22.07.09 | 10:06 | 1 Kommentar

Optimisten und Skeptiker (TED Session 3)

papervision3D

Cyberlaw-Experte Jonathan Zittrain, Autor von "The future of the internet and how to stop it": Wikipedia als Versuchslabor für Onlineregeln von der Basis. Sieht er als eine Art Graswurzelgesetzgebung. Höchst optimistischer Ansatz.

Um seine These von der prinzipiellen Gutmütigkeit der Netzgemeinde zu illustrieren zeigt Zittrain verschiedene Blogs. Den größten Lacher bringt "Cats That Look Like Hitler", zugegeben ein sehr lustiger Blog. Allerdings schon seit ein paar Jahren berühmt, was zeigt, dass viele hier trotz der Aufgeschlossenheit doch zu alt sind, um als "Digital Natives" zu gelten.

Eher skeptisch - Evgeny Mozorov, der erstmal die Theorie von "iPod Liberalism" zerlegt, dass technischer Fortschritt und Demokratie irgend etwas miteinander zu tun haben könnten. "Wir glauben, dass jeder Chinese oder Iraner, der seinen iPod liebt, auch die liberale Demokratie liebt.". Cyberactivism hält er für überschätzt. Vor allem, solange das Verhältnis der besuchten Politik- zu Pornowebseiten 1 : 100 ist. Cyberactivism sei nur eine Nische in einer Welt des Cyberhedonism. Sein Vorschlag: Nicht über die Verbeitung von Technologie nachdenken, sondern darüber, wie man NGOs und andere Mitglieder der Gesellschaften stärkt.

Anthropologin Stefania Broadbent. Ihre Forschungsergebnisse (gültig für Europa): 80 % aller Mediennutzer kommunizieren in erster Linie mit nur vier anderen. Sprachbasierte Medien (Telefon) werden immer weniger genutzt, Textmedien boomen. Trotzdem haben neue Medien nicht die Arbeitswelt verstärkt in die Privatsphäre, sondern private Kommunikation in die Arbeitswelt gebracht. Das hat Beziehungen vor allem innerhalb von Familien nachhaltig gestärkt.

Carloas Ulloa: Beeindruckende Demo seiner Papervision-Software. "Video ist ein Medium des 20. Jahrhunderts. Wir brauchen interaktive 3D-Medien."

Kurzkonzert Imogen Heap. Klingt wie eine Kreuzung aus Sarah Brightman, Laurie Anderson und Kindergartenkanon. Vielleicht müssen wir dann doch mal über Ästhetik, Kunst und musikalische Qualität bei TED nachdenken.

Branding-Revolutionär Rory Sutherland: Vortrag über Branding und Behavioral Economics als Stand Up Routine. Hat das Publikum gleich mit erstem Satz auf seiner Seite: "Normalerweise trete ich ja bei TEDEvil auf. Das findet in Burma statt, wo Kim Jong Il seinen Vortrag darüber hielt, wie man Teenager dazu bringt, mit dem Rauchen anzufangen." Viele Anleihen bei Richard Thalers Theorien (mit Quellenangabe).

Grossartiges Rebranding-Beispiel: Diamond shaped Wheaties.

Link (via Jonathan Zittrain): Herdict, Webseite, die gesperrte Webseiten in aller Welt meldet.

Abb: Papervision-Demo

1 Kommentar »

  1. [...] Kollege Andrian Kreye berichtet in seinem sehr empfehlenswerten Blog Der Feuilletonist über die Forschung von Stefanie Broadbent, die auf der TED-Konferenz ihre Forschungsergebnisse [...]

    Pingback by Digitale Notizen » Blog Archive » Private Kommunikation in der Arbeitswelt — Juli 22, 2009 @ 12:40

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