0 KommentareOccupy Kansas

(Von Andrian Kreye) Ausgerechnet in Kansas hielt Barack Obama am Dienstag eine seiner progressivsten Reden. Der Bundesstaat Kansas gilt als das Herzland Amerikas, ein mythischer Ort, den das Märchenbuch „Der Zauberer von Oz“ zum wahren Amerika verklärte. Seit 1846 stimmte Kansas in fast allen Wahlen für die Republikaner.
Im Turnsaal der Osawatomie High School sprach Obama nun vom Versagen der Regulatoren, das zur „atemberaubenden Gier einiger weniger und zur Verantwortungslosigkeit des gesamten Systems“ geführt habe. Er forderte Chancengleichheit für alle und die strenge Einhaltung der Regeln von allen. So näherte er sich der moralischen Rhetorik der Occupy-Wall-Street-Bewegung, die mit ihrem Protest innerhalb der letzten drei Monate den öffentlichen Diskurs deutlicher verändert haben, als es die Nation zunächst wahrhaben wollte. Obamas Kansas-Rede gilt als eine der ersten Salven im Kampf um seine Wiederwahl im nächsten Jahr. Und er trug die Protestbotschaft ganz bewusst ins Herzland, denn er hat die Gefahr erkannt. Nicht die Wall Street hat die Occupy-Bewegung zu fürchten, sondern der Präsident. Er war es doch, der das entfesselte Finanzsystem bändigen sollte.
Die Frustration des Mittelstandes, die sich da manifestierte, wird so schnell nicht verklingen. Kurzzeitig schien es, als ob der anbrechende Winter den Protesten ein Ende setzten würde. Doch die Bewegung ist schon einen Schritt weiter. Ebenfalls am vergangenen Dienstag passte Occupy seine Strategie der Jahreszeit an und besetzte in Brooklyn ein Wohnhaus, das von der Bank of America per Zwangsvollstreckung geräumt worden war. So kann der Protest bis ins Wahljahr hinein überleben.
Video und Text der Rede - hier.
Foto: Reuters
Keine Kommentare »
Noch keine Kommentare
RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URL


