18.07.11 | 07:50 | 0 Kommentare

#musicmonday

flying-lotus

Sommer-Mixtape von Flying Lotus. Gratisdownload- hier.

Abb.: Flying Lotus

16.07.11 | 20:31 | 0 Kommentare

TED Global 2011/9 – Tim Harford: Trial, error and the God complex

15.07.11 | 20:00 | 1 Kommentar

TED Global 2011/8: Traum von der Revolution

Tahndie Newton

(Von Andrian Kreye) Angesichts der Melange aus Aufbruchsstimmung, Zukunftsglaube, Optimismus und den Glauben an eine bessere Welt auf dem Ideenfestival der Ted-Konferenz in Edinburgh bleibt der Vergleich mit der jüngeren Geschichte nicht aus. Was sich da abbildet ist eine Art positiver Backlash gegen den Zynismus und Kulturpessimismus der neunziger und Nullerjahre. Was der Aufbruchsgeneration des 21. Jahrhunderts zum Glück fehlt sind die unangenehmen Seiten der 68er-Vorväter, die Besserwisserei, die esoterischen Verwirrungen und die ideologischen Verhärtungen. Und doch gibt es da einen unangenehmen Moment, der sich durch die Vorträge und Gespräche zog – die heimliche Sehnsucht nach einer Revolution, der Traum, dass die Aufbruchsstimmung in den Wissenschaften, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erneuerungen in den Schwellen- und Entwicklungsländern Teil eines radikalen Wandels sind.

Die Revolutionsromantik hat sich in diesem Jahr gerade auf der Ted Konferenz nicht nur in den Köpfen, sondern auch auf den Bühnen manifestiert. Immerhin sind gut über einhundert der 850 Teilnehmer und Sprecher aus jenen Ländern, in denen Revolution keine Metapher, sondern politische Realität sind. Ted spielt da mit seinen unabhängigen Tedx-Ablegern schon eine kleine Rolle, die vom Kernteam in New York weder geplant noch gesteuert war. Houssem Aoudi kann da Geschichten erzählen, ein junger Berater für digitale Strategien und der Veranstalter der beiden Tedx Carthage-Konferenzen in Tunis. Wenn er da etwas schüchtern auf dem Podium steht und berichtet, wie er mit Gleichgesinnten das Tedx-Format als neutrale Plattform fand, wie die Regierung nach der ersten der beiden Konferenzen im September vergangenen den Tedx-Sprecher und Blogger Slim Amamou verhaften ließ, der dann in der nachrevolutionären Regierung Minister für Jugend und Sport wurde, dann ist das einer der Momente, an denen man auch im klimatisierten Konferenzzentrum von Edinburgh den rauen Atem der Geschichte verspürt.

Nadia al-Sakkaf

Es gab einige solcher Momente in diesem Jahr. Der Auftritt der jungen Chefredakteurin der englischsprachigen Yemen Times Nadia al-Sakkaf zum Beispiel. Die hatte ihren Posten von ihrem Vater und ihrem Bruder übernommen, die beide aus politischen Gründen ermordet wurden. Nun kämpft sie für einen modernen Jemen und versteht sich als Teil des arabischen Frühlings in ihrem Lande. Oder die Präsentation des Stars der französischen Street-Art-Szene JR. Der hatte mit seinem „Inside Out“-Projekt den Ted-Preis 2011 gewonnen. Seit 2004 sammelt JR Porträtfotos von Durchschnittsbürgern aus den sozialen Brennpunkten zunächst aus Paris, dann aus den Palästinensergebieten, afrikanischen Megacities und brasilianischen Favelas. Die bläst er zu Plakaten auf, die dann wiederum an den Orten der Fotografierten aufgehängt werden. Mit seinem Preisgeld verwirklichte er im Frühjahr ein Projekt in Tunesien, bei dem die allgegenwärtigen Propagandaporträts des geschassten Diktators Ben Ali mit solchen Plakatbildern tunesischer Normalbürger überklebt wurden.

Sicher bleibt die Revolution für die meisten der Ted-Teilnehmer eine Metapher. Trotz der Öffnung für einen jungen Dialog mit Entwicklungs- und Schwellenländern bezahlen die meisten Besucher der Ted-Konferenz immer noch fünftausend Euro für die Woche. Sie sind hier stellvertretend für eine Wohlstandsgesellschaft, die seit dem Mauerfall von einem verwirrenden Zeitalter der Umbrüche chronisch überfordert wird. Revolution ist die romantische Vorstellung von einem kathartischen Neuanfang. Auch wenn einer der Konferenzgäste, der New Yorker Medienwissenschaftler Clay Shirky, in seinem Essay „Thinking the unthinkable“ davor warnte, dass Revolution in der Geschichte vor allem das Ende einer Ära bedeutete, das nicht keine Kontinuität garantiert, sondern nur die Stunde Null.

