17.01.11 | 13:06 | 0 Kommentare

Golden Globes

Ricky Gervais (das britische Original für Stromberg) - selten bissiger Moderator für eine Hollywood Award Show. Letzte Nacht noch böser als letztes Jahr.

17.01.11 | 07:25 | 0 Kommentare

#musicmonday

16.01.11 | 13:04 | 0 Kommentare

A Night in Tunisia

14.01.11 | 20:29 | 0 Kommentare

Hoffnung auf die Macht der Masse

Freundlichkeit, Vertrauen, Neugier: Seit zehn Jahren ist das Internetlexikon Wikipedia ein soziales Utopia

(Aus dem Feuilleton vom Wochenende) Es war kein Zufall, dass sich die Enthüllungsplattform Wikileaks einen Namen gab, der mit denselben Silben anfängt wie das Internetlexikon Wikipedia. Das Präfix Wiki ist zu einem Synonym für das Utopia einer Weltgemeinschaft geworden, die ohne Lohn im Dienste der objektiven Wahrheitsfindung an einem großen Ganzen arbeitet. Ein hehres Ideal, an dem sich in der Geschichte der Menschheit schon viele vergeblich abgearbeitet haben. So waren die Zweifel groß, als das Internetlexikon Wikipedia am 15. Januar 2001 ans Netz ging.

Der Traum vom Kollektiv der Amateure, das ein Werk vollbringt, das bis dahin der Wissenschaft vorbehalten war, schien so unrealistisch zu sein wie so viele andere digitale Utopien, die sich stets als Wunschträume einer technikbegeisterten Elite entpuppt hatten. Das Internet hatte bis dahin weder Urgewalten der Demokratie entfesselt noch einen neuen Weltgeist geschaffen, die Virtual Reality der frühen neunziger Jahre hatte weder psychedelische noch anderweitig entgrenzende Wirkung gezeigt. Das Misstrauen saß tief, nicht zuletzt, weil viele der digitalen Vordenker aus ebenjenem kalifornischen Milieu stammten, das all die fehlgeschlagenen Utopien der späten sechziger Jahre hervorgebracht hatte.

Da predigte der einstige LSD-Papst Timothy Leary die angeblich überwältigende bewusstseinserweiternde Kraft früher Virtual-Reality-Maschinen. Stewart Brand, der Vater der amerikanischen Ökologiebewegung und Herausgeber des Whole-Earth-Versandkataloges für alternative Produkte, initiierte mit The Well eine Netzgemeinschaft, die am Ende doch unter sich zu bleiben schien. Und für die Freiheit im Netz kämpfte John Perry Barlow mit seiner Electronic Frontier Foundation, ein ehemaliger Rancher, der Songs für Grateful Dead geschrieben hatte.

Angesichts solcher Fürsprecher übte sich der konservative Konsens in Amerika und Europa in genüsslicher Häme, galten die Vordenker der Hippiegeneration doch nurmehr als Sachwalter des Scheiterns. Wieso also sollte es plötzlich einem Heer aus Freiwilligen gelingen, das Weltwissen im Netz zu bündeln und dabei auch noch wissenschaftliche Neutralität zu garantieren?

Doch trotz aller Fehler, aller bürokratischen Verästelungen und pedantischen Debatten zwischen den Millionen Autoren der mit mehr als dreieinhalb Millionen englischen, 1,7 Millionen deutschen und ähnlich vielen anderssprachigen Einträgen inzwischen umfassendsten Enzyklopädie der Menschheitsgeschichte: Betrachtet man Wikipedia nicht als Werk, sondern als soziales Experiment, so ist es sehr wohl gelungen. Denn Wikipedia 'funktioniert zwar in der Praxis, aber nicht in der Theorie', wie der Netzkritiker Evgeni Morozov schrieb.

Nun ist das Wiki-Prinzip keine Erfindung der Wikipedia-Gründer Larry Sanger und Jimmy Wales. Der Begriff stammt aus dem Jahre 1994 und fand in der Webseite WikiWikiWeb seine erste Anwendung. Das WikiWikiWeb war der erste Versuch einer kollektiven Seite. Ihr Gründer Ward Cunningham hatte sich für den Namen vom Flughafenzubringer 'Wiki Wiki Shuttle' in Honolulu inspirieren lassen. Der wiederum ist nach dem Wort benannt, das in der Sprache der Ureinwohner 'schnell' bedeutet.

Daraus könnte man einen Rückschluss auf die Geschwindigkeit der Wikipedia ziehen. Immerhin verkündet das Online-Lexikon inzwischen Weltereignisse und das Ableben bekannter Persönlichkeiten manchmal schneller als die Nachrichtenagenturen. Doch erstens war der Ursprung der digitalen Bedeutung von Wiki ein ähnlicher Sprachklamauk ohne weiteren Hintersinn wie so viele Namen großer digitaler Firmen - man denke an Yahoo, Google oder Mozilla. Zweitens hat der allgemeine Sprachgebrauch längst Besitz von dem Wort ergriffen und ihm eine neue Bedeutung gegeben.

