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0 KommentareOdd Future
Odd Future aus ihrem neuen Album (aufgenommen beim Fototermin mit Terry Richardson).
0 KommentareDer Romantiker vom Hudson River
(Von Andrian Kreye) Als Joseph Mitchell 1959 seine Sammlung mit sechs Geschichten rund um den Hafen von New York veröffentlichte, die er für die Wochenzeitschrift New Yorker geschrieben hatte, war das Buch schon ein Abgesang auf eine versinkende Welt. Die Austernfischer, Dockarbeiter und Wirtsleute sind bei ihm Zeitzeugen großer Epochen. Sie erinnern an die Jahre, als Amerika über die Küsten des Ostens erobert wurde, an die mythische Ära, als die Fischerei eine Industrie war, die das neue Land zur Wirtschaftsmacht aufsteigen ließ, an die Zeit nach der Sklaverei, als die Austernbänke in der Bucht zwischen New York und New Jersey den Befreiten eine sichere Einkunftsquelle war.
Es sind leise, bedächtige Geschichten, die sich deutlich von der elektrisierenden Energie abwenden, die sich auf der Insel Manhattan im Laufe des 20. Jahrhunderts zur Triebkraft der westlichen Welt steigert. Diese Abkehr vom eigentlichen Lauf der Dinge, um in der Ruhe der Nischen mit ihren Randfiguren und Exzentrikern nach Wahrheiten zu suchen, war immer schon Mitchells Methode gewesen, seit er 1938 den rasenden Arbeitsabläufen der Tageszeitungen den Rücken gekehrt und beim New Yorker angeheuert hatte. Einer Methode, mit der er die Grenze zwischen Journalismus und Literatur auflöste und so zum unerklärten Vater des New Journalism wurde.
In der im letzten Jahr auf deutsch erschienenen Anthologie „McSorley’s Wonderful Saloon“ findet man Mitchell in abseitigen Pinten, Ballsälen und Kramläden der Stadt. In „Zwischen den Flüssen“ lässt er den urbanen Kontext hinter sich, um an den Ufern der Bucht, des Hudson und des East River einer naturbelassenen Vergangenheit nachzuspüren. Immer wieder tauchen die Texte ab zu den Riffen und Meeresgründen, wo die Muscheln und Schalentiere leben.
In den sechs Texten zeigt sich Mitchell deutlicher als in all seinen anderen Arbeiten als Romantiker. Aus seinem Widerwillen gegen das Neue, den Fortschritt, den Wandel, macht er keinen Hehl. Wenn er dann den Hafengrund beschreibt, sieht er die Zivilisation der Industriegesellschaft wie den Anbruch eines finsteren Urzeitalters: „An den meisten Stellen ist der Hafengrund mit einer dicken Schicht Schlick, Abwasserrückständen, Industrieabfällen und Ölklumpen bedeckt . . . In der Wallabout Bay, einer kleinen Bucht des East River, die zum Brooklyn Navy Yard gehört, wächst die Schlammschicht pro Jahr um einen knappen halben Meter. Bei Wärme fängt der Schlamm an zu faulen und dann steigen unablässig Gasblasen so groß wie Basketbälle an die Oberfläche.“
Umso schwärmerischer verliert er sich dann in den Details der Marktgänge, auf denen sich die Austernfischer von Staten Island in der Geschichte „Mr. Hunters Grab“ mit selbstgezüchteten Früchten ein wenig Geld dazuverdienen: „Zur Erdbeersaison verpackten die Leute ihre Erdbeeren und nahmen sie mit nach Rossville, von wo sie mit dem Dampfer zum Markt geliefert wurden. Auf jede Kiste legten sie ein paar Weinblätter, was die Erdbeeren erst so richtig hübsch aussehen ließ, das Grün gegen das Rot.“
„Mr. Hunters Grab“ gilt als eine der besten Reportagen in der Geschichte des amerikanischen Journalismus. Der Besuch bei dem alten Kirchenvorsteher der African Methodist Church in der Schwarzensiedlung Sandy Ground auf Staten Island komprimiert die Geschichte des schwarzen Amerika auf einen schläfrigen Sommernachmittag, der mit einer bittersüßen Pointe endet.