Nun ist es eine historische Gnade, dass die politischen Revolutionen in der Wohlstandswelt seit dem 2. Weltkrieg kein Thema sind und die gesellschaftlichen Umwälzungen seit 1968 allerhöchstens marginal. Doch die technologischen und wissenschaftlichen Revolutionen reichen, um eine tiefe Unsicherheit zu erzeugen, die sich nach der Greifbarkeit einer traditionellen Revolution auf der Strasse sehnt.

Kevin Slavin

Einer der Schlüsselsätze fällt im Vortrag des Videospiel-Pioniers Kevin Slavin, der sich mit der „Algoworld“ beschäftigt, der Welt der Algorithmen. „Wir schreiben Dinge, die wir nicht mehr lesen können“, sagt er. Die Algorithmen der Alltagswelt haben längst ihre eigene Dynamik entwickelt. Slavin erzählt von den zweitausend Physikern, die inzwischen an den Börsen der Wall Street beschäftigt sind, um das so genannte „Black Box Trading“ zu programmieren, das inzwischen 70 Prozent des Wertpapierhandels bestimmt. In Mikrosekunden tätigen da Algorithmen Käufe und Verkäufe mit enormem Volumen. Wie real die Auswirkungen dieser Algorithmenwelt ist, zeigt er an zwei sehr realen Phänomenen. In Manhattan laufen die Leitungen des Internets im „Carrier Hotel“-Gebäude an der Hudson Street zusammen. Weil der digitale Knotenpunkt aber eine knappe Meile von den Börsen der Wall Street entfernt sind, laufen die Algorithmen der Handelsinstitute mit acht Mikrosekunden Verzögerung. Das führte dazu, dass sich die ersten Investmentfirmen vom traditionellen Bankenviertel vom Süden der Insel in die Nähe des Carrier Hotels in Tribeca gezogen sind. Und um den Handel mit Chicago zu beschleunigen wird derzeit ein massiver Datenkorridor zwischen den beiden Städten gebaut. Ein monumentales Bauprojekt, das mit viele altmodischem Dynamit durch die Landschaft getrieben wird, und bald schon den transkontinentalen Algorithmenhandel um drei Mikrosekunden beschleunigen soll.

Da manifestiert sich eine beunruhigende Macht der digitalen Revolution, die ihr Echo in der beunruhigenden Geschwindigkeit der biotechnischen Revolution ihr Echo findet. Das Mooresche Gesetz der digitalen Revolution, nach der sich alle 18 bis 24 Monate die Leistungsfähigkeit der Rechner verdoppelt, hat die Gentechnik mit einem wissenschaftsgeschichtlichen Turboeffekt vervielfacht. Als Benchmark gelten da die Kosten für die Entschlüsselung eines kompletten Humangenoms, die in nur zehn Jahren von drei Milliarden auf 50.000 Dollar gefallen sind.

Die Designerin Daisy Ginsberg versucht dieser Revolution Herr zu werden. Mit ihrer Firma Synthetic Asthetic sucht sie nach Wegen, um die Kluft zwischen der wissenschaftlichen Revolution und dem Normalverbraucher zu überbrücken. Sie sucht derzeit nach einer Designsprache für die Biologie, eine Art Benutzeroberfläche, die aus der abstrakten Programmiersprache der Genetik eine nachvollziehbare Anwendung machen kann.

Ted Auditorium

Gentechnische Designideen sind dann am Ende einer vollen Woche einer der Punkte, an dem jener Zustand eintritt, der im Konferenzjargon „Tedlag“ heißt. Wenn die Überfrachtung mit neuen Ideen Sättigungsgrenze erreicht hat, wenn die letzte Bekanntschaft mit einem Aktivisten aus Tunesien, einem Unternehmer aus China oder einem Wissenschaftler aus dem Silicone Valley gemacht ist, wenn die letzte Vision diskutiert wurde, übermannt einen eine mentale und soziale Erschöpfung, die eine Art intellektuelles Läuferhoch. Im Fazit war der Umzug von Oxford nach Edinburgh war für die europäische Ted-Konferenz nicht nur ein geografischer Neuanfang. Was fehlten waren die großen Namen, die Milliardäre, die Hollywood- und Rockstars, die Ted so gerne besuchen. Auch auf der Bühne gab es letztlich nur zwei wirklich bekannte Gesichter, die Schauspielerin Thandie Newton und der Bestsellerautor Malcom Gladwell (die beide außer Glamour nur Anekdotisches zu bieten hatten). Für die Rolle der Ted-Organisation als Gradmesser für den Puls eines Zeitgeistes und Katalysator für globale Dialoge ist das nicht das Schlechteste. Was wirklich bleiben wird von den Ideen und Visionen wird sich zeigen. Das aber ist keine neue Weisheit, sondern ein Zitat von Thomas Alva Edison aus dem frühen 20. Jahrhundert: „Genie besteht zu einem Prozent aus Inspiration und zu 99 Prozent aus Schweiß.“

Fotos: Thandie Newton; Nadia al-Sakkaf; Kevin Slavin; Ted Global Auditorium; by James Duncan Davidson / TED

15.07.11 | 09:55 | 0 Kommentare

TED Global 2011/7: JR’s “Inside Out”-Kunstprojekt

JR, französischer Street-Art-Star und Gewinner des Ted Long Beach Awards dieses Jahr, hat sein Preisgeld für die Verwirklichung seines globalen "Inside Out"-Kunstprojekts im postrevolutionären Tunesien eingesetzt.