Wiki deutet den Begriff der Masse um. Der ist im sozialen Kontext ja eigentlich nur noch negativ besetzt: Massenbewegungen, Massenaufstände, Massenkultur, Massengeschmack, Massenverkehrsmittel, überhaupt alles, was massenhaft existiert, gilt als per se verdächtig. Vom Ideal der Massen als weisem und gerechtem Volkskörper in den Utopien des 20. Jahrhunderts ist da nichts geblieben. Elias Canettis 'Masse und Macht' gehört an deutschen wie an amerikanischen Hochschulen zur Pflichtlektüre. Darin wird der Masse eine immanente Zerstörungssucht attestiert, die viele auch im Internet wittern.

Weil man aber den Fragen des 21. Jahrhunderts immer seltener mit den Antworten des 20.Jahrhunderts beikommt, lohnt es sich, das Phänomen des Wiki für sich zu betrachten. So sieht der Professor für Internetrecht an der Harvard Law School Jonathan Zittrain in der Wikipedia ein Beispiel für seine Theorie vom Netz als Knotenpunkt für Millionen selbstlose Handlungen, die von Freundlichkeit, Vertrauen und Neugier bestimmt werden. Wer sich in der Wikipedia auch nur mit einem kurzen Eintrag wiederfindet, der kann das oft am eigenen Namen nachvollziehen.

Da findet man beispielsweise auf dem Höhepunkt der Debatte um Islam und Anti-Islamismus ein einzelnes Zitat in seinem Eintrag, das schlechtes Licht auf einen wirft. Eine kurze Beratung mit einem gelegentlichen Wikipedia-Autor ergibt, dass man dies nun auf keinen Fall selbst löschen sollte. Die Wiki-Gemeinschaft reagiert bei ihrer Suche nach einem Höchstmaß an Objektivität gereizt auf Einflussnahmen persönlich, politisch oder wirtschaftlich Interessierter. Bleibt also nur das Vertrauen in die Masse. Und die reagiert tatsächlich recht rasch. Ein paar Tage später ist das Zitat verschwunden. Es hätte den Eintrag in einen tendenziösen Kontext gestellt.

Oft ziehen sich die Debatten um so einen Eintrag über Monate hin. Die Frage, ob die polnische Hafenstadt an der Ostsee nun Danzig oder Gdansk heißt, wurde in der englischen Ausgabe mit mehr als 8000 Diskussionsbeiträgen diskutiert. Es blieb beim Eintrag Gdansk, mit Danzig als Zusatzklammer. In der deutschen Version ist es umgekehrt. Der Eintrag unterscheidet dann: Gdansk hieß die Stadt bis 1305 und nach 1945, Danzig in den 640 Jahren dazwischen.

Die Suche nach Objektivität und das Vertrauen in die oft beschworene Weisheit der vielen hat längst unzählige Nachahmer gefunden. Die Mikrokreditseite Kiva.org belegt das Vertrauen mit einer Rückzahlungsrate der Kreditnehmer in Entwicklungsländern von mehr als 90 Prozent. Auch die sozialen Netzwerke wie Facebook bekommen das zu spüren, kollidieren ihre Wirtschaftsinteressen doch ständig mit dem kollektiven Vertrauen ihrer Nutzer. Wie all die unzähligen Seiten, die aus der Wiki-Utopie Geld zu machen versuchen, was in der Managersprache 'Crowdsourcing' heißt.

Wikileaks ist nun die politische Fortführung. Wenn auf der Basis dieses Vertrauens die Netzgemeinschaft Politik und Wirtschaft zu Transparenz zwingen kann, so wird das soziale Experiment zu einer sozialen Norm. 'Die Revolution vollzieht sich nicht, wenn eine Gesellschaft neue Technologien, sondern wenn sie neue Verhaltensformen übernimmt', schrieb der Medienwissenschaftler Clay Shirky. Ob das soziale Experiment Wikipedia nach zehn Jahren ein Erfolg war, wird die weitere Geschichte von Wikileaks und dessen Nachfolgern zeigen.

10.01.11 | 09:00 | 0 Kommentare

#musicmonday

Pepper Rabbit - "Harvest Moon" Video from stereogum on Vimeo.

07.01.11 | 12:28 | 0 Kommentare

Friday Night Live

STEVIE-WONDER

Der durchweg geschmacks- und stilischere Musikblog Aquarium Drunkard hat gerade eines der legendärsten Bootlegs neu geposted - Stevie Wonders Konzert im Rainbow Theatre in London, das er am 31. Januar 1974 gegeben hat und das am Mischpult in exzellenter Tonqualität mitgeschnitten wurde. Manchmal ist die späte Geburt ja doch keine Gnade sondern schlichtweg ein Versäumnis.