Es ist verwunderlich, dass Joseph Mitchells Texte erst jetzt auf deutsch erscheinen. Gerade weil sie in einer Zeit entstanden, in der die kulturellen Nischen Amerika noch nicht so deutlich prägten und die Sprachmuster noch nicht so vielschichtig waren. So ist Mitchells Sprache im Original von einer Klarheit, die hier kongenial übersetzbar ist. Es ist eine Sprache, die perfekt zu den altertümlichen Figuren passt, die jeden Handgriff genau bedenken, so wie Mitchell jede Wendung sehr bewusst formuliert.
Auf der anderen Seite ist nun vielleicht der perfekte Zeitpunkt, um sie zu veröffentlichen. Weil ja gerade die Texte in „Zwischen den Flüssen“ eine so stimmige Analogie auf den radikalen Wandel während eines Fortschrittschubes sind. Als Mitchell die Sammlung 1959 veröffentlichte, plante der Bankier David Rockefeller gerade einen radikalen Umbau der Stadt New York. Die Hafenanlagen und Manufakturen sollten in die Randbezirke weichen. New York sollte ein Zentrum der Finanz- und Medienwirtschaft werden. Der Beinahe-Bankrott der Stadt verzögerte die Umsetzung. Doch in den Neunziger Jahren wurde Rockefellers Vision vollendet. So ist Mitchells Buch heute kein Abgesang mehr, sondern eine Erinnerung an eine Welt, die es nun wirklich nicht mehr gibt.
1 KommentarDas Woodstock der Ideen
Fünf Tage Reizüberflutung: Ein Besuch auf der Ted Conference, dem Weltgipfel der Optimisten
(März 2012, von Andrian Kreye)
Die Regeln für die Redner des Ideenfestivals Ted Conference sind einfach – eine Idee, eine Bühne, eine Projektionsfläche, eine gute Viertelstunde Zeit. Und schon geht’s los. Die Konkurrenz ist hart. Die meisten, die hier vortragen haben sich im Leben längst bewiesen. Sie haben Bestseller, Professuren, Patente, Nobelpreise oder Milliarden vorzuweisen. Das garantiert hier aber nicht unbedingt Erfolg. Die 1500 Besucher der Konferenz sehen 90 Auftritte in vier Tagen. Wer in einer solch fulminanten Reizüberflutung bestehen will, muss überzeugen.
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Auftakt der Ted 2012: Der Physiker Brian Green erklärt das Prinzip des Multiversums. Dazu muss er aber zuerst noch die Stringtheorie erklären. Die mit den Elementarteilchen. Unser Universum ist nur eines von vielen. Manche bestehen, manche klappen zusammen. Schnell noch ein astrophysikalischer Witz. Alles verstanden? Rauschender Applaus. Ist das die letztgültige Verflachung der Wissenschaften? Der Übervater der amerikanischen Gegenkultur Stewart Brand lächelt über solch europäische Skepsis. „Das wissenschaftliche Entertainment hat in Amerika eine lange Tradition“, sagt er. Im 19. Jahrhundert gingen Wissenschaftler auf Tour und sprachen vor zahlendem Publikum. Wie Popstars.
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Auf die Frage, was auf der Ted Conference eigentlich verhandelt wird, gibt es keine einfache Antwort. Angelsächsische Kollegen haben immer wieder ein paar Schlagworte ins Spiel gebracht – Woodstock der Ideen, Davos der Optimisten, die Feriencamps für Millionäre. Das Kürzel steht für Technology, Entertainment und Design, aber das galt für die Teds der neunziger Jahre, als sie noch ein Treffen der Silicon-Valley-Elite in Monterey war. Inzwischen findet die Ted im kalifornischen Long Beach statt und der Themenkreis wurde um Natur- und Geisteswissenschaften, Menschenrechte, Film, Musik und Kunst erweitert.
