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0 KommentareDie Herman
Wenn die Moderatorin und Autorin Eva Herman mal wieder eine besonders deftige Meinung von sich gibt, reagiert das vernünftige Bürgertum mit dem immer gleichen Reflex. Man will sie eigentlich ignorieren. Weil sie aber inzwischen qua Drastik ihrer Zitate zu einer der prominentesten Stimmen im Lande gehört, will man sie auch kommentieren. Wie im jüngsten Fall. Da schrieb sie in einem Kommentar zum Unglück auf der Loveparade in Duisburg unter der Überschrift ,,Sex- und Drogenorgie Loveparade: Zahlreiche Tote bei Sodom und Gomorrha in Duisburg‘‘ auf dem Blog ihres Verlages: ,,Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen.‘‘
Nun positioniert sich Eva Herman in ihrem Text deutlich rechts von der Bild-Zeitung. Im Umfeld des Kopp-Verlages tummelt sie sich außerdem mit rechtsbürgerlichen Demagogen wie Udo Ulfkotte und einem Sammelsurium latent rechtsradikaler Esoteriker und Verschwörungstheoretiker. Sie steht also durchaus für eine politisch unangenehme Szene. Das ambivalente Verhältnis zu Herman speist sich da aus der Hoffnung des vernünftigen Bürgertums, dass diese krude rechte Welt doch nicht mehr ist als ein Blondinenwitz in Person der Herman. Und aus der Angst, dass diese Meinungen von so viel mehr Menschen vertreten werden, als man sich das eingestehen will.
0 KommentareJon Stewart über den Wikileaks Afghanistan-Coup
| The Daily Show With Jon Stewart | Mon - Thurs 11p / 10c | |||
| Best Leak Ever | ||||
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0 KommentareAus die Maus

Die digitale Kultur ist schon lange ihren Anfängen in der Informatik entwachsen. Sie funktioniert wie alle Popkulturen nach einem hierarchischen System der kulturellen Kompetenzen. Nun ist es da nicht so einfach wie in der Mode oder der Musik, wo es schon ausreicht, die richtigen Schuhe zu tragen oder die richtigen Platten zu hören, um solche Kompetenz zu beweisen. Die Geschichte der digitalen Kultur war immer schon eine Evolution der Gesten. Früh markierten diese den Status, den man darin einnimmt.
Wer seinen Computer in den sechziger Jahren zum Beispiel immer noch mit Lochkarten füttern musste, zeigte, wie sehr er seiner Zeit hinterherhinkte. Längst konnte man sich mit dem Computer in eigenen Sprachen unterhalten. Weil das Erlernen dieser Sprachen aber ungefähr so aufwendig war wie das Erreichen des Großen Latinums, reduzierten die Informatiker die Kommunikation mit dem Rechner bald schon auf eine Zeichensprache, die sich heute ungefähr auf dem Niveau dieser bunten Bilderheftchen bewegt, mit denen man als Tourist auf exotischen Marktplätzen zeigen kann, dass man einen Sack Reis, ein Glas Bier oder einen Arzt benötigt. Das ist wahre Benutzerfreundlichkeit.
Traum der programmierenden Menschheit war es jedoch immer, jenes schwächste Glied im Dialog zwischen Mensch und Maschine zu eliminieren, das Ingenieure ,,Interface‘‘ nennen. Also all die Tastaturen, Mäuse, Joysticks und Steuermodule, die das Bedienen eines Computers nie über die mechanischen Primitivismen des Industriezeitalters hinauskommen ließen. Die Bilder zu diesem Traum lieferten zwei Hollywoodfilme. Zum einen Stanley Kubricks ,,2001‘‘, mit dem Bordcomputer Hal, der mit den Raumfahrern spricht, als sei er ein intelligentes Wesen. Zum anderen Steven Spielbergs ,,Minority Report‘‘, in dem Tom Cruise mit lässigen Handbewegungen schillernde Lichtflächen und Ziffern über Plexiglaswände wischt.
Mit dem Versuch, sprachgesteuerte Computer zu entwickeln, deren Bedienung keine logopädischen Grundkenntnisse erfordern, beschäftigen sich ganze Universitäten. Mit würdelosen Verrichtungen wie dem Schieben von Computermäuse über Filzmatten oder gar dem Schreibmaschinentastaturgehacke hat der Elektronikkonzern Apple in den letzten Jahren aufgeräumt. Angefangen hat das mit den Trackpads auf den Laptops. Perfektioniert wurde die neue Gestik auf den Wischfeldern der iPhones.
Weil die Käufer von Schreibtischcomputern der Firma allerdings immer noch in der anachronistischen Gestik der Mäuse und Tastaturen verhaftet waren, hat Apple gerade ein ,,Magic Trackpad‘‘ herausgebracht, damit man nun auch am großen Rechner souverän wischen kann. Aber weil die Gestik am Gerät eben nicht nur Benutzerfreundlichkeit bedeutet, sondern auch kulturellen Status, ist dieser Schritt nicht zu unterschätzen.Auch wenn die Apple-Ingenieure sicher wissen, dass sie hier nur eine Brückentechnologie geschaffen haben. Denn die Überlegungen und Prototypen der digitalen Vordenker sind längst viel weiter.
Der Informatik-Visionär David Gelernter von der Yale University forderte Anfang dieses Jahres den bildschirmlosen Computer, der wahre Mobilität erlaubt. Der britische Spieledesigner Peter Molyneux arbeitet derzeit an dem Videogame ,,Milo‘‘, das man über das Microsoft Kinect game control system, also über eine Mischung aus Kamera und Bewegungsmelder, Spielverlauf und -figuren mit einfachen Gesten kontrollieren kann. Der einzige Kontakt zum Gerät ist da der Einschaltknopf.
Weil aber die physische Bewegung evolutionär gesehen weit hinter dem Denken rangiert, hat die australische Firma Emotiv eine Elektrokopfbedeckung entwickelt, die mit Hilfe von EEG-Technologie die Steuerung mittels Hirnwellen erlaubt. Das klingt nach Science-Fiction, ist beim Demo für simple Steuerungsfunktionen aber schon recht überzeugend. Die Spieleindustrie interessiert sich. Der wahre Nutzen wird wohl darin bestehen, Rollstühle zu lenken.
Eines scheint jedoch schon klar zu sein - wer in Zukunft noch Geräte berühren oder gar Tasten drücken muss, gehört zu einer anachronistischen Generation der Grapscher. Wer auf sich hält, der ersetzt das Wischen bald durch Winken.
0 Kommentare#musicmonday
Wäre mal eine längere Betrachtung wert - die Perfektion mit der Werbung und Satire inzwischen Pop-Genres kopieren können. Hier in Kombination als klares "Narrowcasting" für eine Generation ironischer Pop-Hipster, die ins Minivan-Alter gekommen sind.
via Glaserei
1 KommentarTrailerpark (die Zweiminutenkritk)
Das Großartige an Horrorfilmtrailern ist die Erwartungshaltung des Zielpublikums. Die ist relativ simpel, muss aber mit einem Spannungsbogen von 60 bis 120 Sekunden einerseits erfüllt werden, darf andererseits nicht das Genre-eigene befriedigende mentale Junkfood-Sättigungsgefühl hinterlassen. Das sollen ja dann die 90 Minuten. rec2 - meisterhaft gelungen.
0 KommentareSchwarze Löcher