Webseite des "Inside Out"-Projektes -hier.

14.07.11 | 20:37 | 0 Kommentare

TED Global 2011/6: Urbane und andere Utopien

(Von Andrian Kreye) Nach drei Tagen auf dem Ideenfestival Ted Conference in Edinburgh ist es an der Zeit, sich seinen eigenen Platz in der globalen Debatte über Zukunft und Zustand der Welt zu suchen. Gerade weil sich das Festival zur wahrhaft globalen Plattform entwickelt und somit seinen Schwerpunkt von den Interessen der digitalen Eliten zu einem universell gültigen Zeitgeist des Optimismus verschoben hat. Nun ist man als Kontinentaleuropäer und vor allem als Deutscher nicht gerade zum Optimisten geboren (Debatten über die Theorie genetischer Wurzeln von Mentalitäten seien hier mal ausgespart). Und doch stellt man inmitten der Visionäre und Utopisten bald fest, dass man es - schlicht gesagt - verdammt gut hat im Zentrum von Europa.

Es sind vor allem die amerikanischen Urbanisten, die von Dingen sprechen, die in Europa längst Realität sind. Alex Steffen, kalifornischer Experte für Nachhaltigkeit, Herausgeber des Onlinemagazins Worldchanging und Autor des gleichnamigen Buches, für das Al Gore das Vorwort schrieb, hat beispielsweise eine ganz klare Vorstellung für die nachhaltige Stadt der Zukunft. Grüne Bautechniken, hohe Siedlungsdichte und eine Lokalpolitik, die die Bevölkerung dazu bringt, vom Auto aufs Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, sind für ihn die wichtigsten Eckdaten. Dazu zeigt er Computersimulationen von Städten voller Radwege, Grünanlagen und Straßenbahntrassen, die wie schemenhafte Kopien von München, Amsterdam oder Kopenhagen wirken.

Geoffrey West

Auch Geoffrey West, Professor für Theoretische Physik am Santa Fe Institute, plädiert für die Stadt als perfekte Siedlungsform für einen übervölkerten Planeten. West hat ein Formelwerk entwickelt, das die Stadt weniger als soziales Modell denn als Organismus und System begreift. So entdeckte er eine Skalierbarkeit von Städten, aus der man eine Regelmäßigkeit sozialer und wirtschaftlicher Faktoren ableiten kann, die sich auf jede nur erdenkliche Stadt übertragen lässt. Nur wer solche Muster erkennt, so West, kann auch die Zukunft der Städte einschätzen und planen. Überträgt man Wests wissenschaftlich-abstrakte Skalierbarkeit auf Städte wie eben München, Amsterdam und Kopenhagen, dann kann man - ohne hier auf die komplexen Berechnungen breit angelegter Faktoren einzugehen - davon ausgehen, dass es sich da um robuste Organismen mit Vorbildfunktion handelt.

Nun darf man sicher nicht vergessen, dass Europa in seiner quasi visionären Urbanität des frühen 21. Jahrhunderts eben nicht isoliert dem Lauf der Geschichte entkommen ist. Als der neokonservative Politberater Robert Kagan 2003 sein Essay 'Macht und Ohnmacht - Amerika und Europa in der neuen Weltordnung' schrieb, warf er Europa genau diese Weltfremdheit in seinem Kantischen Paradies aus Frieden und Wohlstand vor, das mit dem Hobbesschen Realismus der USA kollidierte. Das Paradiesische kann rasch etwas gefährlich Lähmendes entwickeln. Spricht man beispielsweise auf einer der unzähligen Partys mit Yat Siu, dem jungen Chef einer chinesischen Firma für Bildungssoftware, dann spielt Europa in seinem Weltbild nur noch eine geringe Rolle, auch wenn er dort aufgewachsen ist. In einer Welt, in der technische und soziale Innovation die Kapitalströme der Globalwirtschaft umleiten, bedeuten Sicherheit und Wohlstand nicht nur das Ziel jeder Entwicklung. Sie sind auch Hemmschuhe. Fragt man in seiner Generation der Dreißig- bis Vierzigjährigen, die auch den Kern des Ted-Publikums ausmachen, die großen europäischen Metropolen ab, bleiben nicht einmal London (zu reich), Barcelona (zu pleite) und Amsterdam (zu handelsorientiert). Berlin gilt als die einzig interessante Stadt des Kontinents. Gerade weil es noch so unfertig, so unterentwickelt und deswegen so dynamisch ist. Eine Dynamik, die man sonst vor allem im Pioniergeist der amerikanischen Wissenschaften und in den aufstrebenden Wirtschaftsmächten der BRIC-Staaten findet.

