22.10.10 | 16:57 | 0 Kommentare

Das neue Zeitalter der Kartografie


Morgen (Samstag 23.10.) im Feuilleton der SZ mit Texten von Laura Weißmüller, Jens-Christian Rabe, Burkhard Müller, Tanja Michalsky und Bernd Graff:

Die Karten des 21. Jahrhunderts

Seit ihren Anfängen in der Antike hat sich die Technik der Kartografie nicht entscheidend verändert. Karten zeigten Stadt, Land und Fluss, den Verlauf der Grenzen, die Weite der Meere und die Höhe der Berge. Neue Technologien für Datenverarbeitung, Design und Animation haben nun den Weg in ein neues Zeitalter bereitet, in der die Karte viel mehr ist, als bloße Orientierungshilfe in der Geografie unseres Planeten. Google Streetview ist nur ein Beispiels dafür, wie die Kartografie unser Weltbild verändert und welche Debatten sie auslösen kann. Denn die Kraft und Macht der neuen Karten ist weniger die Abbildung von Koordinaten und Daten. Die Kartografie des 21. Jahrhunderts macht komplexe Zusammenhänge und unübersichtliche Datensätze sichtbar. Eines der bekanntesten Beispiele ist die bewegte Karte, die der Medienkünstler Aaron Koblin aus den gesammelten Daten der amerikanischen Flugaufsichtsbehörde konstruierte. Da formt sich das Bild einer Gesellschaft in Bewegung, die ihr Land im Tagesrhythmus immer wieder aufs Neue erobert. Koblins „Flight Patterns“ war im Museum of Modern Art zu sehen und wird von Firmen in aller Welt studiert. Irgendwann einmal, so die Hoffnung, sollen diese neuen Karten unser Weltbild im Alltag bestimmen. Denn was bisher abstrakt bleibt, was bisher nur schwer nachvollziehbar ist, wird durch eine solche Visualisierung von Daten und Abläufen in Raum und Zeit
mit einem Blick verständlich. Welche Dimensionen dieser Aufbruch in ein neues Zeitalter der Kartografie hat, zeigte ein Marathon der Künstler, Wissenschaftler und Designer, die sich am vergangenen Wochenende in London trafen, um – jeder auf seine Weise – eine Sicht auf die neuen Weltbilder zu finden.

Animation: Aaron Koblin "Flight Patterns"

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