Foto: Aquarium Drunkard Blog

05.01.11 | 22:09 | 0 Kommentare

Tolstoi

leo_tolstoi

Großartige Reportage über einen Besuch auf Leo Tolstois Landsitz aus der Novemberausgabe des Atlantic Monthly von 1891:

"The count, who had been mowing, appeared at dinner in a grayish blouse and trousers and a soft white linen cap. He looked even more weather-beaten in complexion than he had in Moscow during the winter, if that were possible. His broad shoulders seemed to preserve in their enhanced stoop a memory of recent toil. His manner, a combination of gentle simplicity, awkward half-conquered consciousness, and half-discarded polish, was as cordial as ever. His piercing gray-green-blue eyes had lost none of their almost saturnine and withal melancholy expression."

04.01.11 | 12:51 | 0 Kommentare

A Great Device Called BOOK

03.01.11 | 21:40 | 3 Kommentare

Atlas der Vorurteile

Europe According to Germany

Der bulgarische Designer Yanko Tsvetkov hat einen europäischen Atlas der Vorurteile gestaltet. Der recht gut illustriert, dass Kartographie letztlich doch ein sehr subjektives Handwerk ist.

Abb.: "Europe According to Germany" von Yanko Tsvetkov. Große Version - hier.

02.01.11 | 21:24 | 1 Kommentar

#musicmonday

mia

Rechtzeitig zum neuen Jahr hat die britische Sängerin und Rapperin M.I.A. am Silvestertag im Internet ein Mixtape mit dem Titel 'Vicki Leekx Mixtape' veröffentlicht. Das kann man gratis auf der Webseite http://vickileekx.com/ herunterladen. Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob das nur ein PR-Gag ist, mit dem sich M.I.A. im Kielwasser der Wikileaks-Begeisterung von der herben Kritik an der Egomanie ihres dritten Albums 'Maya' im vergangenen Sommer rehabilitieren will. Oder ob sie den gleichen Nerv getroffen hat wie Julian Assange, der von der digitalen Generation als Symbol für die neue Macht des digitalen Kollektivs gefeiert wird.

Es mag schon sein, dass sich hinter M.I.A.s revolutionären Posen und Parolen meist nicht viel mehr verbirgt als ein Neuaufguss des 'Radical Chic' für politisch bewegte Halbwüchsige des 21. Jahrhunderts. Man sollte trotzdem nicht unterschätzen, dass sie schon aus ihrer Biografie heraus ein Gespür für die politischen Launen und Strömungen linker Subkulturen hat, die sie ähnlich kongenial in Pop umsetzen kann wie der Antiglobalisierungs-Barde Manu Chao oder die Politband Rage Against The Machine.

Geboren als Tochter tamilischer Einwanderer verbrachte Mathangi 'M.I.A.' Arulpragasam einen Teil ihrer Kindheit in ihrer Heimat Sri Lanka, wo sich ihr Vater der Rebellengruppe Tamil Tigers anschloss. Während des Bürgerkriegs in Sri Lanka lebte sie mit ihrer Familie zunächst im Untergrund, dann in einem indischen Slum, in einem britischen Flüchtlingslager und schließlich in den Sozialbauten im südlichen London. Eine solche Vergangenheit vergisst man auch nicht, wenn man einen Abschluss am prestigeträchtigen Central Saint Martins College of Art and Design gemacht und später den Milliardenerben der Bronfman-Schnapsdynastie geheiratet hat.

Man darf so ein Mixtape nicht mit einem Album verwechseln. Mixtapes waren im Hip Hop ursprünglich ein Weg, neue Musik im ungeschliffenen Mischungen im Stil von Radiosendungen an den Plattenfirmen vorbei über die Straße zu lancieren. Die 36 Minuten des 'Vicki Leekx Mixtape' sind dann auch ein roher Verschnitt aus hastig skizzierten Beats von einer ganzen Armada Produzenten wie Diplo, Blaqstarr, Switch und ihrem Bruder Sugu Arulpragasam, über die M.I.A. durch allerlei Filter ihre mal politischen, mal persönlichen Texte singt und rappt. Doch gerade im rohen Fluss des Mixtapes beweist sie hier Format und zielsicheres Gespür. Im Klangbild irgendwo zwischen den Sound Effects von Computerspielen, den Beats anachronistischer Rhythmusmaschinen und den Klangwällen tropischer Sound Systems schafft M.I.A. den Soundtrack für den ziellosen Zorn einer Generation, die im Machtbeweis des heimatlosen Hackers Julian Assange einen Hoffnung für einen Ausweg aus ihrer politischen Ohnmacht finden. Einer Generation, die man nicht unbedingt in den sozialen Netzwerken der Wohlstandsländer findet, sondern in den Internetcafes der Entwicklungsländer, der Flüchtlingsquartiere und Slums.

Foto: miauk.com

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