13.09.09 | 16:04 | 2 Kommentare

Gastland China


chinabuchmesse

Es bleibt nicht allzuviel Platz in einem Editorial über die Buchmesse und ihre Probleme mit China, die nun schon einen guten Monat vor Begin der Messe selbst beginnen. Ist ja auch alles ganz schön heikel, wenn der offizielle Messe- und Handelspartner das offizielle Zensurbüro ist. Für die beiden ausgeladenen Autoren hat der Eklat sicherlich eine Öffentlichkeit geschaffen, die eine reguläre Debatte an einem Samsatagvormittag nie geschaffen hätte. Dass die Delegation aus Peking dann aber beim umstrittenen, von Medien umlagerten Symposium vorübergehend das Podium verlässt, zeigt dann weniger, dass Peking im Umgang mit PR im Gegensatz zu Propaganda etwas ungeschickt ist. Es zeigt vielmehr, dass dem offiziellen China die Meinung des Westens wirklich vollkommen egal ist.

Was das bedeuten kann (und das konnt das Editorial nur streifen), erzählen einem Menschenrechtler vom Human Rights Office der Vereinten Nationen und von Amnesty, die an den Friedensverhandlungen nach dem Bürgerkrieg in Sri Lanka beteiligt waren. Sobald die Chinesen im Spiel sind (und Sri Lanka liegt durchaus noch im Rahmen der chinesischen Einflussphäre), ist der Westen inzwischen aussen vor. Weil unser wichtigstes Argument nicht mehr zieht - direktes und indirektes Geld. Warum soll sich ein Schwellen- oder Entwicklungsland-Regime auf die Forderungen nach Menschenrechten und Umweltschutz einlassen, wenn es mit der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt China einen so viel unkomplizierteren Verhandlungspartner gibt? Deswegen ist er Sudan auch nicht zu bremsen. Man müsste Chinas Rolle in andern afrikanischen Staaten wie Nigeria und Zimbabwe mal stärker durchleuchten. EU und USA waren in Sri Lanka jedenfalls weitgehend aussen vor. Verkompliziert wurde die Lage übrigens noch durch die ambivalente Position Japans. Die Fälle Burma und Nordkorea sind übrigens nicht ganz so deutlich drastisch - da spielen die gemeinsamen Grenzen eine Rolle. Und China hat überhaupt kein Interesse an  burmesischen und nordkoreanischen Flüchtlingsströmen. Deswegen bremst Peking die dortigen Regimes eher mal.

Foto: Die ursprünglich ausgeladenen Autoren Dai Qing (r.) und Bei Ling am Samstag beim Symposium der Buchmesse in Frankfurt. (dpa)

2 Kommentare »

  1. [...] Andrian Kreye über die bittere Tatsache, dass der chinesische Messen- und Handelspartner der Frankfurter Buchmesse das offizielle [...]

    Pingback by Lesenswertes (2) « Schaltzentrale — September 14, 2009 @ 13:57

  2. [...] sich heute in der FAS auf der sonst so brillanten Ansichtenseite. Wibke Becker verteidigt da die Haltung der Chinesen zur Buchmesse mit antikolonialistischen Argumenten. Höflichkeit und Respekt vor einer fremden, undemokratischen [...]

    Pingback by Gastland China (2) « Der Feuilletonist — September 20, 2009 @ 14:38

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