22.02.11 | 16:36 | 0 Kommentare

Die Hymne der arabischen Jugendrevolte

"Rais Lebled" von El General - Interview mit El General von Jonathan Fischer im Mittwochsfeuilleton der SZ.

03.08.10 | 06:13 | 0 Kommentare

TED Talk der Woche: The 99

28.05.10 | 22:55 | 0 Kommentare

Kabul Chic

KabulRecordStore

Der Direktor der California State University East Bay Mohammad Qayoumi hat eine alte Broschüre des afghanischen Planungsministeriums aus den 50er-Jahren in die Finger bekommen und erzählt in der Juni-Ausgabe von Foreign Policy entlang der Bilder von seiner Jugend im Kabul der 50er und 60er, als afghanische Frauen Karriere in der Medizin machten, als es Kinos und Plattenläden gab, in denen es die gleichen Filme und Platten gab, wie im Rest der Welt auf.

Text und Fotostrecke hier.

Foto: Broschüre des afghanischen Planungsministeriums 1950er-Jahre

24.04.10 | 23:18 | 1 Kommentar

Der 4. September 2009

kunduz

Die Opfer von Kundus kommen zu Wort – nicht vor Gericht, aber in einer Ausstellung und einem Buch

Es gibt viele Gründe dafür, dass die Opfer der Angriffe in Afghanistan seit Beginn des Krieges am 7. Oktober 2001 nur selten zu Wort kamen. Die alliierten Streitkräfte behindern die Arbeit westlicher Journalisten genauso wie die afghanischen Behörden, viele Angriffe finden in Gebieten der Taliban statt, in denen Nachforschungen unmöglich sind, es fehlt an Korrespondenten vor Ort und am Willen der gespaltenen Bevölkerung, mit neutralen Beobachtern zusammenzuarbeiten. Deswegen ist es ein besonderer Glücksfall, dass der deutsche Journalist Christoph Reuter und der Fotograf Marcel Mettelsiefen den Luftschlag gegen eine Menschenmenge südlich von Kundus am 4. September 2009 mit einer Akribie und einem Aufwand aufgearbeitet haben, die einzigartig sind. Das Ergebnis sind eine Ausstellung und ein Buch, die weit über die reine journalistische Dokumentation hinaus die aktuellen Vokabel- und Mandatsdebatten buchstäblich auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Der Fall ist bekannt. Als sich zwei von den Taliban entführte Tanklaster an einer Furt festgefahren hatten, versammelte sich eine Menschenmenge aus Männern, Kindern und Greisen, die gratis Treibstoff abfüllen wollten. Oberst Georg Klein befürchtete, die Lastwagen könnten für einen Selbstmordanschlag auf das deutsche Feldlager benutzt werden und ordnete einen Luftschlag durch amerikanische Jets an. Nach Angaben der Nato kamen dabei zwischen „17 und 142 Menschen” ums Leben. Nach dem Ergebnis der vier Monate andauernden Recherchen von Reuter und Mettelsiefen waren es 91 Männer, Kinder und Greise aus fünf umliegenden Dörfern. Einige von ihnen waren Mitglieder der Taliban, einige Zivilisten.

„Uns geht es nicht darum, alle Opfer post mortem zu guten Menschen zu erklären”, heißt es im Vorwort. Ein kurz vor Drucklegung hinzugefügter Absatz weist darauf hin, dass am 2. April dieses Jahres drei Bundeswehrsoldaten in einem Hinterhalt in der Nähe des Dorfes Issa Khel ums Leben kamen, aus dem zehn der Opfer stammten, es sich also nicht nur um eine friedliche Gegend im Kriegsland handelt. „Aber Menschen, das waren sie. Ihnen gebührt der Respekt, als Individuen wahrgenommen zu werden.”

Christoph Reuter lebt seit 2008 in Afghanistan, von wo aus er für das Wochenmagazin Stern berichtet. Er stellt die aktuellen Debatten und Untersuchungen nicht in Frage. Doch er sagt: „Es ist wichtig, wie es dazu kam, aber es ist auch wichtig, wen es getroffen hat.” Das hatten bisher weder amerikanische noch britische Kollegen nach ähnlichen Angriffen recherchiert. Und doch ist der Angriff vom 4. September 2009 mehr als nur ein Fall, der das Grauen und die Ungerechtigkeit des Krieges dokumentiert. „Es ist das erste Mal seit dem 2. Weltkrieg, dass ein deutscher Offizier sagt, ich will, dass diese Menschenmenge ,vernichtet‘ wird”, sagt Reuter. „Vernichtet” war die Wortwahl des Oberst Klein.

