29.09.11 | 10:48 | 0 Kommentare

Science Friday (die unfassbaren Farb- und Formwandlungen des Tintenfisches)

27.09.11 | 12:31 | 1 Kommentar

TED Talk der Woche: Niall Ferguson: The 6 killer apps of prosperity

27.09.11 | 12:19 | 0 Kommentare

80 Jahre Heimweh

quinn

(Von Andrian Kreye am 27.9. '11) Der große Unterschied zwischen amerikanischer und deutscher Popmusik war immer schon der Mangel an erlaubter Heimatliebe im Nachkriegsdeutschland. Drüben wären Bob Dylan, die Byrds und Bruce Springsteen ohne diese leidenschaftliche Begeisterung für die eigene Herkunft nie möglich gewesen. Hier ging das nun mal nicht und in den fünfziger Jahren schon gar nicht. Weil aber Heimweh so etwas ist wie die kleine, melancholische Schwester des Nationalstolzes, erzählt der Aufstieg Freddy Quinns zum wichtigsten Interpreten deutscher Seemannslieder seit Hans Albers viel mehr über Deutschland, als über den Mann, der am 27. September 1931 als Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl im niederösterreichischen Niederfladnitz zur Welt kam.

Denn als der 23-jährige Sänger 1954 auf St. Pauli in der Washington Bar entdeckt wurde, ging es Deutschland zwar wieder gut. Doch hinter dem Wirtschaftswunder lauerte immer noch die tiefe Verstörung über das eigene Land. Da kamen Lieder wie "Heimweh", "Die Gitarre und das Meer", "Unter fremden Sternen" und "La Paloma" gerade recht. Ganz schlicht ging es in den Geschichten von traurigen Matrosen um die geistige und seelische Heimat, nach der man sich zurücksehnte.

Es war sicherlich kein Zufall, dass Freddy Quinn genauso wie seine Zeitgenossen Udo Jürgens und Peter Alexander ein Österreicher war. Wenn es darauf ankommt, können Österreicher so viel lässiger deutsch sein als die Einheimischen. Es war auch ganz logisch, dass die Hafenstadt Hamburg den Nordpol der schüchternen Wiederbelebung einer deutschen Heimatliebe bildete.
Ähnlich wie die Alpen im Süden war die Waterkant nicht ganz so schwer belastet vom Grauen der Geschichte wie München oder Berlin. Da gab es zumindest wieder die Chance, die Stadt als positive Projektionsfläche anzusehen, als "Heimathafen", der die Sehnsüchte bündelt, weil man dorthin zurückkehren will.

Freddy Quinn hatte außerdem die perfekte Biografie, um so der neuen Heimatliebe einen Star zu geben. Schon als Teenager war er durch Südeuropa und Nordafrika getrampt, er hatte sich als Saxofonist im Zirkus durchgeschlagen und sich in Algerien in einer Kneipe für Fremdenlegionäre als Sänger verdingt. Und war trotzdem zurückgekehrt. Davon einmal abgesehen erinnert seine erdige Stimme ganz deutlich an Johnny Cash, und sein erster Hit war eigentlich ein Standard von Dean Martin. Wenn er also heute 80 Jahre alt wird, dann werden sie im Fernsehen sicherlich Ausschnitte aus Hitparaden und Musicals zeigen. In Wahrheit aber war Freddy Quinn schon immer der Niederösterreicher mit einem verdammt guten Gespür für die deutsche Seele.

Foto: Hipp-Foto/DIZ Archiv

26.09.11 | 07:28 | 0 Kommentare

#musicmonday

21.09.11 | 16:25 | 0 Kommentare

Spike Lee

Erst jetzt gesehen - Spike Lees grandioser 9/11-Spot für die State Farm-Versicherung.

16.09.11 | 06:11 | 0 Kommentare

Friday Night Live

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Strandbeests

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TED Talk der Woche: Yasheng Huang: Does democracy stifle economic growth?

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#musicmonday SUN RA

sun-ra-bbc-doc

Grandiose BBC-Doku über den Jazz-Visionär Sun Ra, der auf dem Planeten Jupiter geboren in die Stadt Philadelphia hinabstieg.

