29.10.12 | 13:04 | 0 Kommentare

#musicmonday

25.10.12 | 19:26 | 0 Kommentare

Der darf das…

. . . aber sonst niemand: Wie der alte „Steely Dan“ Donald Fagen mit großer Ironie das nicht sehr coole Genre des Jazzrock rettet


(Von Andrian Kreye) Wenn Donald Fagen auf seinem neuen Album „Sunken Condos“ (Reprise) eine Coverversion von Isaac Hayes’ Funk-Klassiker „Out Of The Ghetto“ einspielt, dann hat das etwas Niederträchtiges, weil er damit nicht nur den White Funk auseinandernimmt, sondern letztlich sich und seine Zuhörer bloßstellt. White Funk war dieses breitbeinige Gepose weißer Musiker, die sich an den scharfkantigen Gitarrenriffs und aufwallenden Bläsersätzen schwarzer Bands versuchten, und manchmal sogar die breitkrempige Zuhältermode des Genres nachäfften.


Als das Phänomen für kurze Zeit auftauchte, war Donald Fagen mit seiner Band Steely Dan noch ein Rockstar. Das ist weit über dreißig Jahre her. An die White-Funk-Bands wie Wild Cherry, Tower of Power oder die Average White Band erinnert sich heute kaum noch jemand. Aber letztlich war White Funk der Vorläufer jener Hip-Hop-Posen, die einem bei weißen Erwachsenen – Yo, man! – schnell den kalten Schweiß der Fremdschämens den Nacken hinuntertreiben.


Nun kann man die Geschichte der Popmusik mit etwas bösem Willen sowieso als endlose Umkehrung der Minstrel-Shows interpretieren, bei denen sich weiße Schauspieler Ende des 19. Jahrhunderts schwarz anmalten, um sich dann über die „dumb Negroes“ lustig zu machen. Popmusik war immer vom Bewunderungsmoment des Philorassismus geprägt. Weiße Stars betrachteten schwarze Kultur immer als eine Art unerschöpfliche Energiequelle, egal ob sich Frank Sinatra die Inbrunst der Swing-Orchester aneignete, Elvis Presley sich am Hüftschwung der Juke-Joint-Tänzer verging, die Rolling Stones im Blues-Schema wilderten, The Clash den jamaikanischen Rock Steady adaptierten, oder die gesamte Boy- und Girlgroup-Kultur von den Spice Girls bis Justin Bieber im Blue Eyed Soul den Notausgang aus der Bubblegum-Falle fanden. Wenn Donald Fagen „Out Of The Ghetto“ spielt, stellt er aber nicht nur den kulturkolonialen Reflex des Pop, sondern auch sich und seine Hörer in Frage.


Das Original erschien 1977 auf Isaac Hayes Album „New Horizon“, auf dem er seinen übersexualisierten Protofunk ins Extrem trieb, den er mit dem Wah-Wah-Gitarrenmotiv im Titelsong des Blaxploitation-Filmes „Shaft“ geschaffen hatte. „Out Of The Ghetto“ brachte das Dilemma eines neuen schwarzen Mittelstandes auf den Punkt: „Ich kann dich aus dem Ghetto rausholen, aber ich kann das Ghetto nicht aus dir rausholen“, hieß es da im Refrain. Da ging es um authentische Identität im Widerspruch zu Sehnsucht nach Bürgerlichkeit, dieses ganze „Black Studies“-Ding eben, das sich seit James Brown durch die schwarze Musik zieht.


Wenn das allerdings kein schwarzes Sexsymbol auf dem Höhepunkt seiner Black-Power-Phase singt, sondern ein alternder weißer Ex-Rockstar, wird aus dem Dilemma zuerst einmal eine sinistre patriarchalische Pose. Blaxploitation-Riffs und erotomanischer Grundrhythmus werden dann wieder zu dem, was sie vor dreißig Jahren schon mal waren – das musikalische Äquivalent zu einem breitkrempigen Pimp-Hut mit Federn. Der war bei Isaac Hayes Insigne, bei weißen Musikern Verkleidung.
Auf „Sunken Condos“ haben solche Referenzen nichts mit Retrokultur und sehr viel mit der beißenden Ironie von Donald Fagen zu tun. Das gilt für die White-Funk-Motive, die in jedem der neun Songs aufblitzen. Die Akzente auf dem Clavinet, dem elektrischen Cembalo, das einst Markenzeichen Stevie Wonders war. Die Bläserspitzen. Die Akkordteppiche auf dem warmen Fender Rhodes-Piano. Das alles gehört bei ihm einerseits zum musikalischen Handwerk. Wenn es aber dann doch mal etwas linkisch gerät, wie das eben so ist, wenn sich weiße Musiker an schwarzen Formen versuchen, dann lässt er das andererseits ganz bewusst so stehen.


