13.05.11 | 15:45 | 0 Kommentare

Rhododendron

riekelHin und wieder muss man Pressemeldungen aus Konzernen einfach unbearbeitet publizieren, weil sie in ihrer Prosa eine enorme lyrische Qualität entwickeln:

Der Rhododendron, griechisch für „Rosenbaum“, ist eine klassisch schöne Gartenpflanze und setzt in jedem Beet und jeder Hecke leuchtend bunte Farbakzente. Seit heute trägt eine Rhododendron-Neuzüchtung den Namen der BUNTE-Chefredakteurin Patricia Riekel: Im Garten der Porzellanmanufaktur Nymphenburg in München taufte die Journalistin, die selbst begeistertet gärtnert, die Pflanze. „Für jemanden wie mich, der ohne Garten nicht leben kann, ist es eine besondere Ehre und auch ein großes Glück, dass eine meiner Lieblingspflanzen meinen Namen trägt. Und dass die Blüte dieses Rhododendrons das magische Rot des BUNTE-Logos hat“, so die Taufpatin. „Sie fällt mit ihrer leuchtend roten Blütenfarbe ins Auge und bezaubert die Gartenfreunde damit während ihrer Blütezeit von Mitte bis Ende Mai“, erklärte auch Jan-Dieter Bruns, der geschäftsführende Gesellschafter der Baumschule Bruns. (. . . )  Standesgemäß begoss die BUNTE-Chefin die Pflanze, die nun ihren Namen trägt, feierlich mit Champagner. „In Zukunft werde ich den Rhododendron aber wieder mit Wasser, statt mit Champagner gießen“, ergänzte sie schmunzelnd.

Foto und Text: © Hubert Burda Media

13.05.11 | 06:47 | 0 Kommentare

Friday Night Live

11.05.11 | 17:05 | 0 Kommentare

Martha Graham Doodle

MGdoodle

Anlässlich Martha Grahams 117. Geburtstag hat Google sein Logo heute mit Choreographie-Vignetten von Graham animiert.

Die Analyse der sechs Vignetten liefert das Martha Graham Center of Contemporary Dance - hier.
 

Abb.: Google

11.05.11 | 16:37 | 0 Kommentare

TED Talk der Woche: The Power of Smiling

10.05.11 | 19:48 | 0 Kommentare

Doldinger

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(Von Andrian Kreye, Seite 3 vom Mittwoch)  Hin und wieder muss man schon vor einem Gespräch ein paar Dinge klarstellen. Manchmal reicht eine Geste. Klaus Doldinger steht zur Begrüßung mit dem Saxofon um den Hals in seinem Gartenhaus im oberbayerischen Icking, in dem er ein Studio eingerichtet hat. 75 Jahre alt wird Doldinger an diesem Donnerstag. Er trägt immer noch die Pilotenbrille, sein Erkennungszeichen aus den frühen Jahren seiner Gruppe Passport, die Haare halblang, dazu Pulli und Jeans. Über das Mischpult läuft eine jener Übungsplatten, auf denen eine Rhythmusgruppe ohne Solisten spielt.

Dann dieser mächtige Ton des Tenorsaxophons den Raum – es ist eine Art Urgewalt des Jazz. Doldinger dreht eine kraftvolle Improvisation um die Akkordfolgen, bevor das Thema einschlägt. Sieben Fanfarentöne, drei Offbeats – „Seven Steps To Heaven“, das Stück, mit dem Miles Davis 1963 seine wichtigste Zeit als Erneuerer des Jazz einläutete.

Klaus Doldinger mag der berühmteste Saxofonist in der Geschichte Deutschlands sein, weil er die Erkennungsmelodie der „Tatort“-Reihe geschrieben hat, weil seine Soundtracks für „Das Boot“ und „Die unendliche Geschichte“ zwei Meilensteine deutscher Kinogeschichte begleiteten, und weil er mit Passport Anfang der siebziger Jahre den betulichen deutschen Krautrock zum Jazzrock von Weltklasse veredelte. Die Geste, einem Gast in ein paar Sekunden zu beweisen, dass er auch eines der anspruchsvollsten Stücke des Modern Jazz souverän beherrscht, ist allerdings ein wenig, als würde ein Boxchampion vor den Augen eines Besuchers „ganz zufällig“ einen Sparringspartner auf die Matte befördern. Und spricht man eine Weile mit Doldinger, wird klar, dass seine Ausflüge in den Rock, in die Filmmusik und in exotische Rhythmen letztlich immer zu jenem Moment zurückführen, als er mit neun Jahren zum ersten Mal in seinem Leben Jazz hörte.