Jarreth Merz

Es ist also kein Zufall, dass sich gerade die amerikanischen Wissenschaften mit der Produktion von Visionen profilieren. Weil das eigentliche Ziel selten der Lehrstuhl, sondern meist die Forschung bleibt. Wie schmal die Grenze zwischen Vision und Utopie ist, kristallisiert sich aber gerade auf einer Ted-Konferenz spätestens am dritten Tag heraus. Sicher, da gibt es das Machbare, das längst den Beweis der erfolgreichen Praxis erbracht hat. Nicht nur in den Wissenschaften. Gerade in der Politik. Der Filmemacher Jarreth Merz erzählt etwa von der Arbeit an seinem Film 'An African Election' über die Wahlen in seiner ursprünglichen Heimat Ghana vor drei Jahren. Dort kam es zu einem Wahlpatt, das ihn an Bush und Gore 2000 erinnerte. In Ghana aber hätten nicht die Gerichte, sondern die Wähler den endgültigen Ausgang bestimmt. Nun wird Merz mit seinem Film durch Afrika reisen und ihn in Ländern vorführen, die kurz vor Wahlen stehen. Um zu zeigen, dass Demokratie in Afrika ihren eigenen Weg finden kann.

Doch viele der Visionen kranken an genau jenem Realitätsdefizit, das Europa so gerne vorgeworfen wird, und das die Wissenschafts- und Technikeuphorie des 21. Jahrhunderts so angreifbar macht. Die Theorie kreist oft um sich selbst, vernachlässigt genau jene Hobbesschen Realitäten, die die Praxis so unerreichbar machen. Wenn die Molekularbiologin Cynthia Kenyon mit ihrer sanften Stimme vom daf-2-Gen erzählt, das in der genetischen Steuerung des Fadenwurms den Alterungsprozess vorantreibt, wenn sie davon schwärmt, dass man mit der Kontrolle über das Hox-Gen im Menschen auch unser Leben beträchtlich verlängern könne, spricht die biologische Vision vom Machbaren einen der ältesten Menschheitsträume an. Und doch bleibt von der wissenschaftlichen Theorie des Wunders ein bitterer Nachgeschmack der Skepsis.

Phillip Blond

Entwickelt eine Forschung oder auch eine politische Vision im unerprobten Frühstadium nicht gerade im populären Kontext einer Ted-Konferenz eine Relevanz, die sie nicht verdient hat? Verzerren beispielsweise die kruden Überlegungen von David Camerons kryptokonservativem Berater und Erfinder des 'Big Society'-Labels Phillip Blond zum Versagen sämtlicher politischer Lager nicht die politische Hoffnung von Jarreth Merz" 'An African Election'? Sind Cynthia Kenyons Langlebigkeitsforschungen nicht die Antipoden zum Vortrag von World-Food-Program-Direktorin Josette Sheeran, die neue Wege sucht, den Hungerkreislauf mit schlichten Ideen wie dem Ankauf von Hilfsgütern auf regionalen Märkten in den Griff zu bekommen?

Da ist sie wieder, die kontinentaleuropäische Skepsis, die Hoffnung sucht und keine Utopien zulässt. Doch nicht nur auf der Ted-Konferenz hat die Utopie Konjunktur. Die gewaltigen Umwälzungen gerade dieses Jahres haben eine Hoffnung neu geweckt: Dass all die unzähligen Veränderungen keine Einzelphänomene sind, sondern Teil einer komplexen Verschiebung der Zeitläufte. Das aber ist der Traum von einer umfassenden sozialen, politischen und wissenschaftlichen Revolution, um den es in der morgigen Ausgabe gehen wird.

Fotos: Geoffrey West; Jarreth Merz; Phillip Blond; by by James Duncan Davidson / TED

14.07.11 | 13:52 | 0 Kommentare

TED Global 2011/5: Maajid Nawaz: A global culture to fight extremism

13.07.11 | 20:06 | 0 Kommentare

TED Global 2011/4: Virtuose Reizüberflutung

(Von Andrian Kreye) Reizüberflutung hat etwas Verführerisches. Und es gibt kaum eine Veranstaltung, die so virtuos mit der Reizüberflutung operiert wie die Ted Conference, das kalifornische Ideenfestival, dessen europäischer Ableger nun seit Montag in Edinburgh stattfindet. Will man die großen Linien in der Flut der rund zwanzig Vorträge und Performances finden, die jeden Tag auf der Bühne des großen Theatersaals ganze Bücher, wissenschaftliche Arbeiten oder Lebenswerke auf eine gute Viertelstunde komprimieren, ist es oft nur eine beiläufige Anmerkung, die einen auf die Spur bringt.