Auch in den Texten hat Donald Fagens gallige Ironie nie vor ihm selbst Halt gemacht. Über das klassische Popmotiv des Abschiedschmerzes singt er in „I’m Not The Same Without You“: „  Seit du weg bist, ist es, als ob jemand die Sterne wieder angeknipst hätte“. Mit „Slinky Thing“ und „Memorabilia“ macht er sich über das Altern lustig. So vordergründig leicht wie mit „Out Of The Ghetto“ macht er es einem allerdings nicht mehr. Man weiß nie, aus welcher Richtung er den nächsten Hieb setzt.


Warum man Donald Fagen seine Galligkeit schon immer verziehen hat, sind Songs wie „Miss Marlene“ oder „Good Stuff“, die allesamt von einem Steely-Dan-Album jeder beliebiger Phase stammen könnten. Die haben diese Qualität, die der Regisseur Stephen Frears in seiner Verfilmung des Nick-Hornby-Romans „High Fidelity“ so kongenial inszeniert hat.


Da steht Rob in seinem Plattenladen und flüstert seinem Kumpel zu, er werde jetzt gleich fünf Platten verkaufen. Dann legt er einen Song auf, bei dem jeder der Kunden unwillkürlich anfängt mit irgendeinem Ende seines Körpers zu wippen, die Mienen entspannen sich, die Haltungen werden lässiger. Und jeder will wissen, was das denn für ein grandioser Song sei, der da gerade läuft.


Dieses Genre des subtilen Ohrwurms, der nicht über die Melodie und nicht über den Beat, sondern rein über die Jazz-geschulte Backbeat-Lässigkeit der Gesamtstruktur funktioniert, beherrschte Donald Fagen schon immer in Perfektion. Bei Steely Dan und auf Fagens Soloplatten wurzelte das immer in der Schnittmenge zwischen Jazzrock und Songwriter-Pop, die Mitte der Siebziger Jahre von Fagen, aber auch von Paul Simon, Bozz Scaggs oder Michael Franks gefunden wurde. So richtig cool war das nie, eher die Verramschung des Jazz im Softrock. Die Hintertür über die Ironie, mit der man das Genre aus der retten kann, hat allerdings nur Donald Fagen gefunden.

Foto: Warner Brothers

22.10.12 | 06:40 | 0 Kommentare

#musicmonday

Jagwa Music - Live in the Streets of Dar from Crammed Discs on Vimeo.

21.10.12 | 19:00 | 3 Kommentare

Eine Reise ins Innere des Internets

Zwei Jahre lang reiste der Architekturkritiker Andrew Blum an Orte, an denen das Internet physisch zu sehen ist – zu Kabelstrecken, Knotenpunkten, Serverfarmen.

(Von Andrian Kreye) Warum haben Sie sich damals auf den Weg gemacht?
Andrew Blum: Als ich meine Reise begann, habe ich vor allem über Architektur geschrieben und mir kaum noch Gebäude angesehen. Ich habe mein Leben fast ausschließlich vor dem Bildschirm verbracht. Irgendwann stieß mir auf, dass sich unser Raumgefühl in den letzten 15 Jahren dramatisch verändert hat. Seit Zehntausenden von Jahren haben wir auf unsere direkte Umgebung geachtet. Jetzt sind wir ständig an zwei Orten gleichzeitig – im Netz und in der physischen Welt. Aber niemand redet über die physischen Realitäten des Internets hinter dem Bildschirm. Wir haben das Netz selbst vergessen und glauben an diese verführerische Phantasie, dass das alles irgendwie von Zauberhand geschieht.

Was haben Sie gefunden?
Meine größte Herausforderung war, Orte zu finden, an denen das Internet so etwas wie eine greifbare Schönheit besitzt. Meistens bin ich ja in irgendwelche anonymen Gebäude gegangen, die kein Schild an der Tür hatten und von Parkplätzen umgeben waren. Und wenn ich dann durch eine verriegelte Tür nach der anderen gegangen bin, war das meist so, als ob man das Innere einer Maschine betritt. Da ist es laut und kalt und meist sieht man die Decke nicht mehr, weil sie von Kabeln verdeckt wird. Dann gibt es dort Stahlkäfige, in denen kühlschrankgroße Router stehen, an denen Lichter blinken und die über Kabelbäume mit den Routern in anderen Käfigen verbunden sind.

Wo fanden Sie da die Schönheit?
Die Schönheit liegt zum Beispiel darin, wie diese Orte buchstäblich mit der Erde verbunden sind. Da manifestiert sich dann dieser wirklich schöne Gedanke, dass das Internet, von dem wir glauben, dass es überall sein kann, an einem sehr spezifischen Ort angesiedelt ist. Einer der schönsten Orte auf meiner Reise war die Glasfaserkammer im Equinix-Gebäude in Ashburn, Virginia, in dem sich mehr Netzwerke verbinden als irgendwo sonst auf der Welt. Das ganze Gebäude ist auch so eine laute, kalte Maschine. Doch dann öffnet man eine Tür und es ist heiß, große Röhren mit Kabelsträngen kommen direkt aus dem Boden, und wenn man sich da hineinbeugt, kann man die Tonerde von Virginia riechen. Und dort ist das unfassbare Durcheinander des Netzes mit der Erdkruste verbunden.