In Schrobenhausen war das, einem Städtchen zwischen Ingolstadt und München, in dem sich heute das Europäische Spargelmuseum befindet, weil der Ort vor allem für dieses Gemüse bekannt ist. Im Frühjahr 1945 war die Familie Doldinger dort bei einem Onkel untergekommen. Aus Berlin waren sie zunächst nach Wien geflohen, hatten die Stadt dann verlassen, als sie schon den Artilleriedonner der heranrückenden Russen hören konnten.  In Schrobenhausen waren die Amerikaner. Da waren sie sicher.

 Es war an einem Tag im Mai, als er am Wirtshaus vorbeikam und aus den geöffneten Fenstern der Gaststube etwas vernahm, das er noch nie gehört hatte. Drinnen spielten GIs eine Swing-Session. „Da war ich, der Junge, der im Dritten Reich aufgewachsen war, der das Schlagzeug nur aus der Marschmusik kannte und aus dem Zirkus. Und plötzlich platzte die Blase“, sagt Doldinger. Der Soldat holte da etwas aus seinen Trommeln und Becken, Synkopen, die das Vierviertelgerüst europäischer Zweckmusik in etwas auflösten, zu dem man nicht die Hacken zusammenschlagen, sondern mit den Zehen wippen konnte. Die Synkopen sollten Doldinger nie wieder loslassen.
 
Was er als neunjähriger Flüchtling entdeckt hatte, wurde für seine Generation die prägende Musik ihrer Jugend. „Das war die Musik der Freiheit“, sagt er. Gesellschaftlich anerkannt war sie deswegen noch nicht. In Düsseldorf, wo es die Familie aus Bayern hinverschlug, spielte er schon als Gymnasiast in Nachtclubs Jazz. 1955 nahm er mit seiner Gruppe Feetwarmers seine erste Platte auf. Doch seine Eltern waren nicht begeistert. Und die Schulleitung sprach ihm 1956 die „nötige Reife“ fürs Abitur ab, das er dann erst ein Jahr später machen durfte.

 Klaus Doldinger studierte dann ganz redlich Musikwissenschaften und Tonmeister. Aber da gehörte er schon zu den Besten. 1960 ging er zum ersten Mal auf Amerikatournee. Drei Jahre später nahm er eine erste Platte mit dem Produzenten Siggi A. Loch auf. Der engagierte Doldinger bald als musikalischen Direktor unzähliger Beatplatten und überredete ihn, unter dem Pseudonym Paul Nero Coverversionen von Pophits einzuspielen. Erste Aufträge für Werbefilme folgten. 1969 die ersten beiden Soundtracks für Kinofilme: für Klaus Lemkes „Negresco“ und Volker Schlöndorffs „Baal“.

  Wenn Klaus Doldinger über seine handwerkliche Arbeit spricht, dann tut er das mit derselben Routine, mit der er rund 200 Fernsehsendungen und Filme vertont hat, mit der er Schlagerplatten für Abi und Esther Ofarim arrangierte und Sampler, die „Bubble Gum Party“ oder „Golden Western Hits“ hießen. „Das sind letztlich Dienstleistungen“, sagt er. Auch wenn Doldinger immer nach Doldinger klang? „Das ist ja gerade die Gnade, dass man sich trotzdem immer etwas Eigenes einfallen lässt.“