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Wenn das hier Woodstock ist, dann ist Peter Diamandis der Jimi Hendrix des Optimismus. Sein Sprachfluss bebt vor Tatendrang. Diamandis ist Kind griechischer Einwanderer aus der Bronx. Im zivilen Leben betreibt er Firmen für zivile Raumfahrt, die Singularity University und die X-Prize-Stiftung, welche Millionenpreise für Ingenieure vergibt. Er hat gerade ein Buch mit dem Titel „Abundance“ geschrieben – Überfluss. Damit meint er das Potential unseres Planeten, Überfluss zu produzieren. Für jedes Problem der Menschheit kann es eine technologische Lösung geben. Fortschritt sei schon lange nicht mehr aufzuhalten. Beweise? Ein Afrikaner mit Handy hat Zugang zu mehr Informationen, als einst US-Präsident Ronald Reagan. Es gilt – das Credo des Machbaren.
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Long Beach ist nicht unbedingt der ideale Ort, um sich Gedanken darüber zu machen, ob es einen Intellektualismus des 21. Jahrhunderts gibt und welche Rollen das Internet und die Naturwissenschaften dabei spielen. Long Beach besteht vor allem aus dem Verladehafen der Stadt Los Angeles und einem Downtown, in dem sich überdimensionierte Hotel- und Bürotürme um kaum befahrene Schnellstraßen und ein verwaistes Kinocenter gruppieren. Aber weil in der örtlichen Kongresshalle einmal im Jahr das Ideenfestival Ted Conference stattfindet, ist Long Beach nun neben den Skiorten Davos und Aspen die wichtigste Station auf der Route des Wanderzirkus mächtiger und kluger Menschen, die sich Gedanken um die Welt und um die Zukunft machen.
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Wer Glück hat, wird auf eines der privaten Essen eingeladen, die am Rande der Ted Conference stattfinden. Peter Diamandis lädt zum Italiener L’Opera. Er stellt seinen nächsten Preis vor – zehn Millionen Dollar für das Team, das ein tragbares Diagnosegerät entwickelt, mit dem man das Gesundheitswesen revolutionieren kann. Er hat mächtige Freunde, die gekommen sind, um ihn zu unterstützen. Amazon-Chef Jeff Bezos. MIT-Media-Lab-Gründer Nicholas Negroponte. Google-Chef Larry Page. Hollywoodstar Cameron Diaz.
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Der allgegenwärtige Optimismus im Saal, in den Gängen, in den Lounges und auf den Partys hat sicher etwas mit diesem Credo des Machbaren zu tun, das sich durch so viele Vorträge zieht. Aber auch damit, dass sich das Publikum immer noch zu einem großen Teil aus der kalifornischen Elite rekrutiert. 7500 Dollar kostet der Eintritt. Das reduziert das Zielpublikum. Verdient wird nichts. Träger der Ted Conference ist eine Stiftung. Die finanziert mit den Einnahmen all die Projekte, die aus der Konferenz in den letzten Jahren eine Marke gemacht haben – die Videoplattform im Netz, die TedX-Ableger, die jeder veranstalten kann, der sich an ein paar Regeln hält, die Fernseh- und Radiosendungen, die E-Books, der Preis, die Stipendien, das TedEd-Bildungsprogramm auf Youtube, das am Montag online gehen wird. Das hat Ted zu einem Dreigestirn gemacht – Konferenz, Prädikatssiegel, Massenmedium für Ideen.