Wie haben Sie Ihre Reise geplant?
Ich habe mich auf die unteren Ebenen des sogenannten OSI-Schichtmodells konzentriert. Schicht null ist der Boden, Schicht eins ist Glas, Schicht zwei ist Licht, Schicht drei ist die erste Protokollebene, die Schichten vier bis sieben sind dann all die Dinge wie TCP/IP, POP, IMAP oder HTML – die Ebenen, auf denen das Internet kommuniziert, darstellt, funktioniert. Meist war ich also in den Schichten null und eins unterwegs, den physischen Ebenen.

Wo liegen denn die Unterschiede zwischen dem physischen Internet und dem Telefonnetz?
Die überschneiden sich. Der entscheidende Unterschied ist, dass das Telefonnetz noch hierarchisch von oben aufgebaut wurde, von großen Telefongesellschaften wie der deutschen Telekom, BT oder AT&T. Die Knoten und Netzstrecken des Internets entstanden dagegen eher spontan.

Kann man so eine Infrastruktur noch kontrollieren?
Nur schwer. Aber es handelt sich ja um einen Verbund autonomer Netzwerke, deren Hauptinteresse es ist, sich mit anderen Netzwerken zu verbinden. So manifestiert sich da dieser libertäre Gedanke, dass jedes Netzwerk nur in der Verbindung mit anderen Netzwerken funktionieren kann. Das findet sich dann im Kodex der Netzwerkingenieure wieder, deren Motto lautet: Mach das Internet nicht kaputt.

Könnte man das Internet denn kaputt machen?
Je weiter man im OSI-Schichtenmodell nach oben geht, desto komplexer und anfälliger wird es. Da gibt es den berühmten Fall der Pakistan Telekom. Aus irgendeinem Grund sollte ein Ingenieur dort Youtube blockieren. Der hat dann aber anstatt einfach die Seite zu blockieren das so programmiert, dass alle Anfragen für Youtube zur Pakistan Telecom umgeleitet wurden. Diese Information hat sich dann über die Router innerhalb von Minuten rund um die Welt verbreitet. Weil Router eben so funktionieren – die sagen letztlich „hier bin ich und das sind die Leute hinter mir“. Und weil das Netzwerk auf einem digitalen System des Vertrauens aufgebaut ist, haben weltweit alle Router das auch geglaubt, und jeder, der Youtube aufgerufen hat, landete bei Pakistan Telecom. Das hat ein paar Stunden gedauert, dann war das wieder repariert.
Wenn das auf so einem System beruht, gibt es da unter Netzwerkingenieuren einen besonders ausgeprägten Ethos?
Ingenieure würden kaum sagen, dass sie ethisch vorgehen, sie nennen das operativ.
Aber sie sind sich bewusst, dass sie zu einem größeren Ganzen gehören?
Absolut.
Wie viele solcher Netzwerkingenieure gibt es denn?
Das ist eine sehr kleine Gruppe. Ein paar hundert vielleicht weltweit. Und die kennen sich alle. Das ist wichtig. Die treffen sich auf den Konferenzen der North American Network Operators’ Group oder auf den Konferenzen solcher Organisationen in Europa, Asien oder Afrika und trinken Bier zusammen. Ich war in Texas auf so einer Konferenz.

Was ist das für ein Menschenschlag?

Klassische Geeks. Unfassbar intelligent und sehr selbstbewusst, was diese Intelligenz betrifft. Da herrscht dann auch so eine Gladiatorenkampfstimmung, weil jeder von ihnen glaubt, dass sie genau wissen, wie man am besten vorgeht.

Gibt es denn noch viele Experimente?
Permanent. Deswegen ist es ja auch so wichtig, dass die Bier miteinander trinken. Damit sie im Falle, dass etwas nicht funktioniert, sofort wissen, wem sie eine SMS schicken müssen. Auf unseren Bildschirmen sieht es zwar immer so aus, als passiere alles im Netz automatisch, aber in Wahrheit funktioniert alles nur, weil zwei Kerle in Texas zusammen ein Bier getrunken haben.

Und die betreiben den Backbone des Internets?
Auch das hat sich in den letzten zehn Jahren geändert. Das Netz ist feinmaschiger geworden. Einige Anbieter von Inhalten sind inzwischen selbst globale Netzwerke geworden. Google, Microsoft und Facebook betreiben ihre eigenen Netze und sind so zu ihren eigenen Backbones geworden. Deswegen sind die Knotenpunkte so wichtig geworden.

Wie viel Aufwand betreiben diese Firmen denn beim Aufbau und Betrieb von physischen Infrastrukturen?
Ich war bei Microsoft und dort arbeiten von 90 000 Mitarbeitern ein paar Hundert in deren Global-Network-Abteilung. Dabei sind die Kabel, die da durch die Ozeane gezogen werden, eher klein. Google und Facebook arbeiten derzeit vor allem daran, riesige Datenzentren in die entferntesten Winkel des Planeten zu stellen.