Formal sind weder Ausstellung noch Buch eine klassische Reportage. Marcel Mettelsiefen hat die Angehörigen der Opfer vor grauem Hintergrund platziert und Porträtaufnahmen von ihnen gemacht, die eher an die statischen Posen der spätmittelalterlichen Porträtmalerei erinnern als an die Gesichter des Krieges, mit denen Robert Capa oder W. Eugene Smith die moderne Bildreportage begründeten. Daneben stehen die wenigen Bildspuren, die Menschen in einer technisch unterversorgten Weltgegend eben so hinterlassen – Familienbilder, Ausweispapiere, Schnappschüsse. Die Texte dazu beschränken sich aufs Nötigste, auf die biografischen Angaben und die spärlichen Sätze der Angehörigen, die sich an jene Nacht erinnern.

Kundus01

Kunduz01Hamidullah, Sohn Mohammed Alis: "Ich war in der Nacht nicht da, hatte bei Freunden geschlafen. Als ich am Morgen nach Hause zurückkehrte, sah ich erst meinen toten Onkel, dann meinen toten Vater, dann meinen toten Bruder." (Bild links oben: Ibrahim, 25, Mohammed Ali, 40, Rahmatullah,15). Jetzt bin ich verantwortlich für beide Familien, denn ich bin der älteste Mann."

Aus dieser Spannung zwischen formaler Strenge, der Banalität rudimentärer Dokumente und der Nüchternheit des Protokolls kristallisiert sich die sprachlose Trauer von Menschen, die ihre Väter, Großväter, Onkel und Kinder verloren haben. Es sind würdevolle Porträts von Männern und Knaben, denen Stolz viel bedeutet. Doch Mettelsiefen hat die Schwäche herausgearbeitet, die solch ein Verlust hinterlässt, hat auf jenen Moment gewartet, wenn Würde und Stolz porös werden und sich die Trauer in Nuancen um Augen und Mund abzeichnet.

In den Texten erzählt Reuter nicht nur die Geschehnisse der Nacht minutiös nach. Das Buch setzt Kundus in einen historischen Kontext – die einst modernste Stadt Afghanistans, aus der ein so verlorener, trister Ort geworden ist. Er beschreibt die Geografie der Provinz Chardara als Hölle für die Bundeswehrsoldaten, deren schwere Fahrzeuge auf den lehmigen Wegen abrutschen, die überall und jederzeit mit Heckenschützen und Sprengfallen rechnen müssen, die mit afghanischen Truppen zusammenarbeiten, die oft genauso viel Angst vor den Taliban haben wie die eingeschüchterten Dörfler.

Geplant war die Arbeit nicht. Sie entstand fast zufällig aus der laufenden Berichterstattung. Gleich nach dem Luftangriff dokumentierten Reuter und Mettelsiefen die Folgen. Da kam schnell mehr zusammen, als in einer Magazinreportage Platz findet. Die ersten Porträts waren auch gar nicht für eine Veröffentlichung gedacht. Sie dienten den Reportern für die Dokumentation ihrer Gespräche und die Bestandsaufnahme. Doch die Fülle des Materials trieb die beiden an, weiterzumachen. Noch dazu, weil es ähnliche Arbeiten aus dem Krieg nicht gab. Die Redaktion gab den beiden Carte blanche. Das Ergebnis liegt nun vor.

Eine wichtige Stärke der Arbeit ist, dass Reuter und Mettelsiefen nur selten anklagen. Das Protokoll verstört mehr, als moralische Empörung es je könnte. Der Vollzug, ein Unteroffizier vermerkt: „,Tasks closed‘. Oberst Klein verlässt den Befehlsstand und geht ins Bett.” Die Identifizierung des Amir Gul: „Ein Bruder erkannte ihn später an den neuen Kleidungsstücken, an einer Hand und dem halben Gesicht.” Die Bestandsaufnahme der Feldjäger: „Es sind nur noch minimalste Spuren von Humanmaterial zu finden.”