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Die Chefgründer der großen Digitalkonzerne sind fast alle auf der Konferenz. Die Nähe zum Weltwirtschaftsmotor Silicon Valley kann auch bedrücken. Der Buchdesigner Chipp Kidd wagt, eine Lanze für den Anachronismus zu brechen. Er zeigt den Buchumschlag, den er für Orhan Pamuks „Rot ist mein Name“ gestaltet hat. Die Liebenden verbergen sich auf dem Buchrücken. Der Sultan lugt vom Umschlag herüber. Sie sind entdeckt. Weiter geht es im Text. „Versuchen Sie das mal auf einem Kindle“, sagt Kidd. Und wiegelt gleich wieder ab. Er fände E-Books natürlich sehr praktisch und habe auch gar nichts gegen sie. Muss er das sagen? Als Buchgestalter?
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Hin und wieder reicht es dann aber auch mit der Machbarkeit. Dann tritt der Optimismus in die Kulisse. Etwa beim Auftritt der Friedensnobelpreisträgerin Leymah Gbowee. Sie erzählt vom Krieg, den Mädchen, den Vergewaltigungen in ihrer Heimat Liberia und schließt mit einem Appell: Gebt Mädchen den Raum, zu lernen und sich zu entfalten. Sie können der Motor der Entwicklung sein. Oder beim Vortrag von Al Gores Klimaberater James Hansen. Er prophezeit einen Temperaturanstieg von sechs Zehntelgrad Fahrenheit. Das entspräche der Energie von 400 000 Hiroshima-Bomben. Oder beim Auftritt des einstigen Greenpeace-Chefs Paul Gilding. Er sagt: Unser Planet ist voll. Kein Platz mehr. Keine Ressourcen. Wir brauchen eineinhalb Erden, um unser Wirtschaftssystem aufrechtzuerhalten. Der Erde ist unser Fortschritt egal. Sie verhandelt nicht.
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Widersprüche gibt es immer wieder. Chris Anderson bittet den Hyperoptimisten Peter Diamandis und den Turbopessimisten Paul Gilding gemeinsam auf die Bühne. Sie sollen sich streiten. Sie bleiben anderer Meinung. Und doch scheinen sie nur zwei Schritte des klassischen Dreisatzes jeder Problemlösung zu sein. Gilding erkennt die Probleme. Diamandis die Lösung. Leute, die solche Lösungen umsetzen, gibt es hier sowieso genug.
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Andere Widersprüche lassen sich nicht so leicht auflösen. Soll die Friedensnobelpreisträgerin Gbowee auf derselben Veranstaltung auftreten, wie Regina Dugan, die Darpa leitet, die Forschungsabteilung des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Darpa muss man nicht schönreden. Das ist die Waffenschmiede der Zukunft. Zivile Nebenprodukte der Darpa: das Internet, GPS, Impfstoffe. Dugan zündet ein Feuerwerk der jüngsten Projekte. Eine Flugdrohne mit Höchstgeschwindigkeit von Mach 20. Die könnte in elf Minuten von New York nach Kalifornien fliegen. An jeden anderen Ort der Welt in weniger als 60 Minuten. Eine Miniaturdrohne, die wie ein Kolibri aussieht und fliegt. Ein Super-GPS, das Blitzschläge als Leitpunkte nutzt. Chris Anderson fragt Regina Dugan nach dem Vortrag vorsichtig – die Zuladung der Mach-20-Drohne, das seien wohl nicht nur Kameras? Sie schüttelt den Kopf.
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Weiter geht’s in der Innovationsrunde. Vijay Kumar entwickelt an der University of Pennsylvania handgroße Hubschrauber, die in Formation fliegend handwerkliche und Aufklärungsarbeiten verrichten können. Wieder die Frage – fürs Militär? Oder den Katastrophenschutz? Sind in Amerika oft ein und dasselbe. Donald Sadoway vom Massachusetts Institute of Technology skizziert auf einer Schiefertafel das Grundproblem der Solarenergie, das Speichern. Hat er aber gerade mit seiner Flüssigmetallbatterie gelöst.