Wie die Beobachtung des Mathematikers und Wirtschaftsexperten Chris Meyer beispielsweise, dass die meisten technischen Innovationen oft nicht an den Orten ihre volle Wirkung zeigen, an denen sie entwickelt wurden. Meyers Theorie ist, dass Wohlstand eine Entwicklungsbremse sein kann. Technik entsteht an reichen Orten, die sich nur noch langsam entwickeln. Die Errungenschaften der industriellen Revolution im England des 19. Jahrhunderts - wie etwa die Eisenbahn - waren letztlich die Bedingung für den Aufstieg der amerikanischen Gesellschaft zur Supermacht des 20. Jahrhunderts. Ähnlich wie die Errungenschaften der digitalen Revolution aus den USA und Europa ihre eigentliche Wirkung derzeit in Asien, Afrika und der arabischen Welt entfalten. Meyer zeigte dazu Statistiken und Schaubilder. Die Zeit drängt bei so einem Ted Talk, und man muss zumindest optisch beweisen, dass die Behauptungen auf solidem Fundament stehen.

YashengHuang

Auf was sich die Ted-Kuratoren bei dieser Reizüberflutung verstehen, ist, die Konferenz als Gradmesser für aktuelle globale Debatten zu konstruieren. Die aber werden immer öfter ohne die traditionellen Zentren in Europa und den USA geführt. Wie Yasheng Huang zeigte, der Politologe und Gründer des China and India Lab am Massachusetts Institute of Technology. Er vergleicht die Aufstiege der beiden Wirtschaftsmächte China und Indien zu ökonomischen Supermächten. China entwickelte sich bislang zweimal so schnell wie Indien. Woraus Huang schließt, dass es weniger Demokratie und Bürgerrechte als Bildung und die sogenannte Shanghai Theory of Economic Growth sind, die das Wachstum antreiben. Die Shanghai-Theory besagt, dass die Infrastruktur in Shanghai gerade deswegen so rapide wachsen konnte, weil sie auch gegen den Willen der Bevölkerung und auf dem umfassenden staatlichen Landbesitz gebaut werden konnte.

Solche Überlegungen sind einem europäischen Humanisten instinktiv zuwider - selbst wenn man bei der Shanghai-Theorie nicht gleich an Stuttgart 21 denkt. Als Yasheng auch noch erklärt, dass sich China selbst während der grausamen Jahre der Kulturrevolution besser entwickelt habe als das immer schon demokratischere Indien, windet sich mancher angesichts eines so kalten Wirtschaftspragmatismus. Weswegen Huang rasch noch einen Zusatz anfügt: Das chinesische Modell stoße gerade an Grenzen. China sei jetzt an dem Punkt angelangt, an dem es sich auch politisch reformieren müsse, um konkurrenzfähig zu bleiben. Denn nicht Infrastruktur, sondern soziales Kapital gewinne an Wert. Und das könne sich nur in Freiheit entwickeln.

Es mag keine Neuigkeit sein, dass sich die Welt derzeit fast überall schneller entwickelt als in Europa und Amerika. Man muss die Lage dort allerdings nicht gleich so pessimistisch betrachten wie der Historiker Niall Ferguson. Der formuliert die sechs Wettbewerbsvorteile des Westens zielgruppengerecht als die sechs 'Killer Apps': Konkurrenz, wissenschaftliche Revolutionen, Besitzrecht, moderne Medizin, die Konsumgesellschaft und eine hohe Arbeitsmoral hätten Europa und Amerika seit 1500 an die Spitze der Welt gebracht. Das aber ändere sich gerade. Die Arbeitsmoral zum Beispiel sei keineswegs eine Domäne des Protestantismus, wie Max Weber festgestellt habe. Vielmehr könne jede Gesellschaft eine kollektive Arbeitsmoral entwickeln. So arbeite ein Südkoreaner derzeit durchschnittlich eintausend Arbeitsstunden mehr pro Jahr als das bisherige Sinnbild für Fleiß und Ehrgeiz, der durchschnittliche Deutsche. Das sei, so Ferguson, nur einer der sechs historischen Vorteile, die der Westen langsam aufgebe, die nun andere Weltregionen für sich nutzten.

Die Ted-Konferenz hat diese Entwicklung in diesem Jahr besonders offensiv aufgenommen. Mit der Erweiterung der einstigen Elitentagung zur globalen Plattform hat sich der Einzugsbereich vervielfacht. Teilnehmer aus rund siebzig Ländern sind diese Woche angereist. Vor allem die unabhängigen Ted-Konferenzen haben sich zu einem weltweit gültigen Format entwickelt. Dieses Jahr sind in Edinburgh mehr als 100 solcher unabhängigen Veranstalter eingeladen, aus Ländern wie Afghanistan, Sudan und Indien. Ein nicht mehr ganz so junger Mann erzählt, dass er demnächst zum ersten Mal seit 33 Jahren in seine Heimat Irak zurückkehren werde. Weil er im amerikanischen Exil zwar nicht reich geworden sei, er aber nicht mit leeren Händen zurückkehren wollte, will er nun Ted Bagdad veranstalten.

Sicher muss man relativieren. Bei der Ted-Konferenz präsentiert sich der globale Wandel keineswegs als alles erfassende Welle der Geschichte. Die historischen Ebenen, auf denen sich der Wandel vollzieht, könnten nicht unterschiedlicher sein. Der Agrar-Aktivist Alexander Petroff erzählte etwa davon, wie er in Kongo Kleinbauern dazu bringt, sich zu profitablen Kooperativen zusammenzuschließen und ihre Felder nicht mit Hacken, sondern mit Ochsenpflügen zu bestellen.

