andere ist der Elefant. Bewusstsein macht aber lediglich zwei Prozent unseres Selbst aus, der Elefant sind die restlichen 98 Prozent – das Unbewusste, die Emotionen und vor allem die Moral.

Haben politische Einstellungen dann gar nichts mit Vermögensverhältnissen zu tun?

Nur bis zu einem gewissen Grad. Je wohlhabender jemand ist, desto konservativer wird er sein. Doch je weiter man sich im Einkommensspektrum vom vermeintlichen Kern der Partei entfernt, desto deutlicher wird, dass das nicht der entscheidende Grund ist.

Ist es nicht auch eine Altersfrage?

Da kenne ich die Zahlen nicht. Ich weiß, dass es zwei Einschnitte im Leben gibt, die einen konservativer machen – wenn man Kinder bekommt, und wenn man eine Firma gründet. Die Altersfrage hängt aber auch davon ab, wann man geboren wurde – manche Generationen sind liberaler als andere. Das hängt von den Erfahrungen ab, die man als Teenager und vor allem in seinen Zwanzigern gemacht hat. Die prägen einen fürs Leben. Auslandsreisen machen einen beispielsweise liberaler.

Erklärt das, warum in Deutschland so viele Leute mit hohem Einkommen die Grünen oder die SPD wählen?

Die meisten Menschen bleiben in ihrem moralischen Spektrum, das sie in frühen Jahren entwickelt haben. Es sind nämlich nicht nur die Erfahrungen, auch die Persönlichkeitsstruktur spielt eine Rolle, und die ist angeboren.

Wie unterscheiden sich Linke und Konservative da?

Linke sind eher neugierig, haben wenig Scheu, sie reisen gerne und experimentieren mit exotischen Speisen. Konservative sind eher von Ängsten vor Bedrohungen, Unordnung und Verfall geleitet. Da sind wir wieder beim Elefanten.  

Wenn nun im amerikanischen Fall deutlich mehr Wähler mit den Republikanern gegen ihre eigenen Interessen abstimmen, heißt das im Umkehrschluss, dass die Konservativen moralische Überzeugungen glaubwürdiger ansprechen können?

Ich frage mich, ob die Demokraten überhaupt wissen, dass es einen Elefanten gibt. Aber die Konservativen decken auch das Spektrum der moralischen Grundlagen besser ab. Wir haben nach unseren langjährigen Untersuchungen und Feldversuchen eine Theorie entwickelt, nach der es fünf moralische Fundamente gibt. Das sind Mitgefühl, Gerechtigkeitssinn, Loyalität, Respekt für Autorität und Glaube. Erstellt man nun ein Diagramm, welche dieser Grundlagen von sehr liberalen bis zu sehr konservativen Menschen besonders ausgeprägt sind, dann erkennt man, dass sehr liberale Menschen ein besonders ausgeprägtes Mitgefühl und einen besonders ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben. Loyalität, Respekt für Autorität und Glaube spielen kaum eine Rolle. Diese fünf Kurven nähern sich bis nach rechts dann an. Für politisch Moderate und für konservative Menschen spielen alle fünf Grundlagen eine ähnlich wichtige Rolle im Leben. Linke Parteien wie die Demokraten bedienen nur zwei dieser fünf Grundlagen, während die Republikaner alle fünf dieser moralischen Sinne ansprechen.   

Werden da nicht bloß Empörungspotenziale abgerufen?

Ja, aber bisher empörten sich die beiden Seiten vor allem gegenseitig. Es hilft, dabei im Blick zu haben, was der jeweiligen Seite heilig ist. Für die Linke sind Opfer heilig, vor allem machtlose Opfer. Das waren von den Fünfzigerjahren an bis vor ungefähr zehn Jahren die Afroamerikaner. Das ändert sich zum Glück. Jetzt sind es vor allem die Umwelt und Homosexuelle.

Warum zum Glück?

Weil das Problem mit dem Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft kein zentrales mehr ist. Die New York Times zeigte neulich ein Diagramm, das zwei Problematiken über die letzten 40 Jahre hinweg gegeneinander stellte. Die Kurve für die Rassenproblematik ging dabei stetig nach unten, die Kurve für die Ungleichheit der allgemeinen Einkommen nach oben. Vor ungefähr zehn Jahren haben sie sich gekreuzt. Wir haben nun in erster Linie ein massives Klassenproblem.

Warum tut sich Amerika so schwer, das Klassenproblem zu thematisieren?

