21.09.12 | 19:00 | 1 Kommentar

Moral bindet und blendet

Im amerikanischen Wahlkampf geht es wieder einmal um moralische Überlegenheit. Doch wer hat die eigentlich?  Und warum wählen Menschen überhaupt Parteien, deren Programme ihren Interessen eigentlich widersprechen? Ein Interview mit dem Sozialpsychologen an der NYU Jonathan Haidt, der in seinem Buch "The Righeous Mind" die Spaltung von Gesellschaften untersucht.

(Von Andrian Kreye)
Als Europäer wundert man sich , warum so viele Menschen mit bescheidenem Einkommen eine Partei wählen, deren Kandidat Mitt Romneyfür sie offensichtlich nichts Gutes will, während Obama doch einiges für sie getan hat. Warum wählen Menschen gegen ihre eigenen Interessen?

Jonathan Haidt: Die Frage geht davon aus, dass eine Wahlentscheidung aufgrund einer rationalen Berechnung der eigenen Interessen gefällt wird. Als Moralpsychologe sehe ich das anders – Politik ist dem Glauben sehr viel ähnlicher als dem Shopping. In der Soziologie des 20. Jahrhunderts gab es zwar die Idee vom Homo oeconomicus, der ganz rational das beste Ergebnis für sich errechnet.

Ratio spielt in der Politik keine Rolle?

Wir haben das lange untersucht. Ich habe versucht, ein einfaches Bild zu finden, und bin auf den Elefanten und seinen Reiter gekommen. Unser Bewusstsein ist der Reiter, alles andere ist der Elefant. Bewusstsein macht aber lediglich zwei Prozent unseres Selbst aus, der Elefant sind die restlichen 98 Prozent – das Unbewusste, die Emotionen und vor allem die Moral.

Haben politische Einstellungen dann gar nichts mit Vermögensverhältnissen zu tun?

Nur bis zu einem gewissen Grad. Je wohlhabender jemand ist, desto konservativer wird er sein. Doch je weiter man sich im Einkommensspektrum vom vermeintlichen Kern der Partei entfernt, desto deutlicher wird, dass das nicht der entscheidende Grund ist.

Ist es nicht auch eine Altersfrage?

Da kenne ich die Zahlen nicht. Ich weiß, dass es zwei Einschnitte im Leben gibt, die einen konservativer machen – wenn man Kinder bekommt, und wenn man eine Firma gründet. Die Altersfrage hängt aber auch davon ab, wann man geboren wurde – manche Generationen sind liberaler als andere. Das hängt von den Erfahrungen ab, die man als Teenager und vor allem in seinen Zwanzigern gemacht hat. Die prägen einen fürs Leben. Auslandsreisen machen einen beispielsweise liberaler.

Erklärt das, warum in Deutschland so viele Leute mit hohem Einkommen die Grünen oder die SPD wählen?

Die meisten Menschen bleiben in ihrem moralischen Spektrum, das sie in frühen Jahren entwickelt haben. Es sind nämlich nicht nur die Erfahrungen, auch die Persönlichkeitsstruktur spielt eine Rolle, und die ist angeboren.

Wie unterscheiden sich Linke und Konservative da?

Linke sind eher neugierig, haben wenig Scheu, sie reisen gerne und experimentieren mit exotischen Speisen. Konservative sind eher von Ängsten vor Bedrohungen, Unordnung und Verfall geleitet. Da sind wir wieder beim Elefanten.  

Wenn nun im amerikanischen Fall deutlich mehr Wähler mit den Republikanern gegen ihre eigenen Interessen abstimmen, heißt das im Umkehrschluss, dass die Konservativen moralische Überzeugungen glaubwürdiger ansprechen können?

Ich frage mich, ob die Demokraten überhaupt wissen, dass es einen Elefanten gibt. Aber die Konservativen decken auch das Spektrum der moralischen Grundlagen besser ab. Wir haben nach unseren langjährigen Untersuchungen und Feldversuchen eine Theorie entwickelt, nach der es fünf moralische Fundamente gibt. Das sind Mitgefühl, Gerechtigkeitssinn, Loyalität, Respekt für Autorität und Glaube. Erstellt man nun ein Diagramm, welche dieser Grundlagen von sehr liberalen bis zu sehr konservativen Menschen besonders ausgeprägt sind, dann erkennt man, dass sehr liberale Menschen ein besonders ausgeprägtes Mitgefühl und einen besonders ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben. Loyalität, Respekt für Autorität und Glaube spielen kaum eine Rolle. Diese fünf Kurven nähern sich bis nach rechts dann an. Für politisch Moderate und für konservative Menschen spielen alle fünf Grundlagen eine ähnlich wichtige Rolle im Leben. Linke Parteien wie die Demokraten bedienen nur zwei dieser fünf Grundlagen, während die Republikaner alle fünf dieser moralischen Sinne ansprechen.   

Werden da nicht bloß Empörungspotenziale abgerufen?

Ja, aber bisher empörten sich die beiden Seiten vor allem gegenseitig. Es hilft, dabei im Blick zu haben, was der jeweiligen Seite heilig ist. Für die Linke sind Opfer heilig, vor allem machtlose Opfer. Das waren von den Fünfzigerjahren an bis vor ungefähr zehn Jahren die Afroamerikaner. Das ändert sich zum Glück. Jetzt sind es vor allem die Umwelt und Homosexuelle.

Warum zum Glück?

Weil das Problem mit dem Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft kein zentrales mehr ist. Die New York Times zeigte neulich ein Diagramm, das zwei Problematiken über die letzten 40 Jahre hinweg gegeneinander stellte. Die Kurve für die Rassenproblematik ging dabei stetig nach unten, die Kurve für die Ungleichheit der allgemeinen Einkommen nach oben. Vor ungefähr zehn Jahren haben sie sich gekreuzt. Wir haben nun in erster Linie ein massives Klassenproblem.

Warum tut sich Amerika so schwer, das Klassenproblem zu thematisieren?

Da müssten Sie einen Soziologen fragen. Aber auch da spielt Moral mit hinein. Früher gab es zum Beispiel auch in den USA so etwas wie eine Aristokratie der Stände – der soziale Status wurde meist weitervererbt. Dann gab es einen gewaltigen Wandel, den Charles Murray 1994 in seinem Buch „The Bell Curve“ beschrieb. Die Linke hat ihn dafür gehasst, weil sie glaubte, dass er über Rassenunterschiede schreibt, dabei ging es ihm um Klassenunterschiede. Er sah vieles voraus, was nun eingetreten ist. Er sagte, wenn man den gesellschaftlichen Status nicht mehr durch die Geburt erlangt, sondern auf Grundlage von IQ, dann sortiert man alle klugen Menschen in eine Ecke, sie heiraten untereinander und bekommen kluge Kinder. Die nicht ganz so klugen Menschen werden dagegen in eine andere Ecke sortiert. So teilt man auf Dauer sowohl die geistigen als auch die sozialen Ressourcen. Die Menschen an der Spitze der Gesellschaft haben gute Voraussetzungen, um Kinder großzuziehen. Die Voraussetzungen für die Menschen am unteren Ende der Skala sind dagegen ein Desaster. Egal ob für Weiße oder Schwarze.

Und was ist den Konservativen heilig?