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Auch der Techno-Utopismus will gebrochen werden. Moralforscher Jonathan Haidt erklärt die Rolle der Religionen in der Evolution. „Sind Sie spirituell?“, fragt er das Publikum. Die Hälfte hebt die Hand. Haidt sagt, das Heilige habe die Zivilisation begründet, nur das Heilige vermag die Menschen zu überlebensfähigen Gruppen zu verbinden.
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Psychologe Steven Pinker und seine Frau, die Philosophin Rebecca Newberger, stellen dann das Gegenmodell auf. Nur die Vernunft habe die menschliche Zivilisation ermöglicht. David Hume, John Locke, Mary Astell, Sebastian Castellio werden zitiert.
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Kulturprogramm am Rande. Der Organist Cameron Carpenter reißt das Publikum mit frenetischen Kadenzen von den Sitzen. Das American Ballet Theatre tanzt Choreographien von Twyla Tharp. Die Soulsängerin Meklit Hadero singt zur Wandergitarre. Abigail Wahburn spielt Banjo. Die Auswahl erinnert an die eklektischen Programme öffentlich rechtlicher Sender wie das amerikanische National Public Radio oder Deutschlandradio Kultur. Bewährt Akustisches aus aller Welt.
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Je schneller Ted wächst (700 Millionen Zugriffe auf die Ted-Talk-Videos, innerhalb von drei Jahren, über 3200 TedX-Ablegerkonferenzen in 126 Ländern), desto stärker wird der Gegenwind. Der Literatenblog The New Inquiry findet die Macht der Ted Conference beunruhigend. Der Wissenschaftsjournalist Kent Sepkowitz schreibt, Ted-Konferenzen reduzierten Intellektualismus zu „Smart Style“. Ein Akademiker verflucht den Konferenzbetrieb im Kielwasser der Ted. Zu viele wirklich große Akademiker seien viel zu sehr damit beschäftigt, Bestseller zu schreiben und sie auf Konferenzen zu vermarkten, um noch ordentlich zu forschen. Verfechter entgegnen: Noch nie gab es in Amerika eine so massenkompatible Plattform für komplexe Themen. Das ist kein intellektueller Salon. Der Slogan lautet „Ideas worth spreading“. Ideen, die es wert sind, verbreitet zu werden.
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Am Ende der Woche stellt sich ein Zustand mentaler Erschöpfung ein. „Ted Lag“ nennen sie diesen Kater der Reizüberflutung. Nachdenken müssen sie später.
Foto: James Duncan Davidson
4 KommentareApple – die Coca Cola des 21. Jahrhunderts
(6.3. 2012, von Andrian Kreye) Normal ist das ja nicht, wie euphorisiert die Welt auf fast jede Produktvorstellung des Elektronikkonzerns Apple wartet, selbst wenn es dann doch nur das alte Gerät mit ein paar Verbesserungen ist. Der Markenexperte Martin Lindstrom hat eine neurologische Untersuchung zu diesem Phänomen angestellt. Er wollte dabei dem Kalauer nachgehen, dass iPhone-Nutzer klassisches Suchtverhalten zeigen. Das Ergebnis war erstaunlich. Es sei keine Sucht. Die enge Bindung zum Gerät sei mit wahrer Liebe vergleichbar. Das zeigten zumindest die Kernspinaufnahmen. Die Reaktion auf das Vibrieren eines iPhones war fast identisch mit den Hirnströmen angesichts eines geliebten Menschen.
Es gibt natürlich unzählige Firmen, die Smartphones, Tablets oder Computer herstellen. Doch der Erfolg von Apple ist eher eine kulturgeschichtliche denn eine wirtschaftliche Entwicklung. Das steuerte Firmengründer Steve Jobs schon früh. Er dachte immer erst an den Nutzer, dann ans Gerät. So bekam Apple für das 21. Jahrhundert eine Bedeutung wie Coca-Cola für das 20. Jahrhundert.
