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B*tches in Bookshops (based on Jay Z and Kanye West's "N*ggas in Paris")
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(Von Andrian Kreye) Der 15. Mai gilt mit dem Jahrestag der spanischen Indignados-Bewegung auch als erster Jahrestag der Occupy-Bewegung. In den USA will sich Occupy rund um den geplanten Nato- und G-8-Gipfel in dieser Woche in Chicago neu positionieren. Allerdings wurde der G-8-Gipfel in den präsidialen Feriensitz Camp David verlegt. Hauptredner der verbleibenden Proteste gegen die Nato wird Tom Hayden sein. Hayden war einer der legendären Chicago Seven, die wegen der Unruhen rund um den Parteikonvent der Demokraten 1968 angeklagt wurden. Er war damals einer der wichtigsten Studentenführer. 1962 hatte er die Port-Huron-Erklärung verfasst, das Gründungsdokument der Studentenbewegung SDS. Später wurde er State Senator in Kalifornien. Seine Ehe mit dem Filmstar Jane Fonda war lange Stoff für die Illustrierten. Heute unterrichtet er Geschichte an mehreren Colleges und leitet das Peace and Justice Resources Center in Los Angeles. Zum Interview in einem Café nahe seines Hauses im Stadtteil Brentwood erscheint er in Surferkluft. Und bestellt am Nachmittag erst einmal ein Frühstück.
Hat Obama Amerika verändert?
Tom Hayden: Allerdings. Oberflächlich betrachtet, sind das sehr langsame Entwicklungen. Aber wer würde bezweifeln, dass sich Amerika verändert, wenn die Republikaner so hysterisch sind? Wenn die Interessensgruppen der Wirtschaft so hysterisch sind? Wenn Wall Street so hysterisch ist?
Viele befürchteten, dass er der Linken Energien abziehen würde.
Hayden: Das waren die Trotzkisten. Von denen haben wir nicht so viele. Aber im Ernst - wir haben keine richtige Linke. Jeder, der von sich behauptet, er sei ein Linker, gehört zu einer kleinen ideologischen Gruppe. Wir haben progressive Populisten und monothematische Gruppen, die bei Themen wie Gesundheitswesen oder Global Warming eine Mehrheit bilden. Aber wir sind nicht in Europa. Wir haben weder die Parteien noch die ideologische Basis.
Viele im progressiven Spektrum waren von Obama schon bald enttäuscht.
Hayden: Einige von ihnen waren Neulinge, die wirklich glaubten, dass er ihre Wünsche erfüllen würde. Für Obama ist es aber viel wichtiger, dass ihn die Linke angreift, um der anderen Seite zu beweisen, dass er Zentrist ist. Das ist für viele unserer Aktivisten und Bürgerrechtler natürlich eine schmerzhafte Lektion.
Könnte Occupy ihn unter Druck setzen?
Hayden: Ich hoffe ja, dass sie das tun.
Haben Sie die Camps besucht?
Hayden: Ja, ich war im Zuccotti Park in New York, in Boston, Miami.
Haben Sie dort gesprochen?
Hayden: Nein. Nachdem ich die Bewegung nicht initiiert habe, war es nicht an mir, sie mit meiner Weisheit der Jahre zu belehren. Die machen das auch so sehr gut. Ich habe da nichts Neues anzubieten.
Haben Sie einen Kern der Bewegung erkennen können?
Hayden: Das Einzige, was sie zusammenhält, sind die Camps. Hätte die Polizei sie am ersten Tag angegriffen, wäre vielleicht alles am ersten Tag vorbei gewesen. Es war auch weniger das Winterwetter, das die Bewegung gebremst hat, sondern die Tatsache, dass es das Camp als Magnet nicht mehr gab. Ich glaube aber, dass sie definitiv zurückkommen.
Kann Occupy effektiv sein?
Hayden: Wenn Sie die Port-Huron-Erklärung von 1962 lesen, das Gründungsdokument des SDS, dann heißt es da im Absatz über die Wirtschaft, dass ein Prozent aller Amerikaner 80 Prozent aller Firmenaktien besitzen. Wir dachten damals schon, dass wir einen guten Plan hätten, mit diesem einen Prozent fertigzuwerden. Drei Dinge haben uns dann vom Weg abgebracht. Die Attentate auf JFK, Martin Luther King und Robert Kennedy, der Vietnamkrieg und die extremen und antiquierten Ideologien, die überhandnahmen.