Sicher, er hätte auch in die USA gehen können, anstatt mit seiner Frau Inge Beck 1968 in das alte Bauernhaus in Icking zu ziehen. Aber er sah die Kollegen, mit denen er früher gespielt hatte und aufgetreten war, Kenny Clarke, Wayne Shorter, Herbie Hancock, Namen, die in jedem Jazzlexikon stehen. „Die mussten immer noch auf anstrengende Touren gehen oder für ein paar hundert Dollar in den Clubs in New York auftreten.“ Wo die Gäste dann meist noch ein Steak verzehren, während sie der Musik zuhören. Nein – „So gut arbeiten wie in Deutschland kann man nirgends.“ Keinem der amerikanischen Jazzer sei der Spagat gelungen, mit Filmmusik gutes Geld zu verdienen und trotzdem noch live aufzutreten. Nicht in Clubs, sondern in Hallen, von denen es in Deutschland mehr gibt, als in jedem anderen Land.

So blieb er. Und über die Jahre stand der Jazz vielleicht nicht mehr so sehr für die gesellschaftliche Freiheit der Nachkriegsjahre. Dafür hatte er sich die musikalische Freiheit erobert, keine Genregrenzen mehr zu kennen. „Mir war die Authentizität immer das Wichtigste“, sagt er. Erst kamen die Experimente mit lateinamerikanischen Rhythmen, dann der Free Jazz. Und als sich Rock und Jazz zur Fusion vereinten, gründete er gemeinsam mit dem Schlagzeuger Udo Lindenberg die Gruppe Passport.

Passport wurde eine der einflussreichsten Jazzrockgruppen. Und es gibt sie noch immer. Erst neulich hat er hier im Gartenhaus in Icking wieder ein Album aufgenommen. „Inner Blue“ heißt es, und was er da mit der aktuellen Besetzung junger Musiker aufgenommen hat, gehört nach wie vor zum Besten eines Genres, mit dem es die Kritiker nicht immer gut meinten. Dabei treibt und swingt und brilliert er heute vielleicht noch konsequenter als vor vierzig Jahren. Denn das ist die wahre Gnade des Jazzmusikers – im Alter immer besser zu werden, und trotzdem immer bei seinen Wurzeln zu bleiben. Auch wenn die in einem Frühlingstag in Schrobenhausen liegen.

Foto: Universal

09.05.11 | 10:31 | 0 Kommentare

#musicmonday

05.05.11 | 11:57 | 1 Kommentar

Navy Seals

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Reichlich Stoff für Heldenmythen und Hollywoodfilme - Geschichte über das geheime Team 6 der Navy Seals, die Bin Laden getötet haben in der New York Times

Ryan Zinke, 49, a former member of Seal Team 6 who is now a Republican state legislator in Montana, said members of Team 6 had a certain personality: “I would say cocky, arrogant.”

Despite the mission’s success, former Seal members acknowledged the precariousness of the raid and the degree of luck involved. “If that thing had gone bad, the conversation you and I would be having would be completely different,” Mr. Shipley said. “There’s only two ways to go in these operations — zero or hero.”

Foto: John Moore/Getty/NYTimes

04.05.11 | 16:30 | 0 Kommentare

Martin Schoeller

04.05.11 | 13:15 | 1 Kommentar

Frank Ocean

Grandioser R'n'B-Sänger aus der Odd Future Wolf Gang Kille Them All-Crew um Tyler The Creator in Los Angeles.

Frank Oceans R'n'B Mixtape "Nostalgia, Ultra" als Gratisdownload - hier.

03.05.11 | 18:52 | 0 Kommentare

Die Wurzeln des Bösen

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Sayyid Qutb (rechts) 1949 mit College-Präsident William R. Ross in Greeley, Colorado.

Ekel und Hass prägten die islamistischen Grundsatztexte des ägyptischen Literaturwissenschaftlers Sayyid Qutb