Die weltweite Verbreitung der Cola galt als Analogie für den Siegeszug der freien Marktwirtschaft und Demokratie. Das rotweiße Markenzeichen stand für Freiheit. Nur in der negativen Interpretation war es Sinnbild für die Dominanz der westlichen Konsumkultur.
Die Symbolwirkung von Apple ist inzwischen ähnlich. Das funktioniert deshalb so gut, weil Apple-Computer lange Zeit Nischenprodukte der digitalen Avantgarde waren. Dieses Vorreiter-Image wurde raffiniert gepflegt. Das begann mit dem legendären Werbespot von 1984, in dem „Blade Runner“-Regisseur Ridley Scott die ersten Apple-Computer als Mittel für den Befreiungsschlag gegen eine graue Welt der Repression und Gleichförmigkeit inszenierte, die an Orwells Roman „1984“ erinnerte.
1997 lancierte Steve Jobs die „Think Different“-Kampagne, für die er nicht nur die Symbole der kulturellen Rebellion vereinnahmte, sondern auch ihre Helden. Der Werbespot zeigte Albert Einstein, Bob Dylan, Picasso und Maria Callas. Das legte den Grundstein für die Aura der Kreativität, mit der sich die Firma von nun an schmückte.
Nun sind Apple-Geräte heute längst Massenware. Für junge und jung denkende Menschen des 21. Jahrhunderts hat der angebissene Apfel des Firmenlogos jedoch eine ähnliche Bedeutung wie das Coca-Cola-Signet für die Demokraten des 20. Jahrhunderts und das Peace-Zeichen für die Generation der Hippie-Jahre. Er steht weniger für ein Produkt als für ein Lebensgefühl, oder zumindest die Sehnsucht danach.
Wer Apple-Geräte benutzt, der zählt sich zu einer Elite, die aus dem Strukturwandel des 21. Jahrhunderts als Sieger hervorgeht. Es sind die Kreativen, die Innovatoren, all jene also, die sich in einer Welt der Niedriglohnjobs auf die immer schmalere Seite der Gutverdienenden schlagen. Der rebellische Gestus hat dabei längst keinen politischen oder kulturellen Kern mehr. Es geht um die Eroberung einer aufregenden neuen Welt, die mit neuen Technologien das Leben der Menschen verändern wird.
Nun war Steve Jobs kein Ideologe, sondern Geschäftsmann. Aura und Lebensgefühl sind für Apple wie für jede Marke nur Vehikel, um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden und Kunden zu binden. Für den Digital-Kosmos ist das immer wichtiger. Nur so konnte Apple eine Produktwelt schaffen, aus der es kaum noch ein Entkommen gibt. Wer Apple-Geräte benutzt, wird bald einen Großteil seines Alltages darüber abwickeln, egal ob er kommuniziert, Musik hört oder einkauft. Mit jeder Gerätegeneration schließt sich diese Welt ein wenig mehr. Das mag die negative Interpretation eines im Ansatz freundlichen Lebensgefühls sein. Es funktioniert aber gerade deswegen so nachhaltig, weil so viele Apple-Nutzer ihre Geräte regelrecht lieben.
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Im Westen von Los Angeles lebten die Größten des deutschen Exils – die Chancen, ihre Häuser zu bewahren, sind gering
(Los Angeles im März 2012, von Andrian Kreye) Vor einigen Wochen gab es kurz Hoffnung für ein Kulturdenkmal: Das Haus, in dem Thomas Mann von 1942 bis 1952 im kalifornischen Exil lebte, war zu vermieten. Die Angaben des Maklerbüros Joyce Rey waren nüchtern. Es handelt sich beim Objekt 1550 San Remo Drive um ein Einfamilienhaus mit fünf Schlafzimmern, rund 485 Quadratmetern Wohnfläche und einem Grundstück von viertausend Quadratmetern. Die Monatsmiete von 15 000 US Dollar entspricht in der Wohngegend Pacific Palisades dem Marktpreis.