Warum so abseits?
Das hat ganz einfache Gründe. Ich war in Facebooks Datenzentrum in Oregon. Das ist eine rund 30 000 Quadratmeter große Halle voller Server und Router. Wenn man eine Facebookseite aufruft und ein Bild einstellt, dann läuft das dort zusammen. Und dann gibt es noch das neue Datenzentrum in Schweden, nicht einmal hundert Meilen vom Polarkreis entfernt. In solchen Gegenden kann man diese Anlagen sehr effizient betreiben, weil man buchstäblich das Fenster aufmachen und die kalte Luft zur Kühlung benutzen kann.

Brauchen solche Zentren nicht trotzdem enorme Energiemengen?
Ja, das Zentrum in Oregon verbraucht so viel Energie, wie der gesamte Landkreis, wo es steht. Auch wenn das ein sehr ländlicher Landkreis ist. Das liegt in der Größenordnung von 30 bis 40 Megawatt.

Haben Sie jenseits der Gebäude Strukturen gefunden, mit denen man das Internet als Gesamtprojekt begreifen kann?
Was mich wirklich erstaunt hat, war, dass die physische Infrastruktur den alten Handelsrouten folgt. Die Unterseekabel verbinden dieselben Orte, die schon immer miteinander verbunden waren – New York, Lissabon, Mombasa, Mumbai, Singapur. Im Landesinneren sind es auch die traditionellen Handelsstädte – Frankfurt, Guangdong. Ein paar Ausnahmen gibt es natürlich, wie Equinix in Ashburn, Virginia. Da hat der Firmengründer Jay Adelson eben ein Stück Land gekauft.

Wenn das Internet eine globale, aber überschaubare Infrastruktur mit einigen wenigen Knotenpunkten ist, ist es dann nicht doch sehr anfällig?
Nicht so anfällig, dass man schlaflose Nächte haben müsste. Die wichtigen Verbindungspunkte sind entweder in sehr großen Gebäuden, oder sie ersetzen einander. Nehmen Sie Frankfurt – das zentrale Gebäude ist im Westen der Stadt, aber es gibt noch eines im Osten. Es gibt also einen Back-up. Und selbst wenn Frankfurt komplett überschwemmt würde, dann würde Amsterdam einspringen und Paris. Genauso wie Virginia einspringen würde, wenn es ein Erdbeben in Kalifornien gäbe. Nur wenn es gleichzeitig ein Erdbeben in Kalifornien und eine Überschwemmung in Frankfurt gibt, dann wird es kritisch. Als es 2006 ein großes Erdbeben in Taiwan gab und sechs Unterseekabel durchtrennt wurden, gab es wirklich mehrere Wochen lang in Teilen Südostasiens kein Internet. Irgendwann lenkte sich das Internet dann selbst um und die Kabel wurden dann auch repariert. Aber dieses Umlenken funktionierte eben dadurch, dass ein Typ in Los Angeles ein Kabel aussteckte, quer durch einen Raum lief und es auf der anderen Seite wieder einsteckte.

Foto: Facebooks Prinevill Data Center in Oregon/afp

19.10.12 | 06:33 | 0 Kommentare

Friday Night Live

Thelonius Monk and the Giants off Jazz 1971: Thelonius Monk, Dizzy Gillespie, Sonny Stitt, Kai Winding, Art Blakey, Al Mckibbon

18.10.12 | 18:34 | 0 Kommentare

Transparenz schafft kein Vertrauen

Der Politologe Ivan Krastev über die Illusion, dass ein Staat wirklich besser ist, wenn wir alles über ihn wissen

(Von Andrian Kreye)  Transparenz ist eine neue politische Währung, sei es in den Basisbewegungen, die Wikileaks oder die Piratenpartei unterstützen, oder im deutschen Bundestag, der nun über neue Richtlinien für Transparenz diskutiert. Ist das ein Fortschritt?
Ivan Krastev: Transparenz könnte ein wichtiges politisches Instrument sein. Doch letztlich ist sie nur ein Motor der Depolitisierung und ein Instrument, um Vertrauen zu managen, statt Vertrauen zu schaffen. Sie vermittelt Bürgern vor allem das Gefühl, dass sie wegen neuer Technologien und neuen Sensibilitäten dem politischen System prinzipiell misstrauen sollen und dass mehr Information über das, was Politiker tun, auch zu einer besseren Politik führen wird. Die Frage ist aber vielmehr, wie wir das Vertrauen in die politischen Institutionen wieder zurückgewinnen. Denn wir brauchen ein gewisses Maß an Vertrauen in den Staat, damit demokratische Institutionen funktionieren können.

Ist Transparenz nicht ein erster Schritt?
Nicht unbedingt. Ein Niveau, das wirklich jeden davon überzeugt, dass die Regierung transparent ist, wird man nie erreichen. Dafür sind schon zu viele Leute zu misstrauisch. Und es gibt nichts Verdächtigeres als eine Regierung, die so tut, als sei sie transparent. Es gibt aber auch ein praktisches Problem. Wenn Sie wirklich größtmögliche Transparenz schaffen würden, wären die Bürger kaum bereit oder fähig, alles zu verfolgen, selbst wenn sie sich 24 Stunden mit politischen Vorgängen beschäftigten würden.