Da müssten Sie einen Soziologen fragen. Aber auch da spielt Moral mit hinein. Früher gab es zum Beispiel auch in den USA so etwas wie eine Aristokratie der Stände – der soziale Status wurde meist weitervererbt. Dann gab es einen gewaltigen Wandel, den Charles Murray 1994 in seinem Buch „The Bell Curve“ beschrieb. Die Linke hat ihn dafür gehasst, weil sie glaubte, dass er über Rassenunterschiede schreibt, dabei ging es ihm um Klassenunterschiede. Er sah vieles voraus, was nun eingetreten ist. Er sagte, wenn man den gesellschaftlichen Status nicht mehr durch die Geburt erlangt, sondern auf Grundlage von IQ, dann sortiert man alle klugen Menschen in eine Ecke, sie heiraten untereinander und bekommen kluge Kinder. Die nicht ganz so klugen Menschen werden dagegen in eine andere Ecke sortiert. So teilt man auf Dauer sowohl die geistigen als auch die sozialen Ressourcen. Die Menschen an der Spitze der Gesellschaft haben gute Voraussetzungen, um Kinder großzuziehen. Die Voraussetzungen für die Menschen am unteren Ende der Skala sind dagegen ein Desaster. Egal ob für Weiße oder Schwarze.

Und was ist den Konservativen heilig?

Gott und Vaterland. Als Konservative in den Sechziger- und Siebzigerjahren sahen, dass junge Amerikaner das Sternenbanner verbrennen, dass sie ein Geschichtsbild entwarfen, in dem Amerika die Unterdrückung und das Böse verkörpert, war das, als hätte man mit der Faust in einen Bienenstock geschlagen. So haben sich die beiden Seiten seit den Sechzigerjahren gegenseitig aufgeregt. Im 21. Jahrhundert kam dann noch die politische Innovation des Bush-Rove-Teams dazu, dass man Wahlen nicht gewinnt, indem man die Mitte überzeugt, sondern indem man das eigene Lager in Rage bringt.

Funktionieren die Tea-Party- und Occupy-Bewegungen nicht so?

Ja, das sind moralische Gemeinschaften, die sich um geheiligte Werte herum organisieren. Das Interessante ist, dass sie so viel gemeinsam haben, vor allem die Wut auf den Kapitalismus. Sie könnten eigentlich gemeinsame Sache machen, wären sie nicht die exemplarischen Ausformungen der psychologischen Profile der Linken und der Rechten.

Wie kann man eine moralisch gespaltene Gesellschaft dazu bringen, vernünftig zu diskutieren?

Ganz grundsätzlich: Moral bindet und blendet. Das gilt nicht nur für die politischen Debatten, das gilt auch für die Wissenschaften. Irgendwann in den Sechzigerjahren tat sich da eine Kluft zwischen den Geistes- und Naturwissenschaftlern auf. Die Verwerfungslinie war die Frage: Ist die Evolution relevant oder nicht? Wenn Evolution relevant ist, dann gibt es ja vielleicht Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Doch weil das sexistisch ist, durfte es nicht wahr sein. Wenn man weiß, was der jeweiligen Gruppe heilig ist, kann man auch erkennen, in welchen Punkten sie unzugänglich für Beweise und Tatsachen sind.

Ist das auch der Grund, warum die Beschneidungs- oder die Urheberrechtsdebatten mit solcher Härte geführt werden?

Die Beschneidungsdebatte hat mich extrem verärgert. Ich bin zwar ein atheistischer Jude, aber wie kann man die Grundlagen eines Glaubens so infrage stellen? Ich kenne mich aber besser mit Urheberrechten und Patenten aus – mein Vater war Patentanwalt. Bislang war das eine eher obskure Debatte für Rechts- und Wirtschaftstheoretiker, die wenig mit dem Alltag der meisten Menschen zu tun hatte. Und dann kommt plötzlich das Internet und alles ist verfügbar. Die wenigsten würden wahrscheinlich jemandem eine CD aus dem Rucksack stehlen. Aber wenn man etwas von einer Webseite herunterlädt – wem schadet man da schon? Und auf einmal kommen die Regierung und irgendein Anwalt für irgendeine Plattenfirma und sagen, dass man das nicht mehr darf, sie beginnen, den Computer auszuspähen. Das berührt das Freiheitsverständnis der Leute negativ. Ihr erzählt uns, dass wir etwas nicht mehr tun dürfen, auch wenn unser moralischer Kompass da kein Problem damit hat? Fuck you. Dann baut sich eine Philosophie drumherum auf. Information muss frei sein! Das hat irgendjemand mal vor Jahrzehnten gesagt. So kann man das in einen normativen Imperativ packen.

  

Noch einmal: Wie kocht man eine Debatte wieder herunter?