Welche Ideologien waren das?
Hayden: Trotzkismus, Stalinismus, Maoismus, Lin-Biaoismus, was auch immer. Dazu kam das Cointelpro-Programm des FBI. Aber das Scheitern haben sich die Aktivisten schon selbst zuzuschreiben, das war nicht nur das FBI.
Gibt es diese Strömungen auch bei Occupy?
Hayden: Das politische Sektierertum sehe ich nicht mehr so, auch wenn es bei Occupy eine Strömung des fundamentalistischen Anarchismus gibt. Das eigentliche Problem ist die Desillusionierung, die totale Ablehnung der gewählten Politik, inklusive Obama.
Aber die gewählten Politiker haben ja auch nichts gebracht.
Hayden: Das dachten wir 1968 auch. Aber dann kam Nixon und erließ über Nacht zehn Umweltgesetze. Und nachdem sich die Studentenkomitees 1960 dazu verpflichtet hatten, sich für fünf Jahre in den mörderischsten, rassistischsten Regionen des Landes zu engagieren, wobei einige verwundet wurden und starben, erließ die Regierung den Voting Rights Act. Und Lyndon B. Johnson sagte bei der Unterzeichnung 'We shall overcome'. Deswegen glaube ich, dass Occupy zu vorschnell ist, die Regierung einfach abzuschreiben. Regierungen sind immer langsam. Das dauert eben.
Macht Occupy einen Fehler, keine Forderungen zu stellen?
Hayden: Das ist ihr gutes Recht. Teilweise ist das die Ideologie des Anarchismus. Wenn man den Staat abschaffen will, stellt man auch keine Forderungen an ihn, denn er könnte ja darauf eingehen. Aber Anarchisten machen zwar das dominante, aber doch nur ein Prozent der Occupy-Bewegung aus. Die Masse der Verweigerer hat die Erfahrung gemacht, dass die Regierung sowieso nie etwas unternimmt. Und wenn sich etwas bewegt, dann ist es immer nur ein Zugeständnis, nie ein wirklicher Wandel. Außerdem - jeder, der Zeit mit Occupy verbracht hat, weiß, dass sie sich ohnehin auf nichts einigen können. Wenn man auf Forderungen beharren würde, würden sie in Fraktionen zersplittern.
Ein paar Lippenbekenntnisse gab es doch. Sogar von Obama.
Hayden: Ja, aber Occupy ist gegen Lippenbekenntnisse.
Sind Lippenbekenntnisse nicht ein erster Schritt?
Hayden: Für Occupy nicht.
Und aus Ihrer Sicht?
Hayden: Lippenbekenntnisse sind immer der Anfang. Mit was soll es denn sonst anfangen? Mit einem lauten Protestschrei von Obama? Es ist aber schwer einzuschätzen, wo man Wall Street zuerst anpacken soll. Weder der Kongress noch der Senat macht irgendwelche Anstalten, Wall Street zu reformieren.
Kann es da überhaupt Wege geben?
Hayden: Ich habe den New Deal ziemlich genau studiert. In den dreißiger Jahren war das nur ein Slogan. Aber schon damals gab es monothematische Initiativen, zum Beispiel eine Bewegung, die für Renten für Kranke, Behinderte und ältere Menschen kämpfte. Daraus wurde die Social Security. Es gab eine starke Arbeiterbewegung, die Fabriken besetzte. Wenn man zurückblickt, dann wurden die meisten Errungenschaften des New Deals nicht zur gleichen Zeit und nicht vom Präsidenten erreicht. Sie kamen aus einem chaotischen, wütenden Aufstieg sozialer Bewegungen, die sich jeweils auf ein Thema konzentrierten. Ich glaube, so wird es sich auch diesmal abspielen.
Wie könnte so etwas aussehen?
Hayden: In Chicago werde ich all den Bewegungen und Gruppen einen Vorschlag machen. Es gibt ja schon eine stillschweigende Übereinkunft, für was wir sind. Prinzipiell wären alle für eine Verringerung des Verteidigungshaushalts, eine Wiederaufnahme der Global-Warming-Verhandlungen, Investitionen in grüne Jobs und erneuerbare Energien, und vielleicht für diese Robin-Hood-Steuer auf Finanztransaktionen, die Gelder für soziale Bedürfnisse generiert. Darauf könnten wir uns einigen.