Gott und Vaterland. Als Konservative in den Sechziger- und Siebzigerjahren sahen, dass junge Amerikaner das Sternenbanner verbrennen, dass sie ein Geschichtsbild entwarfen, in dem Amerika die Unterdrückung und das Böse verkörpert, war das, als hätte man mit der Faust in einen Bienenstock geschlagen. So haben sich die beiden Seiten seit den Sechzigerjahren gegenseitig aufgeregt. Im 21.?Jahrhundert kam dann noch die politische Innovation des Bush-Rove-Teams dazu, dass man Wahlen nicht gewinnt, indem man die Mitte überzeugt, sondern indem man das eigene Lager in Rage bringt.

Funktionieren die Tea-Party- und Occupy-Bewegungen nicht so?

Ja, das sind moralische Gemeinschaften, die sich um geheiligte Werte herum organisieren. Das Interessante ist, dass sie so viel gemeinsam haben, vor allem die Wut auf den Kapitalismus. Sie könnten eigentlich gemeinsame Sache machen, wären sie nicht die exemplarischen Ausformungen der psychologischen Profile der Linken und der Rechten.

Wie kann man eine moralisch gespaltene Gesellschaft dazu bringen, vernünftig zu diskutieren?

Ganz grundsätzlich: Moral bindet und blendet. Das gilt nicht nur für die politischen Debatten, das gilt auch für die Wissenschaften. Irgendwann in den Sechzigerjahren tat sich da eine Kluft zwischen den Geistes- und Naturwissenschaftlern auf. Die Verwerfungslinie war die Frage: Ist die Evolution relevant oder nicht? Wenn Evolution relevant ist, dann gibt es ja vielleicht Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Doch weil das sexistisch ist, durfte es nicht wahr sein. Wenn man weiß, was der jeweiligen Gruppe heilig ist, kann man auch erkennen, in welchen Punkten sie unzugänglich für Beweise und Tatsachen sind.

Ist das auch der Grund, warum die Beschneidungs- oder die Urheberrechtsdebatten mit solcher Härte geführt werden?

Die Beschneidungsdebatte hat mich extrem verärgert. Ich bin zwar ein atheistischer Jude, aber wie kann man die Grundlagen eines Glaubens so infrage stellen? Ich kenne mich aber besser mit Urheberrechten und Patenten aus – mein Vater war Patentanwalt. Bislang war das eine eher obskure Debatte für Rechts- und Wirtschaftstheoretiker, die wenig mit dem Alltag der meisten Menschen zu tun hatte. Und dann kommt plötzlich das Internet und alles ist verfügbar. Die wenigsten würden wahrscheinlich jemandem eine CD aus dem Rucksack stehlen. Aber wenn man etwas von einer Webseite herunterlädt – wem schadet man da schon? Und auf einmal kommen die Regierung und irgendein Anwalt für irgendeine Plattenfirma und sagen, dass man das nicht mehr darf, sie beginnen, den Computer auszuspähen. Das berührt das Freiheitsverständnis der Leute negativ. Ihr erzählt uns, dass wir etwas nicht mehr tun dürfen, auch wenn unser moralischer Kompass da kein Problem damit hat? Fuck you. Dann baut sich eine Philosophie drumherum auf. Information muss frei sein! Das hat irgendjemand mal vor Jahrzehnten gesagt. So kann man das in einen normativen Imperativ packen.

  

Noch einmal: Wie kocht man eine Debatte wieder herunter?

Es gibt einen alten Vaudeville-Witz: Kommt ein Mann zum Arzt und sagt, es tut so weh, wenn ich so mache. Sagt der Arzt, dann hören Sie halt auf damit. Ich meine damit nicht, dass man keine vernünftigen Argumente anbringen sollte, aber man darf nicht erwarten, dass sie funktionieren. Prinzipiell sollte man kein Sakrileg begehen, weil sich die andere Seite sonst nie wirklich mit dem Thema beschäftigt. Und man kennt die Heiligtümer der anderen doch. Nehmen Sie die Regelung der Obama-Regierung, dass katholische Krankenhäuser und Colleges für die Empfängnisverhütung ihrer Angestellten bezahlen sollen. Das war unfassbar dumm. Das hat nur das Gefühl zementiert, dass es einen Krieg gegen Religion gibt. Dass sie ein Opfer sind. Dass die Demokraten Religion hassen.

Sie selbst sind auch eher liberal – beraten Sie die Demokraten?

Ich habe mich vor Jahren den Demokraten als Berater angeboten. Die meisten haben gar nicht reagiert. Ein paar Einladungen habe ich bekommen, aber ich habe die meisten abgelehnt. Demokraten glauben immer noch, dass sie nur die Botschaft richtig hinkriegen müssen, dann passt die wie ein Schlüssel in die Köpfe der Leute und bringt sie auf ihre Seite. Ich habe immer versucht, ihnen beizubringen, dass der Botschafter so wichtig ist wie die Botschaft. Die Leute müssen einem vertrauen.

Warum sollte man den Demokraten weniger vertrauen als den Republikanern?

Da müssen sie nicht einmal moralisch argumentieren. Die machen schon auf der rationalen Ebene grobe Fehler. Demokraten gelten als geschäftsfeindlich. Wenn sie sagen, dass wir den Markt regulieren müssen, um ihn effizient zu machen, dann ist das zwar ein dringend nötiges Argument für jede moderne kapitalistische Gesellschaft. Doch die Leute glauben, dass das nur ein Machtanspruch ist. Wäre allgemein bekannt, dass die Demokraten den Kapitalismus lieben, wenn sie sich als großer Freund der kleinen Geschäftsleute im Kampf gegen Big Business profiliert hätten, dann stünden sie in der Tradition von Andrew Jackson in den 1820er-Jahren. Das wäre eine wirklich gute Position. Die Linke muss sich wirklich überlegen, was es im 21. Jahrhundert heißt, links zu sein.

Und wie erklären Sie, dass das Rennen so knapp bleibt, obwohl Mitt Romney gerade erklärt hat, dass ihm 47 Prozent der Amerikaner egal sind?

Die 47 Prozent decken sich mit seinem Gerechtigkeitsverständnis. Er teilt das Land in die „Makers“, die mehr einbringen als herausnehmen, und die „Takers“, die mehr herausnehmen als einbringen. Das hält er für so ungerecht, dass es rechtfertigt, die Steuern der „Makers“ zu senken und die Zuwendungen für die „Takers“ zu streichen. Ich glaube allerdings, dass ihm dieser Kommentar sehr schaden wird.

13.06.11 | 16:45 | 10 Kommentare

Mit Gott debattiert man nicht

(Von Andrian Kreye) Und wer respektiert eigentlich die Gefühle von Atheisten? Sind sie denn auch durch den Paragraph 166 des deutschen Strafgesetzbuches geschützt, der die „Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen“ mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren belegt? Wer als dezidiert Ungläubiger im katholischen Bayern lebt, könnte die alles übertönenden Kirchenglocken an einem Feiertagswochenende ja durchaus als Angriff auf seine Identität empfinden. Es soll hier aber nicht um spirituelle Ruhestörung gehen, sondern um Debattenkultur.

