0 KommentareR.I.P. Rammellzee

Rammellzee hatte glasige Augen nach einem Tag im Atelier. ,,Ich weiß genau, dass das Wahnsinn ist‘‘, sagte der Künstler, Rapper und Performance Artist, weil er wieder Stunden ohne Atemmaske Kunststoffe eingeschmolzen und mit Farbe besprüht hatte. Kunst war für ihn ein Rausch, den wollte er ganz buchstäblich spüren. Er war einer der ersten, die aus den Reihen der Graffiti-Sprüher in der South Bronx aufstiegen in die Kunstwelt von Downtown Manhattan. Gemeinsam mit Jean-Michel Basquiat und Keith Haring eroberte er für die urbane Folklore des Hip-Hop neue Bildwelten.
Basquiat war seine Nemesis. Ganz im Stil der Reimschlachten auf den Straßen der Ghettos lieferte er sich mit ihm Wortgefechte, die 1981 in der Single ,,Beat Bop‘‘ gipfelten, auf der Rammellzee und sein Partner K-Rob rappten. Doch die Feindschaft blieb sportlich. Basquiat produzierte die Single und zeichnete fürs Cover. ,,Beat Bop‘‘ wurde nur in einer Auflage von 500 Stück aufgelegt, doch gilt bis heute als Meilenstein.
Der Song tauchte 1982 im legendären Hip-Hop-Film ,,Wild Style‘‘ und machte ihn berühmt. Er war aber bald schon viel weiter, als die meisten seiner Zeitgenossen. Für seine Kunstwerke legte sich Rammellzee eine Theorie zurecht, die er ,,Gothic Futurism‘‘ nannte, und die darauf beruhte, dass er die Schrift vom Diktat des traditionellen Alphabets befreien und zur eigenständigen Kunstform erheben wollte. 2004 veröffentlichte er mit ,,Bi-Conicals of the Rammellzee‘‘ auf dem Münchner Gomma-Label sein erstes Soloalbum. Den großen Ruhm erlangte Rammellzee nie, blieb immer der legendäre Pionier. Er wurde 49 Jahre alt.
Nachruf aus der NYTimes >hier.