Erinnert Sie Chicago 2012 an Chicago 1968?
Hayden: Nein. Die Ausgangslage ist viel besser. Damals waren die meisten Amerikaner gegen Kriegsdienstverweigerer, gegen Black Power, waren für Recht und Gesetz - das war eine gute Zeit für Nixon. Jetzt sind die meisten Leute gegen Wall Street. Es gibt einen viel stärkeren progressiven Konsens, der ja auch mitgeholfen hat, Obama an die Macht zu bringen. Und die Demonstranten sind klüger geworden. Ich weiß nicht, ob das auch für die Polizei oder das FBI gilt. Aber die Demonstranten wissen, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt. Entweder man lässt sich auf eine Straßenschlacht ein. Das wäre dann die Botschaft im Tränengasnebel, die bleibt. Oder sie konzentrieren sich auf eine Anti-Wall-Street-, Antikriegsbotschaft und bekräftigen so, dass sie die 99 Prozent sind.
Wie wichtig ist Chicago 2012 für die Rückkehr von Occupy?
Hayden: Obama und seine Medienmaschine werden die Botschaft raushämmern, dass der Irak-Krieg vorbei und der Afghanistankrieg am Abklingen sei. Nachdem sich die meisten Amerikaner gerade mit der Wirtschaft beschäftigen, wird das im Rahmen eines Nato-Gipfels die Mehrheit zufriedenstellen. Und den G-8-Gipfel hat Obama ja schlauerweise in die Abgeschiedenheit von Camp David verlegt, und so dem großen Anti-Ein-Prozent-Protest viel an Wucht genommen. Aber es braut sich was zusammen.
Das werden viele gerne hören.
Hayden: Ich nicht. Millionen geht es schlecht. Ich bekomme diesen wirtschaftlichen Stress ja selbst zu spüren.
Seit wann?
Hayden: Seit 2008. Seit dem Crash. Und ich bin 72 Jahre alt - soll ich jetzt noch mal eine neue Karriere anfangen und 40 Stunden die Woche arbeiten gehen? Meine Social Security und meine Pension reichen nicht, um meine Familie zu unterhalten. Und ich bin vergleichsweise wohlhabend. Das geht einem wirklich an die Nieren. Man macht sich immerzu Sorgen, wo der nächste Scheck herkommt. Es wird deswegen nicht nur um die Korruption an der Wall Street gehen, sondern um eine Neujustierung der Wirtschaft. Ich glaube allerdings nicht, dass der Kapitalismus abgeschafft wird.
Glauben Sie, dass der Kapitalismus reformierbar ist?
Hayden: Ja. Er wurde wie gesagt in den dreißiger Jahren schon einmal reformiert. Er wurde von Nixon reformiert. Ich glaube allerdings, dass diese Generation mit einem utopischen Konzept von Kapitalismus aufgewachsen ist, mit Steve Jobs, Apple und der neuen Informationsökonomie. Sie vergessen die Milliarden in China und sonstwo, die als buchstäbliche Sklaven für Konzerne wie Apple arbeiten. Deswegen müsste so ein 'New New Deal' auch global angelegt werden, mit Arbeitsrechten und Umweltgesetzen, die weltweit gelten und für die es auch Vollstreckungsorgane gibt.
Kommt man da mit den traditionellen Ideen des Sozialismus noch weiter?
Hayden: Ich glaube, Sozialismus kann einem sagen, dass es private Wirtschaftskräfte gibt, die mächtiger sind als demokratisch gewählte politische Kräfte. So wie das die Bürger von Europa gerade herausfinden, weil ihre gewählten Regierungen alles nicht gewählten ausländischen Investoren überschreiben. Aber Lösungen kommen nicht aus einem einzigen Kopf, sondern aus vielen Köpfen, die zusammenarbeiten.
Port Huron Statement - hier.
Foto: Getty, Abb.: tomhayden.com
0 KommentareAufzeichnung der Mosse-Lecture mit Rainald Goetz und Diedrich Diederichsen vom 03.05.2012 in der Humboldt-Universität zu Berlin.
0 KommentareAus der Serie "guilty pleasures (Republican version)"
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Beastie Boys - Shake Your Rump von BeastieBoys-Official
Plus: An oral history of the Beastie Boys' beginnings - hier.