Liest man in der jüngsten Frankfurter Sonntagszeitung das Gespräch zwischen den beiden Journalisten Matthias Matussek, der sich mit seinem neuen Buch „Das katholische Abenteuer“ als leidenschaftlicher Rebell des Glaubens positioniert, und Claudius Seidl, dessen Leidenschaft eher die katholische Kultur als der katholische Glauben entfacht, so scheint es weniger die Frage nach dem Glauben an sich als die Frage nach dem richtigen Glauben zu sein, die den Diskurs bestimmt. Wenn aber lediglich die Ökumene zur Diskussion steht, ist der Weg von der Glaubensdebatte zur Glaubensfrage noch weit.

Glaubensdebatten haben in weltlichen Gesellschaften oft eine beruhigende Funktion, weil sie den Eindruck vermitteln, dass das eigentlich Endgültige offen verhandelt werden und so seinen Platz im demokratischen Diskurs finden kann. Dabei unterscheidet sich die Diskussion theologischer Wahrheiten von den Debatten um Politik und Wissenschaft doch in zwei Punkten ganz fundamental. Zum einen schließt der Diskurs die Grundsatzfrage aus, ob es einen Gott gibt oder nicht, er geht also von einer unbeweisbaren endgültigen Wahrheit aus. Zum anderen setzt er ein in sich geschlossenes Menschenbild voraus, wie es ja zuletzt die Kanzlerin selbst beschworen hat. Das schafft Sicherheiten in einer unsicheren Welt.

Doch kann man den Atheismus in einer Glaubensdebatte überhaupt verteidigen? Man könnte die Glaubensarbeit mit dem hohen Preis vergleichen, den das Nichtglauben fordert. Die schwere Krankheit, der Tod und der Schicksalsschlag sind beispielhafte Momente, in denen der Atheismus mit seinem Eingeständnis, auf vieles keine Antwort zu haben, eine Bürde ist. Es reicht auch schon, naseweise Dreijährige um sich zu haben, deren Fragen man mit der Unerschütterlichkeit des Glaubens leicht ins Metaphysische abdrängen könnte. So aber wird dem Ungläubigen mit einem vorwurfsvollen „wieso denn?“ viel zu früh die Fehlbarkeit attestiert.

Das Kernproblem ist, dass es mit jeder Verteidigung so aussieht, als wolle sich der Atheismus direkt mit dem Glauben vergleichen. Das aber ist ein Irrweg, der weniger in der theologischen, als in der politischen Debatte in die Sackgasse führt. Denn erlaubt man die Rückkehr des Glaubens in den politische Diskurs, lässt man sich letztlich auf eine Debatte mit Gott ein. Und da sind sich alle Religionen einig: Mit Gott debattiert man nicht.

Nun hat die Rückkehr der Religiosität in den politischen Diskurs eine Relevanz bekommen, die weit über theologische Debatten hinausgeht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Bildersturm des 11. Septembers 2001 von den Terroristen der al Qaida ganz gezielt als Religionskonflikt inszeniert war. Ein Köder, den die westlichen Gesellschaften dankbarer angenommen haben, als ihnen bewusst ist. Nicht zuletzt, weil der inszenierte Kampf der Kulturen in Amerika auf fruchtbaren Boden fiel, wo George W. Bushs Chefstratege Karl Rove die fundamentalistischen Tendenzen der Evanglikalen manipulierte und so einen mächtigen Wählerblock mobilisierte. Der 11. September und seine Folgen zwangen die Agnostiker der laizistischen Welt in die Rolle der Atheisten. Glaube, so schien es, konnte nicht mehr von außen betrachtet werden. Mit einem Male waren so grundverschiedene Themen wie Geopolitik, Einwanderungsprobleme und nationale Identitätsfragen mit Glauben belastet. Da muss jedes säkulare Argument an seine Grenzen stoßen.

Sicher, es gab Versuche, den säkularen Humanismus zu einer Weltanschauung zu erklären. Die „Brights“ des angelsächsischen Neo-Atheismus um die „four horsemen“ Richard Dawkins, Daniel Dennett, Sam Harris und Christopher Hitchens gingen mit wissenschaftlichen Argumenten in radikale Opposition zu den neo-religiösen Strömungen, die nicht nur in den USA ein enorm wissenschaftsfeindliches Klima schufen. Auf dem europäischen Festland usupierte dagegen die rechtspopulistische Islamkritik den Atheismus und betrieb eine Fundamentalisierung des Humanismus.

Beide Positionen ließen sich oft in die rhetorische Ecke drängen. Menschen- und Bürgerrechte mögen universal gültig sein, doch im Kern sind sie keine Absolutismen. Sie sind zwar ethisch begründet, doch sie sind Produkt einer juristischen Begriffsfindung und Ausformulierung und nicht das Wort einer Gottheit. Doch die Trennung von Ethik und Glauben funktioniert nur in der Theorie. Weil sich der Atheismus weltanschaulich, wie schon erwähnt, nicht mit dem Glauben vergleichen kann.

Die kurze Antwort auf die selbstgestellte Frage, wer denn nun die Gefühle von Atheisten respektiert, muss also lauten: niemand. Die Rolle des Atheisten in der Gesellschaften muss eine politische sein. In der Politik darf kein Platz sein für Gefühle. Die theologische Debatte wird sich immer um das Allerinnerste eines in sich geschlossenen Weltbildes und seiner Anhänger drehen. Da aber ist der Atheismus kein Antipode, sondern ein Fremdkörper. Er vertritt Unsicherheiten, lässt Zweifel und Widersprüche bestehen. Vernunft ist da nur ein schwacher Trost.

08.04.11 | 17:21 | 3 Kommentare

Ökologie ist Notwehr

Vatikan

(Auftakt der Serie "Die grüne Frage" im SZ-Feuilleton vom Wochenende) Ökologie ist eigentlich keine Frage der Perspektive. Doch wenn man die Stadt Rom auf einem Satellitenbild betrachtet, entdeckt man gleich neben dem Petersdom eine silbrig schillernde Wellenform, die nicht so recht ins Ensemble des Vatikans passen will. Es handelt sich dabei um die vatikanische Audienzhalle, die der Bauingenieur Pier Luigi Nervi bis 1971 für Papst Paul VI. errichtete. Das silbrig Schillernde sind 2400 Sonnenkollektoren, die dort vor zwei Jahren angebracht wurden. Zwar waren die Kollektoren das Geschenk eines deutschen Solarenergiekonzerns, doch es handelt sich hier keineswegs um ein werbeträchtiges Symbol, sondern um einen Aufbruch.

Seit 2007 hat der Vatikan den Ehrgeiz, der erste kohlenstoffneutrale Staat der Erde zu werden. Treibende Kraft des Vorhabens ist Staatsoberhaupt Benedikt XVI. selbst. 2009 widmete er in seiner Enzyklika „Caritas in Veritate“ einen beachtlichen Teil der Verpflichtung der Menschen für die Umwelt. Dieser grüne Kern des Christentums hat nun mit den Wahlen in Baden-Württemberg eine neue Bedeutung bekommen. Handelt es sich beim designierten ersten grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann eben nicht um einen kämpferischen Umweltpolitiker, sondern um einen bedächtigen Katholiken, den die Gemeinsamkeiten zwischen grüner Theologie und grüner Politik seit Beginn seiner politischen Laufbahn geprägt haben.
Die Parallelen sind nicht neu. Die Bewahrung der Schöpfung war nicht erst seit dem ersten Tierschützer Franz von Assisi ein Thema des Christentums. Die verschiedenen Konfessionen und auch die Weltreligionen ähneln sich in dieser Hinsicht. Genau das aber könnte für die Union und ihre Koalitionspartner so gefährlich und für die Bundesrepublik so wichtig sein. Wenn sich die Ökologie nicht mehr als streitbare Bewegung in der Tradition des Protests und der außerparlamentarischen Opposition versteht, sondern als Vertreter konservativer Urwerte, so verblassen all die Wutbürgerphänomene, die derzeit die deutsche Politik so amüsant durcheinanderbringen. Wut verraucht. Glaube bleibt.