MARCEL METTELSIEFEN, CHRISTOPH REUTER: Kunduz, 4. September 2009, Rogner & Bernhard, Berlin, 2010. 128 Seiten mit 109 Fotografien, 19,90 Euro. Ausstellung bis zum 13. Juni im Kunstraum Potsdam

Fotos: Marcel Mettelsiefen/Rogner & Bernhard

22.04.10 | 16:34 | 0 Kommentare

Trailerpark (die Zweiminutenkritik)



Aus aktuellem Anlass - die Afghanistan-Doku "Patrol Base Jaker". Mit einem gelungenen Kunstgriff. Ursprünglich waren es amerikanische Kabelsender wie HBO und Showtime, die damit begannen, Filme und vor allem Serien mit allzu komplexer Handlung für einen Trailer als Videoclips zu Rockmusik zusammenzuschneiden, um die inhaltliche Vorschau mit einem buchstäblichen Teaser, durch emotional aufgeladene Bilderfolgen zu ersetzen. Funktioniert meistens.

11.01.10 | 14:03 | 0 Kommentare

TED Talk der Woche: Religion and politics are technologies



3:59 ... the goals from the perspective of Muslims are, in principle, peace, justice and equality, but on terms that correspond to traditional Muslim teachings.

10:02: Many, many Muslims believe, the vast majority in fact ... that the core values of Islam namely acknowledgment of God's sovereignty, and basic human equality before God, are themselves compatible with liberty, equality and free political choice.

10:48: In the most recent elections in the Muslim world - which are those in Pakistan, those in Morocco, and those in Turkey - in each case, people who present themselves to the electorate as Islamis democrats, were far and away the most successful vote-getters every place they were allowed reely.

11.01.10 | 13:01 | 7 Kommentare

Wertedebatte (2)

GazaAFP

Kluger Text von Claudius Seidl in der FAS gestern. Es ist allerdings schon erstaunlich, was sich da in der Integrationsdebatte gerade zusammenbraut. Auf dem Fact-Fiction-Blog wird Seidl erstmal als bezahltes U-Boot (von wem? Saudi-Arabischen Wahabbisten? Iranischen Fundis?) tituliert, richtig heftig wird es dann gleich in den Kommentaren.

Der Rechtsaussen-Blog Politically Incorrect verteilt unterdessen schon Flugblätter, um vor den Gefahren des Islam zu warnen. Dezidiert nicht vor dem Islamismus, Zitat: "Der Gegensatz von Islam und Islamismus ist westliches Wunschdenken." 

Das passt zur Argumentationslinie von Henryk Broder, der mich in einem Interview mit der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten (bürgerlich-konservative, eher einwanderungskritische dänische Tageszeitung, aus der die Mohammedkarikaturen stammen, die dänische Mullahs dann benutzten, um anti-europäischen Hass zu schüren) einen "Appeaser" nennt. So verzerrt man die Integrationsdebatte allerdings mit Jargon aus der historischen Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Das sind Totschlagargumente, wie sie auch die amerikanischen Neocons im Vorfeld des Irakkrieges benutzt haben. Denn der historische Appeaser war Neville Chamberlain, der die Gefahr des Nationalsozialismus verkannt hat. Da wird nun versucht über den arabischen Begriff von der islamischen Religionsgemeinschaft der Umma und ein Zusammenrühren sämtlicher Strömungen des Islam eine neue Weltverschwörungstheorie aufzubauen.

Das ist zunächst einmal faktisch nicht ganz richtig. Die Diktaturen in Iran, Saudi-Arabien und Sudan mit dem islamistischen Untergrund in einen Topf zu werfen und daraus eine globale Bedrohung durch den radikalen Islam zu konstruieren ist reine  Demagogie. Das fängt schon damit an, dass sich der Islamismus radikale Islamismus ursprünglich vor allem mit seinem Widerstand gegen die Regimes in Saudi-Arabien und Ägypten formierte profilierte. Dass sich Iran und Saudi-Arabien seit 1979 einen erbitterten Konkurrenzkampf um die theologische und politische Vormacht in der islamischen Welt liefern. Die Parallelen zwischen dem neuen Antiislamismus und dem Antisemitismus hat Wolfgang Benz ja neulich aufgezeigt. Was aber letztlich von dieser Debatte bleibt ist schlichter, unverblümter Fremdenhass.

