0 KommentareVon Hirschhausens Buchdepressionen
„Auf der Buchmesse wird man depressiv“, findet TV-Comedy-Macher Eckart von Hirschhausen und der muss es ja wissen. Der Bestsellerautor („Glück kommt selten allein“) und Mediziner erklärt auch gleich, woran es liegt: Ins Kurzzeitgedächtnis passen nur sieben Dinge. Mit dem achten Buchtitel, den man sich merken soll, kommt die Überdosis.
In leuchtlila Weste und blaßlila Schal steht er in hinter einem Podest und gibt letzte Anweisungen. Denn gleich wird hier, im Focus Forum Hörbuch in Halle 4.1 der kurioseste Buchtitel des Jahres 2009 verliehen. Auf der Shortlist sind Titel wie „Entschuldigung, sind Sie die Wurst?“ und „Weiße Wannen – technisch und juristisch immer wieder problematisch?“
Von Hirschhausen moderiert. Und gibt sich redlich Mühe gegen das Stimmengewirr rundherum, gegen die Hitze im Saal und eine eigenwillige Kombination an Mitstreitern auf dem Podest anzukommen.
Während es Ex-Bild-Kolumnisten und Buchautorin Katja Kessler noch gelingt, sich zwischen ein paar abwesenden Blicken auf die Veranstaltung zu konzentrieren und ihr ein wenig charmanten Witz einzuhauchen, kümmert sich Schriftstellerkollegin Alexa Henning von Lange vor allem um irritierende Momente.
Von Hirschhausen fragt nach kuriosen Buchtiteln. „Das Spiel ist aus“, meint Henning von Lange. „Das ist sehr schön.“ Munter und fröhlich sagt sie, was ihr gerade so in den Sinn kommt, auch wenn es nicht unbedingt zum Thema passt. „Wenn ich’s jetzt zusammenfassen müsste, ich weiß noch nicht einmal mehr genau, worum’s geht.“ Da stimmt was nicht. Hat sie nicht gerade von ihrem eigenen Buch gesprochen?
Von Hirschhausen versucht es noch mit einem Witz: „Mein nächstes Buch heißt: Schlau beim Duschen“. Doch es hilft nichts mehr, endlich hat er ein Einsehen. Rettung bringt nur die Preisverleihung. Es gewinnt „Das Leben ist keine Waldorfschule“ aus dem Carlsen-Verlag. Autor Mischa-Sarim Verollet, ein Slampoet, ist der Veranstaltung vorsichtshalber fern geblieben. Dabei macht ihm Alexa Henning von Lange trotz Abwesenheit noch so ein schönes Angebot: „Wir sollten uns mal kennenlernen.“ Darauf weiß selbst von Hirschhausen keinen Kalauer mehr.
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