Nun muss man sicherlich die inneren Widersprüche der Kirchen außer Acht lassen, die regressive Sexualpolitik zum Beispiel, die präkopernikanischen Vernunftbegriffe und den allumfassenden Machtanspruch des Glaubens. Was die grüne Theologie aber mit sich bringt, ist ein Urvertrauen, das gesellschaftlich und politisch enorme Wirkung haben kann. Denn Deutschland mag zwar eines der weltweit am konsequentesten säkularisierten Länder sein; für die Generationen, die dieses Land derzeit prägen, ist der christliche Wertekanon aber auch dann ein essentieller Bestandteil der gesellschaftlichen DNS, wenn sie schon längst weltlich aufgewachsen und erzogen wurden. Im Gegensatz zum grünen Widerstand, dem Erbe von 1968, lässt sich eine christlich gefärbte Ökologie nur schwer wegpolemisieren.

Grüne Theologie und grünes Bewusstsein haben jedoch noch mehr Gemeinsamkeiten. Papst Benedikt XVI., den amerikanische Diplomaten in einer der Wikileaks-Depeschen als „Green Pope“ bezeichneten, sieht die Ökologie als einen Schlüssel für die weltweiten Probleme der Armut und der Unterdrückung. Ganz ähnlich wie das grüne Bewusstsein die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – Klimawandel, Energiepolitik, Urbanisierung – als globale Themen betrachtet.

Es gibt aber nicht nur gemeinsame Themen. Es gibt auch ein gemeinsames Problem. Sowohl der Glaube als auch das grüne Bewusstsein und der Nachhaltigkeitsgedanke haben vor allem in den Industrienationen mit dem gesellschaftlichen Problem des Zynismus zu kämpfen. Nun bieten beide ja durchaus genügend Gelegenheit zur Belächelung. Nimmt man beispielsweise die religiösen Führungspersönlichkeiten sämtlicher Konfessionen und der meisten Weltreligionen, die vor einigen Jahren mit einem Kreuzfahrtschiff eine Pilgerreise an die Westküste Grönlands unternahmen: Da standen die geistlichen Würdenträger an Deck und beteten gemeinsam für den Planeten, während vor ihren Augen der Gletscher kalbte.

Sich darüber zu amüsieren, fällt einem als säkularem Humanisten leicht. Auch der weltliche „Gutmensch“ gehört mit seinem Pathos längst zum Standardrepertoire der Ironisierung. Nun ist die Ironie als Flucht aus Haltung und Verantwortung nicht zu unterschätzen. Es ist in diesem Zusammenhang auch egal, ob sich der Zynismus der Ironie auf Macht oder Ohnmacht gründet. In der Ohnmacht führt der Zynismus zu Fatalismus. Der Zynismus des Wirtschaftsliberalismus, der Adams Smith’ „unsichtbare Hand“ der Marktgesetze als unveränderbares Dogma betrachtet, und der politischen Macht, die die Realpolitik als unausweichliches Schicksal ansieht, schließt den Gedanken der Nachhaltigkeit als Irrglauben aus.

Mittelfristig führt Zynismus in einer Gesellschaft jedoch zu Erschöpfungserscheinungen. Politikverdrossenheit ist da nur ein Symptom von vielen. Man darf ein Ereignis wie den GAU von Fukushima in einem solchen Kontext nicht unterschätzen. Fukushima ist nicht nur die exemplarische Warnkatastrophe, die der Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker als einzig wirksamen Impuls für wirklichen Wandel in den philosophischen Raum stellte. Die vermeintlich egoistische Atomdebatte in Deutschland ist nicht bloß die Entschlüsselung dieser Warnkatastrophe, um sie in das Verhalten von Individuen und Institutionen zu übersetzen, wie sie der Philosoph Peter Sloterdijk forderte. Fukushima ist die dritte weltgeschichtliche Zäsur innerhalb nur eines Jahrzehnts, das mit den Anschlägen von 9/11, der Wirtschaftskrise und nun der Atomkatastrophe das gesellschaftliche Urvertrauen langfristig erschüttert hat.

Für die meisten Menschen taugt der Glaube längst nicht mehr, um dieses Urvertrauen zu bewahren. Betrachtet man die grüne Theologie, wäre er auch keine wirkliche Hilfe. Gott ist in der christlichen Lehre der Schöpfer. Die Schöpfung zu bewahren, liegt in der Verantwortung des Menschen. Diese Verantwortung aber hat die Säkularisierung der Gesellschaft nur verstärkt. Womit wir bei einer dritten Gemeinsamkeit grüner Theologie und grünen Denkens wären: der Politik der kleinen Schritte. Jeder Einzelne hat seinen Beitrag zu leisten.

Nun kann man jede ökologische Einzelhandlung zerrechnen. Überlegt man sich, ob man ein ökologisch korrektes Hy-brid-Auto kaufen soll, stößt man schnell auf Studien, die zeigen, dass es viel sinnvoller ist, einen betagten Spritschlucker so lange zu fahren, bis ihn der Rost zerfressen hat. Will man auf Ökostrom umstellen, erfährt man, dass man letztlich den Emissionshandel der Energiekonzerne subventioniert. Liegt das Schnitzel vom lokalen Bauern auf dem Teller, gibt es längst Rechnungen, dass das deutsche Rindvieh einen so großen CO2-Fußabdruck hinterlässt, dass der Transport von Importfleisch aus ökologisch günstigeren Breiten nicht ins Gewicht fällt.

Solch ergebnisorientiertes Denken greift aber zu kurz. Der individuelle kleine Schritt aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse verändert für sich gesehen in der Tat wenig. Er schafft in der Masse jedoch gesellschaftlichen Druck. Dieser Druck manifestiert sich mittelfristig in entsprechenden Gesetzen. So wird aus schädlichem Verhalten der Gesellschaft und ihrer Institutionen ganz offiziell ein normwidriges Verhalten. Beispiele, dass das funktioniert, gibt es genügend.

Das Ozonloch ist so ein Fall. Das galt Anfang der achtziger Jahre noch als menschengemachte Bedrohung des Lebens auf dem Planeten Erde. In einem globalen Kraftakt sorgten Wissenschaft, Gesellschaft und Legislative dafür, dass dieses Problem wenigstens langfristig gelöst wird. Kein Mensch verwendet heute noch schädliches Haarspray, niemand kauft die alten Kühlschränke, die mit ihren Fluorchlorkohlenwasserstoffen die dünne Schutzschicht des Planeten zerfraßen.