Es gibt einen alten Vaudeville-Witz: Kommt ein Mann zum Arzt und sagt, es tut so weh, wenn ich so mache. Sagt der Arzt, dann hören Sie halt auf damit. Ich meine damit nicht, dass man keine vernünftigen Argumente anbringen sollte, aber man darf nicht erwarten, dass sie funktionieren. Prinzipiell sollte man kein Sakrileg begehen, weil sich die andere Seite sonst nie wirklich mit dem Thema beschäftigt. Und man kennt die Heiligtümer der anderen doch. Nehmen Sie die Regelung der Obama-Regierung, dass katholische Krankenhäuser und Colleges für die Empfängnisverhütung ihrer Angestellten bezahlen sollen. Das war unfassbar dumm. Das hat nur das Gefühl zementiert, dass es einen Krieg gegen Religion gibt. Dass sie ein Opfer sind. Dass die Demokraten Religion hassen.

Sie selbst sind auch eher liberal – beraten Sie die Demokraten?

Ich habe mich vor Jahren den Demokraten als Berater angeboten. Die meisten haben gar nicht reagiert. Ein paar Einladungen habe ich bekommen, aber ich habe die meisten abgelehnt. Demokraten glauben immer noch, dass sie nur die Botschaft richtig hinkriegen müssen, dann passt die wie ein Schlüssel in die Köpfe der Leute und bringt sie auf ihre Seite. Ich habe immer versucht, ihnen beizubringen, dass der Botschafter so wichtig ist wie die Botschaft. Die Leute müssen einem vertrauen.

Warum sollte man den Demokraten weniger vertrauen als den Republikanern?

Da müssen sie nicht einmal moralisch argumentieren. Die machen schon auf der rationalen Ebene grobe Fehler. Demokraten gelten als geschäftsfeindlich. Wenn sie sagen, dass wir den Markt regulieren müssen, um ihn effizient zu machen, dann ist das zwar ein dringend nötiges Argument für jede moderne kapitalistische Gesellschaft. Doch die Leute glauben, dass das nur ein Machtanspruch ist. Wäre allgemein bekannt, dass die Demokraten den Kapitalismus lieben, wenn sie sich als großer Freund der kleinen Geschäftsleute im Kampf gegen Big Business profiliert hätten, dann stünden sie in der Tradition von Andrew Jackson in den 1820er-Jahren. Das wäre eine wirklich gute Position. Die Linke muss sich wirklich überlegen, was es im 21. Jahrhundert heißt, links zu sein.

Und wie erklären Sie, dass das Rennen so knapp bleibt, obwohl Mitt Romney gerade erklärt hat, dass ihm 47 Prozent der Amerikaner egal sind?

Die 47 Prozent decken sich mit seinem Gerechtigkeitsverständnis. Er teilt das Land in die „Makers“, die mehr einbringen als herausnehmen, und die „Takers“, die mehr herausnehmen als einbringen. Das hält er für so ungerecht, dass es rechtfertigt, die Steuern der „Makers“ zu senken und die Zuwendungen für die „Takers“ zu streichen. Ich glaube allerdings, dass ihm dieser Kommentar sehr schaden wird.

07.07.12 | 22:07 | 0 Kommentare

Die Welt bleibt jetzt rund

Transparenz und Offenheit sind die Maximen der globalisierten Welt – das Ideenfestival Ted fragt warum

(Von Andrian Kreye) Es wirkt immer etwas verdächtig, wenn Schlagworte zu Maximen werden. Momentan sind Transparenz und Offenheit auf dem besten Weg zum Credo für Wirtschaft und Politik aufzusteigen. Dass sich das Ideenfestival Ted Conference in der vergangenen Woche damit in Edinburgh beschäftigte, lag nahe. Wikileaks-Gründer und Transparenz-Hardliner Julian Assange hatte bei einer Ted Conference in Oxford vor zwei Jahren quasi sein Debüt auf der Weltbühne. Wenige Wochen später veröffentlichte er die diplomatischen Depeschen aus Amerika und formulierte eine Ideologie der Transparenz, die letztendlich auch zum Erfolg der Piratenpartei führte. Zeit also für eine Bestandsaufnahme mit dem Titel „radical openness“.

Auftritt Ellen Jorgensen. Die Molekularbiologin gilt als Mutter der Biopunk-Bewegung. Sie sieht aus, als habe sie irgendwann mal in einer dieser klugen, aber lauten New Yorker Bands wie Sonic Youth oder den Pixies gespielt – akkurater Mittelscheitel, darunter der strenge Blick subkultureller Weisheit. Sie berichtet von ihrem Labor „GenSpace“ in Brooklyn. Da betreibt sie mit Amateuren und Teenagern „Do-it-yourself-Biotech– Biohacking“. Letztlich geht es darum, Genetik so zu verstehen wie einen Computer. Man könnte sich noch auf die Analogie einlassen, dass die DNA letztlich die ultimative Programmiersprache ist. Das tut Jorgensen nicht. Stattdessen zeigt sie, dass die Entwicklungskurve der Biotechnologie noch viel steiler ist als die der Informatik. Vor zwölf Jahren kostete die Entschlüsselung des ersten Genoms noch drei Milliarden Dollar. Heute ist das für unter tausend zu machen. Die radikale Offenheit kommt also zwangsläufig. Jorgensen sagt, es sei besser, die breite Bevölkerung verstehe die Materie und könne damit umgehen. Ignoranz hilft schließlich niemandem.