JuliBacha

Der einzig deutliche rote Faden, der sich durch die Vorträge zieht, ist der grundsätzliche Optimismus, dass sich jeder Wandel auch zum Guten wenden lässt. Selbst in den finstersten Nischen der Zeitgeschichte finden sich noch Hoffnungsschimmer. Die brasilianische Filmemacherin Julia Bacha erzählt von der Arbeit an ihrem Dokumentarfilm über das palästinensische Bauerndorf Budrus im Westjordanland. Sie zeigt Momente, in denen sich die Bauern aller Fraktionen zusammenschließen, und eine Szene, in der Fatah und Hamas die Waffen niederlegen, um gemeinsam mit israelischen Aktivisten im zivilen Widerstand den Bau der israelischen Antiterror-Mauer zu verhindern, die einem Dorf die Lebensgrundlage entziehen würde.

MajidNawaz

Da ist aber auch die Geschichte des ehemaligen Fundamentalisten Maahid Nawaz - ein pakistanischstämmiger Brite, der als Teenager in die Führungsriege der Islamistenorganisation Hizb ut-Tahrir aufstieg, weltweit Zellen aufbaute, in Ägypten verhaftet und gefoltert wurde und dann ausstieg. Nun bekämpft er als Co-Direktor des Quiliam-Thinktanks der britischen Regierung den Extremismus auf allen Seiten - und reist als Hoffnungsträger durch die Welt.

Wo verläuft in all diesem Reden über den Wandel die Grenze zwischen Hoffnung und Utopie? Das ist manchmal nicht so genau zu bestimmen. Aber genau darum wird es morgen gehen.

Fotos: Yasheng Huang; Julia Bacha; Mahid Nawaz; by James Duncan Davidson / TED

13.07.11 | 12:54 | 0 Kommentare

TED GLobal 2011/3: Erster TED Talk online: Rebecca MacKinnon – Let’s take back the Internet!

Rebecca MacKinnon describes the expanding struggle for freedom and control in cyberspace, and asks: How do we design the next phase of the Internet with accountability and freedom at its core, rather than control? She believes the internet is headed for a "Magna Charta" moment when citizens around the world demand that their governments protect free speech and their right to connection. (caption from ted.com)

13.07.11 | 11:06 | 0 Kommentare

TED Global 2011/2: Hungerkatastrophe in Afrika

dadaab-refugee-camp-AFP

Interview mit der Direktorin des UN World Food Programme Josette Sheeran, über die Hungerkatastrophe am Horn von Afrika. Auch das Thema ihres TED Talks heute.

Interview with executive director Josette Sheeran about the emerging famine around the Horn of Africa.

What is the situation right now?

The hunger crisis at the Horn is equally devastating and affects even more people than the disasters we have seen last year in Haiti and Pakistan. We expect that we need to scale up our food assistance at the Horn from 6 million to up to 10 million people very soon and our partners need to rapidly expand operations at the same time.Portrait-WFP-Executive-Dire

What factors caused the hunger crisis?

The devastating drought afflicting the Horn of Africa region has left millions at the mercy of hunger, threatening the livelihoods of farmers and pastoralists, and putting the lives of hundreds of thousands of children at risk. Data shows that in many regions of Kenya and Ethiopia this is the driest or second driest year since 1950.  In addition, desperate hunger is looming in the face of rising food prices and ongoing conflict in Somalia. Rising food prices mean that a 90-kilogram bag of maize, which cost 1,500 Kenyan shillings one year ago, now sells for 4,000 shillings - an increase of 160 percent.

What is needed most?

WFP is urgently scaling up the delivery of highly fortified, supplementary food products especially targeting the first 1000 days of life. We are working closely with governments and key partners, such as UNICEF, to ensure young lives are saved. As this devastating drought deepens, time is of the essence and WFP is appealing for urgent funding to cover a 40 percent shortfall in our US$477 milllion budget for operations in the Horn of Africa, including vital food for growing numbers of refugees in Kenya and Ethiopia. We also urge support for the longer term initiatives that will help communities living in the Horn of Africa to break out of the vicious cycle of drought and disaster. Such efforts in Uganda have helped to build resiliency there and require far less emergency action now.
Where do you purchase the actual aid?
Whenever possible, WFP is buying its food assistance on local markets. 80% of our purchased food is coming from developing countries. Purchases of almost US$ 1 billion a year contribute to agricultural investment in the developing world. By our “Purchase for Progress” (P4P) Programme we cooperate in this with more than 800.000 small scale famers worldwide, many of these from Horn of Africa countries such as Uganda, Kenya and Ethiopia.


What are the challenges doing aid work in a failed state like Somalia?