Tabaksucht ist ein anderer Fall. Das Wissen um die tödliche Gefahr im Rauch brachte Millionen dazu, sich das Laster abzugewöhnen. Als die kritische Masse einer nichtrauchenden Mehrheit erreicht war, folgte die Politik mit entsprechenden Gesetzen. So ist das nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation gravierendste Gesundheitsproblem unserer Zeit auf dem Rückzug. Und aus einem gesellschaftlich akzeptierten Fehlverhalten ist eine vulgäre Geste geworden.

Wenn sich Widerstand und Gesten der Rebellion zum bürgerlichen Status quo und zur allgemeinen Vernunfthaltung wandeln, kann letztlich auch das grüne Denken zu Wandel und Veränderung führen. Überwinden grüne Theologie und grüne Politik ihre gegenseitigen Vorurteile, kann daraus eine gesellschaftliche Bewegung werden. Auch dafür gibt es schon ein Beispiel. Als die Regierung Bush die zynische Manipulation ihrer christlichen Stammwählerschaft mit gesellschaftspolitischen Reizthemen wie Homosexualität und Abtreibung überzog, während sie eine Politik der ökologischen Ausbeutung betrieb, wendete sich ausgerechnet die Bewegung der Evangelikalen gegen die Republikaner. Mit dem Slogan „What would Jesus do?“ brachen die „Green Evangelicals“ den Konvent mit der Politik. Es war nicht der einzige Grund, aber ein wichtiger Faktor für den Wahlsieg Barack Obamas.

Eines steht fest: Ökologie ist keine Frage der Perspektive, kein Heilsversprechen, keine Ideologie, kein Dogma. Ökologie ist Notwehr gegen Angriffe auf Lebensgrundlagen. Wer sie als solche versteht, kann ideelle Grenzen überwinden. Dann wirken auch die kleinen Schritte.

Abb.: Vatikanstadt, Google Maps

01.04.11 | 19:25 | 2 Kommentare

Die Beatles waren schuld

catstevenstour

Der Sänger Yusuf nannte sich früher Cat Stevens und galt als einer der wichtigsten Liedermacher der sechziger Jahre. Im Dezember 1977 bekehrte er sich zum Islam, nannte sich Yusuf Islam und kehrte der Musik den Rücken. Nun nennt er sich nur noch Yusuf, lebt mit seiner Familie in Dubai und kommt im Mai nach 35 Jahren erstmals wieder auf Deutschlandtournee. Da wird er wenige neue und viele seiner alten Songs spielen, wie „Morning Has Broken“, „Moon Shadow“ und „Peace Train“.

Warum gehen Sie wieder auf Tour?
Yusuf, ehemals Yusuf Islam, ehemals Cat Stevens, geborener Steven Demetre Georgiou: Es gibt wirklich nichts Besseres als das Gefühl, das man bekommt, wenn man vor einem Publikum steht. Auch wenn meine Erinnerungen ans Touren nicht besonders gut sind.

Sie spielen wieder in großen Hallen. Wer ist denn heute Ihr Publikum?
Yusuf: Viele, für die meine Songs so etwas wie der Soundtrack ihres Lebens war. Deren Kinder. Und dann gibt es noch eine neue Generation, die langsam auf die Botschaften kommen, die ich in den Siebzigern verbreitet habe.

Welche Botschaften?
Yusuf: Wenn Sie sich den Song „My People“ anhören, den wir gerade aufgenommen haben – letztlich ist das „Peace Train“ aus einem neuen Blickwinkel.

Wie präsent ist Ihre Musik in der islamischen Welt?
Yusuf: Lange Zeit gab es kein Musikgenre für Musslime. Vor allem wenn sie in Europa leben, gab es nur irgendwelche importierten traditionellen Songs. Ich war wahrscheinlich einer der ersten, der Songs für muslimische Kinder auf Englisch geschrieben hat. Aber es gibt ganz sicher eine neue Generation islamischer Jugendlicher, die sich auch musikalisch ausdrücken wollen. Das ist neu

Aber ist Musik im Islam nicht verpönt, ist sie bei Fundamentalisten nicht sogar verboten?
Yusuf: Ich glaube, dass Musik vor allem eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Viele Muslime haben ihre Vorbehalte gegen Musik, weil sie Musik nicht wirklich kennen. Sie identifizieren Musik mit etwas, das ihnen fremd ist. Ich habe ja selbst jahrelang einer sehr starken konservativen Strömung im Islam gehorcht, die besagte, dass Musik verboten ist. Aber dann habe ich mich schlau gemacht und realisiert, dass die Wirklichkeit ganz anders ist. Es war ja auch das islamische Spanien, über das mit der Gitarre das Instrument nach Europa kam, auf dem heute die Rockmusik basiert. Nein, eine der großen Naturschönheiten in Gottes Universum ist nun mal die Musik.

Was hat Sie zum Islam gezogen?
Yusuf: Es ist kein Zufall, dass ich einen Song mit dem Titel „Peace Train“ geschrieben habe, und dass das Wort Islam vom Wort Salam abgeleitet ist, das Friede bedeutet. Das ist sogar sehr bedeutsam. Friede ist ein sehr flüchtiger Geistes- und Gefühlszustand. Man darf keine Angst vor dem Unbekannten haben. Mich persönlich haben verschiedene islamische Bücher, vor allem der Koran, von meiner Angst befreit. Weil ich Gott fand.

Waren Sie vor Ihrem Übertritt zum Islam schon auf spiritueller Sinnsuche?
Yusuf: Ja sicher. Mein erster Ausflug war Buddhismus. Religion neigt dazu, Mauern aufzubauen. Buddhismus hilft einem dabei, diese Mauern zu überwinden und die Natur der menschlichen Seele und Gottes zu verstehen, und zu begreifen, dass man das nicht nur in einer traditionellen Kirchengemeinde kann.

Aber ist Buddhismus nicht so viel freier als der Islam?
Yusuf: Da mögen Sie recht haben. Aber wenn Sie den Kern jedes Glaubens oder spirituellen Weges betrachten, dann finden Sie dort etwas, das im Zentrum steht. Im Buddhismus ist es das Selbst. Im Islam ist es Gott. Wenn Sie sich aber immer nur auf sich selbst verlassen, kommen Sie unter Umständen nicht weit.

Sie waren in der Popkultur der sechziger Jahre nicht der Einzige, der auf Sinnsuche war. Wann wurde denn aus dem politischen Kern des Pop ein spiritueller Kern?
Yusuf: Daran waren wohl die Beatles schuld. Vor allem George Harrison. Er eröffnete uns den ganzen Horizont des Ostens, der uns vorher nicht besonders interessiert hat. Aber es war damals wirklich wichtig, dass wir so prominente Vorbilder hatten, die über den Tellerrand unserer eigenen Kultur schauen konnten.

Waren Sie sich damals bewusst, was für eine Rolle die Musik im gesellschaftlichen Wandel spielte?
Yusuf: Auf alle Fälle. Ich halte das immer noch für einen Glücksfall, dass ich Teil dieses historischen Moments war, als die Jugend meiner Generation beschloss, dass die Welt, die wir wollten, nicht ohne Wandel möglich sein würde.
Gleichzeitig konnte man beobachten, dass die Kommerzmaschine und Kräfte, denen unsere Visionen sehr fremd waren, begannen, Widerstand aufzubauen. Kent State University war sicherlich eines der wichtigsten Beispiele dafür (auf dem Kent State Campus schossen National-Guard-Truppen am 4. Mai 1970 in eine Studentendemonstration und töteten vier Demonstranten, Anm.d.Red.). Das war für viele das Ende dieser Ära.

