06.11.09 | 17:00 | 2 Kommentare

Welcome To The Big Timesuck

 

hierarchy_distractions

Die Ablenkungspyramide der digitalen Welten auf informationisbeautiful.net - zum Vergrößern auf Bilddatei klicken.

Erinnere mich noch gut an den ersten Wall-Post, mit dem mich mein Feund Rich bei Facebook begrüßte:

Welcome to the big timesuck!

Nun hat sich im Rahmen der erhitzten Entweder-oder-Debatte um die alten und die neuen Medien eine eigenartige Höflichkeit bei Printjournalisten eingeschlichen. Kaum einer traut sich, die Stärken des eigenen und Schwächen der neuen Medien deutlich und selbstbewußt zu beschreiben. Das erinnert an die Mitte der Sechziger Jahre, als bürgerliche Journalisten nicht altmodisch wirken wollten, wenn sie die neuen Subkulturen wie Rockmusik kritisch betrachteten. Denn man handelt sich schnell den Ruf des Reaktionärs, des Alten, des Unverbesserlichen ein, kritisiert man die digitalen Kulturen. Dabei hat sich Richs Prognose bald als prophetisch erwiesen. Wenn mich also irgendein wohlmeinender Kollege/Leser/Bekannter anraunzt, ich sollte doch mal mit der Zeit gehen und dieses oder jenes Netzwerk oder Tool auf diese  oder jene Weise nutzen, endet es garantiert damit, dass mich das eine Menge Zeit kostet.

Umso erstaunlicher also, dass sich nun ausgerechnet der selbst ernannte Totengräber des Print Jeff Jarvis darüber auf seinem Buzzmachine-Blog darüber beschwert, dass ihn Twitter so viel Zeit und Konzentration kostet, dass er gar nicht mehr richtig zum Bloggen kommt.

My own worry is that I’m twittering more and blogging less.

: OH, AND… I got distracted by reading Twitter (really) and so I forgot to mention the other Twitter issue: distraction. I’m finding it much harder to stay focused on doing one thing because I now can do so many. That doesn’t mean I’ll end up thinking less for a blog post (or book), only that the stream interrupts the thing (the post, the page) in more ways.

Das ist nun eigentlich das Lamento der alten Medien in der Version 2.1. Und bestätigt, dass sich Print da aus Höflichkeit nicht davon aus dem Konzept bringen lassen sollte, seinen Anteil an Screen Time vehement einzufordern. Das Mediengeschäft ist eine Aufmerksamkeitsökonomie. Da hat niemand was zu verschenken.

Abb.: informationisbeautiful.net

2 Kommentare »

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  2. Speaking of Aufmerksamkeitsökonomie: iPhone und Konsorten tragen diese ADS-Kommunikation ja nun auch in die "reale" Welt. Ich fühle mich manchmal Ewigkeiten älter als mein (den Digital Natives zugeordneter) Jahrgang aussagt, wenn ich Freunden das Ansinnen abschlagen muß, ein tolles youtube-Video anzugucken. In der Kneipe/im Cafe/in der Wohnung, dank iphone.

    Comment by ThomasCrown — November 6, 2009 @ 22:25

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