2 KommentareThe Web Is Dead?

Gehöre ja eher zu den Zweitanwendern. Jetzt habe ich mir aber doch einen der iPads geholt, die hier in der Redaktion zirkulieren. Nein, das ist schon großartig, wie souverän Apple das Nutzerverhalten verändert, wie lässig der iPad das Internet aus der Arbeits- in die Alltagswelt transportiert. Und ich ertappe mich bei diesen klassischen Doppelmoral-Reflexen.
Bleibt man mal bei dem neuen Bild, dass Handies die neuen Zigaretten sind (also Mittel, den schlechter verdienenden Mehrheiten mit Konsumzwang bei der Stange zu halten und ihnen dabei Kleinstbeträge aus der Tasche zu ziehen, die sich zu massiven Profiten summieren), dann ist der iPad Crack. Gerade wenn man das Gerät benutzt, wie das Browser-basiert Internet, bucht einem das Gerät einen gar nicht so kleinen Betrag nach dem anderen ab. Als Nutzer ist man genervt. Als Medienschaffender denkt man sich, ah, ja, richtig, das wollten wir doch immer. So könnte sich die Zukunft der Medien ja doch profitabel gestalten lassen.
Die amerikanischen Kollegen verkünden deswegen auch gleich mal den Tod des Browser-basierten Internets. Im Atlantic Monthly gehen Walter Isaacson und Michael Hirschhorn darauf ein, in Wired verkündet Chefredakteur Chris Anderson höchstpersönlich den Tod des World Wide Web. Die Zahlen (siehe Grafik) sprechen dort ja auch schon für sich.
Was mich an diesen ganzen iPad-Anwendungen noch irritiert ist die Tatsache, dass gerade bei den Printmedien-Apps ja letztlich ein anachronistisches Medienverhalten simuliert wird. Man blättert eben durch eine Zeitschrift, wie man das auch analog tun kann. Damit kann man vielleicht die "Generation Payback" binden, die vom anarchischen Internet bisher überfordert war. Die zahlt sicher gerne für Komfort und Übersichtlichkeit. Aber was ist mit der Generation @, die mit der multimedialen Anarchie aufgewachsen ist, die neue Formen sucht und fordert, die gewohnt ist, dass Inhalte gratis verfügbar sind? Und sind das überhaupt feste Größen? Gibt es nicht vielleicht in jedem Leben eine "Payback"- und eine "@"-Phase? Lebt man also vom ca. 10. bis 30. Lebensjahr als Digital Native und wird dann von der Familie und der eigenen Produktivität nicht automatisch zum "Digital Immigrant"?
Damit wäre die digitale Kultur eine Underground-geprägte Popkultur. Für die braucht man ja auch ein jugendliches Zeitkontingent und die entsprechende Energie, um sie zu leben und nicht nur periphär zu beobachten.
Grafik: Wired
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http://www.boingboing.net/2010/08/17/is-the-web-really-de.html
Comment by John Gruber — September 20, 2010 @ 03:30
http://daringfireball.net/linked/2010/08/17/wired-translation
Comment by John Gruber — September 20, 2010 @ 03:34