In Europa ist das Ideenfestival Ted Conference noch nicht ganz so bekannt. Das Prinzip ist ja einfach: eine Idee, eine Bühne, ein Mikrofon, ein Projektor und eine gute Viertelstunde Zeit. Nach der Konferenz wird eine Aufzeichnung des Vortrags ins Internet gestellt. Da haben diese sogenannten „Ted Talks“ oft einen Erfolg, den sonst nur Popsongs haben. Die Anwältin Susan Cain erzählte im Februar bei der kalifornischen Ted Conference davon, wie schwierig es ist, als introvertierter Mensch in einer Welt zu leben, die von Extrovertierten dominiert wird. Eine halbe Million Menschen haben sich diesen Vortrag seither angesehen. Als Popsängerin wäre sie damit in den Hitparaden. In Europa ist die Form des komprimierten Intellektualismus noch verdächtig. In den USA hat sie Tradition. Die Zeitschrift New Yorker findet in ihrer aktuellen Ausgabe die Wurzeln von Ted in den Vortragstourneen des Philosophen Ralph Waldo Emerson.

Weil die Ted Conference ihre Wurzeln im Silicone Valley hat, wo der Konferenzgründer Richard Saul Wurman Anfang der achtziger Jahre beobachtete, dass Technologie, Entertainment und Design (T.E.D.) eine neue Einheit bilden, ist die vorherrschende Stimmung eine leicht euphorisierte Zukunftsgläubigkeit. Sie bestimmt auch die Woche in Edinburgh. Das ist auch sicher der große Reiz an der Ted Conference. Aber so einfach machen es sich die Chefkuratoren Chris Anderson und Bruno Giussani dann doch nicht, schon gar nicht im skeptischen Europa. Einer der ersten Sprecher findet dann auch einen ganz anderen Begriff für die radikale Offenheit, die derzeit auf allen Ebenen Einzug hält. Tim Leberecht von Frog Design erzählt vom Kontrollverlust. Der sei unabwendbar. Sein Fazit: Design für den Kontrollverlust. Offensiv angehen, was nicht vermeidbar ist.

Ted ist ein gutes Beispiel für solch einen gewollten Kontrollverlust. Mit einem Eintrittsgeld von rund fünftausend Euro bleiben die Konferenzen vor allem Festivals für intellektuell neugierige Eliten. Im Publikum – viele Unternehmer, einige Stars. Auf der Bühne – Wissenschaftler, Aktivisten, Intellektuelle. Erst kam die Entscheidung, die Videos gratis ins Netz zu stellen. Die wurden bisher 80 Millionen Mal angesehen. Dann wurde die Marke selbst entfesselt. Wer will, kann eine TedX-Lizenz beantragen und selbst so eine Konferenz veranstalten. 2009 startete das Experiment. Inzwischen gab es über viertausend TedX-Konferenzen in 133 Ländern. Der Erfolg ist immens. Ted wandelte sich in drei Jahren vom Elitenforum zur Weltmarke. Ein Modellfall? Viele träumen solche Strategien schon. Gerade Medienkonzerne finden das Vorbild Ted sehr verlockend. Chefkurator Chris Anderson räumt ein, Ted ist ein gemeinnütziger Verein und muss als solcher keine Profite machen. Da fällt radikale Offenheit schon leichter.

Hinter den Schlagworten versteckt sich dann doch eine handfeste Entwicklung. Auftritt James Stavridis, amerikanischer 4-Sterne-Admiral und derzeit Kommandeur der Nato. Inmitten der kalifornisch-europäischen Lässigkeit wirkt er in der gestärkten Uniform und mit seiner geometrischen Gestensprache wie ein Polka-begeisterter Unteroffizier, der Robin Williams im Film „Good Morning Vietnam“ das Leben schwer macht. Der Admiral erzählt davon, dass Mauern als strategische Allegorien nicht mehr funktionieren. Brücken müsse man nun bauen, um Sicherheit zu schaffen. Beispiel organisiertes Verbrechen – Piraten rauben jährlich Güter im Wert von 10 Milliarden Dollar. Die kann man mit Kanonenbooten verfolgen. Cybercrime hingegen hat eine Dimension von 3 Trillionen erreicht. „Da nützen uns die Waffen des 20. Jahrhunderts nicht viel.“

Wenn Transparenz und Kontrollverlust unvermeidlich sind, welche Regeln gelten dann? Internet-Visionär Don Tapscott findet vier Grundregeln. Zusammenarbeit. In einer vernetzten Welt schafft das nur Mehrwert. Offenheit. Wer versucht, sich gegen Transparenz zu wehren, kann nur verlieren. Teilen. Hätte die Musikindustrie die neue Kultur des Miteinander verstanden, hätte sie Lösungen finden können. Ermächtigung. Wenn die neuen Technologien den Massen neue Macht verleihen, sollte man sie nicht bremsen, sondern fördern, um Teil der Bewegung zu bleiben.