War das Ende nicht schon das Rolling-Stones-Konzert in Altamont im Dezember 1969, bei dem ein Hells Angel einen Zuhörer erstach?
Yusuf: Altamont bereitete sicher die Stimmung vor. Und der frühe Tod von Jimi Hendrix. Aber nach Kent State überlegten sich viele, dass wir vielleicht nicht auf dem richtigen Weg waren, und wir uns vielleicht um unser spirituelles Nachleben kümmern sollten, bevor es uns erwischt.

Nun sind Sie als Muslim wieder mitten in einem historischen Moment des Wandels. Gibt es da Parallelen zwischen den sechziger Jahren und den Revolutionen im Nahen Osten?
Yusuf: Gute Frage. Bevor all diese neuen Stimmen im Nahen Osten Wandel und Freiheit forderten, habe ich immer herumlamentiert, dass die goldenen sechziger und siebziger Jahre vorbei sind, und dass die meisten Menschen der technisierten Cyber-Ära gar nicht so richtig da seien und nur virtuell leben würden. Und dann stellt sich heraus, dass ausgerechnet diese Technologie eine neue Welle solcher Bewegungen vor allem der Jugend auslöst. Ich fand das sehr inspirierend. Ich habe da große Hoffnungen. Auch wenn wir vielleicht lange darauf warten müssen, bis die Ziele dieser Aufstände erreicht sind. In diesem Teil der Welt verändern sich die Dinge sehr langsam. Auf der anderen Seite sind diese Ereignisse erst ein paar Monate her. Wir sollten also nicht zu große Erwartungen haben.

Der Glaube spielt in diesen Bewegungen keine besondere Rolle. Sehen Sie das positiv oder negativ?
Yusuf: Nichts kann den menschlichen Geist aufhalten. Und alles, was Religion tut, ist ja nur, ihn zu einem glücklichen Ende im Jenseits zu leiten. Im Diesseits brauchen die Menschen bestimmte Strukturen, um Erfüllung zu finden. Und so manche Struktur, die gestern noch funktioniert hat, funktioniert heute oder morgen eben nicht mehr. Nein, das ist wirklich eine positive Entwicklung.

Es gäbe nun noch ein paar Fragen zu seinen frühen Jahren als Moslem zu klären – ob er wirklich die Fatwa gegen Salman Rushdie befürwortet hat, ob er die Hamas unterstützte, warum er nicht mehr in die USA einreisen darf, und ob er wirklich Probleme mit unverschleierten Frauen hat. Fragen, die er seit Jahren nicht mehr beantwortet. Dafür gibt es eine Webseite (www.yusufislam.com/faq/) und da findet man die Antworten .


Interview von Andrian Kreye aus dem Wochenendfeuilleton der SZ.

Abb.: MLK

12.10.10 | 17:01 | 0 Kommentare

Im Rausch der Mythen

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(Aus dem Feuilleton vom Mittwoch) Sicherlich muss man die Geschichte von Haiti nach dem Erdbeben am 12. Januar dieses Jahres neu erzählen. Nicht viel ist geblieben von den Städten des Landes auf der Westhälfte der Karibikinsel Hispaniola. Was blieb, ist vor allem ein diffuses Bild einer finsteren Welt, die von Voodoo, Diktatur und Aufständen geprägt ist. Schon deswegen ist Leah Gordons Fotoband ,,Kanaval‘‘ ein so wichtiges Buch. Die Fotografin fand in ihren streng formalistischen Bildern und ihren Aufzeichnungen den Kern der haitianischen Kultur im alljährlichen Karneval.

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Haiti war schon vor dem großen Erdbeben im Januar ein Ort, der einen auswärtigen Besucher innerhalb weniger Stunden hoffnungslos überfordern konnte. Wer in Port-au-Prince ankam, fand nur wenige Orte, die ein wenig Orientierung versprachen. Ein paar Straßen der Altstadt, der Präsidentenpalast, die Terrasse des legendären Hotel Oloffsson - ließ man die wenigen Koordinaten vertrauter Großstadtformen hinter sich, verlor man sich rasch in der anarchischen Geografie urbanen Wildwuchses. Die Reizüberflutung war überwältigend in den scheinbar unkoordinierten Gassen zwischen Betonmauern und Wellblechbauten, zwischen offenen Abwassergräben und klaustrophobischen Gehöften mit Aromawellen aus offenem Feuer, reifen Früchten, ungefiltertem Benzin und dem Dunst der Armut.

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Wer Glück hatte, der fand seinen Weg an die Südküste, nach Jacmel, das schon seit dem 18. Jahrhundert als intellektuelles und künstlerisches Zentrum von Haiti galt. Hier in den Straßen des Kolonialstädtchens fand Leah Gordon auch die Reinform des haitianischen Karnevals, der den Bürgern mehr also in jedem anderen Lande als Ventil diente. Am Mardi Gras und an den Tagen zuvor verwandelten sich die Straßen von Jacmel in eine Bühne für eine heftige, derbe Inszenierung allen Grolls, aller Ängste und einer tief im westafrikanischen Voudon verwurzelten Weltbildes.

 

,,Kanaval‘‘ ist weder Reportage noch Porträtband, eher ethnografische Spurensuche. Die britische Fotografin zeigt die Hauptfiguren der Paraden und Feiern mal in Pose, mal in Aktion. Sie stellt die Lansetkòds vor, die gehörnten Teufel mit ihren Peitschen und Tauen, die Chaloskas, die irrwütigen Soldatenfiguren mit ihren Tierzähnen und blutroten Flunschlippen, Papa Sida, das grausame Väterchen Aids, und die unzähligen Sagengestalten der haitianischen Mythen, die Zombies, Dämonen und Fabeltiere. Und sie spricht mit ihren Darstellern.

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Es sind dann auch gerade diese Erzählungen, die den Kontext aus politischer Subversion, gläubiger Ekstase, erotischer Spannung und der komplexen Mythenwelt Haitis herstellen. Mit dem vergnüglichen Eskapismus der Karnevalsfeiern in München, Köln oder Rio hat das nur wenig gemein. In einem der Essays beschreibt der Professor für afrikanische Sprachen und Literatur Donald John Cosentino das Ensemble der Karnevalsfiguren als ,,Charaktere einer Commedia dell’arte aus der Hölle‘‘.

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Und weil Leah Gordons Verlag eigentlich eine Plattenfirma ist, die sich auf die urbane Folklore anarchischer Metropolen von der Bronx über Kingston bis nach Lagos spezialisiert hat, gibt es auch eine begleitende CD dazu. Auf ,,Rara in Haiti‘‘ (Souljazz Records) bekommt man eine ungefähre Ahnung, was für eine hypnotische so ein haitianischer Karnevalsumzug entwickeln kann. Die scheinbar anarchischen, aber letztlich doch streng durchorganisierten Trommelchöre, die improvisierten Rhythmen auf Flaschen, Blech und Eisen, die Gesangsdialoge und Hornbläser zwingen den Rhythmus mit Vehemenz ins zentrale Nervensystem der Tänzer. Da scheint auch die vermeintlich magische Wirkung des Voodoo-Rituals auf, das Geist und Körper einem kollektiven Rauschzustand unterwerfen kann, in dem der Wille ausgeschaltete und die archaischen Geister des Urglaubens geweckt werden.

