0 KommentareWir telefonieren, ja?!
Das Ende naht. Auch wenn die Buchmesse noch zwei Tage dauert, für die Branche ist sie so gut wie vorbei. Was bis jetzt nicht erreicht wurde, kann nicht mehr geschafft werden. Denn an den beiden verbleibenden Tagen, den Publikumstagen, ist jegliches Fortkommen, jegliche Suche nach Gesprächspartnern sinnlos. Etliche Autoren sind bereits abgereist, Verlagsleute haben ohnehin einen Vorsprung von zwei Tagen.
Denn am Montag und Dienstag vor dem Messebeginn finden zahlreiche Verhandlungen und Lizenzgeschäfte im Frankfurter und im Hessischen Hof statt. „Das ist die eigentliche Messe vor der Messe“, meint Jörg Bong, Programmgeschäftsführer des Fischer-Verlags. Denn nach wie vor ist die Frankfurter Messe ein großer Umschlagplatz für Lizenzen. Da könne es durchaus passieren, dass ein Millionen-Deal für ein 800-Seiten-Buch innerhalb eines Tages abgeschlossen wird. Man muss schnell sein. Doch auf der Messe, erklärt Bong ein ungeschriebenes Gesetz, habe man meist eine Nacht Zeit.
Aber so kommen auf Lektoren und Verleger oft noch mitternächtliche Lesemarathons nach all den Terminen hinzu. Doch davon soll am nächsten Morgen an den Messeständen niemand etwas sehen. Ein weißes Hemd, ein gut sitzender Anzug, ein geschicktes Makeup. Auflösungserscheinungen, bedingt durch vorabendliches Feiern, werden so gut wie möglich kaschiert. Man muss genau sein, das Deckenlicht ist ernüchternd gnadenlos.
Katja Kessler ist eine, die die Messeregeln bis zur Vollkommenheit beherrscht. Und – auch eine gute Taktik – nur kurz auf der Messe vorbeischneit. Boss-Kleid, die blonden Haare mädchenhaft frisiert. Die Ex-Bild-Kolumnistin und Autorin („Frag mich, Schatz, ich weiß es besser“) erzählt mit Kulleraugen am Diana-Stand von ihrem neuen Buch. Darin geht es um ihr Leben als vierfache Mutter und Ehefrau. Und es geht um ihren Mann, Bild-Chef Kai Diekmann. „Mein Mann hat schon angedroht, zurückzuschreiben“, sagt Kessler lachend. Freitagabend, wenn die Buchmesse ausfranst, ist sie schon längst wieder weg.
Der Freitagabend kommt anders daher. Am nächsten Morgen werden die Gesichter nicht mehr gezeigt, man entschwindet ungesehen in die Heimat. Und noch etwas ist anders: Man muss niemanden mehr begrüßen, alle haben sich in den drei Tagen schon mal gesehen. Auch Brancheninterna sind durchgekaut. Es geht um Anderes. Um Politik zum Beispiel.
Auf der Roof-Top-Party von Du Mont werden Ministerposten im neuen Bundeskabinett besetzt. In Mantis Roofgarden ist man sich schnell einig – nur Ursula von der Leyen sitzt nach diesen Planspielen noch zwischen zwei Posten. Diese Entscheidung müssen dann doch die Herrschaften in Berlin übernehmen. Die Politikprominenz, sonst durchaus feierwillig und in Frankfurt zahlreich vertreten, hat sich dieses Jahr natürlich rar gemacht. Und am Freitagabend sind wohl alle irgendwie mit Koalitionsverhandlungen beschäftigt.
Einzig der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker ist zu Gast. Gemeinsam mit FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher diskutiert er auf dem Empfang von C.H. Beck. Ein letzte intellektuelle Herausforderung, bevor es auf die Abschiedsfeste geht. Dort sucht man noch Verbündete für das Leben nach der Messe – „Meld Dich, wenn Du ins Land kommst“ -, bekräftigt eine innige Freundschaft zueinander – „Wir telefonieren, ja?!“ – und tauscht wirkliche Neuigkeiten aus: „In München schneit’s.“ Frankfurt ist wärmer – und das ist auf einer coolen Dachterassenparty ein wirklicher Trost.