Nichts wirkt auf einer Ted Conference so gut, wie ein fundierter Skeptiker. Der Wirtschaftswissenschaftler Pankaj Ghemavat tritt gegen die beiden populärsten Globalisierung-Theorien an. Gegen Paul Krugmans These, die Welt sei flach, also letztgültig internationalisiert. Gegen Naomi Kleins Theorie, die globalisierte Welt werde von multinationalen Banken und Konzernen beherrscht. Er nennt vier Werte. Von allen Telefonanrufen weltweit seien immer noch 98 Prozent innerhalb eines Landes. Die Zahl der Auswanderer beträgt weltweit 3 Prozent. Der Anteil internationaler Investments liege bei zehn Prozent. Das Verhältnis von Exporten zum Bruttosozialprodukt liege im internationalen Schnitt bei 20 Prozent. Die Vernetzung und damit einhergehende Öffnung findet vor allem in unseren Köpfen statt. Die Welt ist also – rund.



"RADICAL OPENNESS" - for TEDGlobal 2012 by @Jason_Silva from Jason Silva on Vimeo.

12.05.12 | 19:04 | 0 Kommentare

Goetz

Aufzeichnung der Mosse-Lecture mit Rainald Goetz und Diedrich Diederichsen vom 03.05.2012 in der Humboldt-Universität zu Berlin.

11.03.12 | 16:48 | 1 Kommentar

Das Woodstock der Ideen

Fünf Tage Reizüberflutung: Ein Besuch auf der  Ted Conference, dem Weltgipfel der Optimisten

(März 2012, von Andrian Kreye) 

Die Regeln für die Redner des Ideenfestivals Ted Conference sind einfach – eine Idee, eine Bühne, eine Projektionsfläche, eine gute Viertelstunde Zeit. Und schon geht’s los. Die Konkurrenz ist hart. Die meisten, die hier vortragen haben sich im Leben längst bewiesen. Sie haben Bestseller, Professuren, Patente, Nobelpreise oder Milliarden vorzuweisen. Das garantiert hier aber nicht unbedingt Erfolg. Die 1500 Besucher der Konferenz sehen 90 Auftritte in vier Tagen. Wer in einer solch fulminanten Reizüberflutung bestehen will, muss überzeugen.

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Auftakt der Ted 2012: Der Physiker Brian Green erklärt das Prinzip des Multiversums. Dazu muss er aber zuerst noch die Stringtheorie erklären. Die mit den Elementarteilchen. Unser Universum ist nur eines von vielen. Manche bestehen, manche klappen zusammen. Schnell noch ein astrophysikalischer Witz. Alles verstanden? Rauschender Applaus. Ist das die letztgültige Verflachung der Wissenschaften? Der Übervater der amerikanischen Gegenkultur Stewart Brand lächelt über solch europäische Skepsis. „Das wissenschaftliche Entertainment hat in Amerika eine lange Tradition“, sagt er. Im 19. Jahrhundert gingen Wissenschaftler auf Tour und sprachen vor zahlendem Publikum. Wie Popstars.

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Auf die Frage, was auf der Ted Conference eigentlich verhandelt wird, gibt es keine einfache Antwort. Angelsächsische Kollegen haben immer wieder ein paar Schlagworte ins Spiel gebracht – Woodstock der Ideen, Davos der Optimisten, die Feriencamps für Millionäre. Das Kürzel steht für Technology, Entertainment und Design, aber das galt für die Teds der neunziger Jahre, als sie noch ein Treffen der Silicon-Valley-Elite in Monterey war. Inzwischen findet die Ted im kalifornischen Long Beach statt und der Themenkreis wurde um Natur- und Geisteswissenschaften, Menschenrechte, Film, Musik und Kunst erweitert.

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Wenn das hier Woodstock ist, dann ist Peter Diamandis der Jimi Hendrix des Optimismus. Sein Sprachfluss bebt vor Tatendrang. Diamandis ist Kind griechischer Einwanderer aus der Bronx. Im zivilen Leben betreibt er Firmen für zivile Raumfahrt, die Singularity University und die X-Prize-Stiftung, welche Millionenpreise für Ingenieure vergibt. Er hat gerade ein Buch mit dem Titel „Abundance“ geschrieben – Überfluss. Damit meint er das Potential unseres Planeten, Überfluss zu produzieren. Für jedes Problem der Menschheit kann es eine technologische Lösung geben. Fortschritt sei schon lange nicht mehr aufzuhalten. Beweise? Ein Afrikaner mit Handy hat Zugang zu mehr Informationen, als einst US-Präsident Ronald Reagan. Es gilt – das Credo des Machbaren.