Ist Transparenz nicht eine entscheidende Voraussetzung für Mitbestimmung?
Doch, ich glaube wie gesagt, dass sie ein großartiges Instrument sein kann. Aber sie sollte kein primäres Ziel demokratischer Politik sein. Jede politische Entscheidung hat positive und negative Auswirkungen. Man wird die Entscheidungsprozesse aber nie ganz transparent machen können. In der Wirtschaft ist das anders. Da gibt es messbare Größen wie Geld und Investitionen, die kann man viel einfacher nachvollziehen. Wenn wir aber versuchen, Dinge zu erklären, die in der Politik passieren, können wir meistens nicht nachvollziehen, warum Leute etwas entschieden haben. Moral, Kultur, Identität, Religion, Freundschaften – all das spielt eine Rolle. Nehmen Sie die Privatisierung in den osteuropäischen Ländern. Die war sehr umstritten. Der einfachste Weg, sie zu legitimieren, war der Preis. Die Regierungen haben also den höchsten Preis zum Kriterium gemacht. Aber der höchste Bieter ist oft nicht der beste Käufer, weil das nichts darüber sagt, wie der Käufer mit der Ressource umgeht. Aber der Preis ist eben messbar. Solche Kriterien führen zwangsläufig zu einer selektiven Transparenz. Die wird meistens gesteuert.

Von wem?
Von den Regierungen selbst. Als Putin gegen Chodorkowski vorging, proklamierte er einen Kampf gegen Korruption. Jeder Kampf gegen Korruption kann allerdings auch sehr selektiv sein.

Aber es sind ja nicht nur Regierungen, die Transparenz als politisches Instrument einsetzen.
Nein, es sind aber sonst vor allem aktive Minderheiten. Nehmen Sie die Entscheidung Deutschlands, aus der Kernenergie auszusteigen. Ich persönlich hielt das zwar für eine gute Entscheidung. Aber sie wurde von einer sehr aktiven Minderheit erzwungen. Die Regierung hatte das Gefühl, dass sie ihre Position nicht mehr verteidigen kann. Da ging es nur um das politische Überleben. Die eigentliche Debatte, wie man mit Umweltfragen umgeht, wurde einfach ausgelassen. Und das in Deutschland, dem Land mit den meisten öffentlichen Debatten, weil die Medienlandschaft und die Gesellschaft das besser zulassen, als in den meisten anderen Ländern.

Sind es nicht meistens aktive Minderheiten, die Wandel vorantreiben?
Stellen Sie sich mal vor, was in kleineren Ländern passiert, wo es viel leichter ist, genügend Leute zu mobilisieren, um irgend etwas zu verhindern. In der Ukraine haben zwei Kids eine Firma gegründet, über die man Menschenmassen anmieten konnte. Nicht jede Partei hat für so etwas Geld. Das führt schnell dazu, dass die Aktionen von Minderheiten die öffentliche Debatte ersetzen und Konsenspolitik unmöglich wird.

Wie kann man das Vertrauen in politische Institutionen wieder herstellen?
Man braucht zunächst ein gemeinsames Ziel. Die Leute sollten entweder einer oder ganz unterschiedlicher Meinung sein. Sie brauchen Loyalitäten. Wenn diese Loyalitäten schwach sind, interessiert es sie auch nicht, wer an der Macht ist. So kann Demokratie nicht funktionieren. Es gibt natürlich auch das andere Extrem, vor allem in den USA. Da hat die Polarisierung der Politik inzwischen einen Grad erreicht, dass man keine gemeinsame Mitte von Bedeutung mehr findet.

Waren die Loyalitäten früher stärker?
Früher waren politische Parteien stärker ideologischen Prinzipien verpflichtet. Es gab zwar auch mehr Korruption, aber man wusste zumindest, wo man steht. Demokratie war ein Mechanismus, um mit Enttäuschung umzugehen, und ein Korrektiv, mit dem man verändern konnte. Dieses Korrektiv ist geschwächt. Heutzutage zählen Wahlen kaum noch etwas. Es gibt ein dominantes politisches Paradigma, das durch Instabilität und demokratisch legitimierte Personalwechsel gestützt wird. Eine Rückkehr zur Politik wäre es, den Gesellschaftsvertrag neu zu verhandeln, vor allem zwischen den Generationen.

Führt Enttäuschung dann nicht zwangsläufig zu Unruhen, die einen Wandel erzwingen? Dafür gibt es in der jüngeren Vergangenheit genügend Beispiele. Und Unruhen gibt es in Griechenland und Spanien jetzt schon.
Die aktuellen Wandlungsprozesse in Europa werden oft mit den Umwälzungen in den osteuropäischen Ländern verglichen. Der entscheidende Unterschied war allerdings, dass die Leute damals mit dem vorherigen System unzufrieden waren. Sie konnten sich deswegen auch als Sieger fühlen. In Griechenland und in Spanien geht es um junge Leute, die sich als die großen Verlierer sehen. Sie können es mit 1968 vergleichen. Da gingen die Leute auf die Straße, weil sich nicht wie ihre Eltern sein wollten. Heute gehen die jungen Leute auf die Straße, weil sie auf ihr Recht pochen, wie ihre Eltern zu leben. Sie haben aber seit den Neunzigerjahren einen ökonomischen Niedergang, der auch generationsbedingt ist.