Greeley ist ein hübsches Universitätsstädtchen im kargen Norden von Colorado, das mit seinen Verandahäusern und baumgesäumten Straßen genau dem amerikanischen Traum vom kleinstädtischen Wohlstand entspricht, der in unzähligen Romanen und Filmen idealisiert wurde. Ausgerechnet hier, inmitten des frommen Idylls der Gutbürgerlichkeit, formte sich im Sommer 1949 in den Notizen von Sayyid Qutb ein Hass auf Amerika, der Geschichte machen sollte: weil er das theoretische Fundament der al-Qaida legte.
Sayyid Qutb war ein ägyptischer Stipendiat, der am Colorado State College of Education ein Semester lang Kurse in Englisch und Pädagogik belegte. Mit seinen 43 Jahren war der ernste Herr aus Ägypten mit dem schmalen Oberlippenbart und dem schütteren Haar deutlich älter als die anderen Studenten. In seiner Heimat hatte er als Beamter für das Bildungsministerium gearbeitet. Vor allem aber hatte er sich als Literaturkritiker und Essayist profiliert. Er war kein besonders religiöser Mann gewesen. Sein Glaube war vor allem von seinem Antikommunismus geprägt. 'Entweder wir gehen den Weg des Islam oder den Weg des Kommunismus', hatte er geschrieben. Doch seine zwei Jahre in der amerikanischen Ferne verwandelten den kritischen Geist in einen leidenschaftlichen Verfechter eines radikalen Islam, der mit seinen Schriften die Bewegung prägen sollte, die in der al-Qaida ihren grausamen Höhepunkt fand.

'Das Amerika, das ich gesehen habe', lautete der Titel seines Buches, das er bei seiner Rückkehr verfasste. Darin beschrieb er das amerikanische Leben mit einem Ekel und Hass, der den Grundstein für seinen politischen Islamismus legte. So beschrieb er einen Tanzabend in einer Kirche: 'Tanzende nackte Beine wirbelten durch den Raum, Arme schlangen sich um Hüften, Brust drückte sich an Brust, Lippen fanden andere Lippen, und die Atmosphäre war aufgeheizt mit Sinneslust.'

Zu einem guten Teil waren Qutbs Ekel und Hass von seiner Biographie geprägt, von der Unfähigkeit, eine Familie zu gründen, von der Einsamkeit als Junggeselle, von der phobischen Haltung zum Sex. Doch aus seinem Ekel leitete er den Hass auf all die Grundwerte des Westens ab, auf den Individualismus und die Freizügigkeit, die säkularen Vernunftbegriffe und die Demokratie, auf den Materialismus und die Lust in all ihren Formen. Darin sah er die Wurzeln des Bösen, das die islamische Welt zu vergiften drohe.

Bei seiner Rückkehr schloss sich Qutb den strenggläubigen Muslimbrüdern an, die ihm die Leitung ihrer Propagandaabteilung übertrugen. Und er schrieb all jene Bücher, die später die theoretische Grundlage für den islamistischen Terror lieferten. Als er 1954 wie so viele andere Muslimbrüder nach einem gescheiterten Attentat auf Präsident Nasser verhaftet wurde, verfasste er im Gefängnis sein Schlüsselwerk mit dem Titel 'Meilensteine'. Darin besetzte er den arabischen Begriff 'Dschahiliyya' mit einer neuen Bedeutung. Was bis dahin die heidnische Zeit der Unwissenheit vor der Offenbarung Mohammeds bezeichnete, wurde nun zum Kampfbegriff für all jene Staatsformen und Gesellschaften, die sich nicht dem Diktat Gottes unterwarfen. 'Nur islamische Werte und Moral, islamische Lehren und Regeln sind des Menschen würdig', schrieb er da. 'Islam ist die wahre Zivilisation und die islamische Gesellschaft die einzig wahrhaftig zivilisierte.' Einzig die Scharia dürfe das Leben des wahren Menschen regeln, der alle anderen Systeme und Gesetze ablehnen müsse.

Der einzig mögliche Weg war für Qutb der Dschihad. Nun hat der Dschihad in der Kultur des Islam vielfache Bedeutung. Schon im inneren Ringen um den Glauben manifestiert sich Dschihad. Doch Qutb ließ keine Zweifel offen. In seinem Buch 'Im Schatten des Koran' schrieb er: 'Wir begreifen, dass es unumgänglich ist, dass Dschihad nicht nur die Form der Predigt, sondern auch eine militärische Form annimmt.' Und er nahm den terroristischen Kampf vorweg, als er folgende Sure zitiert: 'Ihr wart stolz auf eure große Zahl, doch ihr habt nichts damit erreicht.'