 Die große Qualität in Gordons Bildern liegt in ihrem Gespür für Grenzen. Sie lässt die Tänzer innehalten, doch sie zwingt sie nicht in die Pose des Objekts, sie begleitet sie ins Ritual, ohne den Blick des kulturellen Voyeurs. Der eigentliche Wert des Buches allerdings war nicht geplant. Zwei Wochen vor dem Erdbeben schrieb Leah Gordon das Vorwort, konnte nicht wissen, dass ihr Buch schon bald das Dokument einer Kultur sein würde, die vorerst unter den Plastikplanen der Flüchtlingsbehausungen und dem bürokratischen Chaos des Wiederaufbaus begraben liegt.

LEAH GORDON: Kanaval - Voudou, politics and revolution on the streets of Haiti. Soul Jazz Publishing, London, 2010. 192 Seiten, 29,90 Euro.

15.07.10 | 18:36 | 0 Kommentare

TED Global 2010: Analoge Welt

JessicaJackley

(Aus dem SZ-Feuilleton vom Freitag) Es ist von höchstem Unterhaltungswert, einen Abend damit zu verbringen, sich von Harvard-Astronom Dimitar Sasselov die chemische Beschaffenheit Erd-gleicher Planeten erklären zu lassen, mit Korruptionsbekämpfer Peter Eigen über Jazz zu plaudern und mit der Fotografin Molly Bingham über die Verantwortung der neuen Medien zu streiten. Die Tage der Ted-Konferenz sind straff durchgeplant mit gemeinsamen Mittagessen, Empfängen und Parties. Dabei trägt man ganz kalifornisch ein Schild um den Hals, auf dem der Vorname in Lettern aufgedruckt ist, die auch im Halbdunkel eines Pubs noch gut zu lesen sind.

Manch zurückhaltendem Kontinentaleuropäer mag die formalisierte Freundlichkeit der Ted-Konferenzen etwas forciert erscheinen. Aber spätestens nach dem ersten Abend wird einem klar, dass auf dem Rasen des Keble College und im  Theatersaal des Oxford Playhouse die oft so hohlen Versprechen des Web 2.0 mit seinen offenen sozialen Netzwerken und seinen Ideenfluten eingelöst werden. Da vereinten sich die unübersichtlich komplexen Themenfluten der neuen Kulturen zu einem nachvollziehbaren Gesamtbild.

Das Bedürfnis, das, was in der digitalen Welt entsteht in die analoge Wirklichkeit zurückzuholen ist nicht neu. Als der Ökologe Stewart Brand und der Mediziner Larry Brillant 1985 im frühen Internet mit The Well einen Vorläufer von Myspace und Facebook gründeten, begannen sie schon bald, auf monatlichen Parties in San Francisco aus der virtuellen eine echte  Gemeinschaft zu schaffen.

Spätestens mit seiner Transformation vom Konferenzbetrieb zur Marke und Plattform für die wild wuchernde Ideenkultur des 21. Jahrhunderts ist Ted für die globale Konversation der digitalen Welt so ein Anker in der analogen Wirklichkeit geworden. Das funktioniert, weil der frei gehaltene Vortrag und das ungeplante Gespräch seit der Agora der Antike die beiden wirksamsten Medien geblieben sind, um andere von den eigenen Ideen zu überzeugen.

Das kann für die Protagonisten der digitalen Kultur eine überwältigende Erfahrung sein. Die Mitbegründerin der Mikrokreditseite Kiva.org Jessica Jackley bricht in Tränen aus, als sie merkt, dass sie hier nicht zu einem abstrakten Online- oder Fernsehpublikum spricht, sondern zu einem Saal voll potentiell Gleichgesinnter. Die gilt es zu überzeugen. Wenn das gelingt, kann das Ted-Publikum mit einer ähnlichen Sympathiewelle reagieren, wie bei einem Jazzkonzert, wenn der Solist sich in Höchstform steigert.

In einer fragmentierten Medienkultur, die sich mit Ironie gegen emotionale Erlebnisse absichert, wirken solche Gemeinschaftsgefühle anachronistisch. Ein Teilnehmer wundert sich dann auch über „eine leicht kultische Kollektivstimmung“. Da aber klafft ein digitaler Graben in der Wahrnehmung, ist doch weder Sehnsucht nach der Kollektivstimmung in Onlinenetzwerken, noch bei Konferenzen wie Ted und ihren hunderten von Ablegern und Kopien das Bedürfnis nach einer kultischen Gemeinschaft oder nach ideologischem Halt. Ted ist nur der Rahmen, nicht der Kern. Wenn sich die Anhänger Tedster nennen, dann sind sie höchstens die Rotarier, nicht die Hippies des 21. Jahrhunderts.

Foto: Jessica Jackley, copyright James Duncan, TED

08.04.10 | 05:33 | 0 Kommentare

Trailerpark (die Zweiminutenkritik)

"Deliver Us From Evil" hat im Oscarrennen vor drei Jahren knapp gegen Al Gores "Inconvenient Truth" verloren. Regisseurin Amy Berg filmte die Geständnisse des irischen, ehemaligen katholischen Priesters Oliver O'Grady, der in Nordkalifornien Kinder missbrauchte, und der von der katholischen Kirche lange Jahre gedeckt wurde. Der Trailer verdichtet die Geschichte dramatisch auf die elementaren Handlungsstränge - das Geständnis des pädophilen Pfarrers, das Trauma der Opfer, die Verschleierungstaktik der katholischen Kirche. Über 100.000 Opfer katholischer Kinderschänder haben sich in den USA während der Aufklärungswelle in den Nullerjahren schon gemeldet. Da gibt es hier in Deutschland wohl noch einiges aufzudecken.

10.03.10 | 00:20 | 0 Kommentare

Chuck (zum 70.)

CuckNorris

Es war der perfekte Moment, um Chuck Norris kennenzulernen. Die Mittagssonne stand hoch über der Wüste von New Mexico. Bei der Hitze waren selbst die Insekten im Buschwerk verstummt, doch kein Schweißtropfen störte den perfekten Strich der Filmschminke über seinen kantigen Gesichtszügen. Er trug ein sandbraunes Lederhemd mit Fransen, einen breitkrempigen Hut und grüßte mit den Worten: "Hello. I"m Chuck Norris." Sein Händedruck war kraftvoll, doch kontrolliert, wie es sich für einen Mann gehört, der sein Leben lang Kampfsport betrieben hat. Es war somit auch der perfekte Moment, um inflationäre Internetwitze über die humorfreie Superheldenfigur Chuck Norris zu illustrieren: die "Chuck Norris Facts", die Mitte der Nullerjahre zu Tausenden auftauchen sollten. Witze wie: Wenn sich Chuck Norris verspätet, muss der Lauf der Zeit eben verdammt noch mal bremsen. Chuck Norris Tränen können Krebs heilen, leider hat Chuck Norris noch nie geweint. Es gibt keine Evolution, es gibt nur Kreaturen, denen Chuck Norris erlaubt hat, zu leben.