Foto:  Schülerinnen in Gaza,AFP

05.01.10 | 12:16 | 44 Kommentare

Wertedebatte

westergaardReuters

Da habe ich mich vorgestern offensichtlich doch etwas undeutlich ausgedrückt in meinem Kommentar zum Mordversuch am dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard und der allgemeinen Wertedebatte zwischen dem säkularen Westen und der radikalisierten islamischen Welt (und nein, nicht die ganze islamische Welt ist radikalisiert). Das finden unter anderen Peter von Becker im Tagesspiegel.

Also - Korrektur, oder besser gesagt heute online etwas deutlicher:

- Die judeo-christlichen/säkularen Grundwerte sind nicht verhandelbar. Dazu gehört auch die Meinungsfreiheit, die immerhin die Grundlage meines Berufes ist.

- In der islamischen Welt sind religiöse Gefühle und Respekt wichtiger, als die freiheitlichen Grundwerte des Westens. Westliche Werte sind nicht für alle Menschen auf diesem Planeten erstrebenswert.

- Wer beleidigt muss auch zugestehen, dass der Beleidigte beleidigt ist.

- Wer dem radikalisierten Islam die Chance gibt, eine solche Provokation für seine Zwecke und zur Mobilisierung zu nutzen, muss in Kauf, dass er Gewalt gegen sich und andere provoziert.Dabei bedient sich der Islamismus der Motive des Freiheitskampfes. Dikaturen wie in Iran, Syrien, Saudi-Arabien etc. sind politische Dikaturen, die den Islam missbrauchen.

- Damit unterstütze ich keineswegs die Angriffe auf die Meinungsfreiheit, ich befürworte auch keine kulturelle Toleranz, die mit den Grund- und Menschenrechten nicht in Einklang zu bringen ist. Im Gegenteil. Die Tatsache, dass eine Provokation des Islamismus gewalttätige Folgen hat, ist eine Beobachtung, keine Meinung.

- Meine Beobachtungen stützen sich auf Begegnungen mit Islamisten im Sudan, in Gaza, in Westafrika und Brooklyn. Und führten zu der Erkenntnis - zwischen dem radikalisierten Islam und dem säkularen Westen gibt es keine Verhandlungsgrundlagen. Wer sich auf eine Wertedebatte zwischen diesen beiden Kulturen einlässt, sollte das berücksichtigen.

- Es gibt keine einfache Lösung für diese Debatte. Radikale Lösungen des Westens wären (z.B. präventive Lösungen) wären wiederum ein Verrat an den eigenen Werten.

Fragen gerne in den Kommentaren. Werde in Zukunft deutlicher werden. Es sei denn, es handelt sich um Formen des selektiven Verstehens. Was zum Beispiel erklären würde, warum es auf den Text Saures und Lob von Links und Rechts gab.

Foto: Kurt Westergaard/Reuter

21.07.09 | 11:21 | 0 Kommentare

TEDGlobal U Session 1

backstage

Auftakt erster Tag - Ted University, eine Art Highspeedseminar, bei dem Redner aus dem Publikum ihre Ideen/Projekte vorstellen können. Erste Session 75 Minuten, 11 Kurzvorträge von 3 bis 9 Minuten, die sich auf einen Gedanken komprimieren lassen.

Eine Auswahl:

- Ian Goldin: Die beiden großen Herausforderungen der Globalisierung sind Ungleichheit und Komplexität. Keine der traditionellen Regierungen kann diese Probleme global managen.

- Shereen El Feki: Neue Formen arabischer Popkultur wie 4Shbab TV oder der Comcistip 99 sind kein "cultural mash", sondern "cultural mesh", in dem sich die Kulturen nicht mischen, sondern verweben.

- Cynthia Schneider: In der islamischen Welt haben die "Deutschland sucht den Superstar"-Kopien wie Afghan Star keinen Boom westlicher, sondern traditioneller Kulturen ausgelöst.

- Jim Walker von der Climate Group: Software für intelligente Energienetzwerke könnte der Weltwirtschaft 1 Billion Dollar im Jahr sparen.

- Barbara Anderson: Open Access als Charity... In einem Land wie Senegal sind lediglich 3 der über 7000 medizinischen Journale erhältlich. Ihre Organisation Research4Life stellt sie online gratis zur Verfügung.

Session 2 -  14 Kurzvorträge.

Foto: Szene aus dem Dokumentarfilm "Afghan Star"

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