Security is the key challenge in countries like Somalia. WFP is one of the few agencies still present in the country, with 19 international and 145 national staff based in Somalia. WFP needed to withdraw from southern Somalia in 2010 because of threats to the lives of our staff.  However, we are hopeful that operating conditions will allow us to return to southern Somalia as we are deeply concerned about the humanitarian needs of civilians living there.

What role can citizens and governments from G20 countries play?

Resources are thin and at the very moment that we should be ramping up operations, we had to scale back some programmes in Ethiopia and Somalia. It is essential that we move quickly to break the destructive cycle of drought and hunger that forces farmers to sell their means of production as part of their survival strategy. The deficit in our operation is amounting to € 140 Mio. for the second half of 2010.  Protecting the brains and bodies of young children, and pregnant and lactating women is our top priority at the Horn of Africa, but we urgently need funding to do so.

Interview: Andrian Kreye Photos: AFP; UNWFP

12.07.11 | 12:11 | 5 Kommentare

TED Global 2011/1: Reden für eine bessere Welt

TedStage
In Kalifornien begann die Ted-Konferenz als Elitenforum, in Tunesien wurde sie zum Garanten für neutrale Debatten

(Von Andrian Kreye) Natürlich gibt es so etwas wie den intellektuellen Rausch, und die Idee ist sein Epizentrum. Sie wirkt wie ein Stromstoß auf das Denken; und im besten Falle entwickelt sie sich weiter. Es gibt sicherlich keine allgemeingültige Formel dafür, wie eine Idee wirkt und wie sie sich verbreitet. Das Team der Ted-Konferenz versucht nun schon seit 1984, sich so einer Formel anzunähern. Die Konferenz mit den kurzen Vorträgen von Wissenschaftlern, Künstlern, Aktivisten und Intellektuellen ist dabei längst das Herz eines weltweiten Phänomens geworden, das sich selbst noch nicht richtig verstanden hat. Weil das Phänomen sich inzwischen in einer Geschwindigkeit weiterentwickelt, die nicht mehr zu kontrollieren ist.

So einen intellektuellen Rausch hat jeder erlebt, der schon einmal ein Buch von Jürgen Habermas oder Stephen Hawking gelesen hat. So ein Rausch kann aber auch viel kürzer sein. Wenn beispielsweise der Quantenphysiker David Deutsch in einer Viertelstunde den allgemeingültigen Begriff von Wirklichkeit in Frage stellt. Wenn der Neurowissenschaftler Ernst Pöppel mit ein paar Gedichtzitaten die Rezeptionsfähigkeit des Gehirns demonstriert, wenn der Gesundheitsstatistiker Hans Rosling mit ein paar Graphen beweist, dass alles besser wird auf dieser Welt, oder der Popmusiker David Byrne erklärt, wie Architektur die Evolution der Musik bestimmte. Und im Netz (ted.com), wo die Aufzeichnungen der Vorträge als „Ted Talks“ so etwas wie ein eigenes Gerne sind – sie wurden eine halbe Milliarde mal angesehen.

Es gibt viele Gründe für den Erfolg von Ted, der in den letzten beiden Jahren enorme Geschwindigkeit aufgenommen hat. Aus dem einstigen Elitenforum ist eine globale Plattform für einen Zeitgeist geworden, der sich von den Ideologien und Dogmen des 20. Jahrhunderts abgewendet hat. Ein Zeitgeist, der das interdisziplinäre Denken popularisiert hat, das über die wissenschaftlichen Institute nun wieder in die Allgemeinbildung gerückt ist.

Ted hat aber gleich mehrere Bedürfnisse befriedigt. Es hat diesem Zeitgeist ein Forum gegeben. Es hat aber auch der wild wuchernden Internetgemeinde eine intellektuelle Mitte gegeben, die über die Leerformeln der sozialen Netzwerke hinausgeht. Und es hat der virtuellen Netzweltgemeinschaft die Brücke zurück in die physische Welt gebaut. Vor allem aber hat Ted ein Forum geschaffen, das etwas wirklich Neues darstellt, keine Imitation analoger Medienwelten, wie sie die Form der Webseite, des Blogs oder der App darstellen.

Am leichtesten ist es vielleicht, das Neue zu beschreiben, indem man das Alte ausgrenzt. „Ted ist nicht politisch, nicht kommerziell, nicht religiös“, sagt Bruno Giussani, der als Direktor des europäischen Ablegers fungiert. „Das heißt nicht, dass wir nicht über Politik und Religion sprechen.“

BrunoGiussani

Ted ist außerdem – keine Marke, keine Firma, kein Medium, kein Verein, keine Weltsicht, und eben auch keine Konferenz. Im Englischen gibt es einen Begriff, den man ganz gut eindeutschen kann: platform. Ted ist also eine Plattform. Das schließt dabei die Konferenzen in England und Kalifornien genauso ein wie die unabhängigen TedX-Ableger in aller Welt, die jeder veranstalten kann, der sich das zutraut, die Ted-Talk-Webvideos, die Bücher, Diskussionsforen, Fernsehformate, die Ted-Preise, die Fellowships und das soziale Netzwerk.