Norris drehte in der Wüste eine Wildwestrückblende für "Walker Texas Ranger", eine der erfolgreichsten Fernsehserien aller Zeiten. Es war damals eher selten, dass er seine Wahlheimatstadt Dallas verließ. Mit dem weltweiten Erfolg der Serie über den Ranger Cordell Walker, der Verbrecher mit Fausthieben und Roundhouse-Kicks zur Strecke bringt, konnte sich Norris erlauben, Hollywood den Rücken zu kehren. Ähnlich wie Woody Allen und Spike Lee sich ihre kulturellen Biotope in New York geschaffen hatten, operierte Chuck Norris im erzkonservativen Texas in einer Welt, in der er sich zu Hause fühlte. Hier konnte er ungestört seine Legende pflegen, zu der auch die Geschichte von seinem Aufstieg aus der Armut gehört.

Seine Kindheit verbrachte Carlos Ray "Chuck" Norris als ältester von drei Söhnen eines alkoholkranken Lastwagenfahrers in Ohio. Nach der Scheidung seiner Eltern zog die Mutter mit dem 12-jährigen Chuck und seinen Brüdern nach Kalifornien. 1958 wurde er Feldjäger der US Air Force. 1962 gründete er in Los Angeles eine Kampfsportschule, in der er unter anderem Filmstars wie Steve McQueen unterrichtete. McQueen war es auch, der Norris ermunterte, Schauspielunterricht zu nehmen. Zunächst aber stieg er zum unschlagbaren Karatemeister auf. Sechs Weltmeisterschaftstitel erkämpfte er sich. Seinen erste richtige Filmrolle bekam er 1972 als Kontrahent der Kung-Fu-Legende Bruce Lee in "Die Todeskralle schlägt wieder zu". Der Showdown zwischen Lee und Norris im Kolosseum von Rom gilt bis heute als eine der besten Kampfszenen aller Zeiten.

In den folgenden zwei Jahrzehnten wurde Norris zum Spezialisten für die Sorte Actionfilm, für die Filmkritiker nicht einmal unter Aufwendung allergrößter Ironie ein gutes Wort fanden. Neben Kampfsportfilmen waren es vor allem patriotische Actionreihen wie die "Delta Force"- und "Missing in Action"-Filme, die ihn zum Helden eines Kinopublikums machten, das den Pathos und den Kitsch ablehnte, der Filme von Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger zu dankbaren Studienobjekten der Popkulturkritik machten. Norris drehte humorlose Streifen voll frömmelnder Moral und selbstgerechtem Nationalstolz.

Im konservativen, religiösen Hinterland der USA galt Norris als Held der schweigenden Mehrheit, weil er dem liberalen, säkularen Hollywood den Rücken gekehrt hatte und sich mit missionarischem Eifer für seinen Glauben und die republikanische Partei engagierte. 1988 beteiligte er sich am Wahlkampf von George H. Bush. Später gehörte er zu den leidenschaftlichsten Fürsprechern von George W. - das erklärt auch den Erfolg der Chuck-Norris-Witze. Der Actionmythos wurde zum satirischen Symbol für eine Regierung, die mit jedem Fehler, mit jeder Grausamkeit, jedem Schlag gegen das eigene Volk noch an Selbstbewusstsein und Stärke zu gewinnen schien. Ruinierten George W. Bush und seine ideologischen Horden das Land nicht mit einem ähnlichen Gestus, mit dem Chuck Norris Mobiliar und Knochen zertrümmerte? Auch wenn seine Filme keinen Raum für Ironie ließen, die Figur Chuck Norris war das ideale Futter für den digital beschleunigten Galgenhumor der George-W.-Jahre.

Norris selbst wusste mit seinem späten Ruhm im Internet nicht viel anzufangen. "Ich habe Neuigkeiten für euch. Ich bin kein Superman", schrieb er in seiner Kolumne für das ultrarechte Webmagazin Worldmag Daily. In der er auch auf den Witz über die Heilungskräfte seiner Tränen einging: "Es gab einen Mann, dessen Tränen Krebs und alle anderen Krankheiten heilen konnte, inklusive der Ursache aller Krankheiten - die Sünde. Sein Blut konnte das. Sein Name war Jesus, nicht Chuck Norris." Mit 70 Jahren ist er nun endgültig zu alt, um den Actionhelden zu geben. Als Veteran fernöstlicher Kampfsportarten weiß er selbst, dass jeder Kämpfer zum Meister werden muss. "Walker Texas Ranger" hat er schon vor neun Jahren beendet. Filme dreht er auch nicht mehr, versteht sich nun vor allem als Autor und Aufklärer.

Einen Westernroman hat er geschrieben und so genannte "Inspirational Books". Sein jüngster Bestseller trägt den Titel "Black Belt Patriotism - how to reawaken America". Darin bringt Norris sein Weltbild auf den Punkt: "Wohin man blickt, scheint es nur schlechte Nachrichten zu geben. Illegale Einwanderer schwärmen über unsere Grenzen . . . die amerikanische Familie wird von Schulden gelähmt. Islamistische Terrorangriffe bedrohen uns. Richter ignorieren die Verfassung und regieren von der Richterbank. ... Chuck Norris packt die härtesten Probleme unseres Landes an und beweist, dass sie kein Gegner für seinen Schwarzgurtpatriotismus sind."

Auf seiner Webseite verkündete er schon vor ein paar Jahren: "Ich bin sehr stolz auf diese literarischen Leistungen." So wird wohl auch in Zukunft Norris" Werk im Schatten seines Rufes stehen.

Foto: Karl Kases

14.01.10 | 09:51 | 12 Kommentare

Haitis Pakt mit dem Teufel


Der amerikanische Fernsehpfarrer Pat Robertson gibt Haiti die Schuld am Erdbeben und seinen Katastrophen, weil das Land "einen Pakt mit dem Teufel" abgeschlossen hat.


Update: Ist ja nicht das erste Mal, dass Pat Robertson spirituell unflätig wird. Time Magazine hat Pat Robertsons zehn besten Ausrutscher zusammengesteltl.
# 1: 2007 verkündete er, Gott habe ihm gesagt, ein Terrorangriff würde das Land in Chaos stürzen.
# 2: Verkündet: Islam ist keine Religion.
# 3: Sharon hat sich sein Koma selbst eingebrockt, weil er Gottes Land in Gaza den Palästinensern überließ.
# 6: Heiden, Abtreiber, Schwule und Lesben waren an 9/11 schuld.

11.01.10 | 14:03 | 0 Kommentare

TED Talk der Woche: Religion and politics are technologies



3:59 ... the goals from the perspective of Muslims are, in principle, peace, justice and equality, but on terms that correspond to traditional Muslim teachings.

10:02: Many, many Muslims believe, the vast majority in fact ... that the core values of Islam namely acknowledgment of God's sovereignty, and basic human equality before God, are themselves compatible with liberty, equality and free political choice.

10:48: In the most recent elections in the Muslim world - which are those in Pakistan, those in Morocco, and those in Turkey - in each case, people who present themselves to the electorate as Islamis democrats, were far and away the most successful vote-getters every place they were allowed reely.

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