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Long Beach ist nicht unbedingt der ideale Ort, um sich Gedanken darüber zu machen, ob es einen Intellektualismus des 21. Jahrhunderts gibt und welche Rollen das Internet und die Naturwissenschaften dabei spielen. Long Beach besteht vor allem aus dem Verladehafen der Stadt Los Angeles und einem Downtown, in dem sich überdimensionierte Hotel- und Bürotürme um kaum befahrene Schnellstraßen und ein verwaistes Kinocenter gruppieren. Aber weil in der örtlichen Kongresshalle einmal im Jahr das Ideenfestival Ted Conference stattfindet, ist Long Beach nun neben den Skiorten Davos und Aspen die wichtigste Station auf der Route des Wanderzirkus mächtiger und kluger Menschen, die sich Gedanken um die Welt und um die Zukunft machen.

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Wer Glück hat, wird auf eines der privaten Essen eingeladen, die am Rande der Ted Conference stattfinden. Peter Diamandis lädt zum Italiener L’Opera. Er stellt seinen nächsten Preis vor – zehn Millionen Dollar für das Team, das ein tragbares Diagnosegerät entwickelt, mit dem man das Gesundheitswesen revolutionieren kann. Er hat mächtige Freunde, die gekommen sind, um ihn zu unterstützen. Amazon-Chef Jeff Bezos. MIT-Media-Lab-Gründer Nicholas Negroponte. Google-Chef Larry Page. Hollywoodstar Cameron Diaz.

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Der allgegenwärtige Optimismus im Saal, in den Gängen, in den Lounges und auf den Partys hat sicher etwas mit diesem Credo des Machbaren zu tun, das sich durch so viele Vorträge zieht. Aber auch damit, dass sich das Publikum immer noch zu einem großen Teil aus der kalifornischen Elite rekrutiert. 7500 Dollar kostet der Eintritt. Das reduziert das Zielpublikum. Verdient wird nichts. Träger der Ted Conference ist eine Stiftung. Die finanziert mit den Einnahmen all die Projekte, die aus der Konferenz in den letzten Jahren eine Marke gemacht haben – die Videoplattform im Netz, die TedX-Ableger, die jeder veranstalten kann, der sich an ein paar Regeln hält, die Fernseh- und Radiosendungen, die E-Books, der Preis, die Stipendien, das TedEd-Bildungsprogramm auf Youtube, das am Montag online gehen wird. Das hat Ted zu einem Dreigestirn gemacht – Konferenz, Prädikatssiegel, Massenmedium für Ideen.

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Die Chefgründer der großen Digitalkonzerne sind fast alle auf der Konferenz. Die Nähe zum Weltwirtschaftsmotor Silicon Valley kann auch bedrücken. Der Buchdesigner Chipp Kidd wagt, eine Lanze für den Anachronismus zu brechen. Er zeigt den Buchumschlag, den er für Orhan Pamuks „Rot ist mein Name“ gestaltet hat. Die Liebenden verbergen sich auf dem Buchrücken. Der Sultan lugt vom Umschlag herüber. Sie sind entdeckt. Weiter geht es im Text. „Versuchen Sie das mal auf einem Kindle“, sagt Kidd. Und wiegelt gleich wieder ab. Er fände E-Books natürlich sehr praktisch und habe auch gar nichts gegen sie. Muss er das sagen? Als Buchgestalter?

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Hin und wieder reicht es dann aber auch mit der Machbarkeit. Dann tritt der Optimismus in die Kulisse. Etwa beim Auftritt der Friedensnobelpreisträgerin Leymah Gbowee. Sie erzählt vom Krieg, den Mädchen, den Vergewaltigungen in ihrer Heimat Liberia und schließt mit einem Appell: Gebt Mädchen den Raum, zu lernen und sich zu entfalten. Sie können der Motor der Entwicklung sein. Oder beim Vortrag von Al Gores Klimaberater James Hansen. Er prophezeit einen Temperaturanstieg von sechs Zehntelgrad Fahrenheit. Das entspräche der Energie von 400 000 Hiroshima-Bomben. Oder beim Auftritt des einstigen Greenpeace-Chefs Paul Gilding. Er sagt: Unser Planet ist voll. Kein Platz mehr. Keine Ressourcen. Wir brauchen eineinhalb Erden, um unser Wirtschaftssystem aufrechtzuerhalten. Der Erde ist unser Fortschritt egal. Sie verhandelt nicht.