Ist Transparenz deswegen vor allem ein Thema der Jugend?
Darauf habe ich noch keine Antwort gefunden. Sicherlich verstehen die Digital Natives das Internet als Demokratie, weil sie den Schwarmgeist als Form von Mitbestimmung erfahren. Es ist allerdings keine liberale, sondern eine libertäre Generation, weil das Internet libertär ist. Und viele dieser jungen Bewegungen sind defensiv. Sie verteidigen zum Beispiel die Freiheit des Internets. Wenn man tiefer schürft, sieht man, dass sie den Status Quo verteidigen.

Julian Assange und Wikileaks sind aber keineswegs defensiv.
Assange ist eine großartige Geschichte. In der ersten Phase hat sich Wikileaks auf ganz spezifische Informationen eingeschossen, die sie öffentlich gemacht haben, weil sie die Vorgänge als Skandal betrachteten. Wenn man dann aber sämtliche Depeschen des amerikanischen Außenministeriums veröffentlicht, erklärt man alles, was die Regierung tut, pauschal zum Skandal. Als die sowjetische Regierung 1917 an die Macht kam, war es eine der ersten Amtshandlungen Leo Trotzkis als Volkskommissar des Auswärtigen, die komplette diplomatische Korrespondenz des russischen Staates öffentlich zu machen. Das war für ihn der beste Weg, den Staat als solchen zu delegitimieren. Und das ist das grundsätzliche Problem mit der Transparenz. Sehen wir sie als Weg, Regierungen als solche zu legitimieren oder zu delegitimieren?

Ivan Krastev, 47, leitet das Centre for Liberal Strategies in Sofia. Er ist Mitglied des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen in Wien und des European Council on Foreign Relations.

Foto: Unruhen in Athen, dpa

15.10.12 | 06:20 | 0 Kommentare

#musicmonday

13.10.12 | 14:17 | 0 Kommentare

Lasst die Versager versagen

Die Rückkehr des Calvinismus im aktuellen US-Wahlkampf

(Von Andrian Kreye) Wenn die Deutschen in Amerika wählen dürften, wäre die Sache längst gelaufen. 89 Prozent aller Befragten antworteten gerade auf die Frage des ZDF-Politbarometers, dass Sie für Barack Obama stimmen würden. Nur zwei Prozent würden sich für Mitt Romney entscheiden. Und da ist man dann schon beim eigentlich Faszinierenden an amerikanischen Präsidentschaftswahlkämpfen.

Das ist dieses unheimliche Gefühl, dass einem dieses Land, das man doch so liebt (Manhattan, Dylan, Philip Roth) letztendlich doch sehr fremd ist (Genfood, Wall Street, George W. Bush). Ist Mitt Romney nicht einer von denen, die der Welt die finsterste Wirtschaftskrise seit 1929 eingebrockt haben? Und hat Obama nicht die Truppen aus Irak und Afghanistan abgezogen, armen Amerikanern eine Krankenversicherung besorgt und Osama Bin Laden zur Strecke gebracht? Und trotzdem bleibt der Wahlkampf ein Kopf-an-Kopf-Rennen?

Es gibt gute Erklärungen für Mitt Romneys Erfolge. Einige davon findet man in dem Buch "Arme Milliardäre" von Thomas Frank. Der gehört zu jenem Kreis Intellektueller, die während der Neunzigerjahre in dem Magazin The Baffler aus Chicago eine neue Form der Kapitalismuskritik erfanden, die sich viel mit Realitäten und wenig mit Theorien beschäftigte. Thomas Frank war neulich auf Lesereise in Deutschland unterwegs. Und wenn er da von seinem Land erzählte, schaute er in Säle voll ungläubiger Gesichter.

Ausführlich beschrieb er, wie Amerika auf die Finanzkrise reagierte - nicht mit Reformen, sondern mit einer noch konsequenteren Deregulierung, mit einer radikalen Durchsetzung der freien Marktwirtschaft, mit einer grimmigen Ablehnung jeglicher sozialer Maßnahmen und Programme.

Das erinnert an mittelalterliche Medizinpraktiken, als man Wunden mit Glüheisen ausbrannte. Vor allem aber verkehrte sich die auch in Amerika natürliche Reaktion auf eine solche Krise in ihr Gegenteil. Anstatt Solidarität und Gemeinsinn herrscht im Land nun eine gehörige Wut auf die Opfer der Krise - auf die Verlierer, Pleitiers, Bankrotteure, auf die Millionen, die mit Zwangsbescheiden auf die Straße gesetzt wurden. Und auf die Regierung, die sich anschickte, ihnen zu helfen und ihr Versagen damit auch noch zu legitimieren.