Die Anfrage, das Haus zu besichtigen, wurde vom zuständigen Makler Stephen Apelian mit dem Hinweis abgewiesen, das Objekt sei nach zwei Monaten auf dem Markt vorvergangene Woche vermietet worden. Der neue Mieter bitte um Diskretion. Besucht man das Haus trotzdem, wird einem einerseits schnell klar, warum sich die Besitzer keineswegs um deutsche Institutionen bemühten, die das Haus vielleicht in ein Museum oder eine Begegnungsstätte umwandeln wollen. 1550 San Remo Drive liegt in einer der besten Wohngegenden der Stadt. Die Straßen sind von Villen und prächtigen Bungalows gesäumt. Wer hier lebt, will keinen Publikumsverkehr. Vor den Grundstücken stehen Schilder der Sicherheitsfirmen: „Armed Response“. Wer hier nicht wohnt und aus dem Auto steigt, gilt schon als verdächtig.
Man versteht aber auch, warum Thomas Mann sein Leben am Pazifik so liebte. Die Straßen tragen Namen, die den Zauber des Mittelmeers aus gutem Grunde beschwören: Amalfi, Sorrento und Capri Drive ziehen sich oberhalb des Sunset Boulevard in sanften Kurven um Hügel voller Zedern und Eukalyptusbäume. Es riecht nach Bougainvillea und frisch geschnittenem Gras.
In den vierziger und fünfziger Jahren nannte man die Pacific Palisades und die angrenzenden Viertel „Pacific Weimar“. Neben Thomas und Heinrich Mann lebten hier Franz Werfel, Bert Brecht, Arnold Schönberg und Theodor Adorno. Das schönste Anwesen aber hatten Lion und Marta Feuchtwanger. Deren Villa Aurora mit 20 Zimmern und parkähnlichem Garten über dem Pazifik ist heute das einzige der historischen Gebäude, das noch zugänglich ist.
Der Journalist und Feuchtwanger-Biograph Volker Skierka sorgte gleich nach dem Tod von Feuchtwangers Witwe Marta im Herbst 1987 mit Hilfe des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker dafür, dass eine Stiftung gegründet wurde, die das Haus kaufte. Alle vier Parteien stellten sich damals hinter das Projekt. Dazu kam ein amerikanischer Förderkreis aus Politikern und Kulturfunktionären. Trotzdem dauerte der Kampf um das Anwesen, das die University of Southern California geerbt hatte, acht Jahre lang. Seit 1995 dient das Anwesen als Stipendiatenzentrum.
Das Thomas-Mann–Haus in ein Kulturdenkmal zu verwandeln, hält Skierka für „noch komplizierter“. Das Interesse in den USA ist gleich null. Die Mittel der deutschen Stiftungen und Ämter sind begrenzt. Immerhin – in drei Jahren läuft der Mietvertrag für 1550 San Remo Drive aus.
Hausansichten 1550 San Remo Drive auf dreamhomephoto.com - hier
Foto: AK
0 KommentareTED 2012 #2
Ähnliche Fragen stellen sich bei neuen Technologien oft, aber selten so deutlich - Feuerwehr oder US Marines?
0 KommentareTED 2012 #1
Paul Gilding und Peter Diamandis direkt hintereinander auftreten zu lassen, brachte den manisch-depressiven Subtext der TED-Konferenz perfekt auf den Punkt.
0 KommentareTED 2023
Ridley Scott, der gerade an seinem Science-Fiction-Epos Prometheus arbeitet, der Drehbuchschreiber Damon Lindelof und Scotts Sohn Luke haben sich überlegt, wie ein TED Talks 2023 aussehen würde und den TED-Talker mit Guy Pierce besetzt. Bekam - trotz der sinsitren Untertöne - rauschenden Applaus in Long Beach.