Die Verlautbarung des Ölkonzerns BP sollte die Weltöffentlichkeit beruhigen. Das neue Leck in der Nähe der bis auf Weiteres erfolgreich gedeckelten Ölquelle im Macondo-Feld habe nichts mit der ursprünglichen Katastrophe zu tun. Der Sonderbeauftragte der US-Regierung für die Umweltkatastrophe, Thad Allen, präzisierte: Im Umkreis von drei Kilometern rund um die Unglücksstelle seien sogar fünf Lecks entdeckt worden. Alle fünf seien jedoch Aussickerungen aus anderen Quellen. Die Größenordnung müsse man sich vorstellen, wie einen Ölaustritt bei einem alten Auto.
Hinter Thad Allens Anmerkung verbirgt sich allerdings ein Problem, das von der amerikanischen Regierung bisher vernachlässigt, wenn nicht sogar verdrängt wurde. Allein im Golf von Mexiko gibt es etwa 27 000 verlassene Ölquellen, die in den vergangenen 60 Jahren geschlossen, seither aber nicht mehr überprüft wurden. Die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press fand diese Zahl im Zuge einer Untersuchung heraus.
Betrachtet man eine Karte des Golfs, welche die Fachzeitschrift für Meeresbohrungen Offshore auf ihrer Webseite anbietet, dann präsentiert sich der neuntgrößte Meereskörper der Welt als Matrix aus Tausenden rechteckigen, durchnummerierten Parzellen. Jede Parzelle steht für ein potenzielles Fördergebiet. Hinzu kommen Pipelines, Öl- und Gasfelder.
Weil das Ölgeschäft bis heute in erster Linie Männersache ist, haben die Ölfelder markige Namen wie Brutus, Devil’s Island (Teufelsinsel), Great White (Weißer Hai), Goldfinger oder Spiderman. Auch das Ölfeld, über dem die Bohrinsel Deepwater Horizon am 20.April explodierte hat einen Namen: Macondo. Das könnte man als böses Omen auffassen, denn Macondo ist der Name des verfluchten Dorfes in Gabriel García Márquez’ Roman ,,Hundert Jahre Einsamkeit‘‘, das erst Schauplatz eines Massakers ist und schließlich vom Verfall zerstört wird.

Energiekonzerne geben den Parzellen solche Namen, um vor der jährlichen Pachtlizenzvergabe der amerikanischen Behörde Minerals Management Service zu verschleiern, an welchen Parzellen sie interessiert sind. Später sind diese Namen einfacher zu verwenden, als beispielsweise die offiziellen Registernamen. Für Macondo beispielsweise lautet der ,,Mississippi Canyon Block 252‘‘.
Theoretisch ist die Pflege verlassener Ölquellen gesetzlich streng geregelt. Wer die Bohrtätigkeit aufgibt, meldet die Öl- oder Gasquelle bei der Behörde als ,,vorübergehend stillgelegt‘‘. Danach hat die Firma ein Jahr Zeit, die Quelle endgültig zu versiegeln. Allerdings hat die Associated-Press-Studie ergeben, dass drei Viertel der ,,vorübergehend stillgelegten‘‘ Bohrstellen schon seit Jahren und sogar fünf bis sechs Jahrzehnten in diesem provisorischen Status belassen wurden. Dazu kommt das Problem, dass die Versiegelungstechniken der fünfziger und sechziger Jahre heutigen Standards nicht mehr entsprechen. Kontrolliert werden diese stillgelegten Quellen allerdings weder von den Firmen, noch von den Behörden.
Der Minerals Management Service hat die nächste Vergabe für Pachtlizenzen auf den 18.August festgelegt. 642 Angebote liegen der Behörde bislang schon vor. Das höchste Einzelgebot liegt bei 53Millionen Dollar. Ob es bei der hohen Nachfrage und den geringen Preisen bleibt, ist fraglich. Die Ölpest nach der Explosion auf der Bohrinsel Deepwater Horizon hat die amerikanischen Behörden und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert.
Abb.: Parzellen im Golf von Mexiko; Kartenausschnitt an der Unglücksstelle; beides aus der Karte von Offshore
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