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Widersprüche gibt es immer wieder. Chris Anderson bittet den Hyperoptimisten Peter Diamandis und den Turbopessimisten Paul Gilding gemeinsam auf die Bühne. Sie sollen sich streiten. Sie bleiben anderer Meinung. Und doch scheinen sie nur zwei Schritte des klassischen Dreisatzes jeder Problemlösung zu sein. Gilding erkennt die Probleme. Diamandis die Lösung. Leute, die solche Lösungen umsetzen, gibt es hier sowieso genug.

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Andere Widersprüche lassen sich nicht so leicht auflösen. Soll die Friedensnobelpreisträgerin Gbowee auf derselben Veranstaltung auftreten, wie Regina Dugan, die Darpa leitet, die Forschungsabteilung des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Darpa muss man nicht schönreden. Das ist die Waffenschmiede der Zukunft. Zivile Nebenprodukte der Darpa: das Internet, GPS, Impfstoffe. Dugan zündet ein Feuerwerk der jüngsten Projekte. Eine Flugdrohne mit Höchstgeschwindigkeit von Mach 20. Die könnte in elf Minuten von New York nach Kalifornien fliegen. An jeden anderen Ort der Welt in weniger als 60 Minuten. Eine Miniaturdrohne, die wie ein Kolibri aussieht und fliegt. Ein Super-GPS, das Blitzschläge als Leitpunkte nutzt. Chris Anderson fragt Regina Dugan nach dem Vortrag vorsichtig – die Zuladung der Mach-20-Drohne, das seien wohl nicht nur Kameras? Sie schüttelt den Kopf.

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Weiter geht’s in der Innovationsrunde. Vijay Kumar entwickelt an der University of Pennsylvania handgroße Hubschrauber, die in Formation fliegend handwerkliche und Aufklärungsarbeiten verrichten können. Wieder die Frage – fürs Militär? Oder den Katastrophenschutz? Sind in Amerika oft ein und dasselbe. Donald Sadoway vom Massachusetts Institute of Technology skizziert auf einer Schiefertafel das Grundproblem der Solarenergie, das Speichern. Hat er aber gerade mit seiner Flüssigmetallbatterie gelöst.

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Auch der Techno-Utopismus will gebrochen werden. Moralforscher Jonathan Haidt erklärt die Rolle der Religionen in der Evolution. „Sind Sie spirituell?“, fragt er das Publikum. Die Hälfte hebt die Hand. Haidt sagt, das Heilige habe die Zivilisation begründet, nur das Heilige vermag die Menschen zu überlebensfähigen Gruppen zu verbinden.

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Psychologe Steven Pinker und seine Frau, die Philosophin Rebecca Newberger, stellen dann das Gegenmodell auf. Nur die Vernunft habe die menschliche Zivilisation ermöglicht. David Hume, John Locke, Mary Astell, Sebastian Castellio werden zitiert.

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Kulturprogramm am Rande. Der Organist Cameron Carpenter reißt das Publikum mit frenetischen Kadenzen von den Sitzen. Das American Ballet Theatre tanzt Choreographien von Twyla Tharp. Die Soulsängerin Meklit Hadero singt zur Wandergitarre. Abigail Wahburn spielt Banjo. Die Auswahl erinnert an die eklektischen Programme öffentlich rechtlicher Sender wie das amerikanische National Public Radio oder Deutschlandradio Kultur. Bewährt Akustisches aus aller Welt.

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Je schneller Ted wächst (700 Millionen Zugriffe auf die Ted-Talk-Videos, innerhalb von drei Jahren, über 3200 TedX-Ablegerkonferenzen in 126 Ländern), desto stärker wird der Gegenwind. Der Literatenblog The New Inquiry findet die Macht der Ted Conference beunruhigend. Der Wissenschaftsjournalist Kent Sepkowitz schreibt, Ted-Konferenzen reduzierten Intellektualismus zu „Smart Style“. Ein Akademiker verflucht den Konferenzbetrieb im Kielwasser der Ted. Zu viele wirklich große Akademiker seien viel zu sehr damit beschäftigt, Bestseller zu schreiben und sie auf Konferenzen zu vermarkten, um noch ordentlich zu forschen. Verfechter entgegnen: Noch nie gab es in Amerika eine so massenkompatible Plattform für komplexe Themen. Das ist kein intellektueller Salon. Der Slogan lautet „Ideas worth spreading“. Ideen, die es wert sind, verbreitet zu werden.

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Am Ende der Woche stellt sich ein Zustand mentaler Erschöpfung ein. „Ted Lag“ nennen sie diesen Kater der Reizüberflutung. Nachdenken müssen sie später.