Es gibt nur wenige westliche Übersetzungen der Texte von Qutb, und sie sind eine freudlose Lektüre. Im Ton des Predigers treibt er seine Tiraden durch theologische Windungen und Referenzen. Doch die Freudlosigkeit und der Subtext des Selbsthasses und Ekels haben der islamistischen Ideologie eine Kraft verliehen, mit der sie gerade junge Muslims im weltlichen Ausland begeistern kann. Liest man die Biographien der Attentäter, sei es der Hamburger Zelle vom 11. September, der britischen Dschihadis oder der meist gescheiterten amerikanischen Attentäter, so waren Ausschweifungen in Diskotheken und Striplokalen oft so etwas wie Initiationsrituale.

Die Linie von Sayyid Qutb zu Osama bin Laden bestand nicht aus einer theoretischen Verbindung. 1965 wurden Sayyid Qutb und sein jüngerer Bruder als Verschwörer verhaftet. Sayyid Qutb wurde eine Jahr später hingerichtet. Mohammed Qutb wurde 1972 freigelassen und ging ins Exil nach Saudi-Arabien. Dort unterrichtete er Islamwissenschaften und propagierte in seinen Vorlesungen die Schriften seines Bruders. Zu seinen Schülern gehörte ein weiterer Exilant aus Ägypten - Ayman al-Zawahiri, der spätere Vizechef der al-Qaida. Und er traf auf den palästinensischen Theologen Abdallah Yusuf Azzam, ebenfalls ein Anhänger der Lehren Sayyid Qutbs.

Azzams Rolle in Bin Ladens Biographie sollte zunächst viel wichtiger sein als die seines späteren Vizes al-Zawahiri. Azzam ging nach seiner Ausweisung aus Saudi-Arabien 1979 nach Pakistan. In Peschawar gründete der Theologe ein Rekrutierungsbüro für Dschihad-Kämpfer aus aller Welt, die im benachbarten Afghanistan die sowjetischen Besatzer bekämpfen sollten. Mit dem Namen Maktab Khadamat al-Mujahidin al-"Arab hieß das Büro zu Deutsch etwa 'Servicebüro für arabische Dschihadkämpfer'. Azzams Schützling und operativer Vize war ein junger ehrgeiziger Spross einer saudischen Baunternehmerfamilie namens Osama bin Laden.

Das Maktab Khadamat unterhielt Außenbüros in Europa und den USA, über die es Spenden sammelte und Rekruten ins afghanische Grenzgebiet schleuste. Azzam war aber nicht nur der militärische Pate des jungen Bin Laden, sondern vor allem sein spiritueller Mentor. Es dauerte nicht lange, bis sich Bin Laden als treibende Kraft des Maktab Khadamat profiliert hatte. Mit seinen Verbindungen in der saudischen Heimat brachte er Millionen an Spendengeld auf.

Azzam konzentrierte sich neben seiner Rekrutierungsarbeit auf seine Schriften. 1984 verfasste er einen Schlüsseltext, der Qutbs Lehren entscheidend radikalisierte und als Fatwa formulierte: 'Die Verteidigung der muslimischen Gebiete ist die oberste Pflicht des Einzelnen.' Und er prägte den Satz, der als Motto des Islamismus von Afghanistan bis zu den Anschlägen in Europa und Amerika lange nachwirken sollte: 'Der Dschihad und das Gewehr sind alles: Keine Verhandlung, keine Konferenz, kein Dialog.'

Azzam kam bei einem rätselhaften Anschlag 1989 ums Leben. Bin Laden übernahm das Maktab Khadamat, aus dem er gemeinsam mit Ayman al-Zawahiri al-Qaida formierte. Mit al-Zawahiri hatte Bin Laden einen weiteren Schüler Sayyid Qutbs an seiner Seite. Qutbs Ziel, eine islamische Zivilisation unter Gottesherrschaft zu errichten, haben sie nicht einmal in Ansätzen erreicht. Seinen Ekel und seinen Hass aber haben sie zu grausamer, historischer Größe geführt.

Foto:  Greeley Tribune Archive

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