Motor dieses bizarren Zeitgeists ist eine neue Kaste aus der obersten Steuerklasse: die Beleidigten. Sie haben inzwischen eine erstaunlich große Anhängerschaft unter jenen Mittelständlern und lediglich Wohlhabenden gefunden haben, die sich so eine harte Linie eigentlich gar nicht leisten können.

Die Geburtsstunde dieser Kaste wurde am 29. Februar 2009 auf dem Wirtschaftsnachrichtensender CNBC live übertragen. Da stand der Reporter Rick Santelli auf dem Parkett der Chicagoer Börse und steigerte sich in einen Wutausbruch. Das staatliche Hilfsprogramm für Hauseigentümer, die ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen konnten, sei "Belohnung von Fehlverhalten" und "eine Subvention der Kredite von Verlieren". Empört fragte er in die Runde der Börsenmakler: "Wer will hier für den Hauskredit seines Nachbarn aufkommen, der sich ein zweites Badezimmer geleistet hat und nun die Raten nicht mehr zahlen kann?" Voll in Rage rief er aus: "Wir leben hier in Amerika!"

Ähnlich zornig gebärdete sich der Vorkämpfer der Beleidigten Leon Cooperman, ein Investmentfonds-Gründer aus New Jersey. Der verfasst im November einen Brief an Barack Obama, der bald schon die Runde machte. Ausführlich erzählt er da von seiner Kindheit als Sohn eines Klempners in der Bronx, von seinem langen Weg in der Finanzindustrie, den er als verschuldeter Uniabsolventen antrat und nun als Multimilliardär abschließt. Was Obama mit seiner Rhetorik von den Armen und den Reichen und seinen Sozialprogrammen anrichte, sei nichts weniger als einen "Klassenkampf" anzuzetteln.

Heiliges Buch der Beleidigten ist Ayn Rands inzwischen viel zitierter Roman "Der Streik", der im Original viel treffender "Atlas zuckte die Schultern" heißt. Atlas, der Gott, der die Welt schultern musste, das sind all diejenigen, die Mitt Romney und die Beleidigten als die "Geber" der Gesellschaft ansehen. Mitt Romneys berüchtigte 47 Prozent der "Nehmer" sind die Last, die es durch ein Schulterzucken abzuwerfen gilt.

In Europa ist diese oft weinerlich vertretene Ideologie einer fundamentalistischen Meritokratie nur schwer nachvollziehbar, weil sie dem Verständnis von Gesellschaft und Staat grundlegend widerspricht. Die Solidargemeinschaft, für die man sich auch in Deutschland auf einen Kompromiss der Mittelmäßigkeiten, der hohen Steuern und relativ großen sozialen Sicherheiten eingelassen hat, ist heilig.

In Amerika aber ist der unermessliche Reichtum und Wohlstand an diesem Punkt fast ausschließlich aus eigener Kraft geschaffen. Noch nie war es in der Geschichte der Menschheit möglich, so schnell zu solchen Vermögen zu kommen wie in den Jahren 1997 bis 2008. In den meisten Fällen wurde dieser Reichtum keineswegs mit den traditionellen Methoden der Ausbeutung geschaffen. Finanzgeschick, Innovationsindustrien und Risikobereitschaft waren die Antriebskräfte. So wird Reichtum nicht als Privileg verstanden, sondern als Belohnung für harte Arbeit. Warum sollte man diesen Lohn nun mit den Heerscharen der Versager teilen, die sich nicht die Mühe gemacht haben, selbst zu etwas zu kommen?

Da aber schlägt jener Glaube durch, der ganz am Anfang der Geschichte der modernen Amerikas stand - der Calvinismus, der aus Europa in die neue Welt vertrieben wurde. Der geht (in groben Zügen) davon aus, dass der Mensch als Sünder geboren wird. Doch Gott belohnt die Tüchtigen. Und bestraft die Müßigen - Armut ist demnach selbst verschuldet. Dieses Credo schwelte schon immer in der amerikanischen Gesellschaft. Erst Franklin D. Roosevelt konnte diesen Urgedanken der freien Marktwirtschaft mit seinem "New Deal", seinem neuen Gesellschaftsvertrag nach der großen Depression, etwas bändigen.

Nun aber kehrt der Calvinismus mit aller Macht zurück. Mitt Romney mag Mormone sein, doch er steht mit seiner Biografie für genau diesen Grundsatz aus den Wurzeln der Nation. Auch wenn es nicht mehr Gott ist, der die Schuldfrage klärt: "Lasst die Versager versagen." Europäern sind solche Gedanken sehr fremd. Es sei denn, sie sollen gerade Griechenland und Spanien retten.