Via bklyn

11.09.11 | 20:46 | 1 Kommentar

Adieu Idéologie

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Vom neuen Typus der Revolutionäre



(Aus dem Feuilleton der SZ; von Andrian Kreye) Man bekommt im historischen Idyll des heutigen Mitteleuropa selten die Gelegenheit, gleich einen ganzen Konferenzraum voller Revolutionäre aus aller Welt zu treffen. Einer dieser seltenen Momente war vergangene Woche in der Orangerie im Potsdamer Park Sanssouci, als Revolutionäre aus Nordafrika, Asien und dem Balkan zusammenkamen. Die diskutierten im Rahmen des Sanssouci Colloquiums über die Rolle der digitalen Medien in der globalen Demokratiebewegung. Weil dieses Thema nur einen der zahlreichen Aspekte der Aufstände, Umstürze und Dissidenzen der letzten Jahrzehnte erfasste, wurde hier natürlich kein allumfassender Blick auf den Freiheitskampf des 21.Jahrhunderts geboten. Und doch präsentierte sich da ein neuer Typus, der sich vom romantischen Bild des Partisanen und Guerilleros der vergangenen drei Jahrhunderte klar verabschiedet.

Sucht man ein Gesamtbild, landet man bei so etwas wie dem aufgeräumten Revolutionär. Ohne den ideologischen Furor des letzten Jahrhunderts und ohne den falschen Glamour des bewaffneten Widerstandes ist der Freiheitskämpfer des 21. Jahrhunderts ein kluger Mensch mit dem kosmopolitischen Weltbild eines Großstadtintellektuellen und dem Organisationstalent eines Internetunternehmers. Hin und wieder ist er sogar beides. Vor allem aber verfügt dieser Freiheitskämpfer über die fast schon spirituelle Geduld des zivilen Widerstandes, die sich die gefährliche Euphorie und oft so tödliche Katharsis des bewaffneten Kampfes versagt.

Sami Ben Gharbia ist ein gutes Beispiel für diesen neuen Typus, ein 44-jähriger tunesischer Aktivist, der im Dresscode der digitalen Boheme auch gut ins Straßenbild der Berliner Mitte passen würde. Sein entspanntes Lächeln verbirgt, dass er die letzten zwölf Jahre nach abenteuerlicher Flucht im politischen Asyl in Holland verbrachte. Dort organisierte er das, was als 'Twitter Revolution' gilt, die Mobilisierung und Organisation der Massen über soziale Medien. Sein Blog Fikra und sein Webportal Nawaat spielten da eine wichtige Rolle.

Gharbia erzählt von der Revolution als einem Geflecht aus menschlichen, politischen und multimedialen Kräften, das nur dann den Sturz des Systems herbeiführen kann, wenn all diese Elemente ineinander greifen. Er kann das mit Flowcharts und Spreadsheets belegen, wie die Organigramme und Buchhaltungstabellen im Jargon der neuen Märkte heißen. Nur dass bei Sami Ben Gharbia am Ende nicht der Börsengang stand, sondern der Sturz des Diktators Ben Ali.

Die Rolle von Twitter in der Revolution relativiert sich da auch schnell. Ein dreieckiges Diagramm zeigt, wie stark die drei Ebenen der neuen Medienwelt voneinander abhängig sein müssen, um wirklich etwas zu bewegen. Die sozialen Medien schaufeln da nur Rohdaten in unübersichtlichen Mengen ins Netz. Blogger und Webportale sind die ersten Sortierstationen, bevor die traditionellen Medien die Flut in einen zeitgeschichtlichen Erzählfluss bündeln.

Auch wenn die digitalen Medien noch kein System gestürzt haben, sind sie doch Beschleuniger einer Dynamik, die es letztlich schon seit dem späten 18. Jahrhundert gibt - die Demokratisierung der Menschheit. Sicher wäre noch zu untersuchen, ob die digitalen Medien im Freiheitskampf eine ähnlich paradigmatische Rolle spielen, wie die massenhafte Verbreitung der Handfeuerwaffen. Dass hier also ein Machtinstrument in seiner Miniatur dem Volk verfügbar gemacht wird. Immerhin - das in den Entwicklungsländern so verbreitete Mobiltelefon Nokia 1100 gilt schon als 'Kalaschnikow der Handywelt'.