Bruno Giussani, der 47-jährige Schweizer, der mit seinen silbergrauen Haaren und seiner breitschultrigen Statur etwas Staatsmännisches an sich hat, brachte die Ted-Konferenz vor sechs Jahren aus den USA nach Europa. Mehr oder weniger aus Zufall. Giussani hatte sich in der Schweiz einen Namen als Experte für digitale Kultur gemacht, als er 2004 als Fellow an der Stanford University arbeitete. Dort knüpfte er über E-Mail Kontakt zu Chris Anderson, dem britischen Verleger, der die Ted-Konferenz ein paar Jahre zuvor gekauft hatte. Der wollte ihn gerne treffen, Giussani war zufällig wenige Tage später in New York. Und die Idee für Ted Global war geboren.

Eine britische Journalistin beschrieb die Ted-Konferenz als „Woodstock der Ideenkultur“. Das war vor zwei Jahren. Seither ist viel passiert, die Plattform ist gewachsen, in Zahlen wie in Formen. Es sind vor allem die unabhängigen TedX-Ableger, die aus der einst so elitären Versammlung der Eliten aus Wissenschaft, Technik und Design eine Art globale Volksplattform gemacht haben. Seit Ted sein Format im März 2009 in einer Art Open-Source-Lizenz öffnete, wurden mehr als 2000 solcher Minikonferenzen in 103 Ländern veranstaltet.

Ein paar Schlüsselmomente gab es. Im September des letzten Jahres bereiteten Bill und Melinda Gates eine neue Offensive ihrer Stiftungen vor. Am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen wollte Melinda Gates die Initiativen vorstellen. Anstatt den üblichen Weg zu gehen, anstatt den großen Nachrichtensendern Interviews zu geben und eine Pressekonferenz abzuhalten, veranstaltete sie eine kurze Ted-Konferenz mit dem Titel TedX Change. Sie wollte keine Werbung für ihre Sache machen, sondern Ideen in die Welt setzen. So kam sie auf Ted, das als Durchlauferhitzer für Ideen die derzeit größtmögliche Wirkung hat.

Im Frühjahr dieses Jahres suchten wiederum Aktivisten in Tunesien ein Forum, um über die Zukunft ihres Landes zu debattieren. Giussani reiste selbst nach Tunis. „Die jungen Tunesier, die TedX Carthage veranstalteten, erzählten mir, dass sie dringend nach einer Form suchten, die ihnen absolute Neutralität garantiert“, sagt er. „Sie wollten keiner Partei zugeordnet werden, keiner Universität, keinem Think-Tank, keiner Firma. Und so kamen sie eben auf Ted.“

Was alle diese Foren verbindet, sind lediglich die drei roten Buchstaben T, E und D. Die standen in den Anfängen der Konferenz für Technology, Entertainment und Design, weil der Architekt Richard Saul Wurman Anfang der achtziger Jahre im Silicon Valley die Konvergenz dieser drei Felder vorantreiben wollte. Und es gibt einen Katalog der Richtlinien, den jeder Veranstalter einzuhalten hat, um einerseits ein gewisses Maß an Qualität, andererseits die Unabhängigkeit von Interessen zu garantieren. Auch und gerade von kommerziellen Interessen. „Wir sind eine Nonprofitorganisation“, sagt Giussani. Das sind in den USA Firmen und Vereine, die sich frei machen können vom Druck der Bilanzen und Planvorgaben.

In dieser Woche wird Bruno Giussani in Edinburgh wieder die ursprüngliche Ted-Konferenz moderieren, die seit 2005 neben der Urkonferenz in Kalifornien auch in England stattfindet. Als bloßen Veranstalter sieht er sich nicht. „Ich kuratiere Ideen“, sagt er. Nun ist das mit dem Kuratieren in den letzten Jahren zu einer Modelosung geworden, aber es geht eben um mehr als um das Organisieren. „Es geht darum, die Ideen zu finden, sie zugänglich zu machen und dann dafür zu sorgen, dass sie breite Wirkung zeigen“, sagt er. „Da arbeiten wir durchaus wie der Kurator einer Ausstellung. Wir müssen erst einmal eine übergeordnete Erzählstruktur finden und dann den Rednern helfen, ihre Vorträge zu strukturieren und auf den Punkt zu bringen.“

Die Erzählstruktur wird durch ein Motto bestimmt. Das lautete im vergangenen Jahr in Oxford „And now the good news“, was den pragmatischen Optimismus gut auf den Punkt brachte, der die meisten der Ted Talks bestimmt. Denn wenn ein Gedanke bleibt nach einem fünftägigen Wirbelsturm der Ideen, dann ist es bei Ted meist der, dass sich die Welt verändern kann. Und das zu ihrem Guten. Dieses Jahr öffnet sich Ted noch ein Stück weiter und beschäftigt sich mit „the stuff of life“. Dem Leben an sich.

Fotos: Bühne TED Global 2011,Bruno Giussani; by James Duncan Davidson / TED

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