 

Foto: James Duncan Davidson

07.03.12 | 18:45 | 4 Kommentare

Apple – die Coca Cola des 21. Jahrhunderts



(6.3. 2012, von Andrian Kreye)  Normal ist das ja nicht, wie euphorisiert die Welt auf fast jede Produktvorstellung des Elektronikkonzerns Apple wartet, selbst wenn es dann doch nur das alte Gerät mit ein paar Verbesserungen ist. Der Markenexperte Martin Lindstrom hat eine neurologische Untersuchung zu diesem Phänomen angestellt. Er wollte dabei dem Kalauer nachgehen, dass iPhone-Nutzer klassisches Suchtverhalten zeigen. Das Ergebnis war erstaunlich. Es sei keine Sucht. Die enge Bindung zum Gerät sei mit wahrer Liebe vergleichbar. Das zeigten zumindest die Kernspinaufnahmen. Die Reaktion auf das Vibrieren eines iPhones war fast identisch mit den Hirnströmen angesichts eines geliebten Menschen.

Es gibt natürlich unzählige Firmen, die Smartphones, Tablets oder Computer herstellen. Doch der Erfolg von Apple ist eher eine kulturgeschichtliche denn eine wirtschaftliche Entwicklung. Das steuerte Firmengründer Steve Jobs schon früh. Er dachte immer erst an den Nutzer, dann ans Gerät. So bekam Apple für das 21. Jahrhundert eine Bedeutung wie Coca-Cola für das 20. Jahrhundert.
 
Die weltweite Verbreitung der Cola galt als Analogie für den Siegeszug der freien Marktwirtschaft und Demokratie. Das rotweiße Markenzeichen stand für Freiheit. Nur in der negativen Interpretation war es Sinnbild für die Dominanz der westlichen Konsumkultur.

Die Symbolwirkung von Apple ist inzwischen ähnlich. Das funktioniert deshalb so gut, weil Apple-Computer lange Zeit Nischenprodukte der digitalen Avantgarde waren. Dieses Vorreiter-Image wurde raffiniert gepflegt. Das begann mit dem legendären Werbespot von 1984, in dem „Blade Runner“-Regisseur Ridley Scott die ersten Apple-Computer als Mittel für den Befreiungsschlag gegen eine graue Welt der Repression und Gleichförmigkeit inszenierte, die an Orwells Roman „1984“ erinnerte.
 
1997 lancierte Steve Jobs die „Think Different“-Kampagne, für die er nicht nur die Symbole der kulturellen Rebellion vereinnahmte, sondern auch ihre Helden. Der Werbespot zeigte Albert Einstein, Bob Dylan, Picasso und Maria Callas. Das legte den Grundstein für die Aura der Kreativität, mit der sich die Firma von nun an schmückte.

Nun sind Apple-Geräte heute längst Massenware. Für junge und jung denkende Menschen des 21. Jahrhunderts hat der angebissene Apfel des Firmenlogos jedoch eine ähnliche Bedeutung wie das Coca-Cola-Signet für die Demokraten des 20. Jahrhunderts und das Peace-Zeichen für die Generation der Hippie-Jahre. Er steht weniger für ein Produkt als für ein Lebensgefühl, oder zumindest die Sehnsucht danach.

Wer Apple-Geräte benutzt, der zählt sich zu einer Elite, die aus dem Strukturwandel des 21. Jahrhunderts als Sieger hervorgeht. Es sind die Kreativen, die Innovatoren, all jene also, die sich in einer Welt der Niedriglohnjobs auf die immer schmalere Seite der Gutverdienenden schlagen. Der rebellische Gestus hat dabei längst keinen politischen oder kulturellen Kern mehr. Es geht um die Eroberung einer aufregenden neuen Welt, die mit neuen Technologien das Leben der Menschen verändern wird.

Nun war Steve Jobs kein Ideologe, sondern Geschäftsmann. Aura und Lebensgefühl sind für Apple wie für jede Marke nur Vehikel, um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden und Kunden zu binden. Für den Digital-Kosmos ist das immer wichtiger. Nur so konnte Apple eine Produktwelt schaffen, aus der es kaum noch ein Entkommen gibt. Wer Apple-Geräte benutzt, wird bald einen Großteil seines Alltages darüber abwickeln, egal ob er kommuniziert, Musik hört oder einkauft. Mit jeder Gerätegeneration schließt sich diese Welt ein wenig mehr. Das mag die negative Interpretation eines im Ansatz freundlichen Lebensgefühls sein. Es funktioniert aber gerade deswegen so nachhaltig, weil so viele Apple-Nutzer ihre Geräte regelrecht lieben.

01.03.12 | 20:07 | 0 Kommentare

TED 2012 #2

Ähnliche Fragen stellen sich bei neuen Technologien oft, aber selten so deutlich - Feuerwehr oder US Marines?

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