Syrien und vor allem Libyen sind sicher grausame Antithesen. Doch wenn die digitalen Medien eines gebracht haben, dann die Möglichkeit, einen gewaltlosen Widerstand stringenter zu organisieren. Dabei sind es weniger Mahatma Gandhi und Martin Luther King, die hinter dem Gedanken stehen, als die strategische Rechnung, dass jede Form von Gewalt wiederum Gewalt provoziert, was in der Eskalation die Kosten an Menschenleben und Zerstörung ins Unermessliche treiben kann.

In Potsdam war auch ein Mann, der solche Rechnungen mit dem kühlen Kopf des Unternehmers anstellen kann. Slobodan Djinovic ist in seiner serbischen Heimat mit seinen Telekomunternehmen zum Multimillionär geworden. Doch Geld ist nur Mittel. Der 36-Jährige war als Mitbegründer der Widerstandsbewegung Otpor am Sturz von Slobodan Milosevic beteiligt. Diese Erfahrungen sind nun Grundlage für den Lehrplan seiner Organisation Canvas.

Das Politikjournal Foreign Policy nannte das Institut mit Sitz in Belgrad 'Revolution U'. Djinovic und ein Lehrkörper von 15 Trainern mit eigener Revolutionserfahrung unterrichten hier Freiheitskämpfer aus aller Welt in der komplexen Organisation des unbewaffneten Widerstandes. Es ist ein mühseliger und oft langwieriger Weg vom Gedanken bis zum Ausbruch des Widerstandes auf den Straßen. Jahre kann es dauern, bis der Moment reif ist, die Massen zu mobilisieren. Sami Ben Gharbia gehörte zu Djinovics Studenten, außerdem Widerständler aus Georgien, Libanon, der Ukraine, den Malediven und vor allem aus der Bewegung des 6. April in Ägypten. Derzeit arbeiten sie mit Aktivisten in Syrien und Sudan.

Wie komplex der Widerstand sein kann, erzählt Fahty Abou Hata, Redakteur der ägyptischen Tageszeitung Al-masri Al-youm. Neben den unzähligen Problemen mit den anstehenden Wahlen und der Wirtschaft nähmen sich Revolutionäre nun die Stadtplanung vor. Mubarak habe den öffentlichen Raum aus Kairo einfach rausgeplant. Doch öffentlicher Raum sei die Voraussetzung für Freiheit und Demokratie. Da aber beginnt der unglamouröse politische Alltag nach dem Sieg der Revolution. Der Aufbau.

Will man den Begriff der Revolution nun streng nach Albert Camus definieren, ist der Freiheitskämpfer des 21. Jahrhunderts deswegen gar kein Revolutionär. Er kommt vielmehr dem Ideal des Menschen in der Revolte nahe, einem Rebellen, der nicht das eine durch das andere System ersetzen, sondern Freiheit schaffen will. Das allerdings wäre ein mächtiger Paradigmenwechsel, der Ideologie durch Ideale, Wut durch Vernunft und Gewalt durch Strategie ersetzen würde. Kein schlechter Anfang für das 21. Jahrhundert.

Ein erster Test steht an. Sihem Bensedrine, Aktivistin und Chefin des tunesischen Exilradiosenders Kalima, kann viel über die anstehenden tunesischen Wahlen am 23. Oktober erzählen. Von den 120 Parteien, den reichen Exilanten aus Libyen, den amerikanischen, britischen, französischen Interessen. Doch letztlich, sagt die elegante Dame aus Tunis, sei es egal, wer die Wahlen gewinnt. Es ginge nur darum, dass die Wahlen auch stattfinden. Vielleicht dreht ja bald jemand einen Film über die neuen Revolutionen. Der hätte schon einen Titel: 'Adieu idéologie'.

Abb.: Logo der ägyptischen Bewegung 6. April, das auf dem Logo von Canvas basiert

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