1 KommentarObliteration Room
Die Idee war so schlicht wie wirkungsvoll: Für ihre Installation „Obliteration Room“ in der Kinderabteilung des „Gallery of Modern Art“-Museums in Brisbane installierte Yayoi Kusama eine monochrom weiße Wohnung. Dann ließ sie über zwei Wochen hinweg Blätter mit Tausenden bunter Aufkleber an Kinder verteilen. Und diese verwandelten die reinweiße Wohnlandschaft in eine jener Installationen, mit denen die genialische japanische Künstlerin seit den frühen sechziger Jahren Galerien in psychedelische Raumwelten verwandelt.
Nun kann man in Kusamas Arbeiten als reinen Pop betrachten. Der Effekt, der sich beim Betreten einer ihrer Spiegelräume einstellt, ist, als wenn man zum ersten Mal einen mitreißenden Song hört – man wird kurz in einen Zustand der Verzückung versetzt, ob der hübschen neuen Form. Dann will man diesen Effekt gerne wieder und wieder erleben, auch wenn er sich nie mehr so direkt einstellen wird wie beim ersten Mal.
Man kann aber auch alle möglichen Zeitbezüge in Kusamas Arbeiten hineininterpretieren. Der „Obliteration Room“ zeigt zum Beispiel, auf welchen Reflexmustern die Technik des „Crowdsourcing“ beruht, mit der man Massen dazu bringt, Arbeit freiwillig und gratis zu verrichten. Der kindliche Drang, mit bunten Aufklebern Spuren in der Welt zu hinterlassen, unterscheidet sich da kaum vom Bedürfnis, sich im Internet zu verewigen. Dazu kommt der Titel der Installation, der so viel heißt wie „verschwindender Raum“ und doch die Frage offen lässt, ob der Prozess des Verschwindens durch die Beklebung des Monochroms nicht umgekehrt wird.
Man sollte Kusamas Arbeiten aber nicht mit allzu viel Analyse überfrachten. Die 82-jährige hat sich selbst als „zwanghafte Künstlerin“ bezeichnet. Das ist keine Koketterie. Seit sie 1973 aus New York nach Japan zurückkehrte, lebt sie in einer Nervenheilanstalt, in der sie auch arbeitet. Es ist sicherlich mehr Genie als Intellekt, mit der sie ihre Obsessionen in Kunstwerke kanalisiert. So hübsch war Sublimation jedoch selten.
Fotos: Yayoi Kusama / The obliteration room 2011 / Installation view at the Gallery of Modern Art, Brisbane / Courtesy: Ota Fine Arts, Tokyo / Mark Sherwood (3), Stuart Addelsee (1)
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Toller Post.Habe einige schöne Denkanstoesse gekriegt. Freue mich schon auf neue Posts.
Comment by Melvon — Januar 30, 2012 @ 21:21