12.10.12 | 09:26 | 0 Kommentare

Friday Night Live

11.10.12 | 08:33 | 2 Kommentare

Nobelpreis

Der Literaturnobelpreisgewinner 2012 Mo Yan. (Foto: AP)

Das waren die Quoten vom Vormittag für den Nobelpreis für Literatur beim Londoner Buchmacher Ladbrokes:

Haruki Murakami 6/4 Susp.
Peter Nadas 5/2 Susp.
William Trevor 7/1 Susp.
Mo Yan 8/1 Susp.
Alice Munro 8/1 Susp.
Bob Dylan 10/1 Susp.
Cees Nooteboom 12/1 Susp.
Ngugi wa Thiog'o 12/1 Susp.
Thomas Pynchon 12/1 Susp.
Ismail Kadare 14/1 Susp.
Adonis 14/1 Susp.
Ko Un 14/1 Susp.
Les Murray 14/1 Susp.
Assia Djebar 14/1 Susp.
John Banville 14/1 Susp.
Dacia Maraini 16/1 Susp.
Philip Roth 16/1 Susp.
Cormac McCarthy 10/1 Susp.
Amos Oz 16/1 Susp.
Margeret Atwood 16/1 Susp.
Tom Stoppard 16/1 Susp.
Milan Kundera 12/1 Susp.
Enrique Vila-Matas 20/1 Susp.
Eduardo Mendoza Garriga 20/1 Susp.
Chinua Achebe 20/1 Susp.
Nurridin Farah 20/1 Susp.
Olga Tokarczuk 20/1 Susp.
Umberto Eco 25/1 Susp.
Leonard Nolens 25/1 Susp.
Mircea Cartarescu 25/1 Susp.
Yves Bonnefoy 25/1 Susp.
Anne Carson 33/1 Susp.
Peter Handke 33/1 Susp.
Adam Zagajewski 33/1 Susp.
Karl Ove Knausgard 33/1 Susp.
Don DeLillo 33/1 Susp.
Joyce Carol Oates 33/1 Susp.
E L Doctorow 33/1 Susp.
Merethe Lindstrom 50/1 Susp.
Andrea Camilleri 50/1 Susp.
Chimamanda Ngozi Adichie 50/1 Susp.
Chang-Rae Lee 50/1 Susp.
Ian McEwan 50/1 Susp.
Gerald Murnane 50/1 Susp.
Peter Carey 50/1 Susp.
Bei Dao 50/1 Susp.
Antonio Lobo Antunes 50/1 Susp.
Carol Ann Duffy 50/1 Susp.
Ernesto Cardenal 50/1 Susp.
Michel Tournier 50/1 Susp.
Maya Angelou 50/1 Susp.
Mahasweta Devi 50/1 Susp.
A B Yehoshua 50/1 Susp.
Azar Nafisi 66/1 Susp.
Dai Sijie 66/1 Susp.
Daniel Kahneman 66/1 Susp.
Javier Marias 66/1 Susp.
Kazuo Ishiguro 66/1 Susp.
Ursula Le Guin 66/1 Susp.
David Malouf 66/1 Susp.
Hanan Al-Shaykh 66/1 Susp.
Salman Rushdie 66/1 Susp.
Ben Okri 66/1 Susp.
Herman Koch 66/1 Susp.
Colm Toibin 66/1 Susp.
Claudio Magris 66/1 Susp.
A S Byatt 66/1 Susp.
Patrick Modiano 66/1 Susp.
Juan Marse 66/1 Susp.
William H Gass 66/1 Susp.
Yevgeny Yevtushenko 66/1 Susp.
Julian Barnes 66/1 Susp.
F Sionil Jose 66/1 Susp.
John Ashbery 66/1 Susp.
Ulrich Holbein 100/1 Susp.
Atiq Rahimi 100/1 Susp.
Kjell Askildsen 100/1 Susp.
Jon Fosse 100/1 Susp.
Michael Ondaatje 100/1 Susp.
Paul Auster 100/1 Susp.
Eeva Kilpi 100/1 Susp.
Vassilis Alexakis 100/1 Susp.
Mary Gordon 100/1 Susp.
Marge Piercy 100/1 Susp.
Jonathan Littell 100/1 Susp.
Juan Goytisolo 100/1 Susp.
Elias Khoury 100/1 Susp.
Shlomo Kalo 100/1 Susp.
Victor Pelevin 100/1 Susp.
Ferreira Gullar 100/1 Susp.
Antonio Gamoneda 100/1 Susp.
Louise Gluck 100/1 Susp.
Rajendra Bhandari 100/1 Susp.
Jonathan Franzen 100/1 Susp.
Christian Jungersen 100/1 Susp.
Sofi Oksanen 100/1 Susp.
Shyam Selvadurai 100/1 Susp.
Roberto Saviano 100/1 Susp.
Leila Aboulela 100/1 Susp.
Daniel Chavarria 100/1 Susp.
Anna Funder 100/1 Susp.
Tim Winton 100/1 Susp.
Peter Hoeg 100/1 Susp.
Gosta Agren 100/1 Susp.
Michael Frayn 100/1 Susp.
Tadeusz Rozewicz 100/1 Susp.
Per Petterson 100/1 Susp.
